Diagnose des Lymphoms beim Hund

Am Anfang steht meist ein Tastbefund: ein oder mehrere vergrößerte Lymphknoten, die beim Streicheln auffallen oder bei einer Routineuntersuchung bemerkt werden. Von dort bis zur gesicherten Diagnose führt ein gestufter Weg aus klinischer Untersuchung, Feinnadelaspiration, weiterführenden Zelluntersuchungen, Blutbild und Bildgebung. Zu klären ist dreierlei: ob eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Gewebes vorliegt, von welchem Zelltyp sie ausgeht und wie weit sie ausgebreitet ist. Zum Krankheitsbild insgesamt: malignes Lymphom beim Hund.

Klinische Untersuchung und Tastbefund

Beurteilt werden die von außen tastbaren, sogenannten peripheren Lymphknoten: unter dem Kiefer, vor dem Schulterblatt, in der Achselhöhle, in der Leiste und in der Kniekehle. Erfasst werden Größe, Konsistenz, Verschieblichkeit gegenüber der Unterlage und Symmetrie, also die Gleichmäßigkeit beider Körperseiten. Beim multizentrischen Lymphom sind meist mehrere oder alle dieser Lymphknoten symmetrisch vergrößert, derb bis prall-elastisch, glatt begrenzt und gut verschieblich.

Entscheidend ist ein weiteres Merkmal: Die Schwellung ist beim Lymphom typischerweise nicht schmerzhaft — anders als die entzündliche Schwellung, die meist druckempfindlich, überwärmt und auf eine Körperregion begrenzt ist (weitere Ursachen). Hinzu kommen das Abtasten des Bauchraums auf eine vergrößerte Milz oder Leber sowie die Beurteilung des Allgemeinbefindens (Symptome).

Feinnadelaspiration: der erste Schritt

Es folgt meist die Feinnadelaspiration: Zellen werden mit einer dünnen Kanüle aus einem veränderten Lymphknoten entnommen, ausgestrichen, gefärbt und mikroskopisch beurteilt — dieses Verfahren heißt Zytologie (Zelllehre). Es ist wenig belastend, meist am wachen Hund durchführbar und oft schon richtungsweisend: Eine gleichförmige Population unreifer Lymphozyten, also von Lymphoblasten, stützt die Verdachtsdiagnose deutlich.

Ein unauffälliger Befund schließt ein Lymphom jedoch nicht aus. Nicht jeder Bezirk eines Lymphknotens muss befallen sein; wird ein gesundes Areal punktiert und der veränderte verfehlt, fällt das Ergebnis falsch negativ aus. Bleibt der Verdacht bestehen, ist eine größere Probe angezeigt — eine Hohlnadelbiopsie (Stanzbiopsie) oder die vollständige Entnahme eines Lymphknotens unter Narkose; sie zeigt zusätzlich die Gewebearchitektur und damit den Malignitätsgrad.

Was die Zytologie nicht leisten kann

Ein verbreitetes Missverständnis: Eine Feinnadelaspiration unterscheidet B- und T-Zell-Lymphome nicht. Entartete B- und T-Lymphozyten sehen einander unter dem Mikroskop zu ähnlich. Da sich B-Zell-Lymphom und T-Zell-Lymphom in Verlauf und Prognose unterscheiden können, sind weiterführende Verfahren erforderlich:

  • Immunphänotypisierung: Oberflächenmerkmale der Zellen werden mit markierten Antikörpern angefärbt — am Gewebeschnitt als Immunhistochemie, am Ausstrich als zytochemische Färbung. Sie ordnet die Zellen der B- oder der T-Reihe zu.
  • Durchflusszytometrie: Die Zellen werden einzeln an einem Laserstrahl vorbeigeführt und anhand angefärbter Marker sortiert — möglich an Blut, Knochenmark und Feinnadelaspiraten. Sie benötigt ausreichend viele lebende Zellen und ist an fixiertem Gewebe nicht anwendbar.
  • PARR (PCR for Antigen Receptor Rearrangements): ein Test auf DNA-Ebene. Er prüft, ob die Lymphozyten klonal sind, also alle von einer entarteten Zelle abstammen — anders als die bunte Zellmischung einer Entzündung —, und zeigt die B- oder T-Herkunft an. Ein Lymphom trennt er allerdings nicht von einer Leukämie lymphozytären Ursprungs.

Ein eigener Stellenwert kommt dem Oberflächenmerkmal CD34 zu: Zellen aus dem Knochenmark tragen es in der Regel, Zellen aus der Körperperipherie nicht; sein Nachweis stützt die Diagnose einer akuten Leukämie. Ähnlich der Blastenanteil in der Knochenmarkzytologie — beim Lymphom ist er meist gering, mehr als etwa 20 bis 30 % der Probe sprechen eher für eine Leukämie (Albin 2020).

Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners

Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Blutbild und Organwerte

Das Blutbild ist beim Lymphom variabel und für sich genommen nicht beweisend; ein typisches „Lymphom-Blutbild“ gibt es nicht. Je nach Stadium und Verlauf sind unterschiedliche Konstellationen beschrieben:

  • Lymphopenie — verminderte Zahl der Lymphozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen
  • Lymphozytose — umgekehrt erhöhte Lymphozytenzahl, vor allem bei Blut- und Knochenmarkbeteiligung
  • Leukopenie — verminderte Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen
  • Anämie — Blutarmut, also ein Mangel an roten Blutkörperchen
  • Thrombozytopenie — verminderte Zahl der Blutplättchen, die die Blutgerinnung tragen

Lymphozyten sind dabei nur eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen; eine erhöhte Leukozytenzahl bedeutet daher nicht ohne Weiteres vermehrte Tumorzellen. Ergänzend werden Nieren- und Leberwerte, Gesamteiweiß und Kalzium bestimmt: Eine Hyperkalzämie, also ein erhöhter Kalziumgehalt des Blutes, tritt bei einem Teil der Hunde auf und wird besonders bei T-Zell-Lymphomen beschrieben. Der Nutzen liegt damit nicht in der Diagnosestellung, sondern in der Beurteilung von Allgemeinzustand und Organfunktion, im Hinweis auf eine Knochenmarkbeteiligung und in der Therapieplanung — die Werte bestimmen mit, welche Chemotherapeutika vertretbar sind.

Bildgebung und Staging

Steht die Diagnose, folgt das Staging — die Bestimmung der Ausbreitung im Körper:

  • Röntgen des Brustkorbs in zwei bis drei Ebenen: Lymphknoten des Mittelfellraums (Mediastinum), Lunge, Brustwasser
  • Ultraschall des Bauchraums: Milz, Leber, innere Lymphknoten, Schichtung der Darmwand — bedeutsam beim intestinalen Lymphom; unter Ultraschallkontrolle sind gezielte Punktionen möglich
  • Ultraschall des Brustkorbs bei Umfangsvermehrungen im vorderen Brustraum oder Flüssigkeitsansammlungen
  • Knochenmarkpunktion, wenn das Blutbild auf eine Knochenmarkbeteiligung deutet oder die Abgrenzung zur Leukämie offen bleibt

Das Staging ordnet den Fall einem Stadium zu, erfasst behandlungsrelevante Begleitbefunde und schafft Ausgangswerte, an denen sich das spätere Ansprechen messen lässt. Bei Verdacht auf ein Hautlymphom tritt die Hautbiopsie hinzu (epitheliotropes Lymphom).

Stadien I bis V nach WHO

Die Ausbreitung wird nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in fünf Stadien eingeteilt. Davon zu trennen ist das Grading: Das Stadium beschreibt, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, das Grading dagegen, wie aggressiv sich die Tumorzellen verhalten (low grade oder high grade).

StadiumAusbreitung im Körper
Iein einzelner Lymphknoten oder das lymphatische Gewebe eines einzelnen Organs, ohne Knochenmark
IImehrere Lymphknoten einer Körperregion, etwa am Hals oder in den Achselhöhlen
IIIgeneralisiert: alle oder nahezu alle Lymphknoten des Körpers vergrößert
IVzusätzlich Leber und/oder Milz (Hepatomegalie und Splenomegalie, also Leber- und Milzvergrößerung)
VBlut und Knochenmark und/oder weitere Organsysteme, etwa Nervengewebe, Haut, Magen-Darm-Trakt

Die meisten Hunde werden erst im Stadium III oder IV vorgestellt. Zum Einfluss auf die Überlebenszeit: Lebenserwartung; zur letzten Krankheitsphase: Endstadium.

Differentialdiagnosen

Abzugrenzen sind Erkrankungen, die dasselbe Bild hervorrufen können. Welche das sind, hängt von der Form des Lymphoms ab (nach Vail et al. 2020):

Form des LymphomsAbzugrenzende Erkrankungen
multizentrischausgedehnte Infektionen — bakteriell, viral, durch Rickettsien, Parasiten oder Pilze
immunvermittelte Erkrankungen: Dermatopathien, Vaskulitis, Polyarthritis, Lupus erythematodes
Lymphknotenmetastasen eines Primärtumors
andere hämatopoetische Tumoren: Leukämie, multiples Myelom, systemische Histiozytose
mediastinalandere Neubildungen: Thymom, Chemodektom, ektopischer Schilddrüsentumor, Karzinomatose des Brustfells, lymphomatoide Granulomatose der Lunge
infektiös: granulomatöse Erkrankungen, Pyothorax (Eiter im Brustraum)
außerdem: angeborene Herzerkrankungen, Chylothorax, Hämothorax
gastrointestinalandere Tumoren des Magen-Darm-Trakts, Fremdkörper, Lymphangiektasie (erweiterte Lymphgefäße der Darmwand), lymphoplasmazelluläre Enteritis, systemische Mykose (Pilzerkrankung), Geschwüre in Magen und Zwölffingerdarm
kutaninfektiöse Dermatitis, fortgeschrittene Pyodermie (bakterielle Hauterkrankung)
immunvermittelte Hauterkrankungen, etwa Pemphigus
andere Neubildungen der Haut, insbesondere histiozytäre Veränderungen
extranodalvariabel, abhängig vom betroffenen Organ oder Organsystem

