Magentumor beim Hund

Bei einem Magentumor beim Hund handelt es sich um eine Neubildung der Magenwand — im Sprachgebrauch wird dafür oft gleichbedeutend „Magenkrebs” verwendet. Magentumoren sind beim Hund selten: Sie machen weniger als 1 % aller Tumorerkrankungen aus. Die Mehrzahl der gefundenen Veränderungen ist allerdings bösartig, und weil die Beschwerden lange unspezifisch bleiben, wird die Diagnose häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium gestellt. Umso wichtiger ist es, wiederkehrende Magen-Darm-Beschwerden — vor allem zunehmendes Erbrechen — frühzeitig abklären zu lassen.

Welche Tumoren im Magen vorkommen

Der häufigste bösartige Magentumor des Hundes ist das Adenokarzinom — ein von den Drüsenzellen der Magenschleimhaut ausgehender Tumor, der je nach Untersuchung 50 bis 90 % der malignen Magentumoren stellt. Er sitzt bevorzugt an der kleinen Magenkrümmung (Kurvatur) und am Magenausgang (Antrum pyloricum). Daneben kommen das maligne Lymphom, das Leiomyosarkom (ein Tumor der glatten Muskulatur), Mastzelltumoren und gastrointestinale Stromatumoren (GIST) vor. Gutartige Leiomyome finden sich vor allem bei sehr alten Hunden.

Vorkommen und Risikorassen

Betroffen sind vor allem ältere Hunde — das mediane Erkrankungsalter liegt bei etwa 10 Jahren. Eine norwegische Registerauswertung (Seim-Wikse et al.) fand ein deutlich erhöhtes Risiko für das Magenkarzinom bei mehreren Rassen, allen voran den belgischen Schäferhunden Tervueren und Groenendael, außerdem bei Bouvier des Flandres, Collie, Großpudel und Norwegischem Elchhund; für den Norwegischen Lundehund ist eine eigene Magenerkrankungs- und Magenkrebs-Neigung beschrieben (Kolbjørnsen et al.). Rüden scheinen häufiger betroffen zu sein als Hündinnen. Hunde, die später an einem Magentumor erkranken, fallen nicht selten schon Jahre vorher durch wiederkehrende Magen-Darm-Störungen auf.

Symptome

Das Leitsymptom ist Erbrechen, das an Häufigkeit zunimmt und blutig sein kann — teils mit kaffeesatzartigem Aussehen. Hinzu kommen wechselnder Appetit bis zur Futterverweigerung, Gewichtsverlust, Schmerzen im vorderen Bauchbereich und schwarz gefärbter Kot (Teerstuhl) durch verdautes Blut. Eine ausführliche Übersicht bietet die Seite zu den Symptomen des Magentumors.

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Diagnose

Röntgen- (gegebenenfalls mit Kontrastmittel) und Ultraschalluntersuchungen liefern erste Hinweise auf Veränderungen der Magenwand. Die endgültige Diagnose wird in der Regel durch eine Magenspiegelung (Gastroskopie) in Narkose gestellt: Mit einem flexiblen Endoskop werden mehrere repräsentative Biopsien (Gewebeproben) entnommen — mehrere deshalb, weil die Tumoroberfläche häufig entzündet, geschwürig verändert oder abgestorben ist und tiefer liegende Tumoranteile sonst übersehen werden. Da die Gastroskopie nicht alle Schichten der Magenwand erreicht, ist in manchen Fällen eine diagnostische Bauchoperation (Laparotomie) nötig. Blutuntersuchungen können eine Blutarmut (Anämie) durch den chronischen Blutverlust zeigen; zum Staging (der Ermittlung des Krankheitsstadiums) gehören die Untersuchung der Bauchorgane und Bauchlymphknoten.

Behandlung

Die Behandlung der Wahl ist die chirurgische Entfernung des Tumorgewebes, meist als Teilentfernung des Magens (partielle Gastrektomie). Der Eingriff ist anspruchsvoll: In der Auswertung der Veterinary Society of Surgical Oncology (Abrams et al., 40 Hunde mit Magenkarzinom) traten bei 20 % der Hunde schwerwiegende Komplikationen auf. Eine vollständige Magenentfernung wird nach Möglichkeit vermieden. Für die Chemotherapie nach der Operation gibt es Hinweise auf einen Nutzen — in derselben Auswertung war sie mit einem geringeren Sterberisiko assoziiert —, kontrollierte Studien fehlen jedoch. Beim Magenlymphom ist dagegen die Chemotherapie die Behandlung der Wahl. Begleitend ist eine an die Magenerkrankung angepasste Fütterung sinnvoll, etwa mit mehreren kleinen Mahlzeiten am Tag, ebenso eine konsequente Schmerzbehandlung.

Prognose

Die Prognose des Magenkarzinoms ist ernst, weil die Erkrankung bei Diagnosestellung meist fortgeschritten ist: Je nach Untersuchung haben 70 bis 90 % der Hunde zu diesem Zeitpunkt bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) — vor allem in Bauchlymphknoten, Leber und Lunge (Swann und Holt: 74 %). Nach chirurgischer Behandlung betrug die mediane Überlebenszeit in der Auswertung von Abrams et al. 178 Tage, mit großer Spannbreite (1 bis 1.902 Tage) — einzelne Hunde leben also deutlich länger. Je früher der Tumor entdeckt wird, desto besser sind die Aussichten auf eine vollständige Entfernung.

