Symptome vom Mammatumor beim Hund
Die Symptome vom Mammatumor beim Hund beschränken sich lange Zeit auf einen einzigen Befund: einen tastbaren Knoten in der Gesäugeleiste. Beim Mammatumor beim Hund handelt es sich um eine Neubildung des Gesäuges, also der Milchdrüsenleiste; etwa die Hälfte dieser Zubildungen erweist sich feingeweblich als bösartig. Betroffen sind ganz überwiegend Hündinnen — Rüden stellen etwa 1 % der Fälle. Weder Größe noch Konsistenz noch Wachstumsgeschwindigkeit erlauben dabei einen Rückschluss auf die Dignität, also die Gut- oder Bösartigkeit.
- Der Tastbefund an der Gesäugeleiste
- Fortgeschrittenes Wachstum
- Paraneoplastisches Syndrom
- Symptome durch Metastasen
- Was sonst hinter einem Knoten stecken kann
- Wann eine Untersuchung angezeigt ist
- Von den Symptomen zur Diagnose
- Quellen
Der Tastbefund an der Gesäugeleiste
Das führende und häufig einzige Anzeichen ist eine tastbare Umfangsvermehrung im Bereich der Milchdrüsen — zu Beginn meist kugelige Knötchen von wenigen Millimetern, die dem Hund keine Beschwerden bereiten. Die Konsistenz reicht von derb und hart bis weich und teigig; auch weich erscheinende Veränderungen können bösartig sein.
Beurteilt werden neben der Größe die Verschieblichkeit gegen die Unterlage und die Abgrenzbarkeit gegen das Nachbargewebe. Eine feste Verwachsung und unscharfe Ränder gelten als Hinweis auf ein infiltratives, also einwachsendes Wachstum — beweisend für Bösartigkeit sind sie nicht.
Häufig bleibt es nicht bei einer einzelnen Zubildung: Viele Hündinnen tragen mehrere Tumoren gleichzeitig, verteilt auf verschiedene Gesäugekomplexe und auf beide Seiten. Dabei kann jeder Knoten einer anderen Tumorart angehören — einer gutartig, ein zweiter bösartig. Deshalb wird die gesamte Leiste beidseits abgetastet und jede entfernte Zubildung einzeln untersucht.
Kleine Knoten sind leichter zu finden, wenn der Hund auf dem Rücken liegt: Die Haut ist dann gespannt, und die Zubildungen zeichnen sich ab. Es empfiehlt sich, die Leiste regelmäßig — etwa monatlich — mit flacher Hand abzutasten und beide Seiten zu vergleichen.
Fortgeschrittenes Wachstum
Nimmt ein Mammatumor an Größe zu, ändert sich das Bild — mitunter nach einer längeren Phase, in der sich der Knoten kaum verändert hatte. Die Haut über dem Tumor spannt sich, rötet sich und kann schließlich ulzerieren, also aufbrechen. Solche offenen Tumoroberflächen nässen, bluten leicht, entzünden sich bakteriell und entwickeln nicht selten einen unangenehmen Geruch.
Schmerzen treten vor allem bei rasch wachsenden, ulzerierten oder entzündeten Tumoren auf. Sie äußern sich selten durch Lautäußerung, häufiger durch Berührungsempfindlichkeit am Bauch, verändertes Ruheverhalten oder Hecheln — Einzelheiten unter Schmerzen beim Mammatumor.
Paraneoplastisches Syndrom
Unter einem paraneoplastischen Syndrom versteht man Begleiterscheinungen, die nicht der Tumor selbst hervorruft, sondern seine Stoffwechselwirkungen im Organismus. Beschrieben sind unter anderem:
- Mattigkeit und Lethargie (Teilnahmslosigkeit)
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust bis hin zur Tumorkachexie, also dem krankheitsbedingten Abbau von Muskel- und Fettgewebe
- Fieber sowie Anämie (Blutarmut)
Diese Befunde sind unspezifisch und treten in der Regel erst in fortgeschrittenen Stadien auf. Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust sind dabei Folge der Tumorerkrankung und nicht deren Ursache.