Abgrenzung zwischen Lymphom und Leukämie

Beide werden leicht verwechselt, weil beide vergrößerte Lymphknoten und auffällige Zellen im Blut hervorrufen können. Der Unterschied liegt im Ausgangspunkt: Das Lymphom geht vom lymphatischen Gewebe aus — von Lymphknoten, Milz, Darmwand oder Haut. Die Leukämie beim Hund beginnt dagegen im Knochenmark, in den Vorläuferzellen der Blutbildung; die entarteten Zellen gelangen von dort in die Blutbahn und können sich sekundär in Lymphknoten ansammeln. Die Abgrenzung erfolgt deshalb über den Knochenmarkbefall — über den Blastenanteil und über Nachweis oder Fehlen von CD34. Beim Lymphom im Stadium V kann sie im Einzelfall schwierig bleiben.

Quellen

  • Vail DM et al. (2020): Hematopoietic Tumors, Section A: Canine Lymphoma and Lymphocytic Leukemias, in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 688–715
  • Kessler M (Hrsg., 2022): Malignes Lymphom, in: Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart: Thieme
  • Kohn B, Schwarz G (Hrsg., 2017): Malignes Lymphom, in: Praktikum der Hundeklinik, 12. Aufl., Stuttgart: Enke
  • Zenker I, Hirschberger J (2007): Das maligne Lymphom des Hundes, Tierärztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 35(02):141–147, doi 10.1055/s-0038-1622612
  • Albin K (2020): Lymphoma vs. Leukemia: Blood Cousins, Virtual Annual Conference, Veterinary Cancer Society 2020

Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners

Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Häufige Fragen

Wie wird ein Lymphom beim Hund festgestellt?

Am Anfang steht meist ein Tastbefund, also ein oder mehrere vergrößerte Lymphknoten. Von dort führt ein gestufter Weg über die klinische Untersuchung, die Feinnadelaspiration (Zellentnahme mit einer dünnen Kanüle), weiterführende Zelluntersuchungen, Blutbild und Bildgebung. Zu klären ist dabei, ob eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Gewebes vorliegt, von welchem Zelltyp sie ausgeht und wie weit sie ausgebreitet ist.

Kann man ein Lymphom beim Hund am Blutbild erkennen?

Nein, das Blutbild ist beim Lymphom variabel und für sich genommen nicht beweisend — ein typisches „Lymphom-Blutbild“ gibt es nicht. Je nach Stadium sind unterschiedliche Konstellationen beschrieben, etwa Anämie (Blutarmut), Lymphozytose oder Thrombozytopenie (verminderte Blutplättchenzahl). Der Nutzen liegt eher in der Beurteilung von Allgemeinzustand und Organfunktion sowie in der Therapieplanung.

Ist die Feinnadelaspiration für den Hund belastend?

In der Regel nicht: Zellen werden mit einer dünnen Kanüle aus dem veränderten Lymphknoten entnommen und mikroskopisch beurteilt (Zytologie, also Zelllehre). Das Verfahren ist wenig belastend und meist am wachen Hund durchführbar. Ein unauffälliger Befund schließt ein Lymphom allerdings nicht aus — wird ein gesundes Areal punktiert, kann das Ergebnis falsch negativ ausfallen.

Woran erkennt man, ob ein geschwollener Lymphknoten beim Hund bösartig ist?

Ein wichtiges Merkmal: Die Schwellung ist beim Lymphom typischerweise nicht schmerzhaft — anders als die entzündliche Schwellung, die meist druckempfindlich, überwärmt und auf eine Körperregion begrenzt ist. Beim multizentrischen Lymphom sind zudem meist mehrere oder alle tastbaren Lymphknoten symmetrisch vergrößert. Gesichert wird die Diagnose aber erst durch die Untersuchung der Zellen, etwa per Feinnadelaspiration.

Was bedeuten die Stadien I bis V beim Lymphom des Hundes?

Die Stadien nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreiben die Ausbreitung im Körper: von einem einzelnen Lymphknoten (Stadium I) über generalisierten Lymphknotenbefall (Stadium III) bis zur Beteiligung von Blut, Knochenmark oder weiteren Organen (Stadium V). Die meisten Hunde werden erst im Stadium III oder IV vorgestellt. Davon zu trennen ist das Grading, das beschreibt, wie aggressiv sich die Tumorzellen verhalten.

Was ist der Unterschied zwischen Lymphom und Leukämie beim Hund?

Beide können vergrößerte Lymphknoten und auffällige Zellen im Blut hervorrufen — der Unterschied liegt im Ausgangspunkt. Das Lymphom geht vom lymphatischen Gewebe aus, also von Lymphknoten, Milz, Darmwand oder Haut; die Leukämie beginnt dagegen im Knochenmark, in den Vorläuferzellen der Blutbildung. Die Abgrenzung erfolgt über den Knochenmarkbefall, unter anderem über den Blastenanteil und das Oberflächenmerkmal CD34.

Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team.