Dendritische Zelltherapie

Die dendritische Zelltherapie ist eine Immuntherapie: Aus dem Blut des Hundes werden dendritische Zellen (spezialisierte Zellen des Immunsystems) gewonnen, im Labor aufbereitet und dem Tier per Injektion zurückgegeben. Nach der bestmöglichen operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Magentumor des Hundes liegen bislang nicht vor. Der Behandlungserfolg lässt sich über Ultraschall-Nachuntersuchungen der Bauchorgane und Blutwertkontrollen begleiten. Informationen zu Tumoren des Darms finden sich auf der Seite zum Darmtumor beim Hund.

Quellen

Skinner OT (2020): Gastric Cancer. In: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology. 6. Aufl., St. Louis, MO, Elsevier, 452–454.

Kessler M (2022): Tumoren des Magens. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie. 4. Aufl., Stuttgart, 438–443.

Abrams B et al. (2019): Perioperative complications and outcome after surgery for treatment of gastric carcinoma in dogs: A Veterinary Society of Surgical Oncology retrospective study of 40 cases (2004–2018). Vet Surg 48(6):923–932.

Swann HM, Holt DE (2002): Canine gastric adenocarcinoma and leiomyosarcoma: a retrospective study of 21 cases (1986–1999) and literature review. J Am Anim Hosp Assoc 38(2):157–164.

Seim-Wikse T et al. (2013): Breed predisposition to canine gastric carcinoma — a study based on the Norwegian canine cancer register. Acta Vet Scand 55:25.

Kolbjørnsen Ø et al. (1994): Gastropathies in the Lundehund. I. Gastritis and gastric neoplasia associated with intestinal lymphangiectasia. APMIS 102(9):647–661.

Araújo D et al. (2022): Canine Gastric Cancer: Current Treatment Approaches. Vet Sci 9(8):383.

Von Babo V, Höinghaus R, Bühler V, Schröder H, Eberle N (2015): Magen-Darm-Tumoren beim Hund. Prakt Tierarzt 96(8):760–769.

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Häufige Fragen

Welche Symptome hat ein Hund mit Magentumor?

Das Leitsymptom ist Erbrechen, das an Häufigkeit zunimmt und blutig sein kann, teils mit kaffeesatzartigem Aussehen. Hinzu kommen wechselnder Appetit bis zur Futterverweigerung, Gewichtsverlust, Schmerzen im vorderen Bauchbereich und schwarz gefärbter Kot (Teerstuhl) durch verdautes Blut. Da die Beschwerden lange unspezifisch bleiben, sollten wiederkehrende Magen-Darm-Beschwerden frühzeitig abgeklärt werden.

Wie lange lebt ein Hund mit Magenkrebs?

Nach chirurgischer Behandlung betrug die mediane Überlebenszeit in der Auswertung von Abrams et al. 178 Tage, allerdings mit großer Spannbreite von 1 bis 1.902 Tagen; einzelne Hunde leben also deutlich länger. Je früher der Tumor entdeckt wird, desto besser sind in der Regel die Aussichten auf eine vollständige Entfernung.

Ist ein Magentumor beim Hund immer bösartig?

Magentumoren sind beim Hund selten und machen weniger als 1 % aller Tumorerkrankungen aus, die Mehrzahl der gefundenen Veränderungen ist allerdings bösartig. Der häufigste bösartige Magentumor ist das Adenokarzinom (ein Tumor der Drüsenzellen der Magenschleimhaut), das je nach Untersuchung 50 bis 90 % der malignen Magentumoren stellt. Gutartige Leiomyome (Tumoren der glatten Muskulatur) finden sich vor allem bei sehr alten Hunden.

Streut ein Magentumor beim Hund?

Ja, beim Magenkarzinom haben je nach Untersuchung 70 bis 90 % der Hunde zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen (Tochtergeschwülste), vor allem in Bauchlymphknoten, Leber und Lunge. Das liegt auch daran, dass die Erkrankung wegen der lange unspezifischen Beschwerden meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt wird.

Wie wird ein Magentumor beim Hund festgestellt?

Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen liefern erste Hinweise auf Veränderungen der Magenwand. Die endgültige Diagnose wird in der Regel durch eine Magenspiegelung (Gastroskopie) in Narkose gestellt, bei der mehrere Gewebeproben entnommen werden, da tiefer liegende Tumoranteile sonst übersehen werden können. Da die Gastroskopie nicht alle Schichten der Magenwand erreicht, ist in manchen Fällen eine diagnostische Bauchoperation (Laparotomie) nötig.

Wie wird ein Magentumor beim Hund behandelt?

Behandlung der Wahl ist die chirurgische Entfernung des Tumorgewebes, meist als Teilentfernung des Magens (partielle Gastrektomie); der Eingriff ist anspruchsvoll, in einer Auswertung traten bei 20 % der Hunde schwerwiegende Komplikationen auf. Für eine Chemotherapie nach der Operation gibt es Hinweise auf einen Nutzen, kontrollierte Studien fehlen jedoch; beim Magenlymphom ist die Chemotherapie dagegen die Behandlung der Wahl. Nach der bestmöglichen operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie (eine Immuntherapie mit körpereigenen Abwehrzellen) eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren.

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