Mastzelltumor beim Hund

Beim Mastzelltumor des Hundes — auch als Mastozytom, Mastzellsarkom oder Mastzellentumor bezeichnet — handelt es sich um eine bösartige Neubildung, die aus Mastzellen hervorgeht. Mastzellen sind Zellen des Immunsystems: Sie stammen von Vorläuferzellen des Knochenmarks ab, reifen erst im Zielgewebe aus und sind an Entzündungs-, Immun- und allergischen Reaktionen beteiligt. Der Mastzelltumor ist der häufigste bösartige Hauttumor des Hundes und macht je nach Untersuchung etwa 16 bis 21 Prozent aller Hauttumoren aus.

Kennzeichnend ist ein sehr unterschiedliches Erscheinungsbild. Der Mastzelltumor kann als derber Knoten in der Haut auftreten, als weiche Umfangsvermehrung in der Unterhaut oder als flächige, gerötete Veränderung. Aus dem äußeren Bild allein lässt sich weder die Diagnose noch die Bösartigkeit ableiten — beides erfordert eine Gewebeuntersuchung.

Vorkommen und Rassedisposition

Das mittlere Alter bei Diagnosestellung liegt bei etwa acht Jahren; in einer schwedischen Untersuchung an versicherten Hunden betrug es 7,93 Jahre. Grundsätzlich kann der Mastzelltumor in jedem Alter auftreten, betroffen sind aber überwiegend ältere Tiere. Eine Geschlechtsdisposition ist nicht belegt.

Auffällig ist die Häufung bei bestimmten Rassen, was auf eine genetische Komponente bei der Entstehung hindeutet. Als prädisponiert gelten unter anderem:

  • Boxer
  • Bullterrier
  • Französische Bulldogge
  • Golden Retriever und Labrador Retriever
  • Shar-Pei
  • Dackel
  • Mops

Beim Shar-Pei wird vergleichsweise häufig eine flächige Verlaufsform beschrieben. Beim Mops treten Mastzelltumoren auffallend oft mehrfach auf. Ein geringeres Risiko wird für Deutschen Schäferhund, Chihuahua, Pudel, Yorkshire Terrier und Cocker Spaniel angegeben.

Mastzelltumoren entstehen bevorzugt an Rumpf, Gliedmaßen und Kopf, seltener im Bereich von Damm und Hodensack. Vereinzelt wird über ein Auftreten an den Schleimhäuten des Mauls und des Rachens berichtet. Neben der Haut- und Unterhautform gibt es viszerale Formen, also solche der inneren Organe.

Mehrere Tumoren gleichzeitig oder nacheinander sind nicht ungewöhnlich: In der genannten schwedischen Untersuchung entwickelten etwa 11,6 Prozent der betroffenen Hunde im Verlauf mehr als einen Mastzelltumor. Ein zweiter Knoten ist deshalb nicht zwangsläufig als Metastase, also als Tochtergeschwulst, zu werten.

Anzeichen für einen Mastzelltumor

Typische Anzeichen für einen Mastzelltumor beim Hund sind ein derber oder teigiger Knoten in oder unter der Haut, dessen Größe schwankt, dazu Rötung, Juckreiz und schlecht heilende Wunden — bei stärkerer Freisetzung der Botenstoffe kommen Erbrechen, Appetitlosigkeit und Bauchschmerzen hinzu. Keines dieser Anzeichen ist für sich genommen beweisend.

Jede neu aufgetretene Umfangsvermehrung an oder unter der Haut kann ein Mastzelltumor sein — sie muss es aber nicht. Da sich die Veränderung äußerlich nicht sicher von gutartigen Neubildungen unterscheiden lässt, sollte jeder neue oder sich verändernde Knoten tierärztlich abgeklärt werden.

Beschrieben werden derbe oder teigige Knoten, haarlose oder behaarte Stellen, gerötete Bereiche sowie nässende und offene Wunden. Charakteristisch ist eine wechselnde Größe: Der Knoten kann anschwellen und wieder abschwellen.

Die Ursache dieser Schwankung ist zugleich ein diagnostischer Hinweis. Mastzellen speichern Botenstoffe wie Histamin, Heparin und proteolytische, also eiweißspaltende Enzyme. Werden diese Stoffe freigesetzt — man spricht von Degranulation —, kommt es zu Rötung und Schwellung der Umgebung. Dieses Phänomen wird als Darier-Zeichen bezeichnet und kann durch mechanischen Reiz ausgelöst werden. Aus diesem Grund sollten verdächtige Stellen nicht wiederholt gedrückt oder massiert werden.

