Tumorerkrankung
Lebertumor bei der Katze
Bei einem Lebertumor bei der Katze handelt es sich um eine Neubildung der Leber — primär in der Leber entstanden oder als Tochtergeschwulst (Metastase) eines anderen Tumors. Lebertumoren sind bei Katzen selten, und eine Besonderheit unterscheidet sie vom Hund: Ein größerer Teil der primären Lebertumoren ist gutartig — am häufigsten sind Gallengangsadenome (biliäre Zystadenome). Unter den bösartigen Formen überwiegen das hepatozelluläre Karzinom und das Gallengangskarzinom; daneben ist die Leber häufig beim Lymphom beteiligt. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 12 bis 13 Jahren.
Auftreten
Mit dem Alter der Katze steigt das Risiko. Die Tumoren können einzeln (solitär), an mehreren Stellen (multifokal) oder diffus im Lebergewebe auftreten; bei den bösartigen Formen überwiegt die massive Wuchsform — ein einzelner großer Tumor in einem Leberlappen. Nach der Entstehung lassen sich unterscheiden: primäre Tumoren der Leber (gutartige Adenome, hepatozelluläres Karzinom, Gallengangskarzinom, seltene Sarkome), Tumoren des blutbildenden Systems mit Leberbeteiligung (vor allem das maligne Lymphom) und Metastasen anderer Tumoren — Letztere erreichen die Leber über Blut- und Lymphweg oder durch direkten Kontakt benachbarter Organe (Abklatschmetastasen). Auch ein Virus als Ursache für Leberkrebs bei Katzen wird diskutiert und derzeit weiter erforscht.
Anzeichen
Die Symptome sind lange unspezifisch — und Katzen verbergen Krankheitszeichen ohnehin lange. Häufig sind Mattigkeit und Teilnahmslosigkeit (Apathie), Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust bis zur Abmagerung, Erbrechen (von Nahrungsresten, Galle oder auch Blut), länger anhaltender Durchfall sowie vermehrtes Trinken und Wasserlassen. Spezifischer für die Leber sind die Gelbsucht (Ikterus — gelbliche Verfärbung von Zahnfleisch und Augenweiß), ein zunehmender Bauchumfang durch den wachsenden Tumor oder Flüssigkeit in der Bauchhöhle sowie auffällige Verhaltensänderungen bis zu ungewohnter Reizbarkeit — stark wachsende Tumoren sind durch die Spannung der Leberkapsel zudem schmerzhaft. Bei solchen Anzeichen sollte die Katze zeitnah untersucht werden: Je früher die Diagnose, desto besser die Aussichten.
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Diagnose
Blutuntersuchungen zeigen häufig erhöhte Leberenzyme, sind aber nicht tumorspezifisch. Einen ersten Hinweis auf die Tumorart können sie dennoch geben: In der Auswertung von Hylton et al. (2026) wiesen Katzen mit einem Gallengangskarzinom deutlich höhere Bilirubinwerte auf als alle übrigen Gruppen — vermutlich, weil der Tumor die Gallengänge mechanisch einengt und die Galle sich zurückstaut. Umgekehrt lagen die Leberenzyme ALT und AP bei den gutartigen Gallengangsadenomen am niedrigsten. Beweisend ist das nicht, es lenkt aber den Verdacht. Die Ultraschalluntersuchung stellt Umfangsvermehrungen der Leber meist gut dar; eine Computertomographie präzisiert die Ausdehnung. Die endgültige Diagnose — und die wichtige Unterscheidung zwischen gutartigen Adenomen, bösartigen Karzinomen und einem Lymphom — liefert die feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie).
