Tumorerkrankung

Histiozytom beim Hund

Bei einem Histiozytom beim Hund handelt es sich um einen gutartigen Tumor der Haut, der von den Langerhans-Zellen ausgeht, also von Immunzellen, die in der Oberhaut sitzen und dort Krankheitserreger erkennen. Das Histiozytom zählt zu den häufigsten Hauttumoren des Hundes und tritt vor allem bei jungen Tieren auf. Seine Besonderheit: Es bildet sich in den meisten Fällen innerhalb weniger Wochen bis Monate von selbst zurück, weil das Immunsystem des Hundes den Knoten erkennt und abbaut.

Was ist ein Histiozytom?

Die Fachbezeichnung lautet kutanes Histiozytom, das heißt Histiozytom der Haut; im Englischen spricht man vom „canine cutaneous histiocytoma“. Früher wurde angenommen, dass der Tumor von Histiozyten, also Fresszellen des Gewebes, ausgeht — daher der Name. Heute weiß man, dass es sich um eine Wucherung der Langerhans-Zellen handelt, einer besonderen Gruppe von Immunzellen der Haut (Moore 2014). Das Histiozytom gehört zu den sogenannten Rundzelltumoren, zu denen auch der Mastzelltumor, das kutane Lymphom und das Plasmozytom zählen.

Trotz des ähnlichen Namens ist das Histiozytom nicht mit der malignen Histiozytose beziehungsweise dem histiozytären Sarkom zu verwechseln. Diese sind bösartig, betreffen vor allem mittelalte Hunde bestimmter Rassen und haben eine ganz andere Prognose.

Welche Hunde bekommen ein Histiozytom?

Das Histiozytom ist ein Tumor der jungen Hunde. Die meisten Tiere sind jünger als drei bis vier Jahre; in einer Untersuchung von Diehl und Hansmann (2024) lag das Durchschnittsalter bei der Entfernung bei rund 1,8 Jahren. Grundsätzlich kann ein Histiozytom aber auch bei älteren Hunden auftreten — gerade dann ist eine sorgfältige Abklärung wichtig, weil in diesem Alter bösartige Hauttumoren häufiger werden.

Häufiger beschrieben ist das Histiozytom unter anderem bei Boxer, Bulldogge, Boston Terrier, Scottish Terrier, Staffordshire-Terriern und Cocker Spaniel. Die Angaben zu einzelnen Rassen schwanken jedoch zwischen den Untersuchungen und sind entsprechend zurückhaltend zu bewerten; erkranken kann jeder Hund, auch der Mischling.

Wie sieht ein Histiozytom beim Hund aus?

Typisch für das Histiozytom sind:

  • ein einzelner Knoten in der Haut, meist unter 2 cm, selten bis 4 cm groß
  • eine runde, kuppel- oder knopfförmige Form mit glatter Oberfläche
  • Haarlosigkeit über dem Knoten, oft mit rötlicher Färbung
  • ein rasches Wachstum innerhalb von ein bis wenigen Wochen
  • bevorzugte Lage an Kopf, Ohrmuschel, Hals und Gliedmaßen, seltener am Rumpf oder an Übergängen von Haut zu Schleimhaut, etwa an den Lefzen

Der Knoten ist in der Regel nicht schmerzhaft. Während der Rückbildung kann die Oberfläche jedoch aufbrechen (Ulzeration, also Geschwürbildung), nässen oder leicht bluten. Das wirkt auf Halter oft beunruhigend, gehört aber häufig zum normalen Verlauf. Beleckt oder kratzt der Hund die Stelle, kann sie sich zusätzlich bakteriell entzünden.

Wichtig ist: Das Aussehen allein reicht für die Diagnose nicht aus. Auch ein Mastzelltumor kann als kleiner, haarloser, geröteter Knoten auftreten — und dieser ist im Gegensatz zum Histiozytom stets potenziell bösartig. Welche anderen Hauttumoren ähnlich aussehen können, beschreibt die Seite zum Hautkrebs beim Hund.

