B-Zell-Lymphom beim Hund

Bei einem B-Zell-Lymphom beim Hund handelt es sich um eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Gewebes, die von den B-Lymphozyten ausgeht — jener Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die Antikörper bildet. Sie reifen im Knochenmark heran; daher das B, abgeleitet vom englischen bone marrow. Das B-Zell-Lymphom ist die mit Abstand häufigste Lymphomform des Hundes. Zum Krankheitsbild insgesamt: malignes Lymphom beim Hund.

Häufigkeit

Harris et al. (2020) werteten die durchflusszytometrischen Befunde von über 11.700 Hunden mit Lymphknotenbefall aus: Bei über 70 % lag ein B-Zell-Lymphom vor, knapp 30 % entfielen auf die T-Zell-Lymphome. Die verbreitete Angabe von 85 % lässt sich mit dieser Datenlage nicht belegen.

Malignitätsgrad: low grade und high grade

Die Zuordnung „B-Zell-Lymphom“ beschreibt allein die Herkunft der entarteten Zellen — über die Aggressivität sagt sie nichts aus. Diese wird gesondert als Malignitätsgrad (Grading) angegeben: Ein B-Zell-Lymphom kann niedrigmaligne (low grade) oder hochmaligne (high grade) sein. Davon strikt zu trennen ist das Stadium (Staging) I bis V, das die Ausbreitung im Körper beschreibt. Niedrigmaligne Formen verlaufen in der Regel langsamer; die häufigste hochmaligne Form ist das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom.

Diagnose: Warum die Feinnadelaspiration nicht ausreicht

Am Anfang steht meist die Feinnadelaspiration: Mit einer dünnen Kanüle werden Zellen aus einem veränderten Lymphknoten entnommen und mikroskopisch beurteilt. Bleibt das Ergebnis uneindeutig, folgt eine Biopsie, also die Entnahme eines Gewebestücks, die zusätzlich die Gewebearchitektur und damit den Malignitätsgrad zeigt.

Wichtig ist ein häufig missverstandener Punkt: Die Feinnadelaspiration unterscheidet B- und T-Zell-Lymphome nicht. Entartete B- und T-Lymphozyten sehen einander unter dem Mikroskop zu ähnlich. Für die Zuordnung sind weiterführende Untersuchungen erforderlich — die Immunphänotypisierung (Anfärbung der Oberflächenmerkmale mit markierten Antikörpern), die Durchflusszytometrie oder die PARR (PCR for Antigen Receptor Rearrangements), ein Test auf DNA-Ebene zum Nachweis klonaler, also von einer einzigen entarteten Zelle abstammender Zellpopulationen.

Anschließend wird die Ausbreitung bestimmt (Staging): Blutbild, Organwerte, Röntgen des Brustkorbs, Ultraschall des Bauchraums. Dabei geht es nicht um die Suche nach Metastasen wie bei einem soliden Tumor — das Lymphom ist von vornherein eine systemische, also den ganzen Organismus betreffende Erkrankung —, sondern um die Zuordnung zu einem der Stadien I bis V. Das Vorgehen ist unter Diagnose des Lymphoms beim Hund beschrieben.

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Prognose

Hochmaligne B-Zell-Lymphome sprechen in der Regel besser und länger auf eine Chemotherapie an als hochmaligne T-Zell-Lymphome; eine Resistenz gegenüber den Wirkstoffen entwickelt sich meist später. Die Pauschale, B-Zell sei immer die günstigere Variante, trägt allerdings nicht: Das indolente T-Zonen-Lymphom weist nach Sayag et al. (2018) mit 412 Tagen die längste mediane Überlebenszeit aller Morphotypen auf, das zentroblastische B-Zell-Lymphom dagegen 213 Tage.

