Metastasen vom Mastzelltumor beim Hund
Metastasen sind beim Mastzelltumor des Hundes Tochtergeschwülste, also Absiedlungen des Tumors an anderer Stelle des Körpers. Sie entstehen vor allem bei höhergradigen Mastzelltumoren, kommen aber auch bei weniger aggressiven Formen vor. Für die Behandlung ist deshalb nicht allein der feingewebliche Befund maßgeblich, sondern die Frage, ob und wie weit sich der Tumor bereits ausgebreitet hat. Die Grundlagen zu Anzeichen, Diagnose und Einstufung sind auf der Übersichtsseite Mastzelltumor beim Hund zusammengefasst.
- Diagnose und Ausbreitungsdiagnostik
- Wo Metastasen entstehen
- Welche Rolle der Malignitätsgrad spielt
- Symptome bei Metastasierung
- Behandlung des metastasierten Mastzelltumors
Diagnose und Ausbreitungsdiagnostik
Bereits kurz nach der Diagnose eines Mastzelltumors prüft der Haustierarzt — oder ein hinzugezogener Spezialist —, ob bereits Metastasen vorliegen, ob sich der Tumor also auf angrenzende Lymphknoten oder andere Organe ausgebreitet hat. Diese Untersuchung wird als Staging bezeichnet: die Einordnung der Erkrankung nach ihrer Ausdehnung im Körper, im Unterschied zum Grading, das allein das Gewebebild beurteilt.
Das Ergebnis ist für die weitere Behandlung entscheidend. Tumoren in einem frühen Stadium, die noch keine Metastasen gebildet haben, lassen sich in der Regel deutlich einfacher behandeln als solche, die bereits auf andere Organe übergegriffen haben.
Wo Metastasen entstehen
Die Streuung folgt beim Mastzelltumor einem weitgehend regelmäßigen Muster. Betroffen sind zuerst die zugehörigen (regionalen) Lymphknoten, danach Haut, Milz und Leber. Die Lunge ist dagegen selten betroffen. Darüber hinaus wird ein Befall des Knochenmarks beschrieben.
Entscheidend ist eine Beobachtung aus diesem Muster: Fernmetastasen ohne vorherigen Befall des Wächterlymphknotens wurden nicht beobachtet. Als Wächterlymphknoten bezeichnet man den ersten Lymphknoten im Abflussgebiet des Tumors — jene Station also, in der verschleppte Tumorzellen auf ihrem Weg zuerst hängen bleiben.
Daraus ergibt sich die zentrale Empfehlung dieser Seite: Die Untersuchung des regionalen Lymphknotens ist der wichtigste Bestandteil der Ausbreitungsdiagnostik. Ist er unauffällig, ist eine Streuung in entfernte Organe unwahrscheinlich. Ergänzend werden in der Regel eine Ultraschalluntersuchung von Milz und Leber sowie ein Blutbild durchgeführt.
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Welche Rolle der Malignitätsgrad spielt
Die Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung hängt eng mit dem histologischen Malignitätsgrad zusammen, den der Pathologe am entnommenen Gewebe bestimmt. Nach der dreistufigen Einteilung von Patnaik liegt die Metastasierungsrate bei Grad 1 unter 10 Prozent, bei Grad 2 zwischen 5 und 22 Prozent und bei Grad 3 zwischen 55 und 95 Prozent.
Zur genaueren Bestimmung der Bösartigkeit nimmt das Labor zusätzlich eine Einteilung nach Kiupel vor. Diese unterscheidet nur noch zwischen niedriggradig und hochgradig und gilt als besser geeignet, das tatsächliche Verhalten des Tumors vorherzusagen — insbesondere bei Grad 2, der prognostisch uneindeutig bleibt. Mit steigendem Grad ist in der Regel auch eine kürzere Überlebenszeit verbunden.
Symptome bei Metastasierung
Durch Metastasen treten zusätzliche Beschwerden auf, die mit einer Einschränkung der Funktion des befallenen Organs einhergehen können. Die zunächst auf den Primärtumor beschränkten Anzeichen — etwa die entzündliche Anschwellung eines großen Hauttumors oder die verzögerte Heilung einer Zubildung — weiten sich dann zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl aus.
Beschrieben werden in dieser Phase:
- Schwäche und ein gestörtes Allgemeinbefinden
- weitgehende Veränderungen des Blutbildes
- im Ultraschall darstellbare Veränderungen von Lymphknoten und inneren Organen
Behandlung des metastasierten Mastzelltumors
Soweit möglich, scheint die chirurgische Entfernung des Primärtumors auch bei bereits metastasierter Erkrankung die wichtigste Maßnahme zu sein. Von onkologischer Seite wird anschließend in der Regel eine Chemotherapie vorgeschlagen. Häufig lässt sich diese Behandlungsform jedoch nicht durchführen — sei es aufgrund des Allgemeinbefindens, sei es, weil sie vom Halter abgelehnt wird. Je nach Ausmaß der Metastasierung steht dann die Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität im Vordergrund.
Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung
In dieser Situation bietet sich die dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung an. Dendritische Zellen sind Zellen des Immunsystems: Sie nehmen Merkmale veränderter Zellen auf und präsentieren sie den T-Zellen — sie stoßen also eine gegen die Tumorzellen gerichtete Abwehrreaktion an. Da die Behandlung am Immunsystem ansetzt und Zellen des Patienten selbst verwendet, kommt sie auch dann in Betracht, wenn eine Chemotherapie nicht infrage kommt.
Berichtet werden eine Verbesserung des Allgemeinbefindens und der Lebensqualität. Kontrollierte Vergleichsstudien für den metastasierten Mastzelltumor stehen allerdings noch aus. Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.
Weitere Seiten zum Thema: Mastzelltumor Grad 2 beim Hund, Mastzelltumor Grad 3 beim Hund, Lebenserwartung bei Mastzelltumor.
Quellen
Kiupel M et al. (2011): Proposal of a 2-tier histologic grading system for canine cutaneous mast cell tumors to more accurately predict biological behavior. Vet Pathol 48:147–155. PubMed
Fejös C et al. (2022): Extensive staging has no prognostic value in dogs with low-risk mast cell tumours. Vet Comp Oncol 20:265–275. doi:10.1111/vco.12773
Mendez SE et al. (2020): Treating the locoregional lymph nodes with radiation and/or surgery significantly improves outcome in dogs with high-grade mast cell tumours. Vet Comp Oncol 18:239–246. doi:10.1111/vco.12541
Kessler M, Gramer I (2022): Mastzelltumoren. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 329–340
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