Autoimmunerkrankung

Idiopathische Episkleritis des Hundes

Bei der idiopathischen Episkleritis des Hundes handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Episklera — jener dünnen, gut durchbluteten Bindegewebsschicht, die zwischen der weißen Lederhaut (Sklera) und der Bindehaut liegt. „Idiopathisch” bedeutet, dass keine äußere Ursache wie eine Infektion, ein Fremdkörper oder eine Verletzung zu finden ist. Bei den meisten dieser Veränderungen wird angenommen, dass sie primär immunvermittelt sind, das Immunsystem sich also gegen körpereigenes Gewebe im Auge richtet. In der Fachliteratur begegnet Ihnen dieselbe Erkrankung unter mehreren Namen: noduläre granulomatöse Episkleritis, Episklerokeratitis oder — nach der auffälligsten betroffenen Rasse — schlicht „Collie-Granulom”.

Wie die Erkrankung entsteht

Die Läsion, also die Gewebeveränderung, scheint ihren Ursprung in einer örtlichen Vaskulitis zu haben — einer Entzündung kleiner Blutgefäße, die durch Immunkomplexe ausgelöst wird. Immunkomplexe sind Verbindungen aus Antikörpern und den Strukturen, gegen die sie sich richten; lagern sie sich in Gefäßwänden ab, locken sie Entzündungszellen an. In der Folge wandern Makrophagen (Fresszellen), Lymphozyten und Plasmazellen in die Episklera ein und bilden dort ein Granulom: einen abgegrenzten Entzündungsknoten aus Immunzellen und neu gebildetem Bindegewebe.

Drei Beobachtungen stützen die Einordnung als immunvermittelte Erkrankung: Die feingewebliche Untersuchung zeigt ein charakteristisches, immer ähnliches Bild. Eine andere Ursache lässt sich trotz gründlicher Suche nicht finden. Und die Veränderungen sprechen zuverlässig auf Medikamente an, die das Immunsystem dämpfen.

Beim Menschen steht die Episkleritis häufig nicht allein, sondern begleitet andere entzündliche Erkrankungen — rheumatoide Arthritis, systemischen Lupus erythematodes oder eine Vaskulitis, die mit antineutrophilen zytoplasmatischen Antikörpern (ANCA) einhergeht. Beim Hund ist eine solche Kopplung an eine systemische Grunderkrankung die Ausnahme; in aller Regel bleibt die Entzündung auf das Auge beschränkt.

Welche Hunde betroffen sind

Eine deutliche Rassedisposition ist beschrieben. Überrepräsentiert sind:

  • Collies und Collie-Mischlinge
  • American Cocker Spaniel
  • Golden Retriever
  • Shetland Sheepdog
  • Deutscher Schäferhund

Diese Häufung bei bestimmten Rassen legt eine erbliche Komponente der Immunregulation nahe. Betroffen sind meist Hunde im mittleren Alter, also etwa zwischen vier und sieben Jahren; grundsätzlich kann die Erkrankung aber in jedem Alter auftreten. Die Veränderungen können ein Auge oder beide Augen betreffen — und beide Augen nicht zwangsläufig gleichzeitig: Nicht selten folgt das zweite Auge erst Monate später.

Interessanterweise überschneidet sich die Rasseliste mit der der chronischen superfiziellen Keratitis (Pannus). Beide Erkrankungen sind immunvermittelt, beide betreffen bevorzugt den seitlichen Augenabschnitt, und beide können bei ein und demselben Hund vorkommen.

Woran Sie eine Episkleritis erkennen

Die knotige Form ist die auffälligere und die häufigere. Sie zeigt sich als erhabene, glatte, feste Masse von rosa, fleischfarbener oder gelblicher Färbung. Ihr typischer Sitz ist der Limbus temporalis — der äußere, zur Schläfe hin gelegene Rand zwischen Hornhaut und Lederhaut. Von dort kann sie in die Hornhaut hineinwachsen oder die Nickhaut (das dritte Augenlid) mitbetreffen.