Verlauf
Da der Tumor lange unbemerkt bleibt, ist die Erkrankung bei der Diagnose oft schon fortgeschritten; Metastasen und Rezidive (das Wiederauftreten nach Behandlung) kommen vor. Die belegten Zahlen sprechen dennoch für eine Behandlung: In einer multizentrischen Auswertung von 40 Katzen mit bösartigen primären Lebertumoren (Brandstetter et al.) lebten operierte Katzen im Median 375 Tage gegenüber 16 Tagen ohne Operation; Katzen mit hepatozellulärem Karzinom erreichten im Median 868 Tage. Einzelheiten finden sich auf der Seite zur Lebenserwartung beim Lebertumor der Katze.
Was eine aktuelle Auswertung von 76 Katzen zeigt
Hylton et al. (2026) haben an vier Überweisungskliniken 76 Katzen ausgewertet, denen zwischen 2003 und 2024 ein primärer, nicht-lymphomatöser Lebertumor durch die Entfernung eines Leberlappens (Leberlappenresektion) herausoperiert wurde. Das mittlere Alter lag bei 12 Jahren, der Tumordurchmesser im Median bei 5,5 Zentimetern — bis zu 13 Zentimeter wurden gemessen, für eine Katzenleber ein erhebliches Volumen. Am häufigsten fanden sich das gutartige Gallengangsadenom (30 Katzen), das hepatozelluläre Karzinom (19), das gutartige Leberzelladenom (11) und das Gallengangskarzinom (11).
Die Überlebenszeiten unterschieden sich deutlich nach Tumorart — angegeben ist jeweils der Median, also der Wert, bei dem die Hälfte der Katzen länger und die Hälfte kürzer lebte:
| Tumorart | mediane tumorbedingte Überlebenszeit |
|---|---|
| gutartige Tumoren insgesamt | 2.916 Tage |
| Gallengangsadenom (biliäres Zystadenom) | im Beobachtungszeitraum nicht erreicht |
| Leberzelladenom | 2.916 Tage |
| bösartige Tumoren insgesamt | 673 Tage |
| hepatozelluläres Karzinom | 859 Tage |
| Gallengangskarzinom | 387 Tage |
Interessanterweise wirkte sich ein unvollständig entfernter Tumorrand statistisch nicht auf die Überlebenszeit aus (1.190 gegenüber 2.916 Tagen). Das legt nahe, dass eine Operation auch dann noch sinnvoll sein kann, wenn ein weiter Sicherheitsabstand anatomisch nicht erreichbar ist. Einschränkend gilt: Die Auswertung ist rückblickend angelegt, erfasst ausschließlich Katzen, die überhaupt operiert wurden, und die Fallzahlen je Tumorart sind klein — die Zahlen sind daher als Anhaltspunkt zu verstehen, nicht als Prognose für den Einzelfall. Für Sie als Halter bedeutet das vor allem eines: Die früher verbreitete Einschätzung, ein Lebertumor bei der Katze sei kaum behandelbar, lässt sich in dieser Form nicht mehr halten.
Therapie
Bei örtlich begrenzten Tumoren ist die operative Entfernung des betroffenen Leberlappens die Behandlung der Wahl — das gilt auch für große gutartige Adenome, die durch Verdrängung oder Blutung Beschwerden verursachen können. Der Eingriff ist anspruchsvoll, wird aber in der Regel gut vertragen: Bei Hylton et al. (2026) konnten 69 der 76 operierten Katzen aus der Klinik entlassen werden, die Sterblichkeit rund um die Operation lag damit bei 9 Prozent. Komplikationen während des Eingriffs traten bei 15 Prozent der Katzen auf, danach bei 22 Prozent — überwiegend geringgradig und ohne dass eine erneute Operation nötig wurde. Beim malignen Lymphom mit Leberbeteiligung ist dagegen die Chemotherapie die Behandlung der Wahl. Nach der bestmöglichen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Lebertumor der Katze liegen bislang nicht vor.
Quellen
Liptak JM (2020): Hepatobiliary Tumors. In: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology. 6. Aufl., St. Louis, MO, Elsevier, 454–460.
