Tumorerkrankung

Operation vom Mammatumor beim Hund

Die Operation vom Mammatumor beim Hund bezeichnet die chirurgische Entfernung der veränderten Anteile der Gesäugeleiste. Beim Mammatumor der Hündin ist sie die Therapie der Wahl: Kein anderes Verfahren entfernt das Tumorgewebe zuverlässig, und erst der Eingriff liefert das Material für die feingewebliche Untersuchung.

Operieren oder nicht?

Etwa die Hälfte der Mammatumoren der Hündin ist bösartig, und welcher Fall vorliegt, lässt sich vorher nicht sicher klären: Weder Größe noch Wachstumsgeschwindigkeit erlauben einen Rückschluss auf die Dignität, also die Gut- oder Bösartigkeit, und auch die Feinnadelaspiration liefert häufig kein eindeutiges Ergebnis. Zudem kann eine Hündin mehrere Knoten vorweisen, von denen einer gutartig, ein anderer bösartig ist.

Da Mammatumoren wachsen und aufbrechende Knoten bluten und schmerzen, verschlechtert Abwarten die Ausgangslage meist. In der Regel wird deshalb zur Operation geraten, sofern der Allgemeinzustand sie zulässt; eine für jeden Einzelfall zutreffende Antwort gibt es allerdings nicht. Ausnahmen betreffen sehr alte oder schwer vorerkrankte Hündinnen, bei denen das Risiko den Nutzen übersteigt. Ob eine zeitgleiche Kastration die Prognose verbessert, ist nicht gesichert — die Studienlage dazu ist uneinheitlich und unter Kastration beim Mammatumor im Einzelnen dargestellt.

Entscheidungshilfe: Was spricht für, was gegen die Operation?

Für eine Operation spricht in der Regel:

  • ein oder mehrere Knoten in der Milchleiste, deren Art noch nicht geklärt ist
  • ein kleiner Tumor — je früher operiert wird, desto kleiner ist in der Regel der Eingriff und desto besser die Prognose
  • ein wachsender, aufbrechender, blutender oder schmerzender Knoten, auch wenn bereits Metastasen bekannt sind (dann mit dem Ziel, die Lebensqualität zu verbessern)
  • ein Allgemeinzustand, der eine Narkose zulässt — unabhängig vom Alter

Gegen eine Operation oder für ein anderes Vorgehen spricht in der Regel:

  • das entzündliche (inflammatorische) Mammakarzinom: eine besonders aggressive Form, bei der das Gesäuge flächig gerötet, verhärtet, warm und schmerzhaft ist; hier bringt die Operation in der Regel keinen Vorteil, die Wundheilung ist häufig gestört, und die Behandlung richtet sich auf Schmerzlinderung
  • ausgedehnte, bereits nachgewiesene Fernmetastasen, etwa in der Lunge, bei deutlich reduziertem Allgemeinbefinden
  • schwere Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen, die das Narkoserisiko zu hoch machen

Deshalb stehen vor jeder Operation eine gründliche Untersuchung und Röntgenaufnahmen des Brustkorbs: Sie klären, ob Metastasen vorliegen und ob die Hündin narkosefähig ist. Für Sie als Halterin oder Halter ist diese Entscheidung oft schwer — die gute Nachricht ist, dass ein früh entdeckter, vollständig entfernter Mammatumor in vielen Fällen dauerhaft geheilt ist.