Weitere Anzeichen sind:

  • ein gerötetes, verdicktes Areal der Lederhaut mit gestauten, geschlängelten Gefäßen
  • Ödem, also Flüssigkeitseinlagerung, im Bereich des Knotens
  • Blepharospasmus — krampfhaftes Zusammenkneifen der Lider
  • vermehrter Augenausfluss, wässrig bis schleimig
  • bei Einwachsen in die Hornhaut: eine graue Trübung am Hornhautrand, mitunter mit Fettablagerungen

Die diffuse Form verläuft flächiger und unauffälliger: Hier ist die gesamte Episklera eines Augenabschnitts verdickt und gerötet, ohne dass sich ein klar abgegrenzter Knoten bilden würde. Sie wird deshalb leicht mit einer schlichten Bindehautentzündung verwechselt.

Was viele Halter erleichtert: Die Episkleritis ist in der Regel nicht hochgradig schmerzhaft. Die Hunde blinzeln vermehrt und reiben sich gelegentlich das Auge, zeigen aber selten das ausgeprägte Schmerzverhalten, das etwa ein Hornhautgeschwür auslöst.

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Diagnose und Abgrenzung

Am Anfang steht die vollständige augenärztliche Untersuchung: Spaltlampenbiomikroskopie, Anfärben der Hornhaut mit Fluoreszein, Messung des Augeninnendrucks und des Tränenflusses mit dem Schirmer-Tränentest. Diese Untersuchungen dienen weniger dem Nachweis der Episkleritis selbst als dem Ausschluss der Erkrankungen, die ihr ähneln.

Wichtige Differenzialdiagnosen sind:

  • Limbales Melanozytom — ein gutartiger, aber pigmentierter Tumor am Hornhautrand; er ist schwarz bis dunkelbraun, die Episkleritis rosa oder fleischfarben.
  • Skleritis — die Entzündung der tieferen Lederhaut; sie ist deutlich schmerzhafter und greift häufiger auf das Augeninnere über.
  • Uveitis — die Entzündung der mittleren Augenhaut; sie geht mit Trübung des Kammerwassers, engem Pupillenspalt und meist niedrigerem Augeninnendruck einher.
  • Infektiöse Granulome — etwa durch Pilze oder wandernde Fremdkörper; hier findet sich in der Zytologie ein Erreger.
  • Tumoren wie Lymphom, Hämangiosarkom oder Plattenepithelkarzinom.

Sicherheit bringt die Biopsie mit feingeweblicher Untersuchung. Sie zeigt das granulomatöse Entzündungsmuster aus Makrophagen, Lymphozyten und Plasmazellen ohne Erregernachweis. Gerade weil einige der Differenzialdiagnosen bösartig sind, ist die Probenentnahme bei einem wachsenden Knoten am Auge kein übertriebener Aufwand, sondern der sichere Weg.

Behandlung

Die Behandlung zielt darauf, die überschießende Immunreaktion im Auge zu dämpfen, ohne dabei das Sehvermögen zu gefährden.

Örtliche Behandlung. Kortikosteroid-Augentropfen oder -salben, etwa mit Dexamethason oder Prednisolonacetat, sind das Mittel der ersten Wahl. Die diffusen Formen sprechen darauf rasch an — häufig binnen zwei bis drei Wochen. Die knotigen Formen reagieren dagegen deutlich langsamer; hier kann es Monate dauern, bis der Knoten sichtbar schrumpft. Wichtig: Kortison am Auge darf nur nach Ausschluss eines Hornhautgeschwürs eingesetzt werden, weil es die Heilung der Hornhaut hemmt und ein bestehendes Geschwür vertiefen kann. Alternativ oder ergänzend kommt Cyclosporin A als Augensalbe zum Einsatz, das die T-Zell-Antwort im Gewebe unterdrückt.

