Autoimmunerkrankung

Kutaner (diskoider) Lupus erythematosus des Hundes

Beim kutanen Lupus erythematosus handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung der Haut. Trotz des sehr ähnlichen Namens unterscheidet er sich grundlegend vom systemischen Lupus erythematosus: Die Veränderungen bleiben auf die Haut beschränkt, innere Organe sind nicht betroffen. Der Zusatz „diskoid” leitet sich von den kreisförmigen, etwa münzgroßen Herden ab, die diese Erkrankung beim Menschen bildet. Beschrieben ist sie bei Hund, Katze, Pferd und Mensch.

Für Sie als Halterin oder Halter ist diese Unterscheidung die wichtigste Nachricht dieser Seite: Ein diskoider Lupus ist eine Hauterkrankung — er bedeutet nicht, dass Nieren oder Gelenke Ihres Hundes in Gefahr sind.

Wie der diskoide Lupus entsteht

Der diskoide Lupus beginnt wahrscheinlich durch Schäden an der Haut durch UV-Strahlung. Sonnenlicht veranlasst empfängliche Keratinozyten — die Zellen der Oberhaut — dazu, Zytokine und andere entzündungsfördernde Moleküle zu bilden. Diese Botenstoffe aktivieren die örtliche angeborene Abwehr, also jenen Teil des Immunsystems, der ohne vorherige Prägung reagiert.

Über weitere Immunkaskaden entsteht daraus ein Entzündungszyklus, der sich selbst immer weiter verstärkt: Zerstörte Hautzellen setzen Zellbestandteile frei, diese werden als Autoantigene erkannt. Hierbei handelt es sich um körpereigene Strukturen, die das Immunsystem fälschlich für fremd hält. Dadurch schreitet die Entzündung fort. Es wird darüber hinaus die Bildung antinukleärer Antikörper gefördert, das sind Autoantikörper gegen Bestandteile des Zellkerns.

Durch diesen Mechanismus erklärt sich, warum unpigmentierte Hautbezirke bevorzugt betroffen sind: Ihnen fehlt das Melanin, das die Haut normalerweise vor UV-Strahlung schützt. Der Nasenspiegel eines Hundes ist genau eine solche Stelle — dünn behaart, exponiert und bei erkrankten Tieren zunehmend depigmentiert, was den Schaden weiter begünstigt.

Welche Hunde betroffen sind

Der diskoide Lupus im Gesicht ist vor allem bei Collies und Collie-Kreuzungen, Deutschen Schäferhunden, Siberian Huskies und Shetland Sheepdogs beschrieben. Rüden erkranken etwas häufiger als Hündinnen. Die betroffenen Hunde sind in der Regel zwischen einem und sieben Jahren alt.

Auffällig ist die Häufung in sonnenreichen Regionen und in den Sommermonaten — ein weiterer Hinweis darauf, welche Rolle die UV-Strahlung spielt.

Symptome: die Nase zuerst

Im Vordergrund stehen Veränderungen am Nasenspiegel. Der erste Befund ist häufig unauffällig und wird leicht übersehen: Die normalerweise kopfsteinpflasterartige Oberfläche des Nasenspiegels wird glatt, das Pigment blasst aus. Erst danach kommen die deutlicheren Zeichen hinzu:

  • Erythem, also Rötung
  • Depigmentierung, das heißt Verlust der Farbstoffeinlagerung, am Nasenspiegel und am Nasenrücken
  • Schuppenbildung
  • Erosionen (oberflächliche Hautdefekte) und krustige Geschwüre

Die Veränderungen können auf die Lippen, die Haut um das Auge und die Genitalien übergreifen; gelegentlich sind auch die Pfoten betroffen. Einige Hunde entwickeln zusätzlich Geschwüre im Maul. Juckreiz ist untypisch, die betroffenen Bezirke können aber schmerzhaft sein, und der verletzliche Nasenspiegel neigt zu Blutungen.

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Fazial oder generalisiert diskoid?

Beim diskoiden Lupus des Hundes werden zwei Ausprägungen unterschieden, die sich in Verteilung und Krankheitsverlauf unterscheiden:

  • Fazial diskoid ist die klassische, häufigere Form. Sie beginnt am Nasenspiegel und bleibt weitgehend auf das Gesicht beschränkt. Die Veränderungen heilen in der Regel ohne Narben ab.
  • Generalisiert diskoid ist dagegen seltener. Hier finden sich Veränderungen über den Körper verteilt, vor allem an Hals, Rücken und seitlichem Brustkorb. Bei rund 40 Prozent der Hunde sind zusätzlich Genitale und Haut-Schleimhaut-Grenzen betroffen. Typisch sind runde, „diskoide” Plaques mit haarlosem Zentrum und gerötetem Randsaum. Eine Geschlechtsbevorzugung besteht nicht. Die Veränderungen heilen unter Narbenbildung ab — weshalb bei dieser Form so früh wie möglich und konsequent behandelt werden sollte.

