Autoimmunerkrankung

Diabetes und IBD bei der Katze — beides zugleich behandeln

Bei der Kombination aus Diabetes mellitus und einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung — im Englischen Inflammatory Bowel Disease, kurz IBD — handelt es sich um eines der schwierigeren Krankheitsbilder der Katzenmedizin. Beide Erkrankungen kommen bei derselben Katze vor, ihre Anzeichen überlagern sich und die Behandlung der einen erschwert die Behandlung der anderen.

Beschrieben ist zudem die Triaditis, also das gleichzeitige Auftreten von Entzündungen in Bauchspeicheldrüse, Gallengangssystem und Darm. Für Tierarzt und Besitzer sind Diagnostik wie Behandlung deshalb aufwendig — und das Ergebnis bleibt häufig hinter den Erwartungen zurück. Umso wichtiger ist ein geordnetes Vorgehen.

Warum sich die beiden Erkrankungen überlagern

Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, wechselnder Kotabsatz, Erbrechen, struppiges Fell — diese Anzeichen passen zu beiden Erkrankungen und sie verstärken sich gegenseitig: Eine entzündete Darmschleimhaut nimmt Nährstoffe schlechter auf, was den Gewichtsverlust der zuckerkranken Katze beschleunigt. Umgekehrt erschwert ein schwankender Blutzucker die Beurteilung, ob eine Darmbehandlung anschlägt.

Hinzu kommt eine praktische Schwierigkeit: Die wirksamsten Medikamente gegen die Darmentzündung sind zugleich jene, die den Zuckerstoffwechsel am stärksten stören. Genau darum dreht sich die Behandlungsplanung bei diesen Patienten.

Der diagnostische Weg

Die IBD ist eine Ausschlussdiagnose. Bei einer Katze mit Verdacht gehören dazu:

  • Blutuntersuchung — Chemieprofil mit Elektrolytwerten
  • Urinanalyse
  • Kotuntersuchung mit Flotationsverfahren, bei Bedarf ergänzt um den gezielten Erregernachweis, etwa auf Tritrichomonas oder Histoplasma
  • Schilddrüsenkontrolle über das Gesamt-Thyroxin (T4), bei Grenzwerten ergänzt um das freie T4 — eine Schilddrüsenüberfunktion erzeugt ein sehr ähnliches Bild
  • Tests auf FeLV und FIV, also Katzenleukämie- und Katzenimmunschwächevirus
  • Serumfolat und Cobalamin — sie zeigen, welcher Darmabschnitt betroffen ist und ob ein Vitamin-B12-Mangel ausgeglichen werden muss
  • Pankreaswerte — die feline Pankreaslipase-Immunreaktivität und die trypsinähnliche Immunreaktivität. Wichtig: Eine gleichzeitige Erkrankung der Bauchspeicheldrüse schließt eine IBD nicht aus
  • empirische Entwurmung bei Durchfallpatienten
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraums
  • Gewebeproben aus Magen und Darm — sie sichern die Diagnose und grenzen das kleinzellige Lymphom ab, das bei der Katze das wichtigste Gegenüber der IBD ist
  • Fütterungsversuch mit hydrolysiertem Protein, sinnvollerweise bereits vor der Biopsie begonnen

Bei Durchfall wird gelegentlich ein zeitlich befristeter Antibiotikaversuch angeschlossen, in der Literatur mit Tylosin.

Bei unklaren Verdauungsbeschwerden der Katze gehört differenzialdiagnostisch auch die Feline Infektiöse Peritonitis dazu — mehr dazu unter Erfolgreiche Behandlung einer Erkrankung an FIP.

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Der Fütterungsversuch

Die neue Nahrung wird über mehrere Tage schrittweise eingeführt und anschließend drei Wochen lang ausschließlich gefüttert. Ausschließlich heißt: keine Leckerlis, keine Reste, keine Zwischenmahlzeit beim Nachbarn — ein einziger Ausrutscher kann das Ergebnis wertlos machen.

