Tumorerkrankung
Krebs beim Pferd
Bei Krebs beim Pferd handelt es sich um eine bösartige Neubildung von Gewebe, deren Zellen unkontrolliert wachsen und die in andere Organe streuen kann. Auch bei Pferden wird häufig ein Krebsgeschehen festgestellt — insgesamt bleibt es dennoch eine relativ seltene Diagnose, seltener als bei unseren kleinen Haustieren Hund und Katze. Für jeden Besitzer ist eine solche Nachricht erst einmal ein Schock und kann zu großer Verunsicherung über die weiteren Behandlungsschritte führen.
Häufigste Krebsarten beim Pferd
Zu den häufigsten Krebs- beziehungsweise Tumorarten beim Pferd zählen das equine Sarkoid, das Plattenepithelkarzinom, das Lymphom und das Melanom. Daneben werden das Fibrosarkom, Stromatumoren, Mastzelltumoren sowie Blutkrebs beobachtet. Erkrankungen der Schilddrüse sind oft vorhanden, werden aber häufig erst bei pathologischen Untersuchungen gefunden. Einen Überblick mit Häufigkeiten finden Sie unter Tumorarten bei Pferden.
Jeder dieser Tumore macht sich durch andere Symptome bemerkbar. Es gibt jedoch eine Reihe unspezifischer Anzeichen, die bei vielen bösartigen Tumoren auftreten.
Warum Tumore beim Pferd oft spät entdeckt werden
Krebsbedingte Veränderungen der Haut oder der äußeren Geschlechtsorgane — am Schlauch oder an der Scheide — fallen dem Besitzer in der Regel am schnellsten auf. Tumoren in den inneren Organen und Körperhöhlen werden dagegen meist erst diagnostiziert, wenn das Pferd eine Leistungsschwäche oder eine Verschlechterung des Allgemeinbefindens zeigt.
Das liegt auch an der Größe des Tieres und an der Art des Umgangs: Pferde leben nicht so nahe am Menschen wie Hund und Katze und verdecken Krankheitsveränderungen häufig lange. So werden Tumore oft erst spät oder nur zufällig entdeckt. Umso wichtiger ist ein aufmerksamer Umgang mit Ihrem Pferd, um Anzeichen einer Tumorerkrankung frühzeitig zu registrieren.
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Unspezifische Symptome bei Krebs beim Pferd
Die Symptome der unterschiedlichen Tumorarten gleichen sich nicht, haben aber den einen oder anderen gemeinsamen Nenner. Zu den unspezifischen Anzeichen gehören:
- Mattheit und Müdigkeit
- Bewegungsunlust
- Verringerung der Leistungsfähigkeit und der Leistungsbereitschaft bis hin zur Leistungsverweigerung
- verändertes Fressverhalten und Appetitlosigkeit
- chronische Durchfälle und Probleme beim Kotabsatz
- erheblicher Gewichtsverlust bis zur deutlichen Abmagerung (Kachexie)
- erhöhte Körpertemperatur als Ausdruck des Immungeschehens
- allgemeine Schwäche
Auffällig ist das vor allem bei sonst sehr aufgeweckten oder sportlichen Pferden: Deutliche Belastungserscheinungen während und nach sportlichen Aktivitäten können ebenfalls auf einen Tumor hinweisen.
Zu beachten ist, dass nicht nur bösartige, sondern auch gutartige Veränderungen je nach Größe und Lage der Zubildung einen erheblichen Einfluss auf das Krankheitsgeschehen und die Ausbildung von Symptomen haben können.
Tastbare Veränderungen
Tumorzellen haben die Eigenschaft, unkontrolliert zu wachsen. So kann es im Krankheitsverlauf dazu kommen, dass die Tumorbildungen für den untersuchenden Tierarzt tastbar werden — selbst dann, wenn sie an inneren Organen wie der Leber oder der Milz liegen. Ultraschalluntersuchungen können die Diagnostik weiter stützen.
