Metastasen beim Milztumor des Hundes

Metastasen — also Tochtergeschwülste in anderen Organen — bilden beim Milztumor des Hundes nur die bösartigen Formen, allen voran das Hämangiosarkom, das von der inneren Auskleidung der Blutgefäße (dem Endothel) ausgeht. Gutartige Milzveränderungen wie die knotige Hyperplasie, das Hämatom oder das Hämangiom metastasieren nicht. Die Frage nach Metastasen ist damit zugleich die Frage nach dem feingeweblichen Befund — und sie entscheidet wesentlich über Prognose und weiteres Vorgehen.

Welche Organe befallen werden

Das Hämangiosarkom streut auf dem Blutweg (hämatogen). Bevorzugte Zielorgane sind die Leber, das Bauchnetz (Omentum) und die Lunge; auch das Herz kann betroffen sein — dort vor allem das rechte Herzohr, wo Hämangiosarkome zusätzlich als eigenständiger Primärtumor vorkommen. Seltener werden Absiedlungen in Nieren, Muskulatur, Haut oder Gehirn beschrieben. Darüber hinaus kann es bei einer Ruptur des Milztumors zu einer Aussaat von Tumorzellen in die Bauchhöhle kommen; die Blutung selbst ist aber zunächst ein mechanisches Ereignis und beweist keine Metastasierung.

Warum das Hämangiosarkom so früh streut

Das Hämangiosarkom wächst aus Gefäßwandzellen — die Tumorzellen haben also unmittelbaren Anschluss an die Blutbahn. Es wird angenommen, dass sich deshalb schon früh im Krankheitsverlauf einzelne Zellen ablösen und als Mikrometastasen — mikroskopisch kleine, bildgebend nicht darstellbare Absiedlungen — in anderen Organen ansiedeln, häufig bevor der Primärtumor in der Milz überhaupt entdeckt ist. Das erklärt zwei klinische Beobachtungen: dass auch nach vollständiger Milzentfernung mit unauffälligem Staging Rückfälle auftreten können, und dass die Lebenserwartung beim Hämangiosarkom weniger vom Milztumor selbst als von der Ausbreitung begrenzt wird.

Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners

Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Wie Metastasen gesucht werden

Die Ausbreitungsdiagnostik (das Staging) umfasst in der Regel:

  • Ultraschall des Bauchraums — Beurteilung von Leber, Bauchnetz, Nieren und Bauchlymphknoten; kleine Leberknoten sind allerdings nicht immer sicher von gutartigen Veränderungen zu unterscheiden.
  • Röntgen des Brustkorbs in mehreren Ebenen oder CT — Suche nach Lungenmetastasen; die Computertomographie stellt kleine Herde empfindlicher dar als das Röntgen.
  • Herzultraschall (Echokardiographie) — Untersuchung insbesondere des rechten Herzohrs auf eine Beteiligung sowie auf Flüssigkeit im Herzbeutel (Perikarderguss).
  • Blutuntersuchung — Blutbild und Gerinnung; Näheres auf der Seite Blutwerte beim Milztumor.

Wichtig ist die Grenze der Methoden: Ein unauffälliges Staging schließt Mikrometastasen nicht aus. Umgekehrt sollte ein verdächtiger Befund — etwa ein einzelner Leberknoten — nach Möglichkeit abgeklärt und nicht vorschnell als Metastase gewertet werden, da auch die Leber gutartige Knoten bilden kann.

Was der Befund für die Prognose bedeutet

Für das Hämangiosarkom der Milz stammen die maßgeblichen Zahlen von Wendelburg et al. (2015), die 208 Hunde nach der Milzentfernung auswerteten. Das Stadium beschreibt dabei die Ausbreitung zum Zeitpunkt der Operation: Im Stadium I (Tumor auf die Milz begrenzt) lag das mediane Überleben bei etwa 5,5 Monaten, im Stadium II (rupturiert, ohne Fernmetastasen) bei etwa 2 Monaten, im Stadium III — also mit nachgewiesenen Fernmetastasen oder Lymphknotenbefall — bei etwa 0,9 Monaten. Diese Werte sind Gruppenmediane und keine Vorhersage für das einzelne Tier; die ausführliche Einordnung einschließlich der Chemotherapie-Datenlage findet sich auf der Seite Lebenserwartung beim Milztumor.

Welche Möglichkeiten bleiben

Sind Fernmetastasen nachgewiesen, steht die Lebensqualität im Mittelpunkt der Behandlung. Infrage kommen eine konsequente Schmerzbehandlung, das Management von Blutungsepisoden mit Infusionen und gegebenenfalls Transfusionen sowie engmaschige Kontrollen. Eine Chemotherapie kann erwogen werden; die Studienlage zu ihrem Nutzen beim Hämangiosarkom ist allerdings uneinheitlich.

Für die dendritische Zelltherapie liegen prospektive Daten von Spiller et al. (2024) für Hunde im Stadium II vor — also nach Milzentfernung und ohne nachgewiesene Fernmetastasen; in dieser Gruppe betrug das mediane Überleben 203 Tage, bei vollständiger Therapie 256 Tage. Auf Hunde mit bereits nachgewiesenen Fernmetastasen (Stadium III) sind diese Ergebnisse nicht übertragbar. Ihr sinnvollster Platz ist deshalb die Nachbehandlung nach der Milzentfernung, solange keine Fernmetastasen nachweisbar sind — mit dem Ziel, verbliebene Mikrometastasen über das Immunsystem zu bekämpfen. Ob das im Einzelfall infrage kommt, sollte anhand von Histologie, Stadium und Allgemeinbefinden mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden.