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Umfang des Eingriffs

Der Umfang richtet sich nach Zahl, Größe und Lage der Knoten sowie nach den Lymphabflussgebieten. Umgangssprachlich wird die Operation oft als „Milchleiste entfernen“ oder „Gesäugeleiste entfernen“ bezeichnet, tatsächlich reicht die Spanne aber vom einzelnen Knoten bis zur ganzen Leiste:

  • Knotenexstirpation (Lumpektomie): nur der Knoten mit einem Saum umgebenden Gewebes, bei kleinen verschieblichen Zubildungen.
  • Mammektomie: der betroffene Gesäugekomplex mit seinem gesamten Drüsengewebe.
  • Regionale Mastektomie: mehrere benachbarte Komplexe einer Leiste, die über dasselbe Lymphgefäßsystem entwässern — vordere überwiegend in den Achsel-, hintere in den Leistenlymphknoten.
  • Einseitige und beidseitige Mastektomie: eine ganze oder beide Leisten, bei zahlreichen oder verteilten Knoten. Beidseits wird meist in zwei Eingriffen operiert, weil sich die Haut sonst nur unter starker Spannung verschließen lässt.

Entscheidend ist der Sicherheitsabstand: ein Saum tumorfreien Gewebes ringsum und in die Tiefe, bei Verwachsung einschließlich der Bauchwandfaszie. Die regionären Lymphknoten werden nicht routinemäßig entfernt — der Leistenlymphknoten wird mit dem hintersten Komplex meist mitgenommen, vergrößerte oder zytologisch verdächtige gezielt. Eine Schwellung allein beweist jedoch keinen Befall.

Narkose

Jeder Eingriff erfordert eine Vollnarkose. Unterschieden werden zwei Verfahren:

  • Injektionsnarkose: Das Narkotikum wird gespritzt, meist nach Körpergewicht. Die Dosis muss vorab festgelegt werden und lässt sich intraoperativ kaum anpassen; die Wirkstoffe werden über Leber und Niere abgebaut. Das Herz-Kreislauf-Risiko ist höher.
  • Inhalationsnarkose: Das Narkosegas wird über einen Tubus eingeatmet. Die Narkosetiefe lässt sich fortlaufend steuern und den überwachten Vitalparametern anpassen; die Substanzen werden überwiegend wieder abgeatmet und belasten Leber und Niere weniger. Das Herz-Kreislauf-Risiko ist geringer.

Das Alter allein ist kein Ausschlussgrund — ausschlaggebend sind Allgemeinzustand und Organfunktion. Vor dem Eingriff stehen klinische Untersuchung, Blutbild mit Nieren- und Leberwerten, Herz-Kreislauf-Beurteilung und Röntgenaufnahmen des Brustkorbs. Bei fortgeschrittener Herz- oder Nierenerkrankung kann das Risiko so hoch sein, dass auf die Narkose und damit die Operation verzichtet werden muss.

Ablauf und Nachsorge

Die Wunde wird mehrschichtig verschlossen. In den ersten zehn bis vierzehn Tagen stehen Wundversorgung und Ruhe im Vordergrund: tägliche Kontrolle auf Schwellung, Rötung und Nässen, ein Body gegen Belecken und eine deutliche Bewegungseinschränkung — kurze Leinengänge statt Toben und Springen. Schmerzmittel über mehrere Tage gehören dazu. Statt eines Bodys kommt je nach Wundlage auch ein Halskragen zum Einsatz; zu dessen Auswirkungen auf das Befinden des Tieres siehe Das Tragen eines Halskragens macht Haustiere unglücklich.

Die pathohistologische Untersuchung des entfernten Gewebes ist Pflicht, keine Zusatzleistung nach Wahl; alle Knoten sollten einzeln eingesandt werden. Beurteilt werden:

  • Tumorart und Dignität,
  • der Malignitätsgrad (Grading), ein Maß für die Entartung des Gewebes,
  • die Resektionsränder, also ob im Gesunden entfernt wurde,
  • Gefäßeinbrüche, das heißt Tumorzellen in Blut- oder Lymphgefäßen,
  • der Lymphknotenstatus, sofern Lymphknoten mitentfernt wurden.

Dieser Befund ist die Grundlage jeder weiteren Entscheidung.

