Tumorerkrankung

Fibrosarkom bei der Katze

Bei einem Fibrosarkom der Katze handelt es sich um einen bösartigen Tumor, der aus dem Bindegewebe hervorgeht — genauer aus den Fibroblasten, also den Zellen, die die Fasern des Bindegewebes bilden. Es ist der häufigste Hauttumor der Katze. Für die Heilungschancen sind eine frühzeitige Diagnose und eine konsequente erste Behandlung ausschlaggebend.

Der Tumor wächst stark infiltrativ, das heißt, er wächst über seine sichtbare Grenze hinaus in das umliegende Gewebe ein. Metastasen, also Tochtergeschwülste in anderen Organen, bildet er dagegen erst spät. Genau daraus ergibt sich das therapeutische Vorgehen: Das örtliche Geschehen muss so gründlich wie möglich behandelt werden.

Auftreten des Fibrosarkoms bei der Katze

Das Fibrosarkom ist bei der Katze der häufigste Hauttumor. Betroffen sind vor allem Tiere ab einem Lebensalter von acht Jahren. Da die Lebenserwartung von Katzen insgesamt steigt, steigt auch das Risiko für Tumorerkrankungen und damit für das Fibrosarkom. Erkranken können jedoch nicht nur ältere Katzen: Der Tumor kann in jedem Alter und bei jeder Rasse auftreten.

Eine besondere Rolle spielt das sogenannte Injektionsstellen-Sarkom (feline injection-site sarcoma). Darunter versteht man ein Fibrosarkom, das sich an einer Stelle entwickelt, an der zuvor gespritzt wurde — etwa im Bereich zwischen den Schulterblättern. Man nimmt an, dass eine langanhaltende örtliche Entzündungsreaktion die Entartung des Bindegewebes begünstigt. Aus diesem Grund wird heute empfohlen, Injektionen bei der Katze möglichst weit peripher zu setzen, damit ein entstehender Tumor später vollständig entfernt werden kann. Ausführliche Hintergründe zu Ursachen und Studienlage des injektionsassoziierten Fibrosarkoms finden Sie in unserer Fachinformation zum Fibrosarkom bei der Katze.

Verlauf des Fibrosarkoms bei der Katze

Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Häufig entsteht zunächst ein kleiner Knubbel, der unter der Haut zu ertasten und gut zum umliegenden Gewebe abgegrenzt ist. Diese scheinbar saubere Abgrenzung täuscht allerdings: Sie ist eine Pseudokapsel, also eine unechte Kapsel aus verdrängtem Gewebe, in die der Tumor bereits hineingewachsen ist.

Bei einigen Patienten wächst der Tumor zunächst sehr langsam und kaum merklich über Monate oder sogar Jahre. Bei anderen wächst er von Beginn an schnell und breitet sich rasch aus. Bei einer ersten Untersuchung kann sich auch die gutartige Variante dieser Gewebeart zeigen, das Fibrom. Eine Übersicht der typischen Symptome eines Fibrosarkoms bei der Katze hilft dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

So können Sie die Größe des Fibrosarkoms selbst bestimmen

Da Fibrosarkome bei Katzen häufig oberflächlich liegen, lässt sich ihr Wachstum verhältnismäßig einfach beobachten. Legen Sie eine durchsichtige Folie auf den Knubbel und zeichnen Sie die Ränder des Tumors mit einem Stift nach. Wenn Sie die Folie später wieder an dieselbe Stelle legen, sehen Sie, ob der Tumor über die aufgezeichneten Ränder hinausgewachsen ist.

Diese einfache Kontrolle ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, sie hilft Ihnen aber, eine Veränderung objektiv zu beurteilen, statt sich auf ein Gefühl verlassen zu müssen.

Wenn das Fibrosarkom aufplatzt

Wächst ein Fibrosarkom über die Versorgungsmöglichkeiten seiner eigenen Blutgefäße hinaus, kommt es im Inneren zu einer Nekrose, also zum Absterben von Gewebe. Der Tumor kann dann aufbrechen: Es entsteht eine offene, nässende Wunde, die blutet, unangenehm riecht und sich mit Bakterien besiedelt.

Ein aufgeplatztes Fibrosarkom ist ein tierärztlicher Notfall im Sinne der Versorgung — die Wunde muss gereinigt und geschützt, eine bakterielle Infektion behandelt und die Schmerzsituation der Katze beurteilt werden. Für die weitere Planung ist wichtig zu wissen: Ein aufgebrochener Tumor bedeutet nicht automatisch, dass nichts mehr getan werden kann. Er bedeutet aber, dass die Zeit drängt und die Lebensqualität Ihrer Katze im Mittelpunkt jeder Entscheidung stehen muss.