Blutarmut als Warnzeichen
Ein weiteres Anzeichen für einen Tumor ist eine plötzlich auftretende Anämie, also eine Blutarmut. Diese lässt sich zwar nur durch klinische Tests sicher darstellen, zeigt sich aber ihrerseits mit einer Reihe von Symptomen. Durch einen mit der Blutarmut einhergehenden Zinkmangel kann es zum Beispiel zu Fellproblemen oder Auffälligkeiten an der Haut kommen. Häufig ist außerdem ein unregelmäßiger und untypischer Puls, der entweder sehr schnell oder sehr langsam und ruhig sein kann; die Atemfrequenz ist meist erhöht. Auch Verfärbungen in den Exkrementen oder im Urin sind in der Regel zu beobachten. Weitere Hinweise auf eine Anämie sind:
- unruhiges Verhalten mit einhergehendem Muskelzittern
- Blutungen
- gelbliche Schleimhäute
- paraneoplastische Symptome, also Beschwerden, die nicht vom Tumor selbst, sondern von seinen Botenstoffen ausgelöst werden
Bei Lymphosarkomen und Melanomen kann die Blutarmut auch Folge einer sekundären immunmediierten hämolytischen Anämie sein, bei der Autoantikörper die roten Blutkörperchen des Pferdes angreifen.
Symptome einzelner Tumorarten
Spezifische Symptome hängen von der Tumorart ab, an der das Pferd erkrankt ist. Melanome beim Pferd können sich beispielsweise über trockene, gerötete und schuppige Hautstellen äußern. Des Weiteren kann es zu Problemen bei der Wundheilung, zu Knubbeln unter der Haut sowie zu eitrigen und entzündeten Stellen kommen. Sollten Sie solche Hautveränderungen oder allgemeine Veränderungen am Körper Ihres Pferdes feststellen, suchen Sie bitte einen Tierarzt auf.
Gutartig oder bösartig?
Auch beim Pferd gibt es sowohl gutartige als auch bösartige Geschwulsterkrankungen. Für die Bestimmung der Krebsart wie auch für die Unterscheidung zwischen gutartiger und bösartiger Veränderung ist die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) mit anschließender pathologischer Untersuchung zwingend notwendig. Erst wenn genau bekannt ist, um welchen Krebs es sich handelt, kann der Tierarzt eine Prognose stellen und gezielt behandeln.
Ausbreitung auf andere Organe
Im Krankheitsverlauf kommt es häufig dazu, dass sich der Krebs ausbreitet. Das kann bedeuten, dass der ursprüngliche Tumor wächst — bei außen liegenden Tumoren auf oder unter der Haut wird er dann eher tastbar als bei Tumoren der inneren Organe. Zum anderen können die entarteten Zellen auf andere Organe oder anderes Gewebe übergreifen, also Metastasen bilden. Ist das der Fall, können viele weitere Symptome hinzukommen, die von Krampfanfällen bis zu Verhaltensänderungen reichen, da immer weitere Organ- und Körperfunktionen eingeschränkt werden.
Behandlung
Nach der Diagnose sollte so schnell wie möglich mit der Behandlung begonnen werden. Bei bösartigem Krebs ist das besonders wichtig, um zu verhindern, dass der Krebs im Körper des Pferdes streut. Aber auch gutartige Veränderungen können behandlungswürdig sein, wenn sie das Pferd aufgrund ihrer Größe oder ihrer Lokalisation zu sehr einschränken.
Meist steht am Beginn der Behandlung eine Operation, um den Tumor zu entfernen. Das gelingt nicht immer vollständig, wodurch weitere Therapien notwendig werden. Begleitend werden häufig schmerzstillende Medikamente verabreicht. Eine weitere Möglichkeit ist die dendritische Zelltherapie — eine schonende Immuntherapie, bei der aus körpereigenen Zellen ein Vakzin hergestellt wird, das das Immunsystem des Pferdes wieder auf die entarteten Zellen aufmerksam macht.
