Toceranib (Palladia®) beim Mastzelltumor des Hundes

Toceranib, im Handel als Palladia®, ist ein Tyrosinkinasehemmer, der beim Mastzelltumor des Hundes eingesetzt wird: Er blockiert Enzyme, die an Entstehung, Aufrechterhaltung und Ausbreitung von Tumorerkrankungen beteiligt sind. Palladia® gilt als das erste Arzneimittel, das gezielt für die Krebsbehandlung beim Hund zugelassen wurde — Anwendungsgebiet der Zulassung ist der Mastzelltumor. Grundlagen zu Einteilung, Diagnose und Behandlung sind auf der Übersichtsseite Mastzelltumor beim Hund zusammengefasst.

Wirkprinzip: Hemmung der Tyrosinkinasen

Tyrosinkinasen sind Enzyme, die Wachstums- und Teilungssignale von der Zelloberfläche in das Zellinnere weiterleiten. Toceranib hemmt mehrere dieser Enzyme; für den Mastzelltumor entscheidend ist der c-Kit-Rezeptor — ein Empfängermolekül auf der Zelloberfläche, das die Reifung und Vermehrung von Mastzellen steuert. Ist dieser Rezeptor durch eine Mutation, also eine dauerhafte Veränderung des Erbguts, ständig aktiviert, teilen sich die Zellen ungebremst. Wird das Signal unterbrochen, kann die Zellteilung eingeschränkt werden.

Zugelassen wurde Toceranib zunächst für die Behandlung von Mastzelltumoren beim Hund. Da auch andere Tumoren das Protein c-Kit bilden können, wird der Wirkstoff inzwischen bei einer Vielzahl weiterer Tumorarten angewendet.

Warum die Wirkung häufig zeitlich begrenzt ist

Tumorgewebe besteht in der Regel nicht aus einem einheitlichen Zelltyp, sondern aus einer Mischung verschiedener