Stellt sich heraus, dass Beschwerden und Befinden sich trotz aller Maßnahmen nicht mehr erhalten lassen, gehört auch die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt des Abschieds auf den Tisch; ihr widmet sich die Seite Hund mit Milztumor einschläfern lassen?

Häufige Fragen

Wohin streut ein Milztumor beim Hund zuerst? Beim Hämangiosarkom vor allem in Leber und Bauchnetz, außerdem in die Lunge; auch das Herz — insbesondere das rechte Herzohr — kann betroffen sein.

Mein Hund hat einen Milztumor, das Staging ist unauffällig. Ist er dann metastasenfrei? Sicher ausschließen lässt sich das nicht: Mikrometastasen sind bildgebend nicht darstellbar. Ein unauffälliges Staging ist dennoch ein prognostisch günstiger Befund — er entspricht einem niedrigeren Stadium mit längerem medianem Überleben.

Bedeutet ein geplatzter Milztumor, dass der Krebs gestreut hat? Nein. Die Ruptur ist zunächst ein mechanisches Ereignis und beweist weder Bösartigkeit noch Metastasierung — etwa ein Drittel der geplatzten Milztumoren erweist sich als gutartig.

Lohnt eine Behandlung, wenn Metastasen gefunden wurden? Eine auf Heilung zielende Behandlung ist dann nicht mehr realistisch; palliative Maßnahmen können die verbleibende Zeit aber beschwerdearm gestalten. Wie lange das gelingt, hängt vom Einzelfall ab und sollte offen mit dem Tierarzt besprochen werden.

Quellen

  • Wendelburg KM et al. (2015): Survival time of dogs with splenic hemangiosarcoma treated by splenectomy with or without adjuvant chemotherapy: 208 cases (2001–2012), J Am Vet Med Assoc 247(4):393–403
  • Spiller V, Vetter M, Dettmer-Richardt C, Grammel T (2024): Prospective study of successful autologous dendritic cell therapy in dogs with splenic stage II hemangiosarcoma, The Veterinary Journal 306:106196, doi:10.1016/j.tvjl.2024.106196
  • Stewart SD et al. (2020): Prospective observational study of dogs with splenic mass rupture suggests potentially lower risk of malignancy and more favourable perioperative outcomes, Vet Comp Oncol, doi:10.1111/vco.12621
  • Kessler M (2022): Milztumoren des Hundes, in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 515–523

Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners

Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Häufige Fragen

Bildet jeder Milztumor beim Hund Metastasen?

Nein — Metastasen, also Tochtergeschwülste in anderen Organen, bilden nur die bösartigen Formen, allen voran das Hämangiosarkom. Gutartige Milzveränderungen wie die knotige Hyperplasie, das Hämatom oder das Hämangiom metastasieren nicht. Die Frage nach Metastasen ist damit zugleich die Frage nach dem feingeweblichen Befund.

Warum streut das Hämangiosarkom so früh?

Der Tumor wächst aus Gefäßwandzellen — die Tumorzellen haben also unmittelbaren Anschluss an die Blutbahn. Es wird angenommen, dass sich deshalb schon früh einzelne Zellen ablösen und als Mikrometastasen, also mikroskopisch kleine, bildgebend nicht darstellbare Absiedlungen, in anderen Organen ansiedeln — häufig bevor der Primärtumor in der Milz entdeckt ist. Das erklärt, warum auch nach vollständiger Milzentfernung mit unauffälligem Staging Rückfälle auftreten können.

Wie wird bei meinem Hund nach Metastasen gesucht?

Die Ausbreitungsdiagnostik (das Staging) umfasst in der Regel den Ultraschall des Bauchraums, Röntgenaufnahmen des Brustkorbs in mehreren Ebenen oder eine Computertomographie, die kleine Herde empfindlicher darstellt, sowie einen Herzultraschall mit Blick auf das rechte Herzohr und Flüssigkeit im Herzbeutel. Dazu kommen Blutbild und Gerinnungswerte. Ein unauffälliges Staging schließt Mikrometastasen allerdings nicht aus.

Ist ein einzelner Knoten in der Leber sicher eine Metastase?

Nein — auch die Leber kann gutartige Knoten bilden, und kleine Leberknoten sind im Ultraschall nicht immer sicher von gutartigen Veränderungen zu unterscheiden. Ein verdächtiger Befund sollte deshalb nach Möglichkeit abgeklärt und nicht vorschnell als Metastase gewertet werden.

Wie lange lebt ein Hund mit Milztumor und Metastasen?

Für das Hämangiosarkom mit nachgewiesenen Fernmetastasen oder Lymphknotenbefall (Stadium III) lag das mediane Überleben nach der Milzentfernung in der Auswertung von Wendelburg et al. (2015) bei etwa 0,9 Monaten — im Stadium I bei etwa 5,5 Monaten, im Stadium II bei etwa 2 Monaten. Das sind Gruppenmediane, keine Vorhersage für das einzelne Tier.

Kommt die dendritische Zelltherapie noch infrage, wenn Metastasen gefunden wurden?

Die prospektiven Daten von Spiller et al. (2024) gelten für Hunde im Stadium II — also nach Milzentfernung und ohne nachgewiesene Fernmetastasen; dort betrug das mediane Überleben 203 Tage, bei vollständiger Therapie 256 Tage. Auf das Stadium III sind diese Ergebnisse nicht übertragbar. Der sinnvollste Platz der Therapie ist deshalb die Nachbehandlung nach der Milzentfernung, solange keine Fernmetastasen nachweisbar sind — ob das im Einzelfall infrage kommt, sollte mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden.

Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team.