Mastozytose beim Hund

Unter einer Mastozytose beim Hund versteht man eine Vermehrung von Mastzellen, die über eine einzelne, örtlich begrenzte Neubildung hinausgeht und mehrere Organsysteme betreffen kann. Damit unterscheidet sie sich vom kutanen Mastzelltumor — dem einzelnen Tumor in Haut oder Unterhaut, der auf der Seite Mastzelltumor beim Hund dargestellt ist. Allerdings wird der Begriff in der Literatur uneinheitlich verwendet: Vielfach steht „Mastozytose” schlicht als anderes Wort für den Mastzelltumor, in engerer Bedeutung dagegen für die systemische, also den gesamten Körper erfassende Verlaufsform — so wird er hier verwendet.

Mastozytose oder Mastzelltumor?

Die Unterscheidung bestimmt, welche Untersuchungen und Behandlungen sinnvoll sind:

  • Ein einzelner Knoten in Haut oder Unterhaut, nach Patnaik in Grad 1 bis 3 oder nach Kiupel in niedriggradig und hochgradig eingestuft — das ist der kutane Mastzelltumor. Grading, Sicherheitsabstand und Überlebenszeiten stehen auf der Seite Mastzelltumor beim Hund.
  • Eine Mastzellvermehrung, die mehrere Körperstellen oder innere Organe erfasst — Milz, Leber, Knochenmark, regionale Lymphknoten: Darum geht es hier.

Die verbreitete Formulierung „Mastozytose Grad 1, 2 oder 3” ist irreführend: Die Einteilung nach Patnaik wurde für den kutanen Mastzelltumor entwickelt und beschreibt das Gewebebild eines einzelnen Tumors, nicht die Ausbreitung im Körper. Für die Graduierung ist deshalb die Mastzelltumor-Seite maßgeblich; hier geht es um das klinische Stadium.

Systemische und disseminierte Mastozytose beim Hund

Von einer disseminierten, also über den Körper verstreuten Form spricht man, wenn zahlreiche Mastzellansammlungen in Haut und Unterhaut gleichzeitig vorliegen. Die systemische Mastozytose geht darüber hinaus: Betroffen sind Milz, Leber, Knochenmark sowie die regionalen, also die zum Tumor gehörenden Lymphknoten.

Im Blutbild können dann Mastzellen nachweisbar sein — eine Mastozytämie, also das Auftreten von Mastzellen im zirkulierenden Blut. Der Befund ist nicht beweisend, gilt aber als Hinweis auf eine über die Haut hinausgehende Erkrankung.

Beide Formen gelten als aggressiv und prognostisch ungünstig. Mastzelltumoren der inneren, also der viszeralen Organe werden grundsätzlich als bösartig eingestuft — besonders die des Knochenmarks und der Eingeweide.

Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners

Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Anzeichen

Die Beschwerden entstehen weniger durch die Umfangsvermehrung selbst als durch die Botenstoffe der Mastzellen. In ihren Granula — den Speicherkörnchen im Zellinneren — halten sie unter anderem Histamin und Heparin bereit; werden diese Stoffe frei, spricht man von Degranulation. Daraus ergeben sich die kennzeichnenden Anzeichen:

  • Juckreiz sowie Rötung und Schwellung im Bereich der Veränderungen
  • vermehrte Blutungsneigung, da Heparin die Blutgerinnung hemmt
  • verzögerte Wundheilung
  • Geschwüre in Magen und Dünndarm mit Erbrechen, Appetitlosigkeit und Bauchschmerzen

Bei ausgedehnter Erkrankung kommen Mattigkeit, Gewichtsverlust und in ausgeprägten Fällen Kreislaufreaktionen hinzu. Verdächtige Umfangsvermehrungen sollten deshalb nicht gedrückt oder massiert werden — mechanischer Reiz kann eine Degranulation auslösen.

Diagnose und Ausbreitungsdiagnostik

Am Anfang steht die Feinnadelaspiration der Veränderung: Mit einer dünnen Nadel werden Zellen entnommen und mikroskopisch beurteilt. Mastzellen lassen sich anhand ihrer Granula in der Regel zuverlässig erkennen — ohne größeren Eingriff.

Entscheidend ist hier jedoch der zweite Schritt: die Ausbreitungsdiagnostik, das sogenannte Staging. Dazu gehören

  • die Untersuchung der regionalen Lymphknoten,
  • eine Ultraschalluntersuchung von Milz und Leber,
  • ein Blutbild, auch im Hinblick auf zirkulierende Mastzellen,
  • gegebenenfalls eine Knochenmarkuntersuchung.

Erst dieses Ergebnis zeigt, ob eine örtlich begrenzte Erkrankung oder eine systemische Beteiligung vorliegt — und damit, wie weit die Behandlung reichen muss.

Prognose und Lebenserwartung bei Mastozytose

Von prognostischer Bedeutung sind das klinische Stadium, die Lokalisation und der Malignitätsgrad, also der Bösartigkeitsgrad des zugrunde liegenden Tumors. Günstig wirkt sich eine vollständige chirurgische Entfernung aus. Als ungünstig gelten dagegen:

  • eine Mastozytose, die nicht von der Haut ausgeht — sie verläuft in der Regel aggressiver und ist schwieriger zu behandeln
  • ein höherer Malignitätsgrad und ein höheres klinisches Stadium
  • rasches Wachstum der Veränderungen
  • systemische Symptome, also Beschwerden des Allgemeinbefindens
  • Rezidive, also das erneute Auftreten nach chirurgischer Behandlung

Konkrete Überlebenszeiten lassen sich für die Mastozytose nicht in gleicher Weise angeben wie für den kutanen Mastzelltumor: Die veröffentlichten Zahlen beziehen sich überwiegend auf den einzelnen Hauttumor und stehen auf der Seite Lebenserwartung bei Mastzelltumor. Es wird angenommen, dass frühe Erkennung und zügige Behandlung den Verlauf günstig beeinflussen.

Behandlung

Wo eine Veränderung zugänglich und abgrenzbar ist, steht die chirurgische Entfernung mit ausreichendem Sicherheitsabstand an erster Stelle; sie liefert zugleich das Gewebe für die feingewebliche Untersuchung.

Bei systemischer Beteiligung reicht ein örtliches Vorgehen nicht aus. Im Vordergrund stehen dann die medikamentöse Behandlung und die Begleittherapie:

  • Antihistaminika, also Wirkstoffe, die der Wirkung des freigesetzten Histamins entgegenwirken
  • Magenschutz, also Medikamente, die die Säurebildung hemmen und die Magenschleimhaut schützen — notwendig, weil die Degranulation Geschwüre im Magen-Darm-Trakt hervorrufen kann

Hinzu kommen Chemotherapeutika und die zugelassenen Tyrosinkinasehemmer Masitinib (Masivet®) und Toceranib (Palladia®) — dazu die Übersichtsseite.

Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung

Die dendritische Zelltherapie bietet sich als ergänzende Behandlung an — insbesondere dann, wenn nicht vollständig im Gesunden operiert werden konnte, wenn mehrere Herde vorliegen oder wenn das Staging eine systemische Beteiligung ergeben hat. Dendritische Zellen sind Zellen des Immunsystems, die Merkmale veränderter Zellen aufnehmen und den T-Zellen präsentieren — sie stoßen also die zelluläre Abwehrreaktion gegen die Tumorzellen an.

Beim Haustierarzt wird Blut entnommen; im Labor werden daraus dendritische Zellen gewonnen und über den behandelnden Tierarzt zurückgegeben. Erste eigene Ergebnisse liegen vor; kontrollierte Vergleichsstudien stehen noch aus. Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.

Weitere Seiten zum Thema: Mastzelltumor beim Hund, Metastasen beim Mastzelltumor, Lebenserwartung bei Mastzelltumor.

Quellen

London CA, Thamm DH (2020): Mast Cell Tumors. In: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 382–392

Kessler M, Gramer I (2022): Mastzelltumoren. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 329–340

Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners

Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team.