Cortison beim Lymphom des Hundes

Bei Cortison handelt es sich um ein Glukokortikoid — ein Hormon der Nebennierenrinde, das in den Zucker-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel eingreift und das Immunsystem dämpft. Beim Lymphom des Hundes wird in aller Regel Prednisolon eingesetzt, ein künstlich hergestellter Abkömmling dieses Hormons. Dass es beim Lymphom wirkt, liegt an der Herkunft der Tumorzellen: Die Erkrankung geht von entarteten Lymphozyten aus — einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Glukokortikoide greifen in deren Stoffwechsel ein und lösen den programmierten Zelltod (Apoptose) aus: Die entarteten Lymphozyten sterben ab. Deshalb spricht das Lymphom auf Cortison in der Regel rasch an.

Cortison und Chemotherapie

Häufig ist zu lesen, Cortison lasse sich nicht mit Chemotherapeutika kombinieren. Das ist unzutreffend: Prednisolon ist fester Bestandteil der gängigen Chemotherapieprotokolle. Das „P“ im CHOP-Schema, dem Standardprotokoll beim multizentrischen Lymphom, steht für Prednisolon — neben Cyclophosphamid, Hydroxydaunorubicin (Doxorubicin) und Oncovin (Vincristin). Cortison gehört hier also zur Chemotherapie und ist keine Alternative zu ihr.

Fachlich richtig ist ein anderer Zusammenhang: Eine alleinige Cortisongabe vor einer geplanten Chemotherapie kann deren Ansprechen verschlechtern. Es wird angenommen, dass die Lymphomzellen unter der alleinigen Gabe eine Resistenz entwickeln — eine Unempfindlichkeit, die auch andere Wirkstoffe erfassen kann; eine später begonnene Chemotherapie wirkt dann möglicherweise schwächer und kürzer (Vail et al. 2020).

Solange eine Chemotherapie noch in Betracht kommt, sollte Cortison deshalb möglichst nicht als Monotherapie — als alleinige Behandlung — vorgeschaltet werden. Zudem kann eine bereits begonnene Gabe die zytologische Diagnosestellung erschweren. Steht dagegen fest, dass keine Chemotherapie erfolgt, entfällt dieser Vorbehalt.

Cortison als alleinige Behandlung

Kommt eine Chemotherapie nicht in Frage, ist Cortison eine sinnvolle palliative Maßnahme — also eine Behandlung, die nicht auf Heilung zielt, sondern auf Linderung. Die Wirkung setzt oft innerhalb weniger Tage ein: Die geschwollenen Lymphknoten werden kleiner, Appetit und Allgemeinbefinden bessern sich.

Diese Besserung hält jedoch nur begrenzt an; früher oder später sprechen die Tumorzellen nicht mehr an, und es kommt zum Rezidiv, dem Wiederauftreten der Erkrankung. Die Lehrbuchliteratur gibt die Wirkdauer im Bereich von Wochen bis wenigen Monaten an (Vail et al. 2020). Näheres unter Lebenserwartung und Endstadium.

Wenn eine Chemotherapie nicht in Frage kommt

Die Chemotherapie ist beim multizentrischen Lymphom der Behandlungsstandard. Dennoch entscheiden sich Halter im Einzelfall dagegen; die Überlegungen dahinter sind nachvollziehbar:

  • Alter und Allgemeinzustand: Begleiterkrankungen von Herz, Niere oder Leber können gegen eine belastende Behandlung sprechen.
  • Entfernung zur Klinik und Zahl der Termine: Ein Protokoll läuft über Monate mit anfangs wöchentlichen Terminen; ist die nächste onkologisch arbeitende Klinik weit entfernt, summieren sich lange Fahrten.
  • Kinder oder immungeschwächte Personen im Haushalt: Zytostatika und ihre Abbauprodukte werden über Urin, Kot, Speichel und Erbrochenes ausgeschieden; für einige Tage nach jeder Behandlung sind Hygieneregeln nötig.
  • Kosten: Ein Protokoll samt Kontrolluntersuchungen bedeutet einen erheblichen finanziellen Aufwand.
  • Die persönliche Belastungsgrenze: Manche Halter möchten ihrem Hund die regelmäßigen Behandlungen nicht zumuten.