Systemische Behandlung. Reicht die örtliche Therapie nicht aus, werden Immunsuppressiva über das Maul gegeben. Beschrieben sind Azathioprin, Chlorambucil, Cyclophosphamid und Tetracyclin-Niacinamid-Kombinationen. Diese Wirkstoffe erfordern regelmäßige Blutkontrollen, weil sie Knochenmark und Leber belasten können.

Chirurgie. Sehr große Knoten, die das Sehen behindern oder auf Medikamente nicht ansprechen, können teilweise entfernt werden. Die alleinige Entfernung heilt die Erkrankung jedoch nicht: Ohne begleitende Immunsuppression wächst der Knoten in vielen Fällen nach.

Immunmodulation. Da die Erkrankung nicht auf einem Zuviel an Erregern, sondern auf einer fehlgeleiteten Steuerung des Immunsystems beruht, ist eine Behandlung sinnvoll, die diese Steuerung wieder ins Gleichgewicht bringt, statt die Abwehr nur pauschal zu unterdrücken. Die dendritische Zelltherapie setzt genau hier an: Dendritische Zellen sind die Regisseure der Immunantwort — sie entscheiden mit, ob das Immunsystem gegen ein Gewebe vorgeht oder es toleriert. Aus dem Blut des Patienten gewonnen und entsprechend aufbereitet, können sie die Toleranz gegenüber körpereigenem Gewebe fördern. Das ist besonders für Hunde interessant, die dauerhaft Kortison bräuchten oder deren Nebenwirkungen die Behandlung erschweren.

UV-Schutz. Wie beim Pannus scheint Ultraviolettstrahlung die Entzündung zu verstärken. Schatten in der Mittagszeit und, wenn Ihr Hund sie akzeptiert, eine Hundebrille mit UV-Filter sind einfache Maßnahmen mit gutem Nutzen-Aufwand-Verhältnis — besonders in Höhenlagen und bei viel Zeit im Freien.

Die nekrotisierende Skleritis — die schwere Verlaufsform

Die nekrotisierende Skleritis des Hundes ist deutlich seltener als die Episkleritis, aber wesentlich ernster. Bei ihr geht die Entzündung mit Kollagennekrose und Kollagenlyse einher — das Stützgerüst der Lederhaut wird also nicht nur entzündet, sondern zerstört. Feingeweblich findet sich dieselbe Infiltration mit Lymphozyten, Plasmazellen und Makrophagen; auch hier wird eine immunvermittelte Ursache angenommen.

Die Erkrankung verläuft schmerzhaft, greift häufig auf das Augeninnere über und kann zu Netzhautablösung, Glaukom und Verlust des Auges führen. Sie erfordert von Anfang an eine aggressive systemische Immunsuppression, nicht nur Augentropfen. Beim Menschen ist die nekrotisierende Skleritis mit dem Nachweis von ANCA verknüpft; bei einem Scottish Terrier wurde ein Fall beschrieben, bei dem der Hund ANCA in Form von Antimyeloperoxidase-Antikörpern aufwies. Ob dieser Zusammenhang beim Hund die Regel oder die Ausnahme ist, lässt sich bei der dünnen Datenlage nicht sagen.

Praktisch bedeutsam ist die Unterscheidung deshalb, weil beide Erkrankungen als rote, verdickte Stelle am Augenweiß beginnen — die eine harmlos, die andere augenbedrohend. Ein schmerzhaftes, rasch fortschreitendes Geschehen gehört umgehend in augenärztliche Hände.

Prognose und was Sie als Halter tun können

Für die idiopathische Episkleritis ist die Prognose gut. Einseitige Fälle neigen dazu, auch spontan abzuklingen. Beidseitige Fälle erfordern in der Regel eine längere, oft dauerhafte Behandlung — die Erkrankung wird dann kontrolliert, nicht beseitigt. Setzt man die Medikamente ab, kehrt der Knoten in vielen Fällen zurück. Das ist keine schlechte Nachricht: Mit einer niedrig dosierten Erhaltungstherapie führen die meisten betroffenen Hunde ein völlig normales Leben und behalten ihr Sehvermögen.