Bei vorhandenen Metastasen

Sind bereits Fernmetastasen nachweisbar — beim Mammatumor am häufigsten in der Lunge —, kann eine Operation nicht mehr heilen; die Lungenherde selbst sind in aller Regel nicht operabel. Die Entfernung des Primärtumors kann dennoch sinnvoll sein, dann aber mit verändertem Ziel: Ein aufgebrochener, blutender oder schmerzhafter Tumor belastet das Tier unabhängig von den Metastasen. Seine Entfernung verbessert die Lebensqualität, verlängert die Überlebenszeit in der Regel aber nicht.

Der Nutzen ist gegen die Belastung durch Narkose und Wundheilung abzuwägen; bei ausgedehnter Metastasierung oder deutlich reduziertem Allgemeinbefinden überwiegt meist die Belastung. Dann stehen Schmerztherapie und Versorgung der Tumoroberfläche im Vordergrund. Lassen sich Schmerzfreiheit und Allgemeinbefinden nicht mehr erhalten, stellt sich die Frage nach dem Einschläfern.

Nach der Operation

War die Zubildung gutartig und vollständig entfernt, ist eine Nachbehandlung meist nicht erforderlich; Kontrollen der verbliebenen Gesäugeleiste bleiben sinnvoll. War der Tumor bösartig, richtet sich das Vorgehen nach Resektionsrändern, Grading und Lymphknotenstatus.

Die Rolle der Chemotherapie ist nicht abschließend geklärt: Tran et al. (2016) fanden bei operierten Hündinnen mit und ohne anschließende Chemotherapie keinen eindeutigen Überlebensvorteil. Pauschal empfehlen lässt sie sich daraus ebenso wenig wie ablehnen — bei Gefäßeinbrüchen, Lymphknotenbefall oder Metastasierung ist sie zu erwägen.

Nach vollständiger Resektion ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren — dendritische Zellen präsentieren anderen Abwehrzellen Merkmale des Tumors und stoßen so eine gerichtete Immunantwort an. In Betracht kommt sie vor allem bei bösartigem Befund, Gefäßeinbrüchen oder knappem Sicherheitsabstand. Durchgeführt wird sie beim Haustierarzt und ist mit den etablierten Verfahren kombinierbar, ohne an deren Stelle zu treten. Belastbare Daten fehlen bislang: Grammel (2017) legte eine unkontrollierte Pilotuntersuchung an 17 Hunden mit Mammaadenokarzinom vor; kontrollierte Studien zur Wirksamkeit liegen nicht vor.

Wie sich Tumorgröße, Lymphknotenbefall und Vollständigkeit der Entfernung auswirken, zeigt die Lebenserwartung beim Mammatumor.

Kosten

Die Kosten lassen sich nicht allgemein beziffern. Sie hängen von Lokalisation, Größe und Zahl der Knoten ab, vom Umfang des Eingriffs, vom Narkoseverfahren, von Voruntersuchungen und Überwachung sowie davon, ob in Praxis oder Klinik operiert wird. Hinzu kommen pathohistologische Untersuchung und Nachkontrollen. Abgerechnet wird in Deutschland nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), die für jede Leistung einen Gebührenrahmen vorgibt; wo im Rahmen abgerechnet wird, richtet sich nach Aufwand und Schwierigkeit. Eine Schätzung für den konkreten Fall kann der behandelnde Tierarzt nach der Voruntersuchung geben.

Quellen

  • Sorenmo K et al. (2020): Tumors of the Mammary Gland, in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 604–625
  • Schmidt JM, Gedon J, Kessler M (2022): Mammatumoren des Hundes, in: Kessler M (Hrsg.), Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 377–389
  • Tran CM et al. (2016): Surgical treatment of mammary carcinomas in dogs with or without postoperative chemotherapy, PubMed 24735412
  • Banchi P et al. (2022): Retrospective study and survival analysis on bitches with mammary tumours spayed at the same time of mastectomy, Vet Comp Oncol 20:172–178
  • Kristiansen VM et al. (2016): Effect of ovariohysterectomy at the time of tumor removal in dogs with mammary carcinomas: a randomized controlled trial, J Vet Intern Med 30:230–241
  • Grammel T (2017): A pilot uncontrolled study of postsurgical treatment with autologous dendritic cell-based immunologic therapy in 17 dogs with mammary adenocarcinoma, Poster, 23rd FECAVA Conference, Copenhagen

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Häufige Fragen

Muss ein Mammatumor beim Hund immer operiert werden?