Eine Übersicht über alle fünf Unterformen des kutanen Lupus finden Sie auf der Seite Lupus erythematosus des Hundes.

Der Weg zur Diagnose

Gesichert wird die Diagnose „diskoider Lupus” durch eine Hautbiopsie, also die Entnahme und feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem betroffenen Bereich. Typisch ist das Bild einer sogenannten Interface-Dermatitis: eine Entzündung genau an der Grenzfläche zwischen Ober- und Lederhaut, verbunden mit dem Untergang der Basalzellen — der untersten Zelllage der Oberhaut. Dazu findet sich eine Pigmentinkontinenz, bei der ausgetretener Farbstoff in der Lederhaut liegt.

Wichtig zu wissen: Bluttests auf antinukleäre Antikörper fallen bei dieser Krankheitsform in der Regel negativ oder nur schwach positiv aus. Ein negativer Test schließt einen diskoiden Lupus also nicht aus — die Untersuchung der Hautprobe, nicht das Blutbild, ergibt die Lösung. Weil der Nasenspiegel empfindlich ist und die Probenentnahme dort in Narkose erfolgt, wird sie manchmal aufgeschoben; das verzögert die Behandlung jedoch unnötig.

Was sonst dahinterstecken kann

Ein depigmentierter, verkrusteter Nasenspiegel ist ein Befund mit vielen möglichen Ursachen. Abzugrenzen sind unter anderem:

  • der Pemphigus erythematosus, eine milde, auf das Gesicht beschränkte Variante des Pemphigus foliaceus
  • der mukokutane Lupus erythematosus, der die Haut-Schleimhaut-Grenzen betrifft
  • die Vitiligo — dort verliert die Haut ebenfalls Pigment, jedoch ohne Entzündung, Schuppen oder Krusten
  • Leishmaniose sowie bakterielle und pilzbedingte Hautinfektionen
  • arzneimittelbedingte Hautreaktionen (z. B. bei MDR1-Defekt)
  • tumoröse Veränderungen des Nasenspiegels

Behandlung

Die Behandlung ruht auf zwei Säulen — dem Schutz vor UV-Strahlung und der Dämpfung der örtlichen Entzündung.

  • Sonnenschutz ist keine Nebensache: Meiden der Mittagssonne, Aufenthalt im Schatten und Sonnenschutzmittel für den Nasenspiegel und andere unpigmentierte Bezirke. Bei manchen Hunden reicht dies in leichten Fällen bereits aus, um die Erkrankung ruhig zu halten.
  • Örtliche Behandlung mit Glukokortikoiden oder mit dem Calcineurin-Hemmer Tacrolimus als Salbe. Tacrolimus hat den Vorteil, dass es die Haut auch bei längerer Anwendung nicht verdünnt.
  • Steroidsparende Kombinationen zum Einnehmen: Tetrazyklin-Antibiotika zusammen mit Niacinamid, alternativ Doxycyclin; bei hartnäckigen Fällen Hydroxychloroquin. Auch Vitamin E und essenzielle Fettsäuren werden unterstützend eingesetzt.
  • Retinoide kommen bei stark schuppenden Veränderungen infrage.
  • Glukokortikoide zum Einnehmen bleiben ausgedehnten oder therapieresistenten Verläufen vorbehalten; das Ziel ist, sie so kurz und so niedrig dosiert wie möglich einzusetzen.

Weil die Erkrankung schubweise verläuft und über Jahre begleitet werden muss, lohnt es sich, ergänzende immunologische Behandlungswege mitzudenken. Bei der Behandlung mit dendritischen Zellen werden aus einer Blutprobe des Hundes körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken. Sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken, und lassen sich mit der bestehenden Behandlung kombinieren.

Prognose

Die Prognose des diskoiden Lupus ist gut. Er ist keine lebensbedrohliche Erkrankung, und mit konsequentem Sonnenschutz und einer passenden örtlichen Behandlung lässt sich bei den meisten Hunden ein Zustand erreichen, in dem der Nasenspiegel ruhig bleibt.

