Autoimmunerkrankung

Immun-mediierte Thrombozytopenie des Pferdes

Bei der immunmediierten Thrombozytopenie des Pferdes handelt es sich um eine Erkrankung, bei der Antikörper die eigenen Thrombozyten — die Blutplättchen — markieren und deren vorzeitigen Abbau auslösen. Blutplättchen dichten kleine Gefäßverletzungen ab; fehlen sie, entsteht eine Blutungsneigung.

Symptome und Notfallzeichen

Kennzeichnend für die primäre Form sind:

  • Nasenbluten, häufig beidseitig und ohne erkennbaren Anlass
  • Petechien, also punktförmige Einblutungen in die Haut
  • großflächige Blutungen auf den Schleimhäuten und der Bindehaut
  • geschwollene Gelenke und Blutergüsse
  • Blutungen im Magen-Darm-Trakt

Am schwersten wiegen Einblutungen in das Zentralnervensystem: Sie können zu neurologischen Ausfällen führen — Taumeln, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen. Ein Pferd mit unerklärlichem Nasenbluten und punktförmigen Einblutungen an den Schleimhäuten ist deshalb kein Fall für den nächsten Routinetermin.

Achten Sie besonders auf die Maulschleimhaut und die Innenseite der Nüstern: Dort sind die kleinen Einblutungen am ehesten zu sehen, und sie lassen sich — anders als Hautveränderungen — nicht mit einem Insektenstich verwechseln.

Sekundäre Ursachen ausschließen

Nicht jeder Blutplättchenmangel beim Pferd ist eine primäre Autoimmunerkrankung. Eine sekundäre Thrombozytopenie, also ein Mangel als Folge einer anderen Erkrankung, kann ausgelöst werden durch:

  • Infektionen
  • Arzneimittelnebenwirkungen
  • Tumorerkrankungen

Diese Ursachen müssen ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose einer primären immunmediierten Form gestellt wird. Denn die Behandlung unterscheidet sich grundlegend: Eine infektionsbedingte Thrombozytopenie kommt erst zur Ruhe, wenn der Erreger behandelt ist.

Abzugrenzen sind zudem Gerinnungsstörungen anderer Ursache und die Vaskulitis beim Pferd, die ebenfalls mit Einblutungen und Ödemen einhergeht.

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Der Weg zur Diagnose

Betroffene Pferde weisen niedrige Thrombozytenzahlen in der Größenordnung von 20.000 bis 30.000 pro Mikroliter auf. Im Blutausstrich fällt außerdem auf, dass die Blutplättchen deutlich stärker in ihrer Größe schwanken als bei gesunden Pferden.

Zufriedenstellende diagnostische Tests gibt es beim Pferd leider nicht, sodass häufig mit einer Verdachtsdiagnose gearbeitet werden muss. Steht eine Durchflusszytometrie zur Verfügung — ein Verfahren, das einzelne Zellen im Durchfluss analysiert —, lassen sich Blutplättchen mit erhöhtem oberflächengebundenem IgG nachweisen: Einer Untersuchung zufolge tragen bei betroffenen Pferden etwa 5 Prozent der Blutplättchen IgG auf ihrer Oberfläche, gegenüber 0,15 Prozent bei gesunden Tieren.

Die Diagnose stützt sich daher auf drei Elemente: den Nachweis der niedrigen Blutplättchenzahl, den Ausschluss sekundärer Ursachen und das Ansprechen auf die Behandlung.

Behandlung

Ziel der Behandlung ist es, die Blutungsneigung zu beenden und das Pferd über die kritische Phase zu bringen.

  • Dexamethason in Kombination mit Azathioprin: Aus Krankenberichten ist bekannt, dass Pferde mit dieser Kombination erfolgreich behandelt wurden.
  • Plättchenreiches Blutplasma kann im Blutungsnotfall hilfreich sein. Die Gabe von Blutbestandteilen anderer Pferde bringt eigene Risiken mit sich und sollte im Einzelfall sorgfältig abgewogen werden.
  • Behandlung der Grunderkrankung bei sekundären Formen.

Ergänzend sollte eine Behandlung mit dendritischen Zellen geprüft werden. Dabei werden aus einer Blutprobe des Pferdes körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken — sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken, und lassen sich mit der bestehenden Medikation kombinieren.

Ein Punkt verdient beim Pferd besondere Aufmerksamkeit: Die Gabe von Kortikosteroiden ist bei dieser Tierart mit einem erhöhten Risiko für eine Hufrehe verbunden. In der akuten Blutungsphase ist sie dennoch unverzichtbar — anschließend gilt, die Dosis zügig zu reduzieren und die Hufe engmaschig zu kontrollieren.