Je früher Sie beziehungsweise der Tierarzt die Symptome richtig deuten, desto besser sind in der Regel die Prognosen einer Behandlung. Ziel muss dabei immer sein, die Lebensqualität des Pferdes zu erhalten und zu verbessern und seine Lebenserwartung zu erhöhen.
Quellen
- Knottenbelt DC et al. (2015): Clinical Equine Oncology, Edinburgh, 62-69
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Häufige Fragen
Woran erkenne ich Krebs bei meinem Pferd?
Krebsbedingte Veränderungen der Haut oder der äußeren Geschlechtsorgane, am Schlauch oder an der Scheide, fallen dem Besitzer in der Regel am schnellsten auf. Tumoren in den inneren Organen und Körperhöhlen werden dagegen meist erst diagnostiziert, wenn das Pferd eine Leistungsschwäche oder eine Verschlechterung des Allgemeinbefindens zeigt.
Welche Symptome können auf einen Tumor bei meinem Pferd hinweisen?
Erkrankte Tiere sind oft matt und zeigen eine Verringerung der Leistungsfähigkeit wie der Leistungsbereitschaft — auffällig vor allem bei sonst aufgeweckten oder sportlichen Pferden. Hinzu kommen häufig Appetitlosigkeit, chronische Durchfälle mit erheblichem Gewichtsverlust bis zur deutlichen Abmagerung (Kachexie) sowie eine erhöhte Körpertemperatur als Ausdruck des Immungeschehens.
Warum werden Tumore beim Pferd oft erst spät entdeckt?
Entdeckt werden vor allem Veränderungen der Haut und Unterhaut, während die Symptome anderer Tumorarten sehr unspezifisch sind. Hinzu kommt, dass Pferde nicht so nahe am Menschen leben wie Hund und Katze und Krankheitsveränderungen häufig lange verdecken — so werden Tumore oft erst spät oder nur zufällig gefunden.
Welche Rolle spielt eine Blutarmut bei Tumorerkrankungen?
Eine plötzliche Anämie (Blutarmut) kann ein weiteres Anzeichen für einen Tumor sein. Sie lässt sich zwar nur durch klinische Tests sicher nachweisen, zeigt sich aber mit einer Reihe von Symptomen: Fellproblemen durch Zinkmangel, unregelmäßigem Puls, erhöhter Atemfrequenz, Verfärbungen in Exkrementen oder Urin, unruhigem Verhalten mit Muskelzittern, Blutungen und gelblichen Schleimhäuten.
Woher weiß man, ob ein Tumor beim Pferd gut- oder bösartig ist?
Dafür ist die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) mit anschließender pathologischer Untersuchung zwingend notwendig. Erst wenn genau bekannt ist, um welche Krebsart es sich handelt, kann der Tierarzt eine Prognose stellen und gezielt behandeln. Auch gutartige Veränderungen können behandlungswürdig sein, wenn sie das Pferd durch Größe oder Lage zu sehr einschränken.
Was bedeutet es, wenn der Krebs beim Pferd streut?
Breitet sich der Krebs auf andere Organe oder anderes Gewebe aus, bildet er also Metastasen, können viele weitere Symptome hinzukommen — von Krampfanfällen bis zu Verhaltensänderungen —, weil immer weitere Organ- und Körperfunktionen eingeschränkt werden. Bei bösartigem Krebs ist eine schnelle Behandlung deshalb besonders wichtig.
Wie wird Krebs beim Pferd behandelt?
Am Beginn der Behandlung steht meist eine Operation, um den Tumor zu entfernen; da das nicht immer vollständig gelingt, können weitere Therapien notwendig werden, begleitend werden häufig schmerzstillende Medikamente gegeben. Eine weitere Möglichkeit ist die dendritische Zelltherapie, eine Immuntherapie aus körpereigenen Zellen. Ziel jeder Behandlung ist es, die Lebensqualität des Pferdes zu erhalten und seine Lebenserwartung zu erhöhen.