Tumorerkrankung

Tumoren des Nervensystems bei Hunden und Katzen

Tumoren des Nervensystems betreffen das Gehirn, das Rückenmark, aber auch periphere Nerven. Dabei treten am häufigsten tumoröse Bildungen im Gehirn auf, weniger häufig finden sie sich als Tumoren des Rückenmarks und oder aber der peripheren Nerven.

Hirntumore bei Hunden

Hirntumoren bei Hunden wie bei Katzen werden relativ selten gefunden, so sind es ungefähr 15 Hunde und 4 Katzen von lebenden 100.000 Tieren, die jährlich von der Erkrankung betroffen sind. Die Tumoren können primär im Gehirn entstehen oder sekundär (zum Beispiel aus dem Bereich der Nase) ins Gehirn einwachsen oder eine Metastase eines Körpertumors darstellen.

Zu den Hirntumoren zählen

  • Meningeome – häufigste Hirntumore, häufig schlechtere Prognose als beim Menschen
  • Gliome – etwa gleich häufig wie Meningeome
  • Plexus-choroideus-Papillome und Karzinome – etwa 10 % der Tumore
  • Selten: Ependymom, Medullablastom, ZNS-Lymphom, Histiozytäre Sarkome, Neoplastische Retikulose, Hypophysentumoren

Es sind vorwiegend ältere Hunde von Gehirntumoren betroffen, das Durchschnittsalter beträgt ungefähr 9 Jahre. Boxer und andere kurzköpfige Rassen sind prädisponiert für Gliatumore, dagegen leiden langnasige Rassen (bes. Golden Retriever) häufiger unter Meningeomen. Golden Retriever sind auch prädisponiert für Choroid-Plexustumoren. Überwiegend beim Pembroke Welsh Corgi, Berner Sennenhund, Rottweiler und Flat Coated Retriever findet sich das histiozytäre Sarkom.

Vielfältige Veränderungen und Ausfallserscheinungen beim Patienten können die Verdachtsdiagnose Hirntumor hervorbringen. Erste Hinweise kann eine neurologische Allgemeinuntersuchung ergeben. Moderne bildgebende Verfahren (Computertomographie oder MRT) sind dann zur weiteren Untersuchung angezeigt. Hier können Veränderung im Gehirn dargestellt und Verdachtsdiagnosen aufgrund der beteiligten Veränderungen gestellt werden.

Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners

Kostenlose Erstberatung bei Tumorerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Tumoren des Spinalkanals und Rückenmarks

Diese Tumore können entweder den das Rückenmark umgebenden Strukturen (extradural: Wirbelkörper und Wirbelkörper umgebende Strukturen) oder den Schichten des Rückenmarkes (intradural) entstammen.

Bekannte extradurale Tumoren sind Osteosarkome oder Sarkome, die aus umgebenden Geweben stammen oder eine Metastase bilden.

Intradural treten meist Meningeome oder Nervenscheidentumoren (Schwannome, Neurofibrome) auf. In den inneren Schichten des Rückenmarkes (intramedullär) finden sich beim Hund selten Tumoren.

Bei Katzen sind Tumorerkrankungen die wichtigste Ursache für Rückenmarkserkrankungen. In der Altersgruppe von 3 bis 8 Jahren sind Lymphome oder Wirbeltumoren am häufigsten, über 8 Jahre Lebensalter haben die Lymphome keine Bedeutung mehr.

Die Diagnose wird durch den Nachweis der Veränderungen an Wirbelsäule oder Rückenmark gestellt. Dabei kommen vor allem röntgenologische und CT-Untersuchungen zum Einsatz. Die Gabe von Corticosteroiden kann für eine zeitweilige Besserung der Krankheitssymptome sorgen. Chirurgisch kann die Resektion von Tumorgewebe versucht werden. Oft ist das Tumorgewebe bei extraduralen Tumoren mit umliegenden Strukturen verwachsen, so daß die Veränderungen schwer abzulösen sind. Deshalb ist die Komplikationsrate postoperativ relativ hoch. Eine zusätzliche Bestrahlung zeigt eine signifikant bessere Prognose für die Patienten.

Bei intramedullären Prozessen hat die Chirurgie normalerweise keinen Erfolg. Hier sollte der Einsatz von Strahlentherapie geprüft werden.

