Tumorerkrankung

Intestinales Lymphom beim Hund

Bei einem intestinalen Lymphom beim Hund handelt es sich um ein bösartiges Lymphom des Magen-Darm-Traktes, das vom lymphatischen Gewebe der Darmwand ausgeht. Es ist nach dem multizentrischen, also über die Lymphknoten des ganzen Körpers verteilten Lymphom die zweithäufigste Verlaufsform; gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen gastrointestinales, enterales oder Darmlymphom. Zum Krankheitsbild insgesamt: malignes Lymphom beim Hund.

Häufig wird das intestinale Lymphom mit dem T-Zell-Typ gleichgesetzt. In dieser Pauschalität trifft das nicht zu: T-Zell-Formen werden bei dieser Lokalisation zwar häufiger beschrieben als bei der multizentrischen, es kommen aber ebenso B-Zell-Lymphome vor. Unterschieden wird zudem zwischen niedrigmalignen, meist kleinzelligen Formen mit langsamem Verlauf und hochmalignen, großzelligen. Welcher Typ vorliegt, klärt erst die Gewebeprobe.

Vorkommen: Rassen, Alter, Geschlecht

Matsumoto et al. (2018) sind in Japan erstmals systematisch der Frage nachgegangen, welche Hunderassen von einem intestinalen T-Zell-Lymphom betroffen sind und wie sich Alter und Geschlecht verteilen. Insgesamt fanden sich 43 verschiedene Rassen mit der Erkrankung. Als Rassen mit erhöhtem Risiko nennen die Autoren:

  • Shiba
  • Deutscher Schäferhund
  • Cairn Terrier
  • Boston Terrier
  • Papillon
  • Mops
  • Malteser
  • Dackel

Interessanterweise waren Rassen, bei denen sonst häufig Lymphome diagnostiziert werden, kaum vertreten: Labrador und Golden Retriever nur in geringem Umfang, der Rottweiler gar nicht. Das Durchschnittsalter lag bei 8,8 Jahren, wobei sich die Rassen deutlich unterschieden — Shiba erkrankten im Mittel mit 6,9 Jahren, Dackel erst mit 10,3 Jahren. Etwa 55 % der Tiere waren männlich; ein Hinweis auf ein geschlechtsabhängiges Risiko ergab sich daraus nicht.

Als mögliche Erklärung für die Häufung beim Shiba nennen die Autoren die bei dieser Rasse bekannte Neigung zu chronischen Enteropathien, also lang bestehenden Darmerkrankungen — ausdrücklich als Hypothese, nicht als belegter ursächlicher Zusammenhang. Zu beachten ist zudem, dass die Untersuchung die japanische Hundepopulation abbildet und sich die Rasseliste nicht ohne Weiteres auf Mitteleuropa übertragen lässt.

Symptome

Die Anzeichen entstehen durch die Verdickung der Darmwand und die gestörte Nährstoffaufnahme. Sie sind unspezifisch und entwickeln sich meist schleichend:

  • chronisches Erbrechen, oft über Wochen bis Monate
  • Durchfall, teils mit Blut- oder Schleimbeimengungen
  • Gewichtsverlust trotz unveränderter Futteraufnahme
  • Appetitlosigkeit und Mattigkeit
  • Eiweißverlust über den Darm: Sinkt der Eiweißgehalt des Blutes, kann sich Flüssigkeit im Bauchraum ansammeln, und es kommt zu Ödemen, also Wassereinlagerungen im Gewebe

Anders als beim multizentrischen Lymphom fehlt das Leitsymptom der tastbaren Lymphknotenschwellung häufig; bei einem Teil der Hunde ist im Bauchraum eine Umfangsvermehrung tastbar.

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Diagnose

Der Weg zur Diagnose führt über mehrere Stufen:

  • Blutbild und Organwerte, einschließlich Gesamteiweiß und Albumin — ein erniedrigter Eiweißwert stützt den Verdacht auf einen Verlust über den Darm.
  • Ultraschall des Bauchraums: Beurteilt werden Dicke und vor allem Schichtung der Darmwand. Ein Verlust der Schichtung, umschriebene Verdickungen und vergrößerte Lymphknoten im Gekröse sind verdächtig, aber nicht beweisend.
  • Endoskopie mit Biopsie: Über eine Spiegelung von Magen und Darm werden Schleimhautproben entnommen. Das ist wenig belastend, erfasst jedoch nur die oberflächlichen Schichten — liegt die Veränderung tiefer, kann der Befund falsch negativ ausfallen.
  • Vollwandbiopsie: Reichen die endoskopischen Proben nicht aus, ist die Entnahme der gesamten Darmwand über eine Bauchhöhleneröffnung angezeigt.
  • Untersuchungen an der Probe: Immunhistochemie und PARR klären den Zelltyp und weisen klonale, also von einer einzigen entarteten Zelle abstammende Zellpopulationen nach.

