Homöopathie beim Mammatumor des Hundes

Homöopathische und biologische Präparate werden beim Mammatumor der Hündin begleitend eingesetzt — als Ergänzung, nicht als Ersatz. Wer eine Homöopathie bei einem Hund mit Mammatumor erwägt, sollte das vorab wissen und nicht erst am Ende erfahren: Diese Präparate ersetzen weder die chirurgische Entfernung noch die histologische Abklärung, also die feingewebliche Untersuchung des entnommenen Gewebes — erst sie klärt, ob der Tumor bösartig ist und ob er vollständig entfernt wurde. Die Operation bleibt die Therapie der Wahl. Den Gesamtzusammenhang beschreibt die Übersichtsseite Mammatumor beim Hund.

Was sich Halter erhoffen und was realistisch ist

Die Erwartungen sind nachvollziehbar: Der Tumor soll kleiner werden oder wenigstens nicht weiterwachsen, das Immunsystem gestärkt und die Belastung gemildert werden. Dahinter steht der Wunsch, in einer kaum beeinflussbaren Lage selbst etwas tun zu können.

Die Antwort darauf fällt nüchtern aus. Für die Homöopathie beim Tumorpatienten liegen keine belastbaren kontrollierten Studien vor, also keine Untersuchungen mit Vergleichsgruppe, Randomisierung (zufällige Zuteilung der Tiere) und Verblindung. Ob eine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus besteht, ist wissenschaftlich umstritten; beim Tier kommt hinzu, dass der Erfolg von Besitzer und Behandler beurteilt wird — beide erwarten eine Besserung, und das beeinflusst die Beobachtung.

Realistisch bleibt: Die Präparate sind meist gut verträglich und stören die etablierten Verfahren nicht. Eine Verkleinerung des Tumors, das Ausbleiben von Metastasen oder eine längere Überlebenszeit lässt sich mit ihnen jedoch nicht in Aussicht stellen.

Tarantula cubensis beim Mammatumor

Tarantula cubensis ist ein homöopathisch aufbereitetes Präparat aus der kubanischen Vogelspinne, meist in der Potenz D6. Beobachtet werden bei Mamma-, Haut- und Unterhauttumoren eine Verkleinerung des Tumorgewebes und eine Abnahme der begleitenden Entzündung; kontrollierte Untersuchungen dazu liegen nicht vor. Verabreicht wird das Mittel subkutan, also unter die Haut, meist mehrfach im Abstand einiger Tage — Einführung und Dosierung sollten dem Tierarzt vorbehalten bleiben.

Entscheidend ist der zeitliche Verlauf: Der Effekt lässt nach einigen Wochen nach. Tarantula cubensis eröffnet also allenfalls ein Zeitfenster, es beseitigt den Tumor nicht. Praxisrelevant ist deshalb, einen geplanten Operationstermin bereits unter der eintretenden Wirkung zu vereinbaren und nicht erst, wenn der Effekt nachgelassen hat und der Tumor erneut wächst. Ausführlich: Tarantula cubensis gegen Tumor beim Hund.

Das Nachbehandlungsschema nach Brandenburg et al.

Für die Zeit nach der Operation wird gelegentlich ein Schema herangezogen, das Brandenburg et al. (2005) in der Zeitschrift Der Praktische Tierarzt vorgestellt haben: Nach der Entfernung eines bösartigen Tumors werden mehrere homöopathische Präparate in festgelegter Abfolge über einen längeren Zeitraum verabreicht. Das Schema setzt die vollständige Resektion voraus und versteht sich ausdrücklich als Nachbehandlung.

Einzuordnen ist die Arbeit allerdings als mittlerweile ältere Veröffentlichung in einer Praxiszeitschrift, nicht als kontrollierte Studie: Ohne Vergleichsgruppe lässt sich nicht beurteilen, wie sich die Tiere ohne diese Präparate entwickelt hätten.

Den Zeitpunkt der Operation nicht verschieben

Das größte Risiko geht nicht von den Präparaten selbst aus, sondern davon, die Operation hinauszuzögern, weil zunächst eine begleitende Behandlung versucht werden soll.

Der Tumor wächst weiter, solange er im Körper verbleibt, und seine Größe zählt zu den wichtigsten Prognosefaktoren. Nach vollständiger Entfernung leben von den Hündinnen mit Tumoren unter 3 cm nach zwei Jahren nahezu alle; bei über 3 cm sind es etwa zwei Drittel, mit Lymphknotenbefall oder Fernmetastasen nur noch etwa 10 %. Jede Woche, in der ein wachsender Mammatumor nicht entfernt wird, verschlechtert die Ausgangslage.

Das gilt gerade dann, wenn unter einer Begleitbehandlung eine Verkleinerung eintritt: Ein kleinerer Knoten bedeutet nicht, dass die Erkrankung zurückgeht, sondern dass ein günstiger Zeitpunkt für den Eingriff gekommen ist. Einzelheiten unter Operation beim Mammatumor und Lebenserwartung beim Mammatumor.

Abgrenzung zur dendritischen Zelltherapie

Beide Verfahren werden begleitend eingesetzt und deshalb gelegentlich verwechselt. Die dendritische Zelltherapie ist kein homöopathisches Verfahren, sondern eine immunologische Behandlung mit Zellen, die aus einer Blutprobe des Patienten gewonnen werden. Dendritische Zellen sind Zellen des Immunsystems; sie präsentieren anderen Abwehrzellen Merkmale einer Tumorzelle und stoßen dadurch eine gerichtete Immunantwort an. Damit ist für die Wirkweise eine nachvollziehbare Erklärung beschrieben — anders als bei der Homöopathie.

Nach vollständiger operativer Entfernung ist sie eine sinnvolle begleitende Option, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren — insbesondere bei bösartigem Befund, bei Gefäßeinbrüchen oder knappem Sicherheitsabstand. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist mit den etablierten Verfahren kombinierbar, tritt aber nicht an die Stelle der Operation. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Mammatumor liegen bislang nicht vor; Grammel (2017) legte lediglich eine unkontrollierte Pilotuntersuchung an 17 Hunden mit Mammaadenokarzinom vor.

Quellen

  • Brandenburg U et al. (2005): Nachbehandlung bei malignen Tumoren beim Hund mit homöopathischen Präparaten, Der Praktische Tierarzt 86:548–553
  • Sorenmo K et al. (2020): Tumors of the Mammary Gland, in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 604–625
  • Grammel T (2017): A pilot uncontrolled study of postsurgical treatment with autologous dendritic cell-based immunologic therapy in 17 dogs with mammary adenocarcinoma, Poster, 23rd FECAVA Conference, Copenhagen, Sept 25–28

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