Eine dauerhafte Heilung ist beim multizentrischen Lymphom die Ausnahme; belastbare Zahlen dazu, wie viele Hunde dauerhaft tumorfrei bleiben, liegen nicht vor — verbreitete Prozentangaben sind nicht belegt. Realistisches Behandlungsziel ist die Remission, also der weitgehende oder vollständige Rückgang der Tumorzellen, und deren möglichst lange Erhaltung. Überlebenszeiten und Einflussfaktoren: Lebenserwartung beim Lymphom des Hundes.

Behandlung

Chemotherapie. Sie ist der Behandlungsstandard, üblicherweise als Kombinationsprotokoll nach dem CHOP-Schema (Cyclophosphamid, Hydroxydaunorubicin, Oncovin, Prednisolon). Weil die Erkrankung systemisch ist, muss auch die Behandlung systemisch wirken. Näheres unter Chemotherapie beim Lymphom des Hundes.

Operation. Beim multizentrischen, also generalisierten Befall spielt die Chirurgie keine Rolle, weil die Erkrankung von vornherein den ganzen Körper betrifft. Bei lokalisierten Formen kann ein Eingriff erwogen werden, ersetzt aber keine systemische Behandlung. Die Entfernung geschwollener Lymphknoten zur Schmerzlinderung ist nicht angezeigt: Die Schwellung ist beim Lymphom typischerweise nicht schmerzhaft.

Narkose. Faroni et al. (2021) beschreiben, dass eine Allgemeinanästhesie bei Hunden mit diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom in vollständiger Remission mit einem früheren Rückfall einhergehen könnte. Die Arbeit liefert einen Hinweis, keinen Nachweis eines ursächlichen Zusammenhangs; nicht dringliche Eingriffe sollten nach abgeschlossener Behandlung dennoch sorgfältig abgewogen werden.

Dendritische Zelltherapie. Die dendritische Zelltherapie ist eine immunologische Behandlung und beim B-Zell-Lymphom eine sinnvoll zu erwägende Option. Dendritische Zellen sind die Wächterzellen des Immunsystems: Sie nehmen Tumormerkmale auf und präsentieren sie den T-Lymphozyten, die daraufhin gegen entsprechend gekennzeichnete Zellen vorgehen können. Die Behandlung wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist mit den etablierten Verfahren kombinierbar — allerdings nicht gleichzeitig mit einer Chemotherapie; mit Cortison ist sie kombinierbar. Kontrollierte Studien, die einen Überlebensvorteil beim Lymphom des Hundes belegen, liegen bislang nicht vor.

Forschungsansätze

Zwei Verfahren werden derzeit untersucht; beide sind Gegenstand der Forschung und stehen nicht als Routinebehandlung zur Verfügung.

  • CAR-T-Zell-Therapie. Dabei werden T-Zellen im Labor so verändert, dass sie einen künstlichen Rezeptor gegen ein Oberflächenmerkmal der Tumorzellen tragen. Atherton (2021) berichtete auf der Tagung der Veterinary Cancer Society über die präklinische Entwicklung bispezifischer CAR-T-Zellen für B-Zell-Erkrankungen des Hundes — also über Arbeiten im Vorfeld der klinischen Anwendung.
  • Allogene Stammzelltransplantation. Gareau et al. (2022) beschreiben die Übertragung blutbildender Stammzellen eines Spendertieres bei Hunden mit hochmalignem B-Zell-Lymphom; das Verfahren ist aufwendig, die Fallzahlen sind klein.

Quellen

  • Harris LJ et al. (2020): Clinical features of canine nodal T-cell lymphomas classified as CD8+ or CD4−CD8− by flow cytometry, Vet Comp Oncol 18:416–427, doi 10.1111/vco.12568
  • Sayag D et al. (2018): Prognostic significance of morphotypes in canine lymphomas: A systematic review of literature, Vet Comp Oncol 16:12–19, doi 10.1111/vco.12320
  • Vail DM et al. (2020): Hematopoietic Tumors, Section A: Canine Lymphoma and Lymphocytic Leukemias, in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 688–715
  • Atherton M (2021): Preclinical development of bispecific CAR-T cells for canine B-cell malignancies, Veterinary Cancer Society, VCS Virtual Conference 2021
  • Gareau A et al. (2022): Allogeneic peripheral blood haematopoietic stem cell transplantation for the treatment of dogs with high-grade B-cell lymphoma, Vet Comp Oncol 20:862–870, doi 10.1111/vco.12847
  • Faroni E et al. (2021): Sleeping beauty: anesthesia may promote relapse in dogs with diffuse large B-cell lymphoma in complete remission after chemo-immunotherapy, Front Vet Sci, doi 10.3389/fvets.2021.760603