Ergänzend gehört das Staging dazu — Röntgen des Brustkorbs, Beurteilung von Leber, Milz und Lymphknoten; siehe Diagnose des Lymphoms beim Hund.

Abgrenzung zur chronischen Enteropathie

Dies ist die zentrale differentialdiagnostische Frage. Die chronische Enteropathie — eine anhaltende, entzündliche Darmerkrankung wie die lymphoplasmazelluläre Enteritis — verursacht dieselben Beschwerden: Erbrechen, Durchfall, Gewichts- und Eiweißverlust. Auch im Ultraschall und in der Endoskopie sehen beide einander sehr ähnlich.

Unterschieden werden sie erst am Gewebeschnitt, und selbst dort ist die Abgrenzung beim niedrigmalignen, kleinzelligen Lymphom anspruchsvoll: Entzündungszellen und entartete Lymphozyten liegen einander nahe. Den Ausschlag geben dann die Klonalitätsuntersuchung und die Beurteilung durch einen erfahrenen Pathologen. Bedeutsam ist das, weil sich die Behandlung grundlegend unterscheidet — und weil eine Cortisongabe „auf Verdacht” das Bild verschleiern und ein späteres Ansprechen auf eine Chemotherapie verschlechtern kann.

Behandlung

Chemotherapie. Sie ist die tragende Säule, da das Lymphom eine systemische, also den ganzen Organismus betreffende Erkrankung ist. Bei hochmalignen Formen kommen Protokolle nach dem CHOP-Schema (Cyclophosphamid, Hydroxydaunorubicin, Oncovin, Prednisolon) zum Einsatz, bei niedrigmalignen mildere Protokolle. Näheres unter Chemotherapie beim Lymphom des Hundes.

Operation. Bei einem fokalen, also örtlich begrenzten Befall eines einzelnen Darmabschnitts kann ein Eingriff erwogen werden — insbesondere, wenn ein Darmverschluss oder ein Durchbruch der Darmwand droht. Er ersetzt die systemische Behandlung nicht; bei diffuser Ausbreitung spielt die Chirurgie keine Rolle.

Ernährung und Begleitbehandlung. Leicht verdauliches Futter, der Ausgleich von Eiweiß- und Vitaminverlusten sowie Mittel gegen Übelkeit tragen wesentlich zum Befinden bei; siehe Ernährung beim Lymphom des Hundes.

Dendritische Zelltherapie. Die dendritische Zelltherapie ist eine immunologische Behandlung und beim intestinalen Lymphom eine sinnvoll zu erwägende Option. Dendritische Zellen sind die Wächterzellen des Immunsystems: Sie nehmen Tumormerkmale auf und präsentieren sie den T-Lymphozyten, die daraufhin gegen entsprechend gekennzeichnete Zellen vorgehen können. Die Behandlung wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist mit den etablierten Verfahren kombinierbar — allerdings nicht gleichzeitig mit einer Chemotherapie; mit Cortison ist sie kombinierbar. Kontrollierte Studien, die einen Überlebensvorteil beim Lymphom des Hundes belegen, liegen bislang nicht vor.

Prognose

Die Prognose gilt insgesamt als zurückhaltender als beim multizentrischen Lymphom. Als ungünstig gelten ein hoher Malignitätsgrad, ein ausgeprägter Eiweißverlust über den Darm und ein bei Diagnosestellung bereits deutlich reduzierter Allgemeinzustand; niedrigmaligne, kleinzellige Formen verlaufen dagegen häufig über längere Zeit stabil. Belastbare Überlebenszahlen speziell für das intestinale Lymphom sind rar — die veröffentlichten Fallzahlen sind klein, die Angaben schwanken erheblich. Allgemeine Werte unter Lebenserwartung beim Lymphom des Hundes.

Einen Überblick zu allen Formen finden Sie auf der Seite Tumorarten beim Hund.