Symptome durch Metastasen
Bösartige Mammatumoren metastasieren häufig und teilweise früh, das heißt sie streuen Tochtergeschwülste in andere Körperregionen. Der Weg führt zunächst über die Lymphgefäße in die regionären Lymphknoten, vor allem den Achsel- und den Leistenlymphknoten. Diese können sich vergrößern und als derbe Knoten tastbar werden; eine Schwellung allein beweist jedoch keinen Tumorbefall.
Das häufigste Ziel von Fernmetastasen ist die Lunge (Kim et al. 2021). Lungenmetastasen bleiben lange stumm und fallen zunächst nur im Röntgenbild auf; erst wenn größere Anteile befallen sind, zeigen sich Husten, angestrengte Atmung, Atemnot und verminderte Leistungsfähigkeit.
Seltener sind andere Organe betroffen; die Beschwerden richten sich dann nach dem befallenen Organ: Erbrechen oder Durchfall bei Befall des Verdauungstrakts, Lahmheit bei Knochenmetastasen, Verhaltens- und Wesensveränderungen bei Beteiligung des Zentralnervensystems. Wie stark eine Metastasierung die Aussichten verändert, ist unter Lebenserwartung beim Mammatumor dargestellt.
Was sonst hinter einem Knoten stecken kann
Nicht jede Umfangsvermehrung an der Gesäugeleiste ist ein Mammatumor. Abzugrenzen sind unter anderem:
- Mastitis (Milchdrüsenentzündung): meist schmerzhaft, überwärmt und gerötet, oft im Umfeld von Läufigkeit, Scheinträchtigkeit oder Säugezeit
- Hernien, also Brüche der Bauchwand, bei denen Bauchinhalt durch eine Lücke tritt und als weiche Vorwölbung erscheint
- Haut- und Unterhauttumoren nahe dem Gesäuge — etwa Lipome (gutartige Fettgewebsgeschwülste) oder Mastzelltumoren
- vergrößerte Lymphknoten in der Leistengegend, die entzündlich wie auch tumorbedingt anschwellen können
Welche Ursache vorliegt, lässt sich durch Abtasten allein nicht klären.
Wann eine Untersuchung angezeigt ist
Jede neu aufgetretene Umfangsvermehrung an der Gesäugeleiste sollte tierärztlich abgeklärt werden, unabhängig von Größe und Konsistenz — auch dann, wenn der Hund keine Beschwerden zeigt, was bei kleinen Zubildungen die Regel ist.
Dringlicher wird die Vorstellung, wenn ein bekannter Knoten innerhalb weniger Wochen deutlich größer wird, wenn die Haut darüber aufbricht oder blutet, oder wenn Gewichtsverlust, Husten und verminderte Belastbarkeit hinzukommen. Da die Tumorgröße bei der Operation zu den wichtigsten Prognosefaktoren zählt, verschlechtert längeres Abwarten die Ausgangslage.
Von den Symptomen zur Diagnose
Die Symptome vom Mammatumor beim Hund erlauben eine Verdachtsdiagnose, mehr nicht. Auch eine Zytologie mittels Feinnadelaspiration, also die Entnahme von Zellmaterial mit einer dünnen Nadel, hat hier deutliche Grenzen. Gesichert wird die Diagnose erst durch die histologische Untersuchung des operativ entfernten Gewebes: Sie klärt Tumorart, Malignitätsgrad (Grading), die Vollständigkeit der Entfernung und das Vorliegen von Gefäßeinbrüchen, also von Tumorzellen in Blut- oder Lymphgefäßen.
Therapie der Wahl ist die operative Entfernung. Nach vollständiger Resektion eines bösartigen Tumors kommt ergänzend die dendritische Zelltherapie in Betracht, für die kontrollierte Wirksamkeitsstudien bislang fehlen. Den Gesamtüberblick zu Vorkommen, Stadien und Behandlung bietet die Hauptseite Mammatumor beim Hund.
Quellen
- Sorenmo K et al. (2020): Tumors of the Mammary Gland, in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 604–625
- Schmidt JM, Gedon J, Kessler M (2022): Mammatumoren des Hundes, in: Kessler M (Hrsg.), Kleintieronkologie, 4. Aufl., Thieme, Stuttgart, 377–389
- Kim S et al. (2021): Metastasis prognostic factors in canine metastatic mammary gland tumors, J Vet Sci 22:e62, doi:10.4142/jvs.2021.22.e62