Rezidiv beim Lymphom des Hundes

Von einem Rezidiv spricht man, wenn eine Erkrankung nach einer zuvor erreichten Remission wieder auftritt. Eine Remission ist der weitgehende oder vollständige Rückgang der Tumorzellen — die Lymphknoten schwellen ab, das Allgemeinbefinden normalisiert sich. Ein Rezidiv (von lateinisch recidere, „zurückfallen“) bezeichnet das Wiederaufflammen der Erkrankung nach einer solchen Phase. Beim malignen Lymphom des Hundes kommt es nach zunächst erfolgreicher Behandlung in den meisten Fällen früher oder später dazu.

Was eine Remission bedeutet — und was nicht

Die verbreitete Formulierung, bei einer Vollremission seien keine Krebszellen mehr vorhanden, ist zu absolut. Zutreffend ist: Eine Vollremission (komplette Remission) bedeutet, dass sich mit den verfügbaren Untersuchungsmethoden keine Tumorzellen mehr nachweisen lassen — weder durch Abtasten noch in Blutbild, Bildgebung oder Zytologie. Es bedeutet nicht, dass keine Tumorzelle mehr vorhanden ist. Jede Methode hat eine Nachweisgrenze, unterhalb derer kleine Zellzahlen unentdeckt bleiben; genau darin liegt der Grund, warum es überhaupt zu Rezidiven kommt.

Abzugrenzen ist der Fall, dass nie eine Remission erreicht wurde: Spricht die Erkrankung von vornherein nicht ausreichend an, handelt es sich nicht um ein Rezidiv, sondern um eine refraktäre, das heißt behandlungsresistente Erkrankung. Die Unterscheidung beeinflusst das weitere Vorgehen.

Warum Rezidive auftreten

Es wird angenommen, dass einzelne Zellen die Behandlung überstehen — vorrangig solche mit Resistenzmechanismen, also mit Eigenschaften, mit denen sie der Wirkung der eingesetzten Substanzen entgehen. Aus diesen überlebenden Zellen geht die Population hervor, die das Rezidiv bildet; sie ist damit in Richtung Widerstandsfähigkeit vorselektiert. Infolgedessen spricht ein Lymphom nach einem Rückfall in der Regel schlechter und kürzer an als beim ersten Mal. Wann ein Rezidiv auftritt, ist individuell und reicht von wenigen Wochen nach Therapieende bis zu mehreren Jahren.

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Anzeichen eines Rezidivs

Das häufigste erste Anzeichen entspricht dem Leitsymptom der Ersterkrankung: Die äußerlich tastbaren Lymphknoten schwellen erneut an. Wie zuvor ist diese Schwellung typischerweise nicht schmerzhaft. Hinzu kommen ein nachlassendes Allgemeinbefinden, verminderte Futteraufnahme und Gewichtsverlust sowie die Rückkehr der ursprünglichen Beschwerden; ausführlich unter Symptome beim Lymphom des Hundes.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen nach Therapieende sind deshalb auch dann sinnvoll, wenn es dem Hund gut geht: Ein Rezidiv beginnt in aller Regel, bevor sich das Allgemeinbefinden verändert.

Reinduktion und Rescueprotokoll

Welches Vorgehen infrage kommt, richtet sich vor allem danach, wie viel Zeit zwischen Therapieende und Rückfall vergangen ist. Vail et al. (2020) unterscheiden zwei Stufen.

Reinduktion

Tritt das Rezidiv erst längere Zeit nach Abschluss des Erstprotokolls auf, kann dasselbe Protokoll erneut eingesetzt werden — die Reinduktion, also die erneute Einleitung einer Remission. Ein langes behandlungsfreies Intervall spricht dafür, dass die Tumorzellen weiterhin empfindlich sind. Die Wahrscheinlichkeit, damit erneut eine Remission zu erreichen, gilt als vergleichsweise gut; die Remissionsdauer fällt allerdings meist kürzer aus als beim ersten Mal. Mit jeder weiteren Wiederholung nehmen Ansprechwahrscheinlichkeit und Dauer weiter ab.

Rescueprotokoll

Kommt das Rezidiv früh — noch unter dem laufenden Protokoll oder kurz nach dessen Ende — oder spricht die Reinduktion nicht an, wird auf ein Rescueprotokoll (Rettungsprotokoll) gewechselt. Dabei kommen Wirkstoffe zum Einsatz, die im Erstprotokoll nicht enthalten waren; der Gedanke dahinter ist, Resistenzen gegen die bereits verwendeten Substanzen zu umgehen. Ansprechraten und Remissionsdauern liegen dabei in der Regel niedriger als bei der Erstbehandlung. Zur Terminologie siehe Chemotherapie beim Lymphom des Hundes.

Wenn keine Remission mehr erreichbar ist

Im Verlauf kann der Punkt erreicht werden, an dem sich keine Remission mehr erzielen lässt oder die Belastung der Behandlung den erreichbaren Nutzen übersteigt. Dann verschiebt sich das Ziel: Nicht mehr das Zurückdrängen der Erkrankung steht im Vordergrund, sondern die Lebensqualität.

  • Palliative Cortisontherapie: Prednisolon als alleinige Gabe führt häufig rasch zu einem Abschwellen der Lymphknoten und zu einer Besserung des Allgemeinbefindens; die Wirkung hält jedoch meist nur kurz an. Näheres unter Cortison beim Lymphom des Hundes.
  • Behandlung einzelner Beschwerden: Schmerztherapie, Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen, Unterstützung der Futteraufnahme, bei Bedarf Flüssigkeitsgabe.

