Mukokutaner Lupus erythematosus des Hundes
Beim mukokutanen Lupus erythematosus handelt es sich um eine Form des kutanen, also auf die Haut beschränkten Lupus erythematosus, die gezielt die mukokutanen Übergänge befällt — jene Zonen, in denen Haut in Schleimhaut übergeht. Betroffen sind hauptsächlich Deutsche und Belgische Schäferhunde sowie deren Mischlinge; in einer Übersichtsarbeit stellten sie rund 47 Prozent der beschriebenen Fälle (Olivry et al. 2018). Hündinnen erkranken etwa 1,8-mal so häufig wie Rüden, das mediane Erkrankungsalter liegt bei sechs Jahren mit einer Spanne von 3 bis 13 Jahren.
Wo die Veränderungen auftreten
Anders als beim diskoiden Lupus, der am Nasenspiegel beginnt, liegt der Schwerpunkt hier deutlich weiter hinten am Körper. Nach der genannten Auswertung verteilen sich die Veränderungen wie folgt:
- Afterregion — mit rund 67 Prozent die mit Abstand häufigste Lokalisation
- Genitale und Umgebung — etwa 47 Prozent
- Lefzen — etwa 28 Prozent
- Augenumgebung — etwa 17 Prozent
Gerade weil die Erkrankung bevorzugt Stellen befällt, die im Alltag nicht auffallen, wird sie oft erst spät bemerkt. Wenn ein Schäferhund mittleren Alters beim Kotabsatz drückt, jault oder auffällig oft am Hinterteil leckt, lohnt ein genauer Blick auf die Haut rund um den After.
Symptome und was sie für den Hund bedeuten
Erkrankte Hunde entwickeln perimukosale Veränderungen, also Läsionen rund um die Schleimhautübergänge: Erosionen (oberflächliche Hautdefekte) und Geschwüre, dazu Krustenbildung und eine Hyperpigmentierung, das heißt eine verstärkte Dunkelfärbung der Haut. Die Veränderungen treten symmetrisch auf, sind ausgesprochen schmerzhaft und können sich sekundär mit Bakterien infizieren. Eine Narbenbildung ist in der Regel nicht zu beobachten.
Systemische Krankheitszeichen fehlen — der Hund hat kein Fieber, keine Gelenkbeschwerden und keine Organbeteiligung. Was er hat, sind Schmerzen an einer Stelle, die er nicht zeigen kann: Viele Hunde wirken beim Harn- und Kotabsatz unwohl, setzen ab und brechen ab, oder halten den Kot zurück. Diese Verhaltensänderung ist häufig das erste, was Haltern auffällt.
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Der Weg zur Diagnose
Gesichert wird die Diagnose durch eine Hautbiopsie, also die feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem Randbereich einer frischen Läsion. Zu finden ist das für den Lupus typische Bild einer lymphoplasmazytischen Interface-Dermatitis: eine von Lymphozyten und Plasmazellen getragene Entzündung an der Grenzschicht zwischen Ober- und Lederhaut, mit Untergang der basalen Keratinozyten — der untersten Zelllage der Oberhaut. In der Immunfluoreszenz lassen sich für den Lupus sprechende IgG-Ablagerungen nachweisen.
Ein wichtiger Punkt für die Praxis: Tests auf antinukleäre Antikörper verlaufen bei dieser Form negativ. Ein negativer Bluttest schließt einen mukokutanen Lupus also nicht aus — die Diagnose steht und fällt mit der Gewebeprobe.
Was sonst dahinterstecken kann
Schmerzhafte Veränderungen im Analbereich haben beim Schäferhund mehrere mögliche Ursachen, die sich klinisch ähneln:
- die Perianalfistel des Hundes — ebenfalls beim Deutschen Schäferhund gehäuft, aber mit tiefen Fistelgängen statt oberflächlicher Erosionen
- der Pemphigus vulgaris und die Pemphigoid-Erkrankungen, bei denen zusätzlich Blasen auftreten
- arzneimittelbedingte Hautreaktionen
- bakterielle und pilzbedingte Infektionen sowie Leishmaniose
- tumoröse Veränderungen im Analbereich
Behandlung
Betroffene Hunde sprechen gut auf Glukokortikoide an; ein deutlicher Rückgang der Veränderungen tritt in der Regel innerhalb weniger Wochen ein. Die Schwierigkeit liegt nicht im Ansprechen, sondern im Reduzieren: Wird die Dosis gesenkt, kommt es häufig zu einem Rezidiv, also einem Wiederaufflammen der Erkrankung.
