Tumorerkrankung

Optimierung der Tumortherapie durch Wirkstoffwahl und Dosierung

Bei der Optimierung der medikamentösen Tumortherapie geht es um die Frage, ob sich mit den bereits verfügbaren Wirkstoffen bessere Ergebnisse erzielen lassen – durch veränderte Dosierungsschemata, neue Kombinationen oder eine auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Auswahl und Dosierung. Mit genau dieser Frage beschäftigen sich Thamm und Gustafson vom Flint Animal Cancer Center der Colorado State University in einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020. Ihre Ausgangsthese: Neuartige Wirkstoffe für die Behandlung von Neoplasien (Tumoren) bei Tieren sind vielversprechend, doch auch bei der Anwendung der derzeit verfügbaren Wirkstoffe besteht Raum für signifikante Verbesserungen.

Ältere Studien: Surrogate für die Dosisintensität

In früheren Studien wurden Surrogate für eine „individualisierte Dosisintensität” identifiziert – also messbare Ersatzgrößen, die anzeigen, ob ein Patient eine höhere oder niedrigere Dosis verträgt und braucht. Dazu zählen die Patientengröße, das Auftreten unerwünschter Wirkungen und pharmakokinetische Parameter, das heißt Messwerte dazu, wie der Körper einen Wirkstoff aufnimmt, verteilt und abbaut. Diese Größen wurden als mögliche Indikatoren für die Wirksamkeit der Behandlung von Lymphomen bei Hunden diskutiert; darauf aufbauend werden Strategien für eine patientenspezifische Dosis-Eskalation, also die schrittweise Steigerung der Dosis bis zur individuell verträglichen Grenze, beschrieben.

Die vier betrachteten Strategien

Im Einzelnen betrachten die Autoren:

  • die Dosissteigerung, zum Beispiel bei CHOP-Protokollen (der gebräuchlichen Kombination aus Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednisolon beim Lymphom)
  • die Dosisminderung, beispielsweise beim Tyrosinkinasehemmer Toceranib, bei dem niedrigere Dosen bei vergleichbarer Wirkung deutlich besser vertragen werden
  • eine geänderte Wirkstoffwahl beim Mastzelltumor
  • die immunphänotypisch geprägte Behandlungsauswahl beim Lymphom des Hundes – das heißt, ob ein Lymphom von B- oder von T-Lymphozyten ausgeht, entscheidet über das Protokoll

Methoden der patientenindividuellen Auswahl

Zu den Strategien für die Behandlungsauswahl beim einzelnen Patienten gehören die konventionelle Histopathologie (die feingewebliche Untersuchung), die proteinbasierte Zielbewertung – etwa Durchflusszytometrie, Immunhistochemie und Massenspektrometrie, mit denen sich bestimmte Zielstrukturen auf den Tumorzellen nachweisen lassen – sowie die genbasierte Zielbewertung durch Genexpressionsprofile und gezielte oder globale Sequenzierungsstrategien, also die Analyse des Erbguts der Tumorzellen.

Einordnung

Die Arbeit überprüft die derzeit verfügbaren Daten zur Bewertung dieser Strategien bei der Behandlung von Tiertumoren und stellt laufende Studien sowie Vorschläge für zukünftige Behandlungsrichtungen vor. Die Datenlage ist für die meisten Ansätze noch dünn; belastbar erscheint vor allem die Dosisminderung beim Toceranib und die immunphänotypische Unterscheidung beim Lymphom. Für die Praxis legt die Übersicht nahe, Dosis und Wirkstoff nicht starr nach Schema, sondern nach Verträglichkeit, Tumorbiologie und Ansprechen des einzelnen Patienten zu wählen.

Quelle

Thamm DH, Gustafson DL (2020): Drug dose and drug choice: Optimizing medical therapy for veterinary cancer. Vet Comp Oncol 18(2):143–151, https://doi.org/10.1111/vco.12537

Häufige Fragen

Welche Ansätze zur Optimierung der medikamentösen Tumortherapie beschreiben Thamm und Gustafson?

Die Autoren vom Flint Animal Cancer Center sehen Raum für signifikante Verbesserungen bei der Anwendung der derzeit verfügbaren Wirkstoffe: veränderte Dosierungsschemata, neuartige Kombinationen sowie patientenspezifische Dosierung oder Auswahl von Wirkstoffen. Konkret betrachtet werden die Dosissteigerung etwa bei CHOP-Protokollen, die Dosisminderung beispielsweise beim Toceranib, eine geänderte Wirkstoffwahl beim Mastzelltumor und die immunophenotypisch geprägte Behandlungsauswahl beim Lymphom des Hundes.

Welche Surrogate für eine individualisierte Dosisintensität wurden in früheren Studien identifiziert?

Als potenzielle Indikatoren für die Wirksamkeit der Lymphombehandlung beim Hund wurden unter anderem die Patientengröße, die Entwicklung unerwünschter Wirkungen und pharmakokinetische Parameter identifiziert. Darauf aufbauend werden Strategien für eine patientenspezifische Dosis-Eskalation diskutiert.

Welche Methoden stehen für die patientenindividuelle Behandlungsauswahl zur Verfügung?

Genannt werden die konventionelle Histopathologie, die proteinbasierte Zielbewertung — etwa Durchflusszytometrie, Immunhistochemie und Massenspektrometrie — sowie die genbasierte Zielbewertung durch Genexpressionsprofilerstellung und gezielte oder globale Sequenzierungsstrategien.

Wie ist die Datenlage zu diesen Strategien einzuordnen?

Die Ausarbeitung überprüft die derzeit verfügbaren Daten zur Bewertung dieser Strategien bei der Behandlung von Tiertumoren; laufende Studien und Vorschläge für zukünftige Behandlungsrichtungen werden vorgestellt. Neuartige Wirkstoffe gelten als vielversprechend, zugleich wird bei den bereits verfügbaren Wirkstoffen signifikantes Verbesserungspotenzial gesehen.

Ist bei Ihrem Tier ein Tumor diagnostiziert?