Hylton CA, Guillén A, Altwal J et al. (2026): Evaluation of survival and prognostic factors in cats undergoing surgery for primary non-lymphomatous hepatobiliary tumours. Vet Oncol 3:2. doi:10.1186/s44356-025-00053-0
Brandstetter V et al. (2023): Feline primary nonhematopoietic malignant liver tumours: A multicenter retrospective study (2000–2021). Vet Comp Oncol 21(2):191–199.
Kessler M (2022): Tumoren der Leber bei der Katze. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie. 4. Aufl., Stuttgart, 512–515.
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Häufige Fragen
Ist ein Lebertumor bei der Katze immer bösartig?
Nein. Anders als beim Hund ist bei der Katze ein größerer Teil der primären Lebertumoren gutartig — am häufigsten sind Gallengangsadenome (biliäre Zystadenome). Unter den bösartigen Formen überwiegen das hepatozelluläre Karzinom und das Gallengangskarzinom; daneben ist die Leber häufig beim Lymphom, also einem Tumor des lymphatischen Systems, beteiligt.
Welche Symptome hat eine Katze mit einem Lebertumor?
Die Anzeichen sind lange unspezifisch: Mattigkeit, Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust, Erbrechen, Durchfall sowie vermehrtes Trinken und Wasserlassen. Spezifischer für die Leber sind die Gelbsucht (Ikterus, also eine gelbliche Verfärbung von Zahnfleisch und Augenweiß), ein zunehmender Bauchumfang und auffällige Verhaltensänderungen. Da Katzen Krankheitszeichen in der Regel lange verbergen, sollte die Katze bei solchen Anzeichen zeitnah untersucht werden.
Wie lange lebt eine Katze mit einem Lebertumor?
In einer Auswertung von 76 operierten Katzen (Hylton et al. 2026) lag die mediane tumorbedingte Überlebenszeit bei bösartigen Tumoren bei 673 Tagen, beim hepatozellulären Karzinom bei 859 und beim Gallengangskarzinom bei 387 Tagen; gutartige Tumoren erreichten 2.916 Tage. Eine ältere Auswertung ergab für operierte Katzen im Median 375 Tage gegenüber 16 Tagen ohne Operation. Die belegten Zahlen sprechen daher in der Regel für eine Behandlung.
Wie wird ein Lebertumor bei der Katze festgestellt?
Blutuntersuchungen zeigen häufig erhöhte Leberenzyme, sind aber nicht tumorspezifisch; ein deutlich erhöhtes Bilirubin spricht eher für ein Gallengangskarzinom. Die Ultraschalluntersuchung stellt Umfangsvermehrungen der Leber meist gut dar, eine Computertomographie präzisiert die Ausdehnung. Die endgültige Diagnose — und die Unterscheidung zwischen gutartigen Adenomen, bösartigen Karzinomen und einem Lymphom — liefert die feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie).
Wie riskant ist die Operation eines Lebertumors bei der Katze?
In der Auswertung von 76 Katzen nach Entfernung eines Leberlappens konnten 69 Tiere aus der Klinik entlassen werden, die Sterblichkeit rund um den Eingriff lag bei 9 Prozent. Komplikationen traten während der Operation bei 15 Prozent und danach bei 22 Prozent der Katzen auf, überwiegend geringgradig. Ein unvollständig entfernter Tumorrand wirkte sich statistisch nicht auf die Überlebenszeit aus.
Kann ein Lebertumor bei der Katze operiert werden?
Bei örtlich begrenzten Tumoren ist die operative Entfernung des betroffenen Leberlappens die Behandlung der Wahl — das gilt auch für große gutartige Adenome, die durch Verdrängung oder Blutung Beschwerden verursachen können. Beim malignen Lymphom mit Leberbeteiligung ist dagegen die Chemotherapie die Behandlung der Wahl. Nach der bestmöglichen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren; kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Lebertumor der Katze liegen bislang nicht vor.