Diagnose des Fibrosarkoms bei der Katze

Wichtig ist, früh im Verlauf zu klären, ob es sich um ein Fibrosarkom, ein Fibrom oder eine andere Gewebeveränderung handelt. Gesichert wird die Diagnose durch die Entnahme einer Gewebeprobe und deren feingewebliche Untersuchung. Sollten Ihnen beim Streicheln verdächtige Stellen auffallen, stellen Sie Ihre Katze bitte tierärztlich vor.

Vor jeder Operation wird eine umfangreiche Voruntersuchung empfohlen, häufig verknüpft mit einer Computertomographie (CT). Nur so lässt sich das wirkliche Ausmaß der Tumorveränderung erfassen — es reicht regelmäßig weiter, als man von außen tasten kann — und die Operation genau planen. Zusätzlich sollte der Brustraum geröntgt werden, um nach Lungenmetastasen zu suchen.

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Eigenschaften des Fibrosarkoms

Fibrosarkome der Katze wachsen in der Regel stark infiltrativ. Das bedeutet, dass der Tumor in umliegendes Gewebe einwächst und dort Schäden verursacht. Durch diese Ausbreitung beeinträchtigt er die Lebensqualität der Katze verhältnismäßig schnell.

Fibrosarkome neigen außerdem dazu, stark zu rezidivieren, also nach einer Entfernung an derselben Stelle wieder aufzutreten. Ein Rezidiv kann aggressiver sein als der ursprüngliche Tumor und deutlich schneller wachsen. Wie hoch das Risiko ist, hängt maßgeblich davon ab, ob bei der Operation ein ausreichender Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe eingehalten werden konnte.

Eine Metastasierung, also die Ausbreitung in andere Organe wie beispielsweise die Lunge, beginnt beim Fibrosarkom der Katze in der Regel erst sehr spät. Die Ausbreitung erfolgt vor allem örtlich.

Prognose und Lebenserwartung beim Fibrosarkom der Katze

Die Prognose beim Fibrosarkom der Katze ist vorsichtig einzuschätzen. Sie hängt vor allem davon ab, ob und wie vollständig der Tumor entfernt werden kann.

Vollständige Entfernung mit Sicherheitsabstand. Konnte der Tumor weit im gesunden Gewebe umschnitten werden, ist die Prognose deutlich günstiger. Eine Untersuchung von Phelps et al. an 91 Katzen, bei denen mit fünf Zentimetern Sicherheitsabstand radikal operiert wurde, beschreibt eine Rezidivrate von etwa 14 % und mediane Überlebenszeiten von über zwei Jahren. Solche Zahlen stammen aus spezialisierten Zentren und lassen sich nicht ohne Weiteres auf jeden Einzelfall übertragen — die Richtung, die sie anzeigen, ist aber eindeutig.

Unvollständige Entfernung. Haben sich Tumorzellen bereits in die Umgebung ausgedehnt oder konnte kein ausreichender Sicherheitsabstand eingehalten werden, verschlechtert sich die Prognose deutlich. Ob der Tumor vollständig entfernt wurde, zeigt der pathologische Bericht, nachdem das Tumormaterial in ein Labor eingeschickt wurde. In dieser Situation ist eine Nachbehandlung in jedem Fall angezeigt.

Ohne Operation. Wird nicht operiert, wächst der Tumor örtlich weiter, dringt in Muskulatur, Faszien und mitunter Knochen ein und bricht schließlich auf. Wie lange das dauert, ist sehr unterschiedlich und hängt vom Wachstumstempo des einzelnen Tumors ab; eine belastbare Zahl lässt sich hier nicht nennen. Begrenzend für die Lebenserwartung ist in dieser Situation fast immer das örtliche Geschehen und nicht die Metastasierung.

Endstadium. Im weit fortgeschrittenen Stadium stehen offene, schmerzhafte Wunden, Bewegungseinschränkung, Appetitlosigkeit und Abmagerung im Vordergrund. Hier geht es nicht mehr um Zeitgewinn um jeden Preis, sondern um Schmerzfreiheit und Ruhe. Diese Abwägung ist eine der schwersten, die Sie als Halter treffen müssen — und Sie müssen sie nicht allein treffen.

Behandlung des Fibrosarkoms bei der Katze

Generell gilt: Je früher ein Fibrosarkom behandelt wird, desto größer sind die Chancen auf eine gute Prognose und Lebenserwartung. Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt immer von den jeweiligen Umständen ab.