Quellen

  • Matsumoto I et al. (2018): Pathological features of intestinal T-cell lymphoma in Shiba dogs in Japan, Vet Comp Oncol 16:417–423, doi 10.1111/vco.12396
  • Vail DM et al. (2020): Hematopoietic Tumors, Section A: Canine Lymphoma and Lymphocytic Leukemias, in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 688–715
  • Schmidt JM, Meichner K (2022): Malignes Lymphom, in: Kessler M (Hrsg.), Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 753–773
  • Kohn B, Schwarz G (Hrsg., 2017): Malignes Lymphom, in: Praktikum der Hundeklinik, 12. Aufl., Stuttgart

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Häufige Fragen

Welche Symptome hat ein Hund mit Darmlymphom?

Die Anzeichen sind unspezifisch und entwickeln sich meist schleichend: chronisches Erbrechen über Wochen bis Monate, Durchfall teils mit Blut- oder Schleimbeimengungen, Gewichtsverlust trotz unveränderter Futteraufnahme sowie Appetitlosigkeit und Mattigkeit. Durch Eiweißverlust über den Darm kann sich zudem Flüssigkeit im Bauchraum ansammeln, und es kommt zu Ödemen (Wassereinlagerungen im Gewebe). Anders als beim multizentrischen Lymphom fehlt die tastbare Lymphknotenschwellung häufig.

Wie wird ein intestinales Lymphom beim Hund festgestellt?

Der Weg führt über mehrere Stufen: Blutbild und Organwerte, Ultraschall des Bauchraums (beurteilt werden Dicke und Schichtung der Darmwand) sowie eine Endoskopie mit Biopsie, also eine Spiegelung mit Entnahme von Schleimhautproben. Da die Endoskopie nur die oberflächlichen Schichten erfasst, kann der Befund falsch negativ ausfallen; dann ist eine Vollwandbiopsie über eine Bauchhöhleneröffnung angezeigt. Immunhistochemie und der PARR-Test klären anschließend den Zelltyp.

Wie unterscheidet sich ein Darmlymphom von einer chronischen Darmentzündung?

Die chronische Enteropathie (eine anhaltende entzündliche Darmerkrankung) verursacht dieselben Beschwerden und sieht auch im Ultraschall und in der Endoskopie sehr ähnlich aus. Unterschieden werden beide erst am Gewebeschnitt; beim niedrigmalignen, kleinzelligen Lymphom geben die Klonalitätsuntersuchung und die Beurteilung durch einen erfahrenen Pathologen den Ausschlag. Eine Cortisongabe „auf Verdacht“ sollte vermieden werden, da sie das Bild verschleiern und ein späteres Ansprechen auf eine Chemotherapie verschlechtern kann.

Wie wird ein intestinales Lymphom beim Hund behandelt?

Tragende Säule ist die Chemotherapie, da das Lymphom eine systemische, also den ganzen Organismus betreffende Erkrankung ist: bei hochmalignen Formen nach dem CHOP-Schema, bei niedrigmalignen mit milderen Protokollen. Eine Operation kann bei örtlich begrenztem Befall erwogen werden, insbesondere wenn ein Darmverschluss droht; dazu kommen leicht verdauliches Futter und der Ausgleich von Eiweißverlusten. Ergänzend ist die dendritische Zelltherapie (eine immunologische Behandlung mit körpereigenen Wächterzellen, die dem Immunsystem Tumormerkmale präsentieren) eine sinnvoll zu erwägende Option, kombinierbar mit den etablierten Verfahren, allerdings nicht gleichzeitig mit einer Chemotherapie.

Wie lange lebt ein Hund mit intestinalem Lymphom?

Belastbare Überlebenszahlen speziell für das intestinale Lymphom sind rar, die veröffentlichten Fallzahlen klein. Insgesamt gilt die Prognose als zurückhaltender als beim multizentrischen Lymphom; als ungünstig gelten ein hoher Malignitätsgrad, ein ausgeprägter Eiweißverlust über den Darm und ein bereits deutlich reduzierter Allgemeinzustand. Niedrigmaligne, kleinzellige Formen verlaufen dagegen häufig über längere Zeit stabil.

Welche Hunde bekommen häufig ein Darmlymphom?

In einer japanischen Untersuchung von Matsumoto et al. (2018) zeigten Shiba, Deutscher Schäferhund, Cairn Terrier, Boston Terrier, Papillon, Mops, Malteser und Dackel ein erhöhtes Risiko; das Durchschnittsalter lag bei 8,8 Jahren. Etwa 55 % der Tiere waren männlich, ein geschlechtsabhängiges Risiko ließ sich daraus aber nicht ableiten. Da die Studie die japanische Hundepopulation abbildet, lässt sich die Rasseliste nicht ohne Weiteres auf Mitteleuropa übertragen.

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