Mastzelltumor beim Hund am Bein

Ein Mastzelltumor beim Hund am Bein ist eine Neubildung entarteter Mastzellen, die an der Gliedmaße in der Haut oder der Unterhaut sitzt und zur Bösartigkeit neigt. Die Lokalisation ist dabei mehr als eine Ortsangabe: Sie entscheidet mit darüber, wie gut sich der Tumor chirurgisch entfernen lässt — und damit über die Prognose. Grundlagen zu Entstehung, Grading und Verlauf finden Sie auf der Übersichtsseite Mastzelltumor beim Hund.

Warum ist der Mastzelltumor am Bein chirurgisch anspruchsvoll?

Die Therapie der Wahl ist die vollständige operative Entfernung. Angestrebt werden dabei ein seitlicher Sicherheitsabstand von 2 cm im gesunden Gewebe sowie eine unversehrte Faszienschicht in der Tiefe — Faszien sind die bindegewebigen Hüllen, die Muskeln und Muskelgruppen überziehen und für den Tumor eine natürliche Barriere darstellen.

Genau hier liegt das Problem der Gliedmaße. Am Rumpf steht reichlich verschiebliche Haut zur Verfügung, sodass sich ein 2-cm-Rand ringsum meist ohne größere Schwierigkeit gewinnen und die Wunde anschließend spannungsfrei verschließen lässt. Am Bein ist das Hautangebot dagegen knapp, die Haut liegt dicht auf Sehnen, Gelenken und Knochen auf, und in der Tiefe fehlt vielerorts eine kräftige Faszienschicht. Der geforderte Sicherheitsabstand lässt sich deshalb am Bein häufig schlechter einhalten als am Rumpf. Da der Mastzelltumor infiltrativ wächst, also mit feinen Ausläufern in das umgebende Gewebe einwächst, bleiben bei knappen Rändern eher Tumorzellen zurück — das Risiko eines Rezidivs, also des Wiederauftretens am selben Ort, steigt entsprechend.

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Woran erkennt man einen Mastzelltumor am Bein?

Der Mastzelltumor zeigt sich am Bein als kleines Knötchen, größerer Knoten oder tastbarer Fleck. Die Konsistenz kann weich, hart oder knorpelig sein — sie sagt jedoch nichts über die Gut- oder Bösartigkeit aus. Neben den äußerlich sichtbaren Veränderungen können unspezifische Anzeichen auftreten: Blutarmut in Verbindung mit einer Blutungsneigung, Erbrechen, Fressunlust sowie eine gestörte Verdauung. Diese Beschwerden gehen auf Botenstoffe wie Histamin zurück, die aus den Tumorzellen freigesetzt werden.

Vorkommen und Diagnose

Eine leichte Rassedisposition ist erkennbar: Vermehrt betroffen sind unter anderem Deutscher Boxer, Golden Retriever, Dackel und Berner Sennenhund. Eine geschlechtsspezifische Häufung besteht nicht; das Erkrankungsrisiko steigt in der Regel ab einem Alter von etwa acht Jahren. Die Abklärung erfolgt über eine Feinnadelaspiration, also die Entnahme einzelner Zellen aus der Umfangsvermehrung mit einer dünnen Nadel. Den Malignitätsgrad und die Ränder beurteilt anschließend die histologische Untersuchung des entfernten Gewebes. Da bösartige Mastzelltumoren über die Lymphbahnen streuen — zunächst in die regionalen Lymphknoten, später in Milz, Leber und Knochenmark —, gehört die Beurteilung der zugehörigen Lymphknoten zur Untersuchung dazu.

Nachbehandlung, wenn der Sicherheitsabstand nicht reicht

Konnte der Tumor am Bein nicht mit ausreichenden Rändern entfernt werden, gewinnt die Nachbehandlung an Bedeutung. Infrage kommen eine Nachoperation, die Strahlentherapie — Mastzellen sprechen auf Bestrahlung in der Regel gut an — sowie eine medikamentöse Behandlung. In seltenen Fällen, etwa bei ausgedehnten oder wiederholt aufgetretenen Tumoren an Zehe, Pfote oder Sprunggelenk, wird auch eine Amputation der Gliedmaße erwogen; sie bleibt jedoch die Ausnahme und wird gegen die zu erwartende Lebensqualität abgewogen. Das Fallbeispiel Chenny dokumentiert einen Mastzelltumor am Sprunggelenk, der aufgrund der ungünstigen Stelle nicht im Gesunden entfernt werden konnte.

Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung

Gerade bei knappen Rändern am Bein empfiehlt sich die dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung neben Operation, Bestrahlung und medikamentöser Therapie. Dabei werden dendritische Zellen — Zellen des Immunsystems, die Tumormerkmale präsentieren — genutzt, um die Abwehr auf verbliebene Tumorzellen auszurichten. Ziel ist es, die Lebenserwartung zu verlängern und die Lebensqualität zu erhalten. Erste eigene Ergebnisse liegen vor; kontrollierte Vergleichsstudien stehen noch aus. Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.

Weitere Seiten zum Thema

Vertiefend: Mastzelltumoren der Unterhaut, Metastasen beim Mastzelltumor und Wie schnell wächst ein Mastzelltumor?

Quellen

De Nardi AB et al. (2022): Diagnosis, Prognosis and Treatment of Canine Cutaneous and Subcutaneous Mast Cell Tumors. Cells 11(4):618. doi:10.3390/cells11040618

Milovancev M et al. (2019): Long-term outcomes of dogs undergoing surgical resection of mast cell tumors and soft tissue sarcomas: A prospective 2-year-long study. Vet Surg. doi:10.1111/vsu.13225

Kessler M, Gramer I (2022): Mastzelltumoren. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 329–340

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