Maßstab ist, wie es dem Hund im Alltag geht: ob er frisst, sich bewegt und ohne erkennbare Beschwerden ruhen kann. Anzeichen für die letzte Krankheitsphase sind unter Endstadium beim Lymphom des Hundes beschrieben, Angaben zu Überlebenszeiten unter Lebenserwartung beim Lymphom des Hundes.

Dendritische Zelltherapie im Rezidivfall

Die dendritische Zelltherapie ist eine immunologische Behandlung, die auch beim Rezidiv als Option erwogen werden kann.

Zu beachten ist dabei der zeitliche Ablauf: Dendritische Zelltherapie und Chemotherapie werden nicht gleichzeitig durchgeführt, zwischen beiden ist ein zeitlicher Abstand einzuhalten. Grund dafür ist, dass die Chemotherapie die Zellen des Immunsystems beeinträchtigt, auf deren Funktion die Immuntherapie angewiesen ist. Mit einer Cortisongabe ist sie dagegen kombinierbar.

Die Datenlage ist dünn: Kontrollierte Studien zur dendritischen Zelltherapie im Rezidivfall liegen bislang nicht vor. Ob sich damit die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Rückfalls oder das Ansprechen einer nachfolgenden Chemotherapie beeinflussen lässt, ist gegenwärtig nicht belegt.

Quellen

  • Vail DM et al. (2020): Hematopoietic Tumors, Section A: Canine Lymphoma and Lymphocytic Leukemias, in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 688–715

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Häufige Fragen

Was ist ein Rezidiv beim Lymphom des Hundes?

Ein Rezidiv (von lateinisch recidere, „zurückfallen“) bezeichnet das Wiederaufflammen der Erkrankung nach einer zuvor erreichten Remission — also nach einem weitgehenden oder vollständigen Rückgang der Tumorzellen. Beim malignen Lymphom des Hundes kommt es nach zunächst erfolgreicher Behandlung in den meisten Fällen früher oder später dazu. Der Zeitpunkt ist individuell und reicht von wenigen Wochen nach Therapieende bis zu mehreren Jahren.

Warum kommt das Lymphom nach erfolgreicher Behandlung zurück?

Eine Vollremission bedeutet, dass sich mit den verfügbaren Untersuchungsmethoden keine Tumorzellen mehr nachweisen lassen — nicht, dass keine Tumorzelle mehr vorhanden ist; jede Methode hat eine Nachweisgrenze. Es wird angenommen, dass einzelne Zellen die Behandlung überstehen, vorrangig solche mit Resistenzmechanismen. Aus diesen Zellen geht die Population hervor, die das Rezidiv bildet — sie ist in Richtung Widerstandsfähigkeit vorselektiert.

Woran erkenne ich einen Rückfall beim Lymphom meines Hundes?

Das häufigste erste Anzeichen entspricht dem Leitsymptom der Ersterkrankung: Die äußerlich tastbaren Lymphknoten schwellen erneut an, typischerweise ohne Schmerzhaftigkeit. Hinzu kommen können nachlassendes Allgemeinbefinden, verminderte Futteraufnahme und Gewichtsverlust. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen nach Therapieende sind auch bei gutem Befinden sinnvoll, denn ein Rezidiv beginnt in aller Regel, bevor sich das Allgemeinbefinden verändert.

Kann man ein Lymphom-Rezidiv erneut behandeln?

Ja, das Vorgehen richtet sich vor allem nach der Zeit zwischen Therapieende und Rückfall. Tritt das Rezidiv erst längere Zeit nach Abschluss des Erstprotokolls auf, kann dasselbe Protokoll erneut eingesetzt werden (Reinduktion); kommt es früh oder spricht die Reinduktion nicht an, wird auf ein Rescueprotokoll mit bislang nicht verwendeten Wirkstoffen gewechselt. Ansprechraten und Remissionsdauern liegen dabei in der Regel niedriger als bei der Erstbehandlung.

Was kann man tun, wenn keine Remission mehr erreichbar ist?

Dann verschiebt sich das Behandlungsziel von der Zurückdrängung der Erkrankung hin zur Lebensqualität. Prednisolon als alleinige Gabe führt häufig rasch zu einem Abschwellen der Lymphknoten und einer Besserung des Allgemeinbefindens, wirkt jedoch meist nur kurz; hinzu kommen Schmerztherapie, Mittel gegen Übelkeit und die Unterstützung der Futteraufnahme. Maßstab ist, wie es dem Hund im Alltag geht — ob er frisst, sich bewegt und ohne erkennbare Beschwerden ruhen kann.

Kommt die dendritische Zelltherapie beim Rezidiv infrage?

Die dendritische Zelltherapie ist eine immunologische Behandlung, die auch beim Rezidiv als Option erwogen werden kann. Sie wird nicht gleichzeitig mit einer Chemotherapie durchgeführt — zwischen beiden ist ein zeitlicher Abstand einzuhalten, da die Chemotherapie die Immunzellen beeinträchtigt, auf die die Immuntherapie angewiesen ist; mit einer Cortisongabe ist sie dagegen kombinierbar. Kontrollierte Studien zur dendritischen Zelltherapie im Rezidivfall liegen bislang nicht vor.

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