In der Regel wird zur Operation geraten, sofern der Allgemeinzustand sie zulässt — etwa die Hälfte der Mammatumoren ist bösartig, und welcher Fall vorliegt, lässt sich vorher nicht sicher klären. Da Mammatumoren wachsen und aufbrechende Knoten bluten und schmerzen, verschlechtert Abwarten die Ausgangslage meist. Ausnahmen betreffen vor allem nachgewiesene Fernmetastasen, das entzündliche Mammakarzinom und sehr alte oder schwer vorerkrankte Hündinnen, bei denen das Narkoserisiko den Nutzen übersteigt.

Ist mein Hund zu alt für die Narkose?

Das Alter allein ist kein Ausschlussgrund — ausschlaggebend sind Allgemeinzustand und Organfunktion. Vor dem Eingriff stehen klinische Untersuchung, Blutbild mit Nieren- und Leberwerten, Herz-Kreislauf-Beurteilung und Röntgenaufnahmen des Brustkorbs. Erst bei fortgeschrittener Herz- oder Nierenerkrankung kann das Risiko so hoch sein, dass auf die Narkose und damit die Operation verzichtet werden muss.

Wie viel Gewebe wird bei der Operation entfernt?

Der Umfang richtet sich nach Zahl, Größe und Lage der Knoten: von der Knotenexstirpation (nur der Knoten mit einem Saum umgebenden Gewebes) über die Entfernung einzelner oder mehrerer Gesäugekomplexe bis zur ein- oder beidseitigen Mastektomie, also der Entfernung einer ganzen oder beider Milchleisten. Entscheidend ist der Sicherheitsabstand — ein Saum tumorfreien Gewebes ringsum und in die Tiefe. Beidseits wird meist in zwei Eingriffen operiert, weil sich die Haut sonst nur unter starker Spannung verschließen lässt.

Was kostet die Operation eines Mammatumors beim Hund?

Einen festen Betrag gibt es nicht: Die Kosten richten sich nach dem Umfang des Eingriffs, dem Narkoseverfahren, den Voruntersuchungen und danach, ob in Praxis oder Klinik operiert wird. Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), die je nach Aufwand einen Rahmen vorgibt; hinzu kommen die feingewebliche Untersuchung und die Nachkontrollen. Eine Schätzung für den konkreten Fall kann der behandelnde Tierarzt nach der Voruntersuchung geben.

Lohnt sich die Operation noch, wenn schon Metastasen da sind?

Heilen kann eine Operation dann nicht mehr; die Lungenherde selbst sind in aller Regel nicht operabel. Die Entfernung des Primärtumors kann dennoch sinnvoll sein — ein aufgebrochener, blutender oder schmerzhafter Tumor belastet das Tier unabhängig von den Metastasen, und seine Entfernung verbessert die Lebensqualität, verlängert die Überlebenszeit in der Regel aber nicht. Bei ausgedehnter Metastasierung oder deutlich reduziertem Allgemeinbefinden überwiegt meist die Belastung durch Narkose und Wundheilung.

Wie geht es nach der Operation weiter?

In den ersten zehn bis vierzehn Tagen stehen Wundversorgung und Ruhe im Vordergrund — mit täglicher Kontrolle, einem Body gegen Belecken, kurzen Leinengängen und Schmerzmitteln über mehrere Tage. War die Zubildung gutartig und vollständig entfernt, ist eine Nachbehandlung meist nicht erforderlich; bei bösartigem Befund richtet sich das Vorgehen nach Resektionsrändern, Grading und Lymphknotenstatus. Nach vollständiger Resektion ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren — kontrollierte Studien zur Wirksamkeit liegen allerdings bislang nicht vor.

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