Werden größere Mengen dieser Botenstoffe frei, kann das über die betroffene Stelle hinaus wirken. Mögliche Folgen sind:

  • örtliche Schwellung und Rötung
  • Erbrechen und Appetitlosigkeit
  • Magen- und Dünndarmgeschwüre
  • Bauchschmerzen
  • Störungen der Blutgerinnung mit vermehrter Blutungsneigung
  • verzögerte Wundheilung
  • Juckreiz
  • in ausgeprägten Fällen Kreislaufreaktionen bis zum Schock

Welche Beschwerden im Einzelfall auftreten, ergibt sich aus der Zusammensetzung der Mastzellgranula — also der Speicherkörnchen im Zellinneren. In ihnen liegen sehr unterschiedliche Botenstoffe (Mediatoren) nebeneinander, von gefäßerweiternden Aminen über gewebeabbauende Enzyme bis zu Wachstumsfaktoren; die folgende Übersicht ordnet den wichtigsten Gruppen ihre Wirkungen im Körper zu.

Auswahl einiger Inhaltsstoffe der Mastzellgranula und ihre Wirkungen

Wirkstoff (Mediator)Physiologische/pathophysiologische Effekte
Biogene Amine

Histamin

Serotonin

Gefäßerweiterung und dadurch Blutdruckabfall, Gefäßdurchlässigkeit steigt, Durchfall, Gefäßneubildung, Zellteilung

Gefäßengstellung und dadurch Blutdruckanstieg, Schmerz

Enzyme

Tryptase

Chymase

Peroxidase

Phospholipasen

Matrixmetalloproteinasen

Entzündung, Schmerz, Gewebeabbau

Gewebeabbau, Schmerz, Angiotensin II Bildung und dadurch Blutdruckanstieg

Bildung freier Sauerstoffradikale, dadurch Gewebeschäden

Entzündung

Gewebeabbau

Proteoglycane

Heparin

Chondroitinsulfat

Angiogenese, Blutgerinnungshemmer

„Gewebekleber“, antientzündlich

ChemokineAnlocken von Entzündungszellen
Polypeptide

Substanz P

CRH

Urocortin

VIP

Entzündung, Schmerz, Mastzellaktivierung

Entzündung, Gefäßerweiterung und dadurch Blutdruckabfall

Entzündung, Gefäßerweiterung und dadurch Blutdruckabfall, Mastzellaktivierung

Gefäßerweiterung und dadurch Blutdruckabfall, Mastzellaktivierung

Phospholipidabbauprodukte

Leukotriene

Prostaglandine

PAF

Einwanderung von Entzündungszellen, Schmerz, Gefäßengstellung und dadurch Blutdruckanstieg

Engstellung der Atemwege, Schmerz

Entzündung, Gefäßerweiterung und dadurch Blutdruckabfall, Aktivierung von Blutplättchen und damit Aktivierung der Blutgerinnung

CytokineEinwanderung, Vermehrung und Aktivierung  von Entzündungszellen, Entzündung, Schmerz
WachstumsfaktorenVermehrung der Mastzellen und anderer Zellen inklusive Gefäßendothel und Entzündungszellen

Gerhard J. Molderings: Mast cell function in physiology and pathophysiology. Biotrend Reviews No. 5, January 2010

Diese Beschwerden treten nicht regelmäßig auf. Viele Hunde zeigen über längere Zeit ausschließlich den Knoten und ein ungestörtes Allgemeinbefinden.

Diagnose

Die Feinnadelaspiration steht am Anfang. Dabei werden mit einer dünnen Nadel Zellen aus der Umfangsvermehrung entnommen und mikroskopisch beurteilt. Für den Mastzelltumor ist dieses Verfahren gut geeignet, da sich Mastzellen anhand ihrer typischen Granula, also der angefärbten Speicherkörnchen im Zellinneren, in der Regel zuverlässig erkennen lassen. Der Eingriff ist rasch durchführbar und in den meisten Fällen ohne Sedierung möglich.

