Zungentumor beim Hund

Bei einem Zungentumor beim Hund handelt es sich um eine Umfangsvermehrung, die von der Zunge ausgeht. Zungentumoren sind selten — und häufiger, als viele erwarten, gutartig: In einer Auswertung von 236 zur feingeweblichen Untersuchung eingesandten Zungenveränderungen (Iowa State University, 2011–2019) war die Mehrheit nicht tumorös oder gutartig; knapp 30 % erwiesen sich als bösartig (Rahe et al. 2020). Ein Knoten an der Zunge ist also kein Grund zur Panik, gehört aber immer in tierärztliche Abklärung.

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Welche Tumorarten kommen an der Zunge vor?

Gutartig: Am häufigsten fand die genannte Auswertung sogenannte Granularzelltumoren — gutartige Zubildungen, die nach vollständiger Entfernung in der Regel geheilt sind. Daneben kommen Plasmazelltumoren, Papillome und entzündliche Veränderungen vor, die einen Tumor nur vortäuschen.

Bösartig: Der häufigste bösartige Zungentumor ist das maligne Melanom; daneben treten Plattenepithelkarzinom und seltener Fibrosarkom oder Hämangiosarkom auf. Als Rarität wurde sogar ein Chondrosarkom — ein Knorpeltumor — in der Zunge eines Hundes beschrieben (Rahe et al. 2020).

Beschrieben sind Rassehäufungen, etwa für Chow-Chow und Shar-Pei beim Melanom; hell behaarte Hunde scheinen insgesamt ein höheres Risiko zu tragen. Wichtig ist außerdem: Nach Liptak hat etwa jeder sechste Hund mit einem Zungentumor zusätzlich einen Primärtumor an anderer Stelle — eine gründliche Untersuchung des ganzen Tieres gehört deshalb zur Abklärung.

Symptome

  • vermehrtes Speicheln, mitunter blutig
  • Blutungen aus dem Maul, Mundgeruch
  • Schwierigkeiten beim Fressen, Schlucken oder Belecken, verändertes Trinkverhalten
  • sichtbarer Knoten, eine Verfärbung oder ein Geschwür an der Zunge
  • Berührungsempfindlichkeit am Kopf, Scheuen beim Maulöffnen

Diagnose

Die Untersuchung der gesamten Zunge — auch der Unterseite und des Zungengrundes — erfolgt in der Regel in Narkose. Die Tumorart klärt die Gewebeprobe (Biopsie) mit feingeweblicher Untersuchung. Bei bösartigem Befund gehören die Untersuchung der Unterkieferlymphknoten, Röntgen oder CT des Brustkorbs und ein Ultraschall des Bauchraums zur Ausbreitungsdiagnostik, außerdem die Suche nach einem möglichen Zweittumor an anderer Stelle.

Behandlung

Grundlage ist die chirurgische Entfernung. An der Zunge ist dabei eine Abwägung nötig: Teilentfernungen der Zunge werden von Hunden besser toleriert, als viele Besitzer erwarten — Fressen und Trinken gelingen nach einer Eingewöhnung meist wieder gut. Bei nicht vollständig entfernbaren oder inoperablen Tumoren kommen je nach Tumorart Strahlentherapie oder Elektrochemotherapie in Betracht. Ergänzend kann nach der Operation eines bösartigen Zungentumors die dendritische Zelltherapie eingesetzt werden, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren; sie wird beim Haustierarzt durchgeführt. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit bei Zungentumoren liegen bislang nicht vor.

Einen Überblick über alle Tumoren der Mundhöhle gibt die Seite zum Maulhöhlentumor beim Hund.

Quellen

  • Rahe MC, Westegaard T, Yaeger M (2020): Extraskeletal chondrosarcoma in the tongue of a dog: case report and retrospective analysis of 236 tongue masses (2011–2019), J Vet Diagn Invest 32(3):440–443, doi: 10.1177/1040638720911394
  • Liptak JM (2020): Oral Tumors, in: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.), Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 432–448
  • Kessler M (2022): Tumoren der Zunge, in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 428–431

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