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Verlauf: Warum sich das Histiozytom von selbst zurückbildet

Nach einer Phase schnellen Wachstums wandern Abwehrzellen in den Knoten ein. Diese Einwanderung verläuft nach einem typischen Muster: Zunächst sammeln sich Lymphozyten am Rand, später durchsetzen sie den gesamten Tumor. Eine zentrale Rolle spielen dabei die sogenannten CD8-positiven T-Lymphozyten, also zytotoxische Abwehrzellen, die Tumorzellen gezielt abtöten können (Moore 2014; Diehl und Hansmann 2024). Das Histiozytom ist damit eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür, wie das Immunsystem einen Tumor selbstständig beseitigen kann.

In der Regel ist dieser Prozess nach etwa zwei bis drei Monaten abgeschlossen. Der Knoten wird zunächst weicher und flacher, verliert seine Rötung und verschwindet schließlich; meist bleibt keine sichtbare Veränderung zurück, mitunter eine kleine, haarlose Stelle.

Diagnose

Die Diagnose wird in der Regel durch eine Feinnadelaspiration gestellt: Mit einer dünnen Nadel werden Zellen aus dem Knoten entnommen und unter dem Mikroskop untersucht (Zytologie). Der Eingriff ist kurz und für den Hund kaum belastend. Dabei geht es vor allem um die Abgrenzung zu anderen Rundzelltumoren:

  • Mastzelltumor: der häufigste Hauttumor des Hundes, stets potenziell bösartig
  • kutanes Lymphom, insbesondere die epitheliotrope Form, die in die Oberhaut einwandert
  • Plasmozytom, ein meist gutartiger Tumor aus Plasmazellen
  • histiozytäres Sarkom, die bösartige Form der histiozytären Erkrankungen

Ergibt die Zytologie keinen eindeutigen Befund, wird der Knoten entfernt oder eine Biopsie entnommen und feingeweblich untersucht. Bei älteren Hunden, bei mehreren Knoten gleichzeitig oder bei vergrößerten Lymphknoten sollte die Abklärung besonders gründlich erfolgen.

Behandlung

Ist die Diagnose Histiozytom gesichert, ist in vielen Fällen keine Behandlung notwendig. Der Knoten wird beobachtet, bis er sich zurückgebildet hat. Hilfreich ist es, Größe und Aussehen regelmäßig zu notieren oder zu fotografieren, damit der Verlauf bei der Kontrolle beim Tierarzt gut beurteilt werden kann.

Eine chirurgische Entfernung kommt infrage, wenn

  • sich der Knoten nach etwa drei Monaten nicht zurückgebildet hat oder weiter wächst,
  • die Oberfläche stark aufbricht, sich entzündet oder immer wieder blutet,
  • der Knoten an einer ungünstigen Stelle sitzt und den Hund stört, etwa am Augenlid oder an der Pfote,
  • die Zellprobe keinen eindeutigen Befund ergeben hat.

Die Entfernung ist in der Regel ein kleiner Eingriff, der Knoten wird anschließend zur Bestätigung feingeweblich untersucht. Als Alternative wird mitunter die Kryochirurgie, also die Vereisung, eingesetzt. Bis zur Rückbildung sollte verhindert werden, dass der Hund die Stelle beleckt oder aufkratzt, zum Beispiel mit einem Halskragen oder einem Verband. Von kortisonhaltigen Salben oder Tabletten wird eher abgeraten: Die Rückbildung beruht auf einer Immunreaktion, und Kortison dämpft genau diese Reaktion.

Mehrere Histiozytome gleichzeitig

Selten treten viele Histiozytome gleichzeitig oder in kurzer Folge auf. Diese Form wird als kutane Langerhans-Zell-Histiozytose bezeichnet und betrifft weniger als ein Prozent der Fälle; beim Shar-Pei scheint sie häufiger vorzukommen (Moore 2014). Die Knoten können hier über viele Monate bestehen bleiben, bevor sie sich zurückbilden. Sind zusätzlich die Lymphknoten betroffen, ist die Prognose deutlich ungünstiger. Diese Sonderform gehört deshalb in die Hand eines onkologisch erfahrenen Tierarztes.