Nerven der Kopf- und peripheren Nerven

Die meisten Nerventumoren entstammen den Hüllstrukturen der Nerven. Am häufigsten werden Neurofibrome und Schwannome, also Nervenscheidentumoren (peripheral nerve sheath tumors, PNST) gefunden, weiterhin spinale Meningeome und Lymphome.

Erkrankungen finden sich vor allem bei männlichen Hunden großer Rassen im mittleren Alter. Es werden gehäufte Erkrankungen bei Westhighland White Terrier und Golden Retriever berichtet. Nach ihrem Ort des Auftretens werden drei Bereiche eingeteilt: Erkrankungen des Armgeflechts (Brachialisbereich), des Beingeflechts (Lumbosacralis) und von Nervenwurzeln. Es sind auch ungewöhnliche Lokalisationen für Nervenscheidentumoren möglich. So berichten Boland et al vom Nervenscheidentumor im Darm einer Katze. Dieser zeigte auch Metastasen in der Leber.

Die Tumore wachsen normalerweise lokal invasiv mit hoher Neigung wieder aufzutreten (Rezidiv), aber geringem Metastasierungspotential. Die Symptome sind zunächst Schonung der betroffenen Organe, später starke Schmerzäußerungen. Zunächst werden oft orthopädische Probleme vermutet. Normalerweise sprechen die Nerventumoren aber nicht auf eine Schmerzbehandlung an. Es sollte dann diagnostisch weitergeforscht werden. Röntgenuntersuchungen ergeben meist keine Hinweise auf den Erkrankungsgrund. Deshalb sollte auf eine Computertomographie mit Kontrastdarstellung oder eine Kernspintomographie gesetzt werden.

Therapeutisch sollte eine bestmögliche chirurgische Entfernung durchgeführt werden. Dabei muss aber beachtet werden, ob nach Lokalisation und Ausdehnung eine Erhaltung der Gliedmaßenfunktion erreicht werden kann.

Behandlung von Hirn-, Rückenmarks- und Nerventumoren bei Hunden und Katzen

Die Behandlung des erkrankten Tieres verfolgt zwei Ziele: 1. Verbesserung der Lebensqualität und 2. Längerfristige Erhaltung des verbesserten Allgemeinbefindens. Dazu werden häufig zunächst antiepileptisch wirkende Substanzen verabreicht. Für etwa 2 Monate kann der Einsatz von Corticosteroiden den klinischen Zustand deutlich bessern. Diese Zeitspanne muss genutzt werden, um eine gezieltere Behandlung – wenn dies möglich ist – durchzuführen. Hier haben sich sowohl die Chirurgie und die Strahlentherapie als Therapiemöglichkeiten etabliert. Es gibt keinen Königsweg, sondern es muss mit spezialisierten Tierärzten der für die Situation von Patienten und Familie beste Therapieplan abgesprochen werden.

Chirurgische Eingriffe sollen für eine Reduktion der Tumormasse und damit eine Verbesserung der Symptomatik sorgen. Die Nachsorge ist oft sehr aufwendig, um Komplikationen nach der Operation vorzubeugen.

Die Strahlentherapie ist zurzeit bei Hirntumoren von Hunden und Katzen die Behandlungsmethode der Wahl. Hierbei wird durch die Gabe vieler kleiner Bestrahlungsdosen die größtmögliche Schonung des umgebenden Gewebes erreicht. Zunächst wird in Kurznarkose ein sogenanntes Planungs-CT durchgeführt, um die bestmögliche Behandlung festzulegen. Anschließend wird die Bestrahlungsserie verabfolgt.

Zusätzlich sollte an die Gabe eines Weihrauchpräparates und von CBD gedacht werden. Bitte sprechen Sie uns auch auf die Behandlung mit dendritischen Zellen an.

Literatur:

Boland L et al Colonic malignant peripheral nerve sheath tumour in a cat J of Fel Med and Surg Open reports, First Published May 28, 2019, https://doi.org/10.1177/2055116919849979 Coates JR, Johnson GC Nervous System Neoplasia in: Cancer Management in Small Animal Practice, Hrsg Henry CJ, Maryland Heights, MO (2010)
Forterre F Tumoren des Nervensystems in: Kleintieronkologie, 3. Aufl. Hrsg: Kessler M, Stuttgart (2012)
Holliday TA, Higgins RJ, Turrel JM Tumors of the Nervous System in: Veterinary Cancer Medicine 2nd Ed. Hrsg. Theilen & Madewell, Philadelphia 1987
McEntee MC, Dewey CW Tumors of the Nervous System in: Small Animal Oncology 3rd Ed., Hrsg Withrow & MacEwen’s, St. Louis, MO (2013)

Rossmeisl J et al (2020): Tumors of the Nervous system In: Withrow and MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 657-670

Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners

Kostenlose Erstberatung bei Tumorerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Häufige Fragen

Wie häufig sind Hirntumoren bei Hunden und Katzen?