Was die Zytologie jedoch nur eingeschränkt leisten kann, ist die Bestimmung des Malignitätsgrades. Klopfleisch weist darauf hin, dass die begrenzte Zellzahl einer Feinnadelprobe eine sichere Graduierung erschwert. Für die Einstufung ist deshalb die Untersuchung von Gewebe erforderlich, das bei der operativen Entfernung oder durch eine Biopsie gewonnen wird.

Ergänzend zur Sicherung der Diagnose dient die Ausbreitungsdiagnostik, das sogenannte Staging. Dazu gehören die Untersuchung der zugehörigen Lymphknoten, Ultraschall von Milz und Leber sowie ein Blutbild. Bei niedriggradigen Tumoren mit unauffälligem Befund ist ein umfangreiches Staging nach den Ergebnissen von Fejös et al. allerdings ohne prognostischen Zusatznutzen — hier sollte der Aufwand dem zu erwartenden Erkenntnisgewinn angemessen bleiben.

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Grading und Prognose

Der histologische Malignitätsgrad ist der wichtigste Anhaltspunkt für den weiteren Verlauf. Gebräuchlich sind zwei Einteilungen, die häufig nebeneinander angegeben werden.

Die ältere dreistufige Einteilung nach Patnaik unterscheidet die Grade 1 bis 3:

Grad nach PatnaikKennzeichenMetastasierungsrate
Grad 1gut differenzierte Zellen, in der Lederhaut gelegen, keine Mitosefigurenunter 10 %
Grad 2mäßig vielgestaltige Zellen, 0–2 Mitosefiguren je Gesichtsfeld5–22 %
Grad 3stark vielgestaltige Zellen, 3–6 Mitosefiguren, Blutungen und Gewebsuntergang55–95 %

Als schwierig erwies sich in der Praxis die Zuordnung zu Grad 2, der prognostisch uneindeutig blieb. Kiupel et al. schlugen deshalb eine zweistufige Einteilung vor, die eine bessere Übereinstimmung zwischen verschiedenen Untersuchern erreicht.

Grad nach KiupelKriterien (eines genügt)Mittlere Überlebenszeit
niedriggradigkeines der nebenstehenden Merkmaleüber 2 Jahre
hochgradig≥ 7 Mitosefiguren in 10 Gesichtsfeldern oder ≥ 3 mehrkernige Zellen oder ≥ 3 bizarre Zellkerne oder Karyomegalie, also auffällig vergrößerte Zellkerneunter 4 Monate

Die angegebenen Überlebenszeiten sind Mittelwerte aus Studienkollektiven. Sie beschreiben die Erwartung für eine Gruppe, nicht den Verlauf beim einzelnen Tier.

Entgegen einer verbreiteten Annahme wachsen Mastzelltumoren in der Regel infiltrativ: Tumorzellen reichen über den tastbaren Knoten hinaus in das umgebende Gewebe. Genau darauf beruht die Empfehlung, mit Sicherheitsabstand zu operieren. Ein invasives Einwachsen in Knochen kommt dagegen selten vor.

Die Streuung erfolgt zuerst in die zugehörigen Lymphknoten, danach in Haut, Milz und Leber; die Lunge ist seltener betroffen. Fernmetastasen ohne vorherigen Befall des Wächterlymphknotens wurden nicht beobachtet — was die Untersuchung des regionalen Lymphknotens zu einem wesentlichen Bestandteil der Ausbreitungsdiagnostik macht.

Genetische Merkmale

Bei 10 bis 45 Prozent der Mastzelltumoren der Haut lassen sich Mutationen im Gen KIT nachweisen, überwiegend als interne Tandemduplikationen in den Abschnitten (Exons) 8 oder 11. Mutationen außerhalb von Exon 8 gehen mit einem aggressiveren Verhalten, kürzeren Überlebenszeiten und einer höheren Rate an Rezidiven, also erneutem Auftreten, einher. Der Nachweis hat damit sowohl prognostische Bedeutung als auch Auswirkung auf die Auswahl der Medikamente.

Vozdova et al. fanden Hinweise auf weitere wiederkehrende Genmutationen und sprechen sich dafür aus, insbesondere das Gen GNB1 in künftige Untersuchungen einzubeziehen.

Daniel et al. untersuchten den Kollagengehalt von Mastzelltumoren. In hochgradigen Tumoren fand sich signifikant weniger Kollagen als in niedriggradigen. Es wird vermutet, dass die extrazelluläre Matrix — das Stützgerüst zwischen den Zellen — eine schützende Rolle gegenüber der Tumorausbreitung spielt und dass ihr Zustand als zusätzliches Einstufungsmerkmal dienen könnte. Für den klinischen Einsatz ist dieser Ansatz bislang nicht etabliert.

