Mastzelltumor beim Hund — Lebenserwartung, Überlebenszeit und Prognose
Die Lebenserwartung beim Mastzelltumor des Hundes hängt in erster Linie vom histologischen Malignitätsgrad ab — also davon, wie das Tumorgewebe unter dem Mikroskop beurteilt wird. Daneben beeinflussen das Stadium der Erkrankung, die Lokalisation und der Zeitpunkt der Behandlung den weiteren Verlauf. Eine pauschale Angabe ist deshalb nicht möglich: Beim Mastzelltumor beim Hund reicht das Spektrum von einer dauerhaften Heilung nach vollständiger Entfernung bis zu einem rasch fortschreitenden Verlauf.
- Welche Faktoren beeinflussen die Lebenserwartung?
- Malignitätsgrad als wichtigster Anhaltspunkt
- Metastasierung und Stadium
- Behandlung verbessert die Prognose
- Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung
Welche Faktoren beeinflussen die Lebenserwartung?
Die zu erwartende verbleibende Lebenszeit ergibt sich nicht aus einem einzelnen Befund, sondern aus dem Zusammenspiel mehrerer Merkmale. Als prognostisch bedeutsam gelten:
- Lokalisation: Mastzelltumoren der inneren Organe werden grundsätzlich als bösartig eingestuft. Tumoren der Haut und der Unterhaut werden dagegen nach ihrem Malignitätsgrad beurteilt. Ungünstig sind zudem Sitze an Zehen, Damm, Leiste und Schleimhäuten, weil sich dort ein ausreichender Sicherheitsabstand chirurgisch nur schwer erreichen lässt.
- Zellteilung: Der mitotische Index — die Zahl der Zellteilungsfiguren in einer festgelegten Zahl von Gesichtsfeldern — gehört zu den aussagekräftigsten Einzelmerkmalen.
- Plötzliches Größenwachstum: Nimmt ein über längere Zeit unveränderter Knoten innerhalb kurzer Zeit deutlich an Größe zu, ist das ungünstig zu bewerten.
- Rezidiv an derselben Stelle: Ein Rezidiv, also das erneute Auftreten des Tumors am ursprünglichen Ort, spricht für ein aggressiveres biologisches Verhalten.
- Mehrere Tumoren gleichzeitig: Treten mehrere Mastzelltumoren nebeneinander auf, verläuft die Erkrankung in der Regel problematischer als bei einem Einzeltumor.
- Systemische Erscheinungen: Erbrechen, Übelkeit, Blutbeimengungen im Kot und Magen-Darm-Geschwüre gehen auf freigesetzte Botenstoffe zurück und sind negativ zu beurteilen.
- Alter: Ältere Hunde haben tendenziell eine schlechtere Prognose.
- Geschlecht: Für männliche Tiere werden kürzere Überlebenszeiten berichtet.
- Tumorgröße: Große Tumoren gehen mit einer ungünstigeren Aussicht einher.
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Malignitätsgrad als wichtigster Anhaltspunkt
Der Malignitätsgrad — das sogenannte Grading — wird an einer Gewebeprobe durch einen Pathologen bestimmt. Er ist der wichtigste einzelne Anhaltspunkt für die Lebenserwartung. Zwei Einteilungen sind gebräuchlich und werden häufig nebeneinander angegeben.
Die ältere dreistufige Einteilung nach Patnaik unterscheidet die Grade 1 bis 3, wobei Grad 3 die aggressivste Form darstellt:
| Grad nach Patnaik | Einordnung | Metastasierungsrate |
|---|---|---|
| Grad 1 | gut differenziert, günstigstes Verhalten | unter 10 % |
| Grad 2 | mäßig differenziert, prognostisch uneindeutig | 5–22 % |
| Grad 3 | schlecht differenziert, aggressiv | 55–95 % |
Als schwierig erwies sich in der Praxis gerade die mittlere Gruppe: Ein Tumor vom Grad 2 konnte sich sowohl günstig als auch bösartig verhalten. Kiupel et al. schlugen deshalb eine zweistufige Einteilung vor, die zwischen niedriggradigen und hochgradigen Mastzelltumoren unterscheidet und zwischen verschiedenen Untersuchern besser übereinstimmt.
| Grad nach Kiupel | Kriterien (eines genügt) | Mittlere Überlebenszeit |
|---|---|---|
| niedriggradig | keines der nebenstehenden Merkmale | über 2 Jahre |
| hochgradig | ≥ 7 Mitosefiguren in 10 Gesichtsfeldern oder ≥ 3 mehrkernige Zellen oder ≥ 3 bizarre Zellkerne oder Karyomegalie, also auffällig vergrößerte Zellkerne | unter 4 Monate |
Diese Werte sind einzuordnen, und zwar sorgfältig: Es handelt sich um Mittelwerte aus Studienkollektiven. Sie beschreiben, wie sich eine Gruppe untersuchter Hunde im Durchschnitt verhalten hat — sie sind keine Vorhersage für ein bestimmtes Tier. Innerhalb dieser Gruppen ist die Streuung in der Regel erheblich: Ein Teil der Hunde lebte deutlich länger als der angegebene Mittelwert, ein anderer Teil kürzer. Eine Zahl aus einer Studie sollte deshalb nie als Ablaufdatum verstanden werden, sondern als grobe Orientierung für die Planung der Behandlung und der Nachkontrollen.