Klingen die Beschwerden ab und hält die Katze ein akzeptables Gewicht, wird die Ernährung dauerhaft fortgesetzt. Andernfalls ist ein zweiter Versuch mit einem anderen Produkt sinnvoller als die Rückkehr zur ursprünglichen Nahrung: Solche futterabhängigen Darmerkrankungen können nicht nur durch die Hauptbestandteile ausgelöst werden, sondern auch durch Zusatzstoffe in kleinen Mengen.

Katzen, bei denen der Dickdarm ebenfalls Krankheitssymptome zeigt, profitieren häufig von einem höheren Ballaststoffanteil im Futter, weil lösliche Fasern Butyrat liefern und damit die Darmschleimhaut versorgen. Hier ist bei der zuckerkranken Katze allerdings Vorsicht geboten: Ballaststoffreiche Standardnahrung enthält oft beträchtliche Mengen verdaulicher Kohlenhydrate — aus Sicht der diabetischen Katze ein Nachteil. Die Auswahl des richtigen Futters muss deshalb auf jeden Fall in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt erfolgen.

Medikamente: was bei der zuckerkranken Katze passt

Glukokortikoide sind die Hauptstütze der immunmodulierenden Behandlung bei IBD — und zugleich das Problem. Sie sind starke Insulingegenspieler: Sie schwächen die Wirkung des gespritzten Insulins vorhersagbar ab, was zu erhöhten Blutzuckerwerten, vermehrtem Harnabsatz und weiterem Gewichtsverlust führt. Die Insulindosis muss entsprechend angepasst werden.

Ratsam ist der Einsatz von kurz wirksamen Arzneimitteln wie Prednisolon. Sinnvoll ist dabei, zunächst die Menge je Gabe zu senken statt die Häufigkeit zu erhöhen — so bleibt der Grad der Insulinresistenz über den Tag hinweg möglichst gleichmäßig, und die Insulineinstellung wird berechenbarer.

Auch der Einsatz von Chlorambucil und Ciclosporin kann in Absprache mit dem Tierarzt bei den erkrankten Katzen in Frage kommen.

Die immunologische Behandlung

Mit toleranzinduzierenden dendritischen Zellen konnten bei Katzen mit IBD und gleichzeitigem Diabetes mellitus interessante Behandlungsergebnisse erzielt werden. Der Ablauf ist unaufwendig: Der Katze wird Blut entnommen, aus den Monozyten — einer Gruppe der weißen Blutkörperchen — werden dendritische Zellen kultiviert und anschließend in die Haut verabreicht.

Dendritische Zellen sind die Regisseure der Immunantwort. Gerade im Darm entscheiden sie darüber, ob ein Antigen toleriert oder bekämpft wird. Entsprechend aufbereitet zielen sie darauf ab, die fehlgeleitete Reaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken.

Für die zuckerkranke Katze ist dabei ein Punkt besonders bedeutsam: Diese Behandlung belastet den Zuckerstoffwechsel nicht. Jede Milligramm-Dosis Kortison, die dadurch eingespart werden kann, erleichtert die Insulineinstellung — und genau daran entscheidet sich bei diesen Patienten oft die Lebensqualität. Wie die Behandlung im Einzelnen abläuft, ist unter Dendritische Zelltherapie bei Autoimmunerkrankungen beschrieben.

Was Sie zu Hause beitragen können

  • Gewicht wöchentlich erfassen — auf derselben Waage, zur gleichen Tageszeit
  • Kotkonsistenz notieren, am einfachsten mit einer kurzen täglichen Eintragung
  • Fütterungszeiten und Menge konstant halten, damit die Insulinwirkung planbar bleibt
  • während des Fütterungsversuchs konsequent bleiben — Leckerlis, Milch und Futter beim Nachbarn machen das Ergebnis wertlos
  • Blutzuckerkontrollen nach Absprache, besonders in den ersten Wochen einer Kortisonbehandlung und nach jeder Dosisänderung
  • Trinkmenge und Harnabsatz beobachten — beides zeigt früh, wenn die Einstellung kippt

Eine Katze mit zwei chronischen Erkrankungen zu führen, verlangt Geduld und ein gutes Zusammenspiel zwischen Halter und Praxis. Was hilft, sind wenige, verlässlich erhobene Größen: Gewicht, Kot, Trinkmenge. Sie zeigen früher als jedes Bauchgefühl, ob die Richtung stimmt.

Eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd finden Sie auf der Übersichtsseite.

Quellen

  • Cook A (2020): The Diabetic Cat With Inflammatory Bowel Disease. Today’s Veterinary Practice, September/Oktober 2020
  • Gastrointestinal Laboratory, Texas A&M University: Richtlinien zur Supplementierung von Cobalamin und Folsäure, vetmed.tamu.edu
  • Tizard IR (2023): Autoimmune Diseases in Domestic Animals. Elsevier, St. Louis, MO

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Häufige Fragen

Kann eine Katze gleichzeitig Diabetes und IBD haben?

Ja, Katzen können von beiden Krankheiten gleichzeitig betroffen sein, und die Unterscheidung ist häufig schwer. Beschrieben ist zudem die Triaditis, also das gleichzeitige Auftreten von Entzündungen in Bauchspeicheldrüse, Gallengangssystem und Darm. Deshalb sind gründliche Untersuchungen nötig, um das Krankheitsgeschehen genau einzugrenzen.

Welche Untersuchungen sind bei Verdacht auf IBD bei der Katze nötig?

Zum diagnostischen Ansatz gehören eine Blutuntersuchung mit Chemieprofil und Elektrolyten, eine Urinanalyse, eine Kotuntersuchung, die Schilddrüsenkontrolle über das Serum-Thyroxin (T4), gegebenenfalls Tests auf FeLV und FIV sowie die Bestimmung von Serumfolat und Cobalamin. Dazu kommen eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums, Gewebeproben aus Magen und Darm und ein Fütterungsversuch mit hydrolysiertem Protein.

Wie führt man einen Fütterungsversuch bei IBD durch?

Die neue Nahrung wird über mehrere Tage schrittweise eingeführt und dann drei Wochen lang ausschließlich gefüttert — ohne Leckerlis und ohne Zwischenmahlzeit. Klingen die Beschwerden ab und hält die Katze ihr Gewicht, wird die Ernährung dauerhaft fortgesetzt; andernfalls ist ein zweiter Versuch mit einem anderen Produkt sinnvoller als die Rückkehr zur ursprünglichen Nahrung. Bei der zuckerkranken Katze gehört die Futterauswahl in jedem Fall in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt.

Warum ist Kortison bei einer zuckerkranken Katze ein Problem?

Glukokortikoide sind starke Insulingegenspieler: Sie schwächen die Wirkung des gespritzten Insulins ab und treiben den Blutzucker. Die Insulindosis muss deshalb angepasst werden. Ratsam sind kurz wirksame Mittel wie Prednisolon, damit der Grad der Insulinresistenz über den Tag möglichst gleichmäßig bleibt.

Welche Medikamente kommen bei einer Katze mit IBD und Diabetes infrage?

Die Grundlage bilden kurz wirksame Glukokortikoide wie Prednisolon, bei denen zunächst die Menge je Gabe gesenkt wird, statt die Häufigkeit zu erhöhen. Auch Chlorambucil und Ciclosporin können in Absprache mit dem Tierarzt in Frage kommen; welche Kombination passt, hängt von Verlauf, Blutzuckereinstellung und Verträglichkeit ab.

Kann die dendritische Zelltherapie bei IBD der Katze helfen?

Mit toleranzinduzierenden dendritischen Zellen wurden bei Katzen mit IBD und Diabetes mellitus interessante Behandlungsergebnisse erzielt. Der Katze wird Blut entnommen, aus den Monozyten — einer Gruppe der weißen Blutkörperchen — werden dendritische Zellen kultiviert und anschließend in die Haut verabreicht. Da die Behandlung den Zuckerstoffwechsel nicht belastet, ist sie bei diesen Patienten besonders interessant.

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