Blutwerte beim Milztumor des Hundes
Wer nach den Blutwerten beim Milztumor des Hundes sucht, sollte eines vorweg wissen: Es gibt keinen Blutwert, der einen Milztumor beweist. Das Blutbild zeigt Folgen und Begleitumstände einer Milzveränderung — Blutverlust, Gerinnung, Zustand der übrigen Organe —, nicht die Diagnose selbst. Ein unauffälliges Blutbild schließt einen Milztumor nicht aus, ein auffälliges beweist ihn nicht. Unverzichtbar ist die Blutuntersuchung dennoch: Sie macht messbar, wie viel Blut ein Hund verloren hat und ob er narkosefähig ist. Das gesamte Krankheitsbild beschreibt die Seite zum Milztumor beim Hund.
Inhaltsverzeichnis
- Was Blutwerte leisten — und was nicht
- Typische Veränderungen im Blutbild
- Warum vor der Operation nicht punktiert wird
- Welche Untersuchungen die Diagnose tragen
- Was vor der Narkose bestimmt wird
- Blutwerte nach der Milzentfernung
- Quellen
Was Blutwerte leisten — und was nicht
Die Milz ist Blutspeicher und Abwehrorgan zugleich und stark durchblutet. Eine von ihr ausgehende Umfangsvermehrung macht sich im Labor deshalb vor allem dann bemerkbar, wenn sie blutet — ein kleiner, noch nicht blutender Knoten bleibt oft unbemerkt. Ebenso wenig verrät das Labor, ob eine Veränderung gut- oder bösartig ist. Diese Frage — die Dignität — entscheidet sich erst durch die pathologisch-histologische Untersuchung am entnommenen Organ. Etwa die Hälfte aller Milzveränderungen erweist sich dabei als gutartig, und kein Laborwert nimmt diese Entscheidung vorweg.
Typische Veränderungen im Blutbild
Blutarmut (Anämie). Der häufigste Befund ist die Verminderung der roten Blutkörperchen beziehungsweise des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin; Ursache ist meist der Blutverlust in die Bauchhöhle oder in den Tumor hinein. Kennzeichnend ist ein schwankender Verlauf: Nach einer Blutungsepisode fällt der Hämatokrit — der Anteil der Zellen am Gesamtblut — ab und erholt sich anschließend teilweise wieder, weil das Knochenmark nachliefert und ausgetretenes Blut wieder aufgenommen wird. Unmittelbar nach einer akuten Blutung kann er sogar normal erscheinen, weil Zellen und Flüssigkeit gemeinsam verloren gehen; aussagekräftig ist der Verlauf, nicht der Einzelwert.
Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie). Blutplättchen sorgen für den ersten Wundverschluss; bei blutenden Milztumoren sind sie häufig vermindert, weil sie im Tumorgewebe verbraucht werden. Eine ausgeprägte Thrombozytopenie erhöht die Blutungsneigung — einer der Gründe, weshalb vor der Operation nicht in die Milz gestochen wird.
Veränderte Gerinnungswerte. Bestimmt werden Prothrombinzeit (PT) und aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) — zwei Zeitwerte dafür, wie lange die Gerinnung braucht. Verlängerte Zeiten, verminderte Thrombozyten und erhöhte Fibrinabbauprodukte (D-Dimere) können zusammen auf eine disseminierte intravasale Gerinnung hinweisen — eine Verbrauchsstörung, bei der dem Blut die Gerinnungsfaktoren ausgehen.
Vermehrte weiße Blutkörperchen (Leukozytose). Sie findet sich häufig, ist aber unspezifisch: Gewebeuntergang im Tumor führt ebenso dazu wie Stress oder eine Entzündung.
Akanthozyten und Schistozyten. Im Blutausstrich fallen mitunter auffällig geformte rote Blutkörperchen auf: Akanthozyten mit stachelartigen Fortsätzen und Schistozyten, also Bruchstücke zerrissener roter Blutkörperchen. Beide entstehen, wenn Erythrozyten durch krankhaft veränderte, ungeordnete Blutgefäße gepresst und dabei beschädigt werden — genau das findet sich in den Gefäßgeflechten von Milztumoren, besonders beim Hämangiosarkom. Ihr Nachweis ist ein Hinweis, kein Beweis.