Behandlung

Vier Wege stehen zur Verfügung, die sich ergänzen statt auszuschließen: die operative Entfernung, die Bestrahlung, die medikamentöse Behandlung sowie die immunologische Behandlung mit dendritischen Zellen. Welche Kombination sinnvoll ist, richtet sich nach dem Malignitätsgrad, der Lokalisation und dem Ergebnis der Ausbreitungsdiagnostik.

Operative Entfernung

Die chirurgische Entfernung ist bei einem einzelnen, zugänglichen Mastzelltumor die Behandlung der ersten Wahl. Sie liefert zugleich das Gewebe für die histologische Einstufung.

Für niedriggradige Tumoren bis etwa 4 cm Durchmesser gilt ein seitlicher Sicherheitsabstand von 2 cm sowie in der Tiefe eine unversehrte Faszienschicht als ausreichend. Unter diesen Bedingungen werden Rezidivraten von 0 bis 4 Prozent berichtet. Bei hochgradigen Tumoren liegt die Rezidivrate mit etwa 36 Prozent deutlich höher, und zwar weitgehend unabhängig vom gewählten Sicherheitsabstand — ein Hinweis darauf, dass hier die Ausbreitung über das Operationsgebiet hinaus entscheidend ist.

Zu beachten ist eine Besonderheit dieser Tumorart. Durch die mechanische Beanspruchung des Gewebes während des Eingriffs kann eine große Menge der gespeicherten Inhaltsstoffe auf einmal in die Blutbahn gelangen. Möglich sind dann Gerinnungsstörungen sowie ein anaphylaktischer Schock — die schwerste Form der allergischen Reaktion mit Kreislaufversagen. Aus diesem Grund werden bei der Operation eines Mastzelltumors in der Regel Antihistaminika verabreicht, also Medikamente, die der Wirkung des freigesetzten Histamins entgegenwirken.

Marconato et al. untersuchten niedriggradige Mastzelltumoren mit früher Lymphknotenbeteiligung. Eine zusätzliche medikamentöse Behandlung nach der Operation brachte in dieser Konstellation keine Verlängerung der Überlebenszeit.

Bestrahlung

Eine Strahlentherapie kommt in Betracht, wenn nicht vollständig im Gesunden operiert werden konnte oder wenn die Lokalisation eine ausreichende Entfernung nicht zulässt. Beim Tier erfolgt die Bestrahlung in spezialisierten Zentren und erfordert jeweils eine Narkose. Mastzellen gelten als vergleichsweise strahlenempfindlich — darauf beruht der Einsatz des Verfahrens bei nicht vollständig entfernbaren Tumoren.

Bei hochgradigen Mastzelltumoren richtet sich das Interesse zunehmend auf die Mitbehandlung der zugehörigen Lymphknoten. Mendez et al. werteten 42 Hunde mit hochgradigem Mastzelltumor aus, die eine Bestrahlung erhielten. Ein niedrigeres Stadium zum Zeitpunkt der Bestrahlung war mit einer deutlich längeren Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung verbunden (425 gegenüber 125 Tagen) sowie mit einer längeren Gesamtüberlebenszeit (615 gegenüber 314 Tagen). Die Untersucher kommen zu dem Ergebnis, dass die vorbeugende wie die therapeutische Bestrahlung der Lymphknoten das Behandlungsergebnis verbessert.

Einschränkend ist anzumerken, dass die einbezogenen Hunde nicht nach einheitlichen Protokollen behandelt wurden. Es handelt sich um eine rückblickende Auswertung; eine Bestätigung durch eine prospektive Studie steht aus.

Medikamentöse Behandlung

Zur Verfügung stehen klassische Chemotherapeutika sowie Hemmstoffe der Tyrosinkinase, einer Signalübertragungsstelle in der Zelle. Zwei Wirkstoffe dieser Gruppe sind für den Hund zugelassen:

  • Masitinib (Masivet®) — in der Europäischen Union zugelassen für nicht operabel entfernbare Mastzelltumoren des Grades 2 oder 3 mit nachgewiesener Mutation des c-Kit-Rezeptors.
  • Toceranib (Palladia®) — als erstes Arzneimittel überhaupt gezielt für die Krebsbehandlung beim Hund zugelassen, mit dem Mastzelltumor als Anwendungsgebiet.