Deshalb wird in der Regel kombiniert behandelt:
- Glukokortikoide zur Einleitung, anschließend langsame Reduktion auf die niedrigste noch wirksame Erhaltungsdosis
- Tetrazyklin-Antibiotika zusammen mit Niacinamid als steroidsparende Dauerbehandlung
- Azathioprin oder Ciclosporin bei unzureichender Kontrolle
- örtliche Behandlung mit Tacrolimus an gut zugänglichen Stellen
- Schmerzbehandlung und Kontrolle bakterieller Sekundärinfektionen, solange offene Stellen bestehen
Weil die Erkrankung über Jahre begleitet werden muss und jede Dosisreduktion einen Rückfall auslösen kann, lohnt der Blick auf ergänzende immunologische Behandlungswege. Bei der Behandlung mit dendritischen Zellen werden aus einer Blutprobe körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken — sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken, und lassen sich mit der bestehenden Medikation kombinieren.
Prognose
Die Prognose ist gut: Die meisten Hunde sprechen auf die Behandlung an, und die Erkrankung bleibt auf die Haut beschränkt — sie greift nicht auf innere Organe über und verkürzt das Leben in der Regel nicht.
Was sie kostet, ist Geduld. Der mukokutane Lupus ist eine Erkrankung, die geführt wird, nicht geheilt: Meist ist eine langfristige, in vielen Fällen lebenslange Behandlung nötig, und Dosisreduktionen sollten in kleinen Schritten und mit Kontrollen erfolgen. Wenn Ihr Hund einmal gut eingestellt ist, sind die schmerzhaften Wochen vorbei — und darum geht es bei dieser Erkrankung vor allem.
Eine Übersicht über alle Formen finden Sie auf der Seite Lupus erythematosus des Hundes, eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd auf der Übersichtsseite.
Quellen
Olivry T, Linder KE, Banovic F (2018): Cutaneous lupus erythematosus in dogs: a comprehensive review, BMC Veterinary Research 14:132, doi:10.1186/s12917-018-1446-8
Tizard IR (2023): Mucocutaneous CLE. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 200
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Häufige Fragen
Was ist der mukokutane Lupus erythematosus beim Hund?
Er ist die Form des kutanen, also auf die Haut beschränkten Lupus, die gezielt die Übergänge von Haut zu Schleimhaut befällt. Betroffen sind hauptsächlich Deutsche und Belgische Schäferhunde sowie deren Mischlinge — in einer Übersichtsarbeit rund 47 Prozent der Fälle. Hündinnen erkranken etwa 1,8-mal so häufig wie Rüden, das mediane Erkrankungsalter liegt bei sechs Jahren.
Welche Körperstellen sind betroffen?
Mit Abstand am häufigsten die Afterregion mit rund 67 Prozent, gefolgt von Genitale und Umgebung mit etwa 47 Prozent, den Lefzen mit 28 Prozent und der Augenumgebung mit 17 Prozent. Weil das Stellen sind, die im Alltag nicht auffallen, wird die Erkrankung oft spät bemerkt.
Welche Symptome zeigt der mukokutane Lupus beim Hund?
Symmetrische, sehr schmerzhafte Erosionen und Geschwüre rund um die Schleimhautübergänge, dazu Krustenbildung und eine verstärkte Dunkelfärbung der Haut; die Geschwüre können sich sekundär infizieren, Narben bleiben in der Regel nicht zurück. Systemische Krankheitszeichen fehlen. Häufig fällt Haltern zuerst das Verhalten auf: Der Hund drückt beim Kotabsatz, bricht ab oder leckt auffällig oft am Hinterteil.
Wie wird der mukokutane Lupus beim Hund diagnostiziert?
Über eine Hautbiopsie aus dem Randbereich einer frischen Läsion. Typisch ist eine lymphoplasmazytäre Interface-Dermatitis, also eine Entzündung an der Grenzschicht zwischen Ober- und Lederhaut mit Untergang der untersten Zelllage der Oberhaut; in der Immunfluoreszenz zeigen sich IgG-Ablagerungen. Tests auf antinukleäre Antikörper verlaufen bei dieser Form negativ und schließen die Erkrankung deshalb nicht aus.
Wie wird der mukokutane Lupus beim Hund behandelt?
Zur Einleitung mit Glukokortikoiden, unter denen die Veränderungen in der Regel innerhalb weniger Wochen zurückgehen, anschließend langsame Reduktion auf die niedrigste wirksame Erhaltungsdosis. Steroidsparend kommen Tetrazyklin zusammen mit Niacinamid, bei unzureichender Kontrolle Azathioprin oder Ciclosporin hinzu, dazu örtlich Tacrolimus sowie Schmerzbehandlung, solange offene Stellen bestehen. Ergänzend kann eine Behandlung mit toleranzfördernden dendritischen Zellen geprüft werden.
Ist der mukokutane Lupus beim Hund heilbar?
Heilbar in der Regel nicht, aber gut zu führen: Die meisten Hunde sprechen auf die Behandlung an, und die Erkrankung bleibt auf die Haut beschränkt. Die Schwierigkeit liegt im Reduzieren der Medikamente — dabei kommt es häufig zu einem Wiederaufflammen, weshalb meist eine langfristige, oft lebenslange Behandlung nötig ist und Dosisreduktionen in kleinen Schritten erfolgen sollten.