Organwerte. Erhöhte Leberwerte — vor allem ALT und AP — können auf Absiedlungen in der Leber hindeuten, dem bevorzugten Metastasenort des Hämangiosarkoms; ebenso gut kommt eine eigenständige Lebererkrankung infrage.
Warum vor der Operation nicht punktiert wird
Bei anderen Organen ist die Feinnadelaspiration — das Ansaugen einzelner Zellen mit dünner Nadel — ein üblicher Zwischenschritt. Bei der Milz wird vor der Operation auf Punktion und Biopsie in der Regel verzichtet. Der Grund ist ihre starke Durchblutung: Der Einstich kann eine schwer beherrschbare Blutung auslösen, ein bereits eingerissener Tumor vollends aufreißen. Hinzu kommt, dass eine Nadel nur einen winzigen Ausschnitt erfasst, während gut- und bösartige Abschnitte in derselben Milz nebeneinanderliegen können.
Die Diagnose fällt deshalb am entnommenen Organ: Die Milz gehört vollständig oder in ausreichend vielen, gezielt entnommenen Abschnitten in die pathologisch-histologische Untersuchung. Zum Eingriff informiert die Seite Milzentfernung beim Hund.
Welche Untersuchungen die Diagnose tragen
- Ultraschall des Bauchraums — die entscheidende Untersuchung. Sie zeigt, ob eine Umfangsvermehrung von der Milz ausgeht und ob freie Flüssigkeit, also Blut, in der Bauchhöhle ist. Die Dignität zeigt sie nicht.
- Röntgen des Brustkorbs und Herzultraschall — zur Suche nach Lungenmetastasen und weil das Hämangiosarkom auch am rechten Herzvorhof vorkommt.
- Bauchpunktion (Abdominozentese) — im Notfall. Lässt sich Flüssigkeit gewinnen, die wie Blut aussieht und nicht gerinnt, ist eine Blutung in die Bauchhöhle praktisch gesichert; den Ablauf beschreibt die Seite zum geplatzten Milztumor beim Hund.
Welche Krankheitszeichen zur Untersuchung führen, beschreibt die Seite zu den Symptomen vom Milztumor beim Hund.
Was vor der Narkose bestimmt wird
Vor einer Milzentfernung wird ein Minimum an Werten erhoben — bei geplantem Eingriff in Ruhe, im Notfall nur so weit, wie es ohne Zeitverlust geht:
- Hämatokrit und Hämoglobin, um den Blutverlust einzuschätzen und über eine Bluttransfusion zu entscheiden
- Thrombozytenzahl und Gerinnungswerte, weil sie das Blutungsrisiko beim Eingriff mitbestimmen
- Nieren- und Leberwerte, Eiweiß und Elektrolyte, weil Narkosemittel über Leber und Niere verarbeitet werden
- Blutgruppe und Kreuzprobe, sobald eine Transfusion in Betracht kommt
- ergänzend ein EKG, weil bei großen Milzveränderungen Herzrhythmusstörungen häufiger auftreten
Diese Werte stellen nicht die Diagnose; sie machen die Operation sicherer.
Blutwerte nach der Milzentfernung
Nach der Entfernung der Milz verändert sich das Blutbild vorhersehbar: Die Thrombozytenzahl steigt vorübergehend an, im Ausstrich erscheinen Howell-Jolly-Körperchen — Kernreste in roten Blutkörperchen, die sonst von der Milz aussortiert werden. Die Anämie gleicht sich in den Wochen danach meist wieder aus. Fällt der Hämatokrit später erneut ab, kommt eine Blutung aus Absiedlungen in Betracht, vor allem in der Leber; die Nachkontrollen kombinieren deshalb Blutbild und Ultraschall. Was der histologische Befund für die Aussicht bedeutet, ordnet die Seite zur Lebenserwartung beim Milztumor ein; bei bösartigem Befund ist die dendritische Zelltherapie nach der Operation eine sinnvolle Option, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren.
Quellen
- Kessler M (2022): Milztumoren des Hundes, in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 515–523
- Kohn B, Schwarz G (2017): Praktikum der Hundeklinik, 12. Aufl., Stuttgart
- Stewart SD et al. (2020): Prospective observational study of dogs with splenic mass rupture, Vet Comp Oncol, doi: 10.1111/vco.12621
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