Autoimmunerkrankung

Immunmediierte hämolytische Anämie der Pferde

Bei der immunmediierten hämolytischen Anämie des Pferdes handelt es sich um eine Erkrankung, bei der Autoantikörper die eigenen roten Blutkörperchen markieren und deren vorzeitigen Abbau auslösen. Die Folge ist eine hämolytische Anämie, also eine Blutarmut durch Zellzerfall.

Beschrieben sind beim Pferd sowohl eine primäre Form ohne erkennbare Grunderkrankung als auch eine sekundäre. Anders als bei Hund und Katze tritt beim Pferd die sekundäre Variante wesentlich häufiger auf — die Suche nach der auslösenden Ursache steht deshalb hier ganz am Anfang.

Sekundäre Form: die Suche nach der Ursache

Eine sekundäre Erkrankung tritt beim Pferd im Zusammenhang mit sehr unterschiedlichen Auslösern auf:

  • Tumorerkrankungen wie Lymphome und Melanome
  • Infektionen, unter anderem mit Clostridium perfringens, Streptokokken und Rhodokokken sowie mit dem Virus der equinen infektiösen Anämie
  • Arzneimittel, insbesondere Penicilline, Sulfonamide und Organophosphate

Die equine infektiöse Anämie verdient dabei besondere Aufmerksamkeit: Sie ist anzeigepflichtig, und ein entsprechender Verdacht hat Konsequenzen weit über das einzelne Pferd hinaus. Sie sollte deshalb unbedingt bei jeder hämolytischen Anämie abgeklärt werden.

Für die Praxis heißt das: Bevor über eine immunsuppressive Behandlung entschieden wird, muss ein sorgfältiger Blick auf Vorbericht und Medikation erfolgen. Ein Penicillin, das vor zwei Wochen gegeben wurde, ist ein Auslöser, den man nur findet, wenn man danach fragt.

Primäre Form: Symptome und Verlauf

Pferde mit der primären Erkrankung wirken deutlich beeinträchtigt. Typisch sind:

  • deutlich reduziertes Allgemeinbefinden und Fieber
  • Gewichtsverlust
  • Splenomegalie, also eine Milzschwellung
  • Ikterus (Gelbsucht) — besonders häufig bei chronischen Verläufen
  • Hämoglobinurie, das heißt die Ausscheidung des roten Blutfarbstoffs über den Harn, der dadurch dunkelrot bis braun erscheint
  • Schwäche mit deutlich beschleunigter Herztätigkeit und Atmung

Gerade die Kombination aus dunklem Harn und blassgelben Schleimhäuten ist ein Befund, der keinen Aufschub duldet.

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Der Weg zur Diagnose

Die Autoantikörper im Serum betroffener Pferde gehören in der Regel zur Klasse IgG, können aber auch IgM sein. Berichtet wurden sowohl Warm- als auch Kaltagglutinine — also Autoantikörper, die je nach Temperatur unterschiedlich stark an die roten Blutkörperchen binden. In einigen Fällen kommt es zu einer Autoagglutination, das heißt zu einer sichtbaren Verklumpung der Erythrozyten.

Weil die roten Blutkörperchen dieser Pferde mit IgG beschichtet sind, wird zur Diagnose der direkte Coombs-Test herangezogen — ein Labortest, der antikörperbeladene rote Blutkörperchen nachweist.

Ergänzend gehören dazu: ein vollständiges Blutbild mit Beurteilung des Ausstrichs, Organwerte, der Ausschluss von Blutparasiten und Infektionserregern sowie eine bildgebende Untersuchung zur Tumorsuche.

Behandlung

Erforderlich ist eine Intensivbehandlung. Schwer betroffene Pferde benötigen unter Umständen sofort eine Bluttransfusion und müssen zusätzlich mit einer Flüssigkeitstherapie (Infusionen) unterstützt werden.

  • Bei der sekundären Form steht die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursache im Vordergrund: das auslösende Arzneimittel absetzen, die Infektion behandeln, den Tumor angehen.
  • Bei der primären Form sind immunsuppressive Medikamente die Behandlung der Wahl. Glukokortikoide wie Dexamethason können eine Remission, also ein Zurückgehen der Erkrankung, herbeiführen; erforderlichenfalls wird um Ciclosporin und/oder Azathioprin ergänzt. Die Behandlung sollte mindestens zwei Wochen fortgeführt werden.

Ergänzend sollten immunologische Behandlungswege geprüft werden. Bei der Behandlung mit dendritischen Zellen werden aus einer Blutprobe des Pferdes körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken — sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken, und lassen sich mit der bestehenden Medikation kombinieren.