Histiozytom und maligne Histiozytose im Vergleich

MerkmalHistiozytomMaligne Histiozytose / histiozytäres Sarkom
Verhaltengutartigbösartig
UrsprungszelleLangerhans-Zelle der Hautdendritische Zellen im Gewebe (interstitielle dendritische Zellen)
Altermeist junge Hunde unter 3 bis 4 Jahrenmeist mittelalte Hunde
Rassenu. a. Boxer, Bulldogge, Terrier-Rassenv. a. Berner Sennenhund, Flat Coated Retriever, Rottweiler, Bobtail, Doggen
Auftretenmeist einzelner Hautknotenhäufig mehrere Organe, Haut eher selten
VerlaufRückbildung von selbst in 2 bis 3 Monatenrasch fortschreitend, häufig Metastasen

Mehr zu der bösartigen Form erfahren Sie auf der Seite zur malignen Histiozytose beim Hund.

Prognose

Die Prognose des einzelnen Histiozytoms ist sehr gut. Der Knoten bildet sich in der Regel vollständig zurück oder ist nach einer Entfernung geheilt; ein Wiederauftreten an derselben Stelle ist selten. Für Sie als Halter ist die Entdeckung eines schnell wachsenden Knotens bei einem jungen Hund zunächst ein Schreck — beim Histiozytom dürfen Sie jedoch in aller Regel aufatmen, sobald die Zellprobe den Befund bestätigt hat.

Quellen

  • Moore PF (2014): A review of histiocytic diseases of dogs and cats, Vet Pathol 51(1):167–184, doi: 10.1177/0300985813510413
  • Fulmer AK, Mauldin GE (2007): Canine histiocytic neoplasia: an overview, Can Vet J 48(10):1041–1050, PubMed 17987966
  • Diehl B, Hansmann F (2024): Immune checkpoint regulation is critically involved in canine cutaneous histiocytoma regression, Front Vet Sci 11:1371931, doi: 10.3389/fvets.2024.1371931

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Häufige Fragen

Ist ein Histiozytom beim Hund gefährlich?

Nein, das Histiozytom ist ein gutartiger Hauttumor, der keine Metastasen bildet und sich in der Regel von selbst zurückbildet. Gefährlich wäre nur eine Verwechslung: Mastzelltumor, kutanes Lymphom oder histiozytäres Sarkom können ähnlich aussehen, deshalb sollte die Diagnose durch eine Zellprobe gesichert werden.

Wie sieht ein Histiozytom beim Hund aus?

Typisch ist ein einzelner, runder bis knopfförmiger, haarloser Knoten mit glatter, oft rötlicher Oberfläche, meist unter 2 cm groß. Er wächst innerhalb weniger Wochen und sitzt bevorzugt an Kopf, Ohrmuschel, Hals und Gliedmaßen; während der Rückbildung kann die Oberfläche aufbrechen und nässen.

Geht ein Histiozytom von selbst weg?

Ja, in den meisten Fällen bildet sich ein Histiozytom innerhalb von etwa zwei bis drei Monaten von selbst zurück. Dahinter steht das Immunsystem: Abwehrzellen, vor allem sogenannte CD8-positive T-Lymphozyten, wandern in den Knoten ein und bauen ihn ab.

Muss ein Histiozytom operiert werden?

Nicht zwingend. Ist die Diagnose durch eine Zellprobe gesichert, kann unter tierärztlicher Kontrolle abgewartet werden. Entfernt wird der Knoten, wenn er sich nach etwa drei Monaten nicht zurückgebildet hat, stark aufbricht, sich entzündet, den Hund stört oder die Zellprobe keinen eindeutigen Befund ergibt.

Hilft eine Salbe gegen ein Histiozytom?

Eine Salbe, die die Rückbildung nachweislich beschleunigt, gibt es nicht. Wichtiger ist, dass der Hund die Stelle nicht beleckt oder aufkratzt; von kortisonhaltigen Präparaten wird eher abgeraten, weil die Rückbildung auf einer Immunreaktion beruht, die Kortison dämpft.

Ist ein Histiozytom dasselbe wie die maligne Histiozytose?

Nein, trotz des ähnlichen Namens handelt es sich um verschiedene Erkrankungen. Das Histiozytom ist ein gutartiger Hautknoten junger Hunde, die maligne Histiozytose (histiozytäres Sarkom) dagegen ein bösartiger Tumor, der vor allem mittelalte Hunde bestimmter Rassen wie den Berner Sennenhund betrifft und häufig mehrere Organe befällt.

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