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Häufige Fragen

Ist ein B-Zell-Lymphom beim Hund heilbar?

Eine dauerhafte Heilung ist beim multizentrischen (den ganzen Körper betreffenden) Lymphom die Ausnahme; belastbare Zahlen dazu, wie viele Hunde dauerhaft tumorfrei bleiben, liegen nicht vor. Realistisches Behandlungsziel ist die Remission, also der weitgehende oder vollständige Rückgang der Tumorzellen, und deren möglichst lange Erhaltung.

Wie lange lebt ein Hund mit B-Zell-Lymphom?

Das hängt vom Malignitätsgrad (der Aggressivität) und vom Stadium ab; für das zentroblastische B-Zell-Lymphom wird eine mediane Überlebenszeit von 213 Tagen angegeben. Hochmaligne B-Zell-Lymphome sprechen in der Regel besser und länger auf eine Chemotherapie an als hochmaligne T-Zell-Lymphome, da sich eine Resistenz gegenüber den Wirkstoffen meist später entwickelt. Die Pauschale, B-Zell sei immer die günstigere Variante, trägt allerdings nicht.

Wie wird ein B-Zell-Lymphom beim Hund festgestellt?

Am Anfang steht meist die Feinnadelaspiration, bei der Zellen aus einem veränderten Lymphknoten entnommen und mikroskopisch beurteilt werden; bleibt das Ergebnis uneindeutig, folgt eine Biopsie (Gewebeentnahme). Wichtig: Die Feinnadelaspiration unterscheidet B- und T-Zell-Lymphome nicht, dafür sind Immunphänotypisierung, Durchflusszytometrie oder der PARR-Test auf DNA-Ebene erforderlich. Anschließend wird mit Blutbild, Röntgen und Ultraschall das Stadium I bis V bestimmt.

Wie wird ein B-Zell-Lymphom beim Hund behandelt?

Behandlungsstandard ist die Chemotherapie, üblicherweise als Kombinationsprotokoll nach dem CHOP-Schema, denn die systemische, also den ganzen Organismus betreffende Erkrankung erfordert eine systemisch wirkende Behandlung. Eine Operation spielt beim generalisierten Befall keine Rolle. Ergänzend ist die dendritische Zelltherapie (eine immunologische Behandlung mit körpereigenen Wächterzellen, die den T-Lymphozyten Tumormerkmale präsentieren) eine sinnvoll zu erwägende Option; sie ist mit den etablierten Verfahren kombinierbar, allerdings nicht gleichzeitig mit einer Chemotherapie.

Hat mein Hund Schmerzen durch die geschwollenen Lymphknoten?

Die Lymphknotenschwellung ist beim Lymphom typischerweise nicht schmerzhaft und unterscheidet sich dadurch von entzündlichen Schwellungen. Eine Entfernung geschwollener Lymphknoten zur Schmerzlinderung ist deshalb nicht angezeigt.

Ist eine Narkose bei einem Hund mit B-Zell-Lymphom riskant?

Faroni et al. (2021) beschreiben, dass eine Allgemeinanästhesie bei Hunden mit diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom in vollständiger Remission mit einem früheren Rückfall einhergehen könnte. Die Arbeit liefert einen Hinweis, keinen Nachweis eines ursächlichen Zusammenhangs. Nicht dringliche Eingriffe sollten nach abgeschlossener Behandlung dennoch sorgfältig abgewogen werden.

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