Von Nebenwirkungen, insbesondere im Magen-Darm-Bereich, wird bei beiden Wirkstoffen berichtet. Die Auswahl setzt eine Untersuchung auf die entsprechende Mutation voraus.

Neuer ist der Ansatz, sogenannte Kontrollpunkte des Immunsystems zu blockieren. Der gegen PD-1 gerichtete Antikörper Gilvetmab erhielt in den Vereinigten Staaten 2023 eine bedingte Zulassung für Mastzelltumor und malignes Melanom des Hundes. Belastbare Langzeitdaten liegen dazu bislang nicht vor.

Begleitend werden häufig Medikamente eingesetzt, die der Wirkung des freigesetzten Histamins entgegenwirken und die Magenschleimhaut schützen.

Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung

Die dendritische Zelltherapie ist ein immunologischer Behandlungsansatz, der sich beim Mastzelltumor des Hundes als ergänzende Behandlung neben Operation, Bestrahlung und medikamentöser Behandlung anbietet und sich in der Praxis vor allem in der Nachbehandlung nach der operativen Entfernung bewährt hat. Dendritische Zellen sind Zellen des Immunsystems, deren Aufgabe darin besteht, Merkmale körperfremder oder veränderter Zellen aufzunehmen und den T-Zellen zu präsentieren — sie stoßen also die zelluläre Abwehrreaktion an. Ziel der Behandlung ist es, eine gegen die Tumorzellen gerichtete Immunantwort auszulösen.

Der Unterschied zu Chemotherapie und Tyrosinkinasehemmern liegt im Ansatzpunkt. Diese Wirkstoffe greifen unmittelbar in Zellteilung und Signalübertragung ein und wirken dabei auch auf gesunde Gewebe, was die berichteten Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich erklärt. Die dendritische Zelltherapie setzt statt dessen am Immunsystem an. Sie verwendet Zellen des Patienten selbst und ist deshalb nicht mit der Belastung durch Zytostatika verbunden.

Ablauf

Der Aufwand für Halter und Tier bleibt überschaubar:

  1. Beim Haustierarzt wird dem Hund Blut entnommen.
  2. Im Labor werden daraus dendritische Zellen gewonnen und auf die Tumormerkmale des Patienten ausgerichtet.
  3. Die Rückgabe erfolgt über den behandelnden Tierarzt.

Üblich sind drei Gaben im Abstand von jeweils vier Wochen. Die Behandlung wird in Zusammenarbeit mit dem Haustierarzt durchgeführt; ein Klinikaufenthalt ist dafür nicht erforderlich, und eine Narkose ist — anders als bei der Bestrahlung — nicht nötig.

Wann sie infrage kommt

Die dendritische Zelltherapie ersetzt weder die operative Entfernung noch die Bestrahlung. Sie empfiehlt sich ergänzend, und zwar vor allem in drei Situationen:

  • nach der Operation eines hochgradigen Mastzelltumors, bei dem mit einer Ausbreitung über das Operationsgebiet hinaus zu rechnen ist
  • wenn nicht vollständig im Gesunden operiert werden konnte und eine Nachoperation nicht möglich ist
  • wenn eine Chemotherapie aufgrund des Allgemeinbefindens nicht infrage kommt oder vom Halter abgelehnt wird

Datenlage

Veröffentlichte Untersuchungen zu dendritischen Zellvakzinen beim Hund beziehen sich überwiegend auf das maligne Melanom der Maulhöhle und das Hämangiosarkom. Für den Mastzelltumor liegen inzwischen erste eigene Ergebnisse vor: Grammel et al. behandelten 19 Hunde nach der Operation eines Mastzelltumors mit autologen, also aus dem Blut des Patienten selbst gewonnenen dendritischen Zellen und stellten die Auswertung 2023 auf dem WSAVA-Kongress in Lissabon vor. Einzuordnen ist die Arbeit als unkontrollierte Pilotstudie: Eine Vergleichsgruppe unbehandelter Tiere gab es nicht, so dass sich daraus kein Wirksamkeitsnachweis ableiten lässt. Die Beobachtungen sprechen für eine gute Verträglichkeit des Verfahrens; kontrollierte Vergleichsstudien stehen noch aus.

