Blasentumor beim Hund: Verlauf und Lebenserwartung

Die Lebenserwartung beim Hund mit Blasentumor hängt vom Sitz des Tumors, vom Krankheitsstadium und vor allem von der gewählten Behandlung ab. Anders als bei vielen anderen Tumorarten steht beim häufigsten Blasentumor — dem Übergangszellkarzinom — selten die vollständige operative Entfernung im Mittelpunkt, weil der Tumor meist im Blasendreieck (Trigonum) sitzt. Die belegten Zahlen stammen deshalb überwiegend aus medikamentösen Behandlungsstudien, und sie zeigen: Eine Behandlung lohnt sich.

Verlauf und Metastasierung

Das Übergangszellkarzinom wächst örtlich zerstörend in die Blasenwand ein und breitet sich häufig auf die Harnröhre, bei Rüden auch auf die Prostata aus. Es neigt zur Metastasierung: Bei etwa 16 % der Hunde sind zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) nachweisbar, im weiteren Verlauf steigt dieser Anteil auf etwa die Hälfte bis zwei Drittel. Bevorzugte Zielorte sind die Bauchlymphknoten, die Lunge, die Leber und der Knochen. Eine gründliche Ultraschalluntersuchung des Bauchraums und Röntgenaufnahmen des Brustkorbs gehören deshalb zur Erstuntersuchung. Ohne Behandlung schreitet die Erkrankung rasch fort — bis zur Verlegung der Harnwege.

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Belegte Überlebenszeiten

Für die medikamentöse Behandlung liegen mehrere Untersuchungen vor:

  • Piroxicam allein (ein nichtsteroidaler Entzündungshemmer): mediane Überlebenszeit 181 Tage in der klassischen Untersuchung von Knapp et al.; in einer größeren Serie derselben Arbeitsgruppe 244 Tage.
  • Mitoxantron plus Piroxicam: 350 Tage bei Henry et al.; eine spätere randomisierte Studie fand 249 Tage.
  • Vinblastin plus Piroxicam: 299 Tage.
  • Metronomisch dosiertes Chlorambucil: 221 Tage.
  • Chirurgie allein erreichte in einer Auswertung nur 109 Tage — ein Hinweis darauf, dass die Operation beim Übergangszellkarzinom die medikamentöse Behandlung nicht ersetzt.

Minimalinvasive Verfahren wie die Laserchirurgie werden ergänzend eingesetzt, um die Harnwege durchgängig zu halten; belastbare Vergleichszahlen zu den Überlebenszeiten liegen dafür noch nicht vor.

Was die Prognose beeinflusst

Ungünstig wirken sich aus: eine Beteiligung der Harnröhre oder der Prostata, ein Befall der Beckenlymphknoten, ein Einbruch in die Lymphgefäße (Govoni et al.) und ein fortgeschrittenes T-Stadium. Die BRAF-Mutation V595E, die bei einem Großteil der Tumoren nachweisbar ist und sich für die Diagnostik nutzen lässt, hatte in der Untersuchung von Gedon et al. an 79 Hunden dagegen keinen signifikanten Einfluss auf das Überleben — entscheidend waren dort Tumorlokalisation und Behandlungsart. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto größer ist der Spielraum für die Behandlung.

Lebensqualität

Bei einer Erkrankung, die sich meist nicht heilen lässt, rückt die Lebensqualität in den Mittelpunkt: Ein Hund, der ohne Schmerzen und ohne Harnstau Wasser lassen kann, frisst und am Alltag teilnimmt, hat auch mit einem Blasentumor gute Zeit. Nichtsteroidale Entzündungshemmer wirken hier doppelt — schmerzlindernd und gegen den Tumor. Nach der bestmöglichen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren; sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Blasentumor des Hundes liegen bislang nicht vor.

Quellen

Fulkerson CM, Knapp DW (2020): Tumors of the Urinary System. In: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology. 6. Aufl., St. Louis, MO, Elsevier, 645–656.

Knapp DW et al. (1994): Piroxicam therapy in 34 dogs with transitional cell carcinoma of the urinary bladder. J Vet Intern Med 8(4):273–278.

Henry CJ et al. (2003): Clinical evaluation of mitoxantrone and piroxicam in a canine model of human invasive urinary bladder carcinoma. Clin Cancer Res 9(2):906–911.

Allstadt SD et al. (2015): Randomized phase III trial of piroxicam in combination with mitoxantrone or carboplatin for first-line treatment of urogenital tract transitional cell carcinoma in dogs. J Vet Intern Med 29(1):261–267.

Gedon J et al. (2022): BRAF mutation status and its prognostic significance in 79 canine urothelial carcinomas: A retrospective study (2006–2019). Vet Comp Oncol 20(2):449–457.

Govoni VM et al. (2022): Lymphatic invasion is a significant indicator of poor patient outcome in canine bladder urothelial carcinoma. Open Vet J 11(4):656–662.

Schmidt J, Kessler M (2022): Harnblasentumoren des Hundes. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie. 4. Aufl., Stuttgart, 544–554.

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