Was bleibt, ist die Chronizität: Die Erkrankung verschwindet nicht, sie wird geführt. Im Frühjahr und Sommer flammt sie häufiger auf als in den dunklen Monaten. Wenn Sie diesen Rhythmus kennen und den Sonnenschutz rechtzeitig hochfahren, statt erst auf die ersten Krusten zu reagieren, ersparen Sie Ihrem Hund die meisten Schübe — und sich selbst die immer wieder nötige Steigerung der Medikamente.

Eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd finden Sie auf der Übersichtsseite.

Quellen

Olivry T, Linder KE, Banovic F (2018): Cutaneous lupus erythematosus in dogs: a comprehensive review, BMC Veterinary Research 14:132, doi:10.1186/s12917-018-1446-8

Tizard IR (2023): Cutaneous (Discoid) Lupus Erythematosus. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 198–199

Klopfleisch R (2020): Kutaner Lupus erythematodes und Pemphigus foliaceus beim Hund – ein Update zu Klinik und Diagnostik, Prakt Tierarzt 101(11):1061–1078, doi:10.2376/0032-681X-2040

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Häufige Fragen

Was ist der kutane (diskoide) Lupus erythematosus beim Hund?

Der kutane Lupus erythematosus (CLE) ist eine Autoimmunerkrankung der Haut, die sich trotz des ähnlichen Namens deutlich vom systemischen Lupus erythematosus (SLE) unterscheidet: Die Läsionen, also die krankhaften Veränderungen, bleiben auf die Haut beschränkt. Der Begriff „diskoid“ leitet sich von den kreisförmigen, etwa münzgroßen Hautveränderungen ab, die sich beim Menschen entwickeln. Die Erkrankung tritt bei Hunden, Katzen, Pferden und Menschen auf.

Welche Ursache hat der kutane Lupus beim Hund?

Die ersten Schritte der Erkrankung werden wahrscheinlich durch Hautschäden aufgrund von UV-Strahlung ausgelöst. Die UV-Strahlung veranlasst anfällige Keratinozyten (Hornhaut bildende Zellen der Oberhaut) dazu, Zytokine, also entzündungsfördernde Botenstoffe, zu produzieren; über weitere Immunkaskaden entsteht ein sich selbst verstärkender Entzündungszyklus. Durch das Auftreten von Autoantigenen wird zudem die Bildung antinukleärer Antikörper gefördert.

Welche Hunderassen bekommen diskoiden Lupus?

Diskoider Lupus im Gesicht ist bei Collies und Collie-Kreuzungen, Deutschen Schäferhunden, Siberian Huskies und Shetland Sheepdogs beschrieben worden. Die erkrankten Hunde sind in der Regel zwischen 1 und 7 Jahren alt.

Welche Symptome zeigt der diskoide Lupus beim Hund?

Es überwiegen nasale Läsionen, also Veränderungen an der Nase, mit Erythem (Rötung), Erosionen, Schuppenbildung und krustigen Geschwüren; Schuppen und Pigmentverlust betreffen vor allem Nasenspiegel und Nasenrücken. Die Veränderungen können auf die Lippen, die Haut um das Auge und die Genitalien übergreifen; gelegentlich sind auch die Pfoten betroffen, und einige Hunde entwickeln Geschwüre im Maul.

Wie wird der kutane Lupus beim Hund diagnostiziert?

Für die Diagnose ist eine Hautbiopsie, also eine Gewebeprobe des betroffenen Bereichs, erforderlich. Die histopathologische Untersuchung (feingewebliche Beurteilung) zeigt charakteristische Läsionen an der dermoepidermalen Grenzfläche, dem Übergang zwischen Ober- und Lederhaut, sowie eine Degeneration der Basalzellen. ANA- und LE-Tests sind bei dieser Form in der Regel negativ oder nur schwach positiv.

Wie wird der kutane Lupus beim Hund behandelt und wie ist die Prognose?

Behandelt wird in der Regel mit Kortikosteroiden (cortisonhaltigen Entzündungshemmern); die Prognose ist gut. Um die Kortikoiddosis möglichst gering zu halten, werden auch Retinoide und Tetrazyklin-Antibiotika eingesetzt; ergänzend kann eine immunologische Behandlung mit dendritischen Zellen, also körpereigenen regulierenden Immunzellen, eine sinnvolle Option sein. Da Sonnenlicht die Läsionen verschlimmert, sind Sonnenschutzmittel und der Schutz des Tieres vor intensiver Sonneneinstrahlung angebracht.

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