Keiner dieser Punkte spricht gegen die Chemotherapie als Verfahren — es sind Abwägungen der jeweiligen Lebenssituation. Ablauf und Nebenwirkungen sind unter Chemotherapie beim Lymphom des Hundes beschrieben.

Nebenwirkungen der Cortisontherapie

Cortison ist vergleichsweise gut verträglich, nebenwirkungsfrei ist es jedoch nicht. Zu erwarten sind vor allem:

  • vermehrtes Trinken und vermehrter Harnabsatz (Polydipsie und Polyurie)
  • gesteigerter Appetit, häufig mit Gewichtszunahme
  • vermehrtes Hecheln und Unruhe
  • Abbau der Muskulatur, oft zuerst an der Hinterhand erkennbar
  • eine erhöhte Infektanfälligkeit, da Cortison das Immunsystem dämpft
  • bei längerer Gabe ein Cushing-ähnliches Bild — Veränderungen wie bei einer krankhaften Überproduktion von Cortisol (Hyperadrenokortizismus)

Diese Erscheinungen sind dosisabhängig und bilden sich nach dem Absetzen meist zurück. Der gesteigerte Appetit ist bei einem Tumorpatienten durchaus erwünscht; Hinweise dazu unter Ernährung beim Lymphom des Hundes.

Wichtig: Cortison und nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAID) — entzündungshemmende Schmerzmittel ohne Cortisonanteil, etwa bei Arthrose — dürfen nicht gleichzeitig gegeben werden: Beide belasten die Magen-Darm-Schleimhaut, in der Kombination steigt das Risiko für Geschwüre und Blutungen deutlich. Eine laufende Schmerzbehandlung ist vor Beginn anzusprechen.

Cortison nicht abrupt absetzen

Wird Cortison über längere Zeit gegeben, drosselt die Nebennierenrinde ihre eigene Hormonproduktion. Endet die Behandlung dann plötzlich, fehlt das Hormon vorübergehend — mögliche Folgen sind Schwäche, Erbrechen und Kreislaufprobleme. Cortison wird deshalb ausgeschlichen, also über Tage bis Wochen schrittweise reduziert.

Kombination mit der dendritischen Zelltherapie

Die dendritische Zelltherapie ist eine immunologische Behandlung und beim Lymphom des Hundes eine sinnvoll zu erwägende Option. Dendritische Zellen sind die Wächterzellen des Immunsystems: Sie nehmen Tumormerkmale auf und präsentieren sie den T-Lymphozyten, die daraufhin gegen die betreffenden Zellen vorgehen.

Für die Kombination mit Cortison ergibt sich ein sachlicher Vorteil: Anders als bei der Chemotherapie, zu der ein zeitlicher Abstand nötig ist, weil Zytostatika die benötigten Immunzellen beeinträchtigen, ist ein Abstand zur Cortisongabe nicht erforderlich — beides ist kombinierbar. Durchgeführt wird sie beim Haustierarzt.

Kontrollierte Studien, die einen Überlebensvorteil beim Lymphom des Hundes belegen, liegen bislang nicht vor; Aussagen zur Lebenszeit lassen sich daher nicht belastbar treffen. Beschrieben sind geringe Nebenwirkungen wie vorübergehende Abgeschlagenheit.

Quellen

  • Vail DM et al. (2020): Hematopoietic Tumors, Section A: Canine Lymphoma and Lymphocytic Leukemias, in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 688–715
  • Schmidt JM, Meichner K (2022): Therapie des Lymphoms, in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 753–773

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