Operieren oder nicht? Die drei Ausgangslagen

  • Der Tumor lässt sich mit ausreichendem Sicherheitsabstand entfernen. Dann ist die Operation die Behandlung der Wahl. Eine anschließende Behandlung mit dendritischen Zellen senkt das Rezidivrisiko zusätzlich.
  • Der Tumor lässt sich nicht mit Sicherheitsabstand entfernen. Hier besteht ein erhebliches Rezidivrisiko. Eine Nachbehandlung mit Bestrahlung und/oder dendritischer Zelltherapie ist dann wichtig.
  • Der Tumor kann nicht operiert werden. Ist er zu groß oder lässt der Allgemeinzustand der Katze keine Narkose zu, kommt eine palliative, also lindernde Behandlung in Betracht — unter anderem mit der dendritischen Zelltherapie, um das Tumorwachstum aufzuhalten.

Chirurgische Entfernung

Der erste Behandlungsschritt ist in der Regel die chirurgische Entfernung. Dabei sollte großflächig operiert werden: Empfohlen wird ein Sicherheitsabstand von mindestens 3 cm im gesunden Gewebe, nach neueren Empfehlungen eher 5 cm, dazu in der Tiefe zwei Faszienschichten. Das ist nötig, weil das Fibrosarkom unabhängig von der sichtbaren Kapsel in das umliegende gesunde Gewebe einbricht. Deshalb werden häufig sehr großflächige Operationen vorgeschlagen — sie wirken für den Halter zunächst drastisch, sind aber genau der Punkt, an dem über den weiteren Verlauf entschieden wird.

Bleiben bei der Operation Tumorzellen zurück, kommt es schnell zu einem Rezidiv, also einem Wiederauftreten des Tumors. Die erste Operation ist deshalb die mit Abstand wichtigste.

Bestrahlung

Als Hauttumor ist das Fibrosarkom einer Strahlentherapie zugänglich. Sie kann vor der Operation, nach der Operation oder sogar direkt am offenen Operationsfeld eingesetzt werden. Die Kombination aus Operation und Bestrahlung kann die örtliche Tumorkontrolle verbessern.

Nachteile sind die begrenzte Verfügbarkeit: Die Strahlentherapie wird nur von wenigen Tierkliniken angeboten, und für jede einzelne Bestrahlung ist eine Narkose notwendig. Gerade bei älteren Patienten ist eine Bestrahlungsserie daher schwierig durchzuführen.

Photodynamische Therapie

Eine Untersuchung von Martano et al. zeigt, dass die Photodynamische Therapie beim Fibrosarkom der Katze eingesetzt werden kann und die Lebenserwartung steigern kann. Dabei wird ein lichtempfindlicher Farbstoff eingesetzt, der sich im Tumorgewebe anreichert und durch Belichtung während der Operation aktiviert wird.

Chemotherapie

Eine Chemotherapie wird beim Fibrosarkom der Katze normalerweise nicht eingesetzt, da sie die Prognose und damit die Lebenserwartung nicht deutlich verbessert.

Dendritische Zelltherapie

Die dendritische Zelltherapie ist eine schonende immunologische Behandlungsmöglichkeit. Empfohlen wird, den Tumor so weit wie möglich chirurgisch zu entfernen und unmittelbar danach mit der Zelltherapie zu beginnen.

Ziel ist die Stärkung des Immunsystems: Es soll die im Körper verbliebenen Tumorzellen erkennen und bekämpfen. Dadurch verbessert die Behandlung die Prognose hinsichtlich Lebensqualität und Lebenserwartung, und die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs kann verringert werden. Ist keine Operation möglich, kann die Therapie dennoch eingesetzt werden — mit dem Ziel, das Tumorwachstum aufzuhalten und lebensverlängernd zu wirken.

Die Behandlung kann in der gewohnten Umgebung beim behandelnden Haustierarzt durchgeführt werden, lange Fahrten entfallen. Die Kosten sind mit denen einer Chemotherapie vergleichbar und häufig günstiger.

Begleitende Verfahren

Manche Halter möchten die Behandlung ergänzend begleiten. Was homöopathische Methoden beim Fibrosarkom der Katze leisten können und was nicht, ist auf einer eigenen Seite dargestellt.

Einen Überblick zu allen Formen finden Sie auf der Seite Tumorarten bei Katzen.