Was Sie beitragen können: die Augentropfen konsequent geben, auch wenn das Auge längst besser aussieht; die Kontrolltermine wahrnehmen, damit die Dosis rechtzeitig angepasst wird; und den Knoten regelmäßig ansehen — am besten immer bei gleichem Licht, damit Ihnen Größenänderungen auffallen. Wenn das Auge plötzlich schmerzt, tränt oder trüb wird, warten Sie nicht auf den nächsten Termin.

Ein rosa Knoten am Auge des eigenen Hundes wirkt im ersten Moment bedrohlich — der Gedanke an einen Tumor liegt nahe. In den allermeisten Fällen steht dahinter eine gut behandelbare Entzündung. Diese Sorge ernst zu nehmen und sie fachlich klären zu lassen, ist genau der richtige Weg.

Quellen

  • Tizard IR (2023): Canine Idiopathic Episcleritis. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals. Elsevier, St. Louis, MO
  • Maggs DJ, Miller PE, Ofri R (2018): Slatter’s Fundamentals of Veterinary Ophthalmology. 6. Auflage, Elsevier, St. Louis, MO
  • Martin CL (2010): Ophthalmic Disease in Veterinary Medicine. Manson Publishing, London

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Häufige Fragen

Was ist eine idiopathische Episkleritis beim Hund?

Die auch als noduläre granulomatöse Episkleritis bezeichnete Erkrankung umfasst mehrere entzündliche Erkrankungen der Lederhaut des Hundeauges und ihres Umgebungsgewebes. Idiopathisch bedeutet, dass keine andere offensichtlich erkennbare Ursache vorliegt; bei den meisten dieser Läsionen (Gewebeveränderungen) wird angenommen, dass sie primär und immunvermittelt sind, also durch das Immunsystem selbst ausgelöst werden.

Woran erkenne ich eine Episkleritis bei meinem Hund?

Die knotigen Läsionen zeigen sich typischerweise als erhabene, glatte, feste, rosa oder gelbliche Masse, die den seitlichen Hornhautrand (Limbus temporalis), die Hornhaut und die Nickhaut in einem oder beiden Augen betreffen kann. Die Beschwerden können mit Blepharospasmus (krampfhaftem Zusammenkneifen der Lider) und Augenausfluss verbunden sein.

Was ist die Ursache der idiopathischen Episkleritis?

Die Läsion scheint ihren Ursprung in einer lokalen, durch Immunkomplexe (Verbindungen aus Antikörpern und Antigenen) vermittelten Vaskulitis, also einer Gefäßentzündung, zu haben. Beim Menschen steht die Erkrankung in Zusammenhang mit anderen entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder systemischem Lupus.

Welche Hunderassen sind besonders anfällig für eine Episkleritis?

Zu den anfälligen Rassen gehören Collies und Collie-Kreuzungen, American Cocker Spaniels und Golden Retriever. Grundsätzlich können die Veränderungen einseitig oder beidseitig auftreten.

Heilt eine Episkleritis beim Hund von selbst aus?

Einseitige Fälle neigen dazu, spontan abzuklingen, während beidseitige Fälle in der Regel eine längere Behandlung erfordern. Da die Erkrankung positiv auf immunsuppressive, also das Immunsystem dämpfende, Behandlungen anspricht, sollte sie tierärztlich begleitet werden.

Wie wird die Episkleritis des Hundes behandelt?

Die diffusen, also flächigen, Läsionen sprechen rasch auf eine örtliche (topische) Immunsuppression mit Kortikosteroiden an, die knotigen Läsionen reagieren dagegen langsamer. Andere Immunsuppressiva wie Cyclosporin, Chlorambucil, Cyclophosphamid und Azathioprin können ebenfalls von Nutzen sein; eine immunologische Behandlung sollte geprüft werden.

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