Warum Kortison beim Pferd besondere Vorsicht verlangt

Was bei Hund und Katze eine Frage der Nebenwirkungen ist, ist beim Pferd eine Frage der Sicherheit: Die Gabe von Kortikosteroiden ist bei dieser Tierart mit einem erhöhten Risiko für eine Hufrehe (Laminitis) verbunden, also für eine schmerzhafte Entzündung der Huflederhaut.

Das spricht nicht gegen die Behandlung — bei einer schweren hämolytischen Krise ist sie unverzichtbar. Es spricht aber dafür, die Dosis so zügig wie möglich zu reduzieren, die Hufe während der Behandlung engmaschig zu kontrollieren und steroidsparende Kombinationen früh mitzudenken.

Prognose

Die Aussichten hängen vor allem von der zugrunde liegenden Ursache ab. Eine arzneimittelbedingte Anämie kann nach dem Absetzen des auslösenden Stoffs vollständig ausheilen; eine tumorbedingte richtet sich in ihrem Verlauf nach dem Tumor.

Für Sie als Besitzerin oder Besitzer ist das die wichtigste Botschaft dieser Seite: Die Zahl im Blutbild sagt, wie dringend es ist — aber nicht, wie es ausgeht. Das entscheidet sich daran, ob sich eine Ursache finden und beseitigen lässt. Deshalb lohnt sich am Anfang jede Untersuchung, die diese Frage klärt.

Zur gleichen Erkrankung beim Hund finden Sie eine ausführliche Darstellung unter immunmediierte hämolytische Anämie des Hundes. Eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd gibt die Übersichtsseite.

Quellen

Tizard IR (2023): Equine IMHA. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 139–140

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Häufige Fragen

Welche Formen der immunmediierten hämolytischen Anämie gibt es beim Pferd?

Bei Pferden sind sowohl eine primäre Form, also eine ohne erkennbare Grunderkrankung, als auch eine sekundäre Form beschrieben worden. Die sekundäre Erkrankungsvariante, bei der eine andere Erkrankung oder ein äußerer Auslöser zugrunde liegt, tritt dabei wesentlich häufiger auf.

Welche Ursachen hat die sekundäre immunmediierte hämolytische Anämie beim Pferd?

Eine sekundäre Erkrankung tritt bei Pferden beispielsweise im Zusammenhang mit Tumoren wie Lymphomen und Melanomen auf. Auch Infektionen – etwa mit C. perfringens, Streptokokken, Rhodokokken oder dem equinen infektiösen Anämievirus – kommen als Auslöser infrage. Darüber hinaus kann die Erkrankung nach Medikamentengabe ausgelöst werden, zum Beispiel durch Penicilline, Sulfonamide oder Organophosphate.

Welche Symptome zeigt ein Pferd mit primärer immunmediierter hämolytischer Anämie?

Pferde mit der primären Erkrankung zeigen ein deutlich reduziertes Allgemeinbefinden und Fieber; sie weisen Gewichtsverlust, eine Milzschwellung, Gelbsucht und Hämoglobinurie auf, also eine Ausscheidung des roten Blutfarbstoffs über den Urin. Sie können schwach sein und eine deutliche Beschleunigung von Herztätigkeit und Atmung zeigen. Gelbsuchterscheinungen werden häufig beobachtet, insbesondere bei chronischen Fällen.

Wie wird die immunmediierte hämolytische Anämie beim Pferd diagnostiziert?

Die Serum-Autoantikörper betroffener Pferde gehören in der Regel zur IgG-Klasse, können aber auch IgM sein; es wurden sowohl Warm- als auch Kaltagglutinine berichtet, und in einigen Fällen kommt es zu einer Autoagglutination (Verklumpung) der Erythrozyten. Da die roten Blutkörperchen dieser Pferde mit IgG beschichtet sind, wird zur Diagnose der direkte Coombs-Test herangezogen, ein Labortest zum Nachweis antikörperbeladener Erythrozyten.

Wie wird die immunmediierte hämolytische Anämie der Pferde behandelt?

Es ist eine Intensivbehandlung notwendig; schwer betroffene Pferde benötigen unter Umständen sofort eine Bluttransfusion und eine Flüssigkeitstherapie. Bei der primären Form sind immunsuppressive Medikamente die Behandlung der Wahl: Glukokortikoide wie Dexamethason können eine Remission, also ein Zurückgehen der Erkrankung, herbeiführen und erforderlichenfalls durch Cyclosporin und/oder Azathioprin ergänzt werden; die Behandlung sollte mindestens 2 Wochen dauern. Bei der sekundären Form steht die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursache im Vordergrund, und die Prognose hängt vor allem von dieser Ursache ab.

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