Quellen

Phelps HA, Kuntz CA, Milner RJ, Powers BE, Bacon NJ (2011): Radical excision with five-centimeter margins for treatment of feline injection-site sarcomas: 91 cases (1998–2002), J Am Vet Med Assoc 239(1):97–106

Martano M et al. (2019): Photodynamic Surgery for Feline Injection-Site Sarcoma, BioMed Research International Vol 2019, Article ID 8275935

Bilko SJ (2021): Ventilatory failure in a cat following radical chest wall resection for feline injection site sarcoma, JFMS Open Rep, doi:10.1177/20551169211026921

Kessler M (2022): Kleintieronkologie, 4. Auflage, Thieme, Stuttgart

Grammel T (2015): A pilot, uncontrolled study of postsurgical treatment with autologous dendritic cell-based immunologic therapy in 20 cats with fibrosarcoma, Poster, ISFM Congress, Porto, Portugal

Grammel T (2015): Immediate immunologic treatment following cytoreduction in fibrosarcoma of cats, Poster, VCS Conference, Tysons, VA, USA

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Häufige Fragen

Wie erkenne ich ein Fibrosarkom bei meiner Katze?

Häufig entsteht zunächst ein kleiner Knubbel, der unter der Haut zu ertasten und scheinbar gut zum umliegenden Gewebe abgegrenzt ist. Diese Abgrenzung ist allerdings nur eine Pseudokapsel, in die der Tumor bereits hineingewachsen ist. Sicher klären lässt sich die Diagnose durch die Entnahme einer Gewebeprobe beim Tierarzt.

Soll ich mein Fibrosarkom operieren lassen oder nicht?

Die Operation ist die Behandlung der Wahl, wenn der Tumor großflächig mit Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe entfernt werden kann — empfohlen werden mindestens 3 cm, nach neueren Empfehlungen eher 5 cm sowie zwei Faszienschichten in die Tiefe. Ist der Tumor zu groß oder lässt der Allgemeinzustand keine Narkose zu, kommt eine lindernde Behandlung in Betracht. Die erste Operation ist die wichtigste, weil zurückbleibende Tumorzellen rasch zu einem Rezidiv führen.

Was tue ich, wenn das Fibrosarkom meiner Katze aufplatzt?

Wenn der Tumor innen abstirbt, kann er aufbrechen: Es entsteht eine offene, nässende Wunde, die blutet, riecht und sich mit Bakterien besiedelt. Die Katze sollte dann zügig tierärztlich versorgt werden — die Wunde muss gereinigt und geschützt, eine Infektion behandelt und die Schmerzsituation beurteilt werden. Ein aufgebrochener Tumor bedeutet nicht, dass nichts mehr getan werden kann, wohl aber, dass die Zeit drängt.

Wie ist die Lebenserwartung beim Fibrosarkom der Katze ohne Operation?

Ohne Operation wächst der Tumor örtlich weiter, dringt in Muskulatur, Faszien und mitunter Knochen ein und bricht schließlich auf. Wie schnell das geht, ist sehr unterschiedlich, sodass sich keine belastbare Zahl nennen lässt. Begrenzend für die Lebenserwartung ist dabei fast immer das örtliche Geschehen und nicht die Metastasierung, die beim Fibrosarkom erst sehr spät einsetzt.

Kann das Fibrosarkom nach der Operation wiederkommen?

Ja, Fibrosarkome neigen stark dazu zu rezidivieren, also an derselben Stelle wieder aufzutreten, und ein Rezidiv kann aggressiver sein und schneller wachsen als der ursprüngliche Tumor. Entscheidend ist der Sicherheitsabstand: Bei radikaler Entfernung mit fünf Zentimetern Rand beschreiben Phelps et al. eine Rezidivrate von etwa 14 %, bei unvollständiger Entfernung liegt sie deutlich höher.

Bildet das Fibrosarkom bei der Katze Metastasen?

Eine Metastasierung, also die Ausbreitung in andere Organe wie die Lunge, beginnt beim Fibrosarkom der Katze in der Regel erst sehr spät. Die Ausbreitung erfolgt vor allem örtlich, weshalb der Tumor stark infiltrativ in umliegendes Gewebe einwächst und dort Schäden verursacht.

Was senkt nach der Operation das Rückfallrisiko?

Empfohlen wird, den Tumor so vollständig wie möglich zu entfernen und direkt danach mit der dendritischen Zelltherapie zu beginnen, einer immunologischen Nachbehandlung mit körpereigenen Zellen. Sie zielt darauf ab, dass das Immunsystem verbliebene Tumorzellen erkennt und bekämpft; dadurch verbessern sich Lebensqualität und Lebenserwartung, und die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs kann verringert werden. Auch eine Bestrahlung kann die örtliche Tumorkontrolle verbessern.

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