Hirntumoren werden relativ selten gefunden: Jährlich sind ungefähr 15 Hunde und 4 Katzen von 100.000 lebenden Tieren betroffen. Die Tumoren können primär im Gehirn entstehen, sekundär etwa aus dem Nasenbereich ins Gehirn einwachsen oder die Metastase (Tochtergeschwulst) eines Körpertumors darstellen. Betroffen sind vorwiegend ältere Hunde mit einem Durchschnittsalter von ungefähr 9 Jahren.

Wie wird ein Hirntumor beim Hund festgestellt?

Vielfältige Veränderungen und Ausfallserscheinungen können die Verdachtsdiagnose Hirntumor hervorbringen; erste Hinweise ergibt eine neurologische Allgemeinuntersuchung. Zur weiteren Abklärung sind moderne bildgebende Verfahren angezeigt, also Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT), mit denen sich Veränderungen im Gehirn darstellen lassen.

Wie wird ein Hirntumor beim Hund behandelt?

Die Behandlung verfolgt zwei Ziele: die Verbesserung der Lebensqualität und die längerfristige Erhaltung des verbesserten Allgemeinbefindens. Häufig werden zunächst antiepileptisch wirkende Substanzen und Corticosteroide (Cortisonpräparate) eingesetzt, die den Zustand für etwa 2 Monate deutlich bessern können; diese Zeit sollte für eine gezieltere Behandlung genutzt werden. Als Therapieformen sind Chirurgie und Strahlentherapie etabliert, wobei die Strahlentherapie bei Hirntumoren von Hunden und Katzen zurzeit als Behandlungsmethode der Wahl gilt; ergänzend kann auch die Behandlung mit dendritischen Zellen (eine Immuntherapie mit körpereigenen Abwehrzellen) in Betracht gezogen werden.

Hat mein Hund bei einem Nerventumor Schmerzen?

Zunächst zeigt sich meist eine Schonung der betroffenen Körperpartie, später kommt es in der Regel zu starken Schmerzäußerungen. Häufig werden anfangs orthopädische Probleme vermutet; Nerventumoren sprechen aber normalerweise nicht auf eine Schmerzbehandlung an. Bleibt eine Schmerztherapie wirkungslos, sollte diagnostisch weitergeforscht werden, vorzugsweise mit Computertomographie mit Kontrastdarstellung oder Kernspintomographie.

Kann ein Tumor am Rückenmark operiert werden?

Die chirurgische Entfernung von Tumorgewebe kann versucht werden; bei extraduralen Tumoren (außerhalb der Rückenmarkshaut, etwa an den Wirbelkörpern) ist das Gewebe allerdings oft mit umliegenden Strukturen verwachsen, weshalb die Komplikationsrate nach der Operation relativ hoch ist. Eine zusätzliche Bestrahlung zeigt eine signifikant bessere Prognose. Bei intramedullären Prozessen, also Tumoren in den inneren Schichten des Rückenmarks, hat die Chirurgie normalerweise keinen Erfolg; hier sollte der Einsatz der Strahlentherapie geprüft werden.

Welche Rassen sind besonders von Tumoren des Nervensystems betroffen?

Boxer und andere kurzköpfige Rassen sind prädisponiert für Gliatumore, während langnasige Rassen, besonders Golden Retriever, häufiger unter Meningeomen (Tumoren der Hirnhäute) leiden. Das histiozytäre Sarkom findet sich überwiegend beim Pembroke Welsh Corgi, Berner Sennenhund, Rottweiler und Flat Coated Retriever. Nervenscheidentumoren treten vor allem bei männlichen Hunden großer Rassen im mittleren Alter auf; gehäufte Erkrankungen werden bei Westhighland White Terriern und Golden Retrievern berichtet.

Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team.