Was im Stall zu beachten ist

Solange die Blutplättchenzahl niedrig ist, zählt jede vermeidbare Verletzung:

  • ruhige, gewohnte Haltung mit kontrolliertem Auslauf — eine strikte Boxenruhe ist nicht sinnvoll, denn ein plötzlich eingesperrtes Pferd wird unruhig und verletzt sich eher; zu vermeiden sind dagegen Herdenkontakt mit Rangkämpfen und wildes Toben
  • keine Transporte und keine elektiven, also aufschiebbaren Eingriffe; ein ruhiger Beschlagstermin ist dagegen unproblematisch
  • Injektionen auf das Nötigste beschränken, Einstichstellen anschließend längere Zeit abdrücken
  • raufutterbetonte Fütterung ohne harte, kantige Bestandteile, die die Maulschleimhaut verletzen könnten

Diese Maßnahmen klingen banal, sie sind aber der Teil der Behandlung, den Sie selbst in der Hand haben.

Prognose

Die Aussichten hängen davon ab, ob eine auslösende Ursache gefunden und beseitigt werden kann und wie schnell die Blutplättchenzahl unter der Behandlung wieder ansteigt. Pferde, die die Blutungsphase ohne Einblutung in ein lebenswichtiges Organ überstehen, haben gute Aussichten.

Wie bei den anderen immunbedingten Zytopenien gilt: Die Behandlung wird nach der Stabilisierung nicht abgesetzt, sondern schrittweise reduziert, begleitet von Kontrollen der Blutplättchenzahl. Ein zu schnelles Absetzen ist der häufigste Grund für einen Rückfall.

Zur gleichen Erkrankung beim Hund finden Sie eine ausführliche Darstellung unter immunmediierte Thrombozytopenie des Hundes; eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd gibt die Übersichtsseite.

Quellen

Tizard IR (2023): Equine ITP. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 141–142

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Häufige Fragen

Welche Symptome zeigt ein Pferd mit immun-mediierter Thrombozytopenie?

Kennzeichnend sind Nasenbluten, Einblutungen in die Haut (sogenannte Petechien) und großflächige Blutungen auf den Schleimhäuten und der Bindehaut. Darüber hinaus können geschwollene Gelenke, Blutergüsse und Blutungen im Magen-Darm-Trakt auftreten. Durch Blutungen in das zentrale Nervensystem kann es auch zu einer neurologischen Symptomatik kommen.

Wie wird die immun-mediierte Thrombozytopenie beim Pferd diagnostiziert?

Betroffene Pferde haben bei der Blutuntersuchung niedrige Thrombozytenzahlen (Blutplättchen) in der Größenordnung von 20.000 bis 30.000 pro Mikroliter; die Diagnose basiert auf dem Ausschluss anderer Ursachen. Zufriedenstellende diagnostische Tests gibt es bei Pferden leider nicht, sodass häufig mit einer Verdachtsdiagnose gearbeitet werden muss. Die Durchflusszytometrie (eine Zellanalysemethode) kann, sofern verfügbar, Thrombozyten mit erhöhtem oberflächengebundenem IgG nachweisen – einer Studie zufolge tragen bei betroffenen Pferden etwa 5 % der Blutplättchen IgG auf ihrer Oberfläche, verglichen mit 0,15 % bei gesunden Pferden.

Welche anderen Ursachen kann eine Thrombozytopenie beim Pferd haben?

Eine sekundäre Thrombozytopenie, also ein Blutplättchenmangel als Folge einer anderen Erkrankung, kann bei Pferden durch Infektionen ausgelöst werden. Darüber hinaus können Arzneimittelnebenwirkungen, aber auch Tumorbildungen Ursache für das Auftreten der Krankheitssymptome sein. Diese Ursachen müssen vor der Diagnose einer primären immun-mediierten Form ausgeschlossen werden.

Wie wird die immun-mediierte Thrombozytopenie des Pferdes behandelt?

Ziel der Behandlung ist es, die Krankheitssymptome zu mildern. Aus älteren Krankenberichten ist bekannt, dass Pferde erfolgreich mit Dexamethason (einem Kortisonpräparat) in Kombination mit Azathioprin, einem Immunsuppressivum, behandelt wurden. Bei einem Blutungsnotfall kann zusätzlich die Verabreichung von plättchenreichem Blutplasma hilfreich sein; die eventuelle Gabe von Blutbestandteilen anderer Pferde sollte dabei mit den Behandelnden besprochen werden.

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