Dokumentiert ist die Anwendung darüber hinaus in einer Falldarstellung: Pantke et al. beschrieben die chirurgische Entfernung und anschließende dendritische Zelltherapie eines nasopharyngealen Mastzelltumors — also eines Tumors im Bereich des Nasenrachenraums — bei einem Schäferhund. Einzelfallberichte lassen ebenfalls keine Aussage über die Wirksamkeit in der Breite zu, zeigen aber, dass sich das Verfahren auch an schwer zugänglichen Lokalisationen ergänzend einsetzen lässt.

Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, hängt vom Malignitätsgrad, vom Stadium und vom Allgemeinbefinden ab und lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.

Fallbeschreibung

Der Verlauf bei einem Mastzelltumor am Bein ist am Beispiel der Patientin Chenny dokumentiert: Fallbeispiel Mastzelltumor beim Schäferhundmischling.

Weitere Seiten zum Thema

Verlauf und Prognose. Wie sich die Erkrankung entwickelt und was das für die Aussichten bedeutet, ist auf eigenen Seiten ausführlich dargestellt: Lebenserwartung beim Mastzelltumor, Wie schnell wächst ein Mastzelltumor? und Metastasen beim Mastzelltumor. Zu den einzelnen Einstufungen finden sich vertiefende Seiten zum Mastzelltumor Grad 2, zum Mastzelltumor Grad 3 und zum gutartigen Mastzelltumor. Ob eine familiäre Veranlagung eine Rolle spielt, behandelt die Seite Ist der Mastzelltumor erblich?.

Lokalisationen und Sonderformen. Die Körperstelle beeinflusst sowohl die Operationsplanung als auch den Verlauf; dazu gibt es Seiten zum Mastzelltumor am Bein, zum Mastzelltumor am Ohr und zum Mastzelltumor in der Unterhaut. Abzugrenzen ist die Mastozytose: Dabei handelt es sich um eine systemische, also den gesamten Organismus betreffende Mastzellerkrankung — im Unterschied zum einzelnen Hauttumor.

Behandlung und Begleitung. Die medikamentösen Wirkstoffe sind auf den Seiten zu Masitinib (Masivet®), zu Toceranib (Palladia®) und zu Tigilanol Tiglat (Stelfonta®) beschrieben. Ergänzende Fragen behandeln die Seiten zur Homöopathie beim Mastzelltumor und zur Ernährung bei Mastzelltumor; wann eine Erlösung zu erwägen ist, wird auf der Seite Hund mit Mastzelltumor einschläfern besprochen.

Wie einzelne Verläufe aussehen können, zeigen die Fallbeispiele Chenny und Buddy.

Quellen

De Nardi AB et al. (2022): Diagnosis, Prognosis and Treatment of Canine Cutaneous and Subcutaneous Mast Cell Tumors. Cells 11(4):618. doi:10.3390/cells11040618

Kiupel M et al. (2011): Proposal of a 2-tier histologic grading system for canine cutaneous mast cell tumors to more accurately predict biological behavior. Vet Pathol 48:147–155. PubMed

Mendez SE et al. (2020): Treating the locoregional lymph nodes with radiation and/or surgery significantly improves outcome in dogs with high-grade mast cell tumours. Vet Comp Oncol 18:239–246. doi:10.1111/vco.12541

Marconato L et al. (2020): Adjuvant medical therapy provides no therapeutic benefit in the treatment of dogs with low-grade mast cell tumours and early nodal metastasis undergoing surgery. Vet Comp Oncol 18:409–415. doi:10.1111/vco.12566

Fejös C et al. (2022): Extensive staging has no prognostic value in dogs with low-risk mast cell tumours. Vet Comp Oncol 20:265–275. doi:10.1111/vco.12773

Daniel J et al. (2019): Intratumoral collagen index predicts mortality and survival in canine cutaneous mast cell tumours. Vet Dermatol 30:162–e48. doi:10.1111/vde.12726

Vozdova M et al. (2020): Recurrent gene mutations detected in canine mast cell tumours by next generation sequencing. Vet Comp Oncol 18:509–518. PubMed

Klopfleisch R (2018): Kanine Mastzelltumoren — Ist die Gradbestimmung in der Zytologie möglich? Der Prakt. Tierarzt 99, 11/2018, 1142–1160

Milovancev M et al. (2019): Long-term outcomes of dogs undergoing surgical resection of mast cell tumors and soft tissue sarcomas: A prospective 2-year-long study. Vet Surg. doi:10.1111/vsu.13225

Kessler M, Gramer I (2022): Mastzelltumoren. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 329–340

Grammel ZM, Hawacker T, Grammel T (2023): A Pilot, uncontrolled Study of postsurgical treatment with monocyte-derived autologous dendritic cells in 19 dogs with mast cell tumour, WSAVA Congress, Lissabon, September 27–29

Pantke P, Söhl KO, Schwittlick U, Grammel ZM (2021): Chirurgische Resektion und adjuvante dendritische Zelltherapie eines nasopharyngealen Mastzelltumors bei einem Schäferhund. Kleintierpraxis 66, Heft 08/2021, 456–464

Molderings GJ (2010): Mast cell function in physiology and pathophysiology. Biotrend Reviews No. 5, January 2010

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Häufige Fragen

Wie schnell wächst ein Mastzelltumor beim Hund?

Das Wachstum ist sehr unterschiedlich und lässt sich von außen nicht zuverlässig beurteilen. Manche Mastzelltumoren bestehen über Monate nahezu unverändert, andere nehmen innerhalb weniger Wochen deutlich an Größe zu. Charakteristisch ist ein wechselhafter Verlauf: Der Knoten kann zwischenzeitlich anschwellen und wieder kleiner werden, weil die Tumorzellen Botenstoffe wie Histamin freisetzen und dadurch eine Schwellung des umliegenden Gewebes auslösen. Aus der Wachstumsgeschwindigkeit allein lässt sich weder auf die Bösartigkeit noch auf den Malignitätsgrad schließen.

Ist ein Mastzelltumor beim Hund heilbar?

Bei niedriggradigen Mastzelltumoren, die vollständig und mit ausreichendem Sicherheitsabstand entfernt werden konnten, ist eine dauerhafte Heilung möglich. Die Rezidivrate liegt in diesen Fällen bei 0 bis 4 Prozent. Bei hochgradigen Tumoren ist die Aussicht deutlich zurückhaltender zu beurteilen, da bereits zum Zeitpunkt der Diagnose häufig eine Streuung in die Lymphknoten vorliegt.

Wie hoch ist die Lebenserwartung bei einem Mastzelltumor?

Maßgeblich ist der histologische Malignitätsgrad. Nach der Einteilung von Kiupel et al. lag die mittlere Überlebenszeit bei niedriggradigen Mastzelltumoren bei über zwei Jahren, bei hochgradigen bei unter vier Monaten. Diese Zahlen sind Mittelwerte aus Studienkollektiven und lassen sich nicht unmittelbar auf den einzelnen Patienten übertragen: Stadium, Lokalisation und Allgemeinbefinden beeinflussen den Verlauf erheblich.

Warum soll man den Knoten nicht drücken oder massieren?

Mastzellen speichern Botenstoffe, unter anderem Histamin und Heparin. Durch mechanischen Reiz können diese Stoffe freigesetzt werden (Degranulation). Sichtbar wird das als Rötung und Schwellung der Umgebung — das sogenannte Darier-Zeichen. In ausgeprägten Fällen kann es zu Kreislaufreaktionen und Magenschleimhautschäden kommen. Verdächtige Umfangsvermehrungen sollten deshalb nicht wiederholt betastet oder manipuliert werden.

Muss jeder Mastzelltumor operiert werden?

Die chirurgische Entfernung ist in der Regel die Behandlung der ersten Wahl, weil sie zugleich die Gewebeprobe für das Grading liefert. In welchem Umfang operiert wird und ob eine weitere Behandlung folgen sollte, hängt vom Malignitätsgrad, der Lokalisation und dem Ergebnis der Ausbreitungsdiagnostik ab. Bei Tumoren an ungünstigen Stellen oder bei fortgeschrittener Erkrankung können Bestrahlung, medikamentöse Behandlung oder eine Kombination in Betracht kommen.

Kann ein Mastzelltumor an anderer Stelle erneut auftreten?

Ja. In einer schwedischen Untersuchung an versicherten Hunden entwickelten etwa 11,6 Prozent der betroffenen Tiere im Verlauf mehr als einen Mastzelltumor. Ein neuer Knoten an anderer Körperstelle ist dabei nicht zwangsläufig eine Metastase, sondern häufig eine eigenständige Neubildung. Regelmäßiges Abtasten des gesamten Tieres nach der Behandlung ist deshalb sinnvoll.

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