Metastasierung und Stadium
Neben dem Grad wird das klinische Stadium bestimmt. Beide Einteilungen beantworten unterschiedliche Fragen: Der Grad beschreibt, wie das Tumorgewebe unter dem Mikroskop aussieht, das Stadium dagegen, wie weit sich die Erkrankung bereits im Körper ausgebreitet hat. Ermittelt wird es durch die Ausbreitungsdiagnostik, das sogenannte Staging — Untersuchung der zugehörigen Lymphknoten, Ultraschall von Milz und Leber sowie ein Blutbild.
Die Streuung folgt beim Mastzelltumor einem typischen Weg: zuerst in die regionalen, also zum Tumor gehörenden Lymphknoten, danach in Haut, Milz und Leber. Die Lunge ist selten betroffen. Fernmetastasen ohne vorherigen Befall des zugehörigen Lymphknotens wurden nicht beobachtet — was die Beurteilung dieses Lymphknotens zu einem wesentlichen Bestandteil der Untersuchung macht.
Die Neigung zur Metastasierung, also zur Bildung von Tochtergeschwülsten, unterscheidet sich zwischen den Malignitätsgraden erheblich. Niedriggradige Mastzelltumoren weisen eine Metastasierungsrate von unter 10 Prozent auf, bei hochgradigen werden Raten von bis zu 90 Prozent berichtet. Haben sich Tumorzellen erst auf andere Organe ausgebreitet, verschlechtert sich die Prognose deutlich, weil die Behandlung dann nicht mehr auf ein umschriebenes Gebiet begrenzt werden kann.
Umgekehrt gilt: Ein umfangreiches Staging ist nicht in jedem Fall sinnvoll. Fejös et al. konnten zeigen, dass eine ausgedehnte Ausbreitungsdiagnostik bei Hunden mit Mastzelltumoren geringen Risikos keinen prognostischen Zusatznutzen bietet. Der Untersuchungsaufwand sollte dem zu erwartenden Erkenntnisgewinn angemessen bleiben.
Behandlung verbessert die Prognose
Je früher ein Mastzelltumor erkannt und behandelt wird, desto günstiger ist in der Regel die Prognose. Das liegt vor allem daran, dass die Wahrscheinlichkeit einer bereits eingetretenen Streuung im frühen Stadium geringer ist.
Behandlung der ersten Wahl ist die operative Entfernung. Für niedriggradige Tumoren bis etwa 4 cm Durchmesser gilt ein seitlicher Sicherheitsabstand von 2 cm sowie in der Tiefe eine unversehrte Faszienschicht als ausreichend; unter diesen Bedingungen werden Rezidivraten von 0 bis 4 Prozent berichtet. Bei hochgradigen Tumoren liegt die Rezidivrate mit etwa 36 Prozent deutlich höher — und zwar weitgehend unabhängig vom gewählten Sicherheitsabstand.
Konnte nicht vollständig im Gesunden operiert werden oder lässt die Lokalisation eine ausreichende Entfernung nicht zu, kommen die Strahlentherapie sowie eine medikamentöse Behandlung in Betracht. Zugelassen sind hier die Tyrosinkinasehemmer Masitinib (Masivet®) und Toceranib (Palladia®), die gezielt in die Signalübertragung der Tumorzelle eingreifen. Von Nebenwirkungen, insbesondere im Magen-Darm-Bereich, wird bei beiden Wirkstoffen berichtet.
Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung
Die dendritische Zelltherapie ist ein immunologischer Behandlungsansatz und bietet sich als Ergänzung zu Operation, Bestrahlung und medikamentöser Behandlung an. Dendritische Zellen sind Zellen des Immunsystems, deren Aufgabe darin besteht, Merkmale veränderter Zellen aufzunehmen und den T-Zellen zu präsentieren — sie stoßen also die zelluläre Abwehrreaktion an. Ziel der Behandlung ist eine gegen verbliebene Tumorzellen gerichtete Immunantwort.
Sinnvoll ist dieser Weg vor allem nach der Operation eines hochgradigen Mastzelltumors, bei dem mit einer Ausbreitung über das Operationsgebiet hinaus zu rechnen ist, sowie dann, wenn nicht vollständig im Gesunden operiert werden konnte und eine Nachoperation nicht möglich ist. In der Praxis hat sich das Verfahren als gut verträglich erwiesen; erste eigene Ergebnisse liegen vor, kontrollierte Vergleichsstudien beim Mastzelltumor stehen noch aus.
Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.
Weitere Seiten zum Thema: Mastzelltumor Grad 3 beim Hund, Gutartiger Mastzelltumor beim Hund, Metastasen beim Mastzelltumor, Wie schnell wächst ein Mastzelltumor?
Quellen
London CA, Thamm DH (2020): Mast Cell Tumors. In: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, St. Louis, MO, 382–404
Fejös C et al. (2021): Extensive staging has no prognostic value in dogs with low-risk mast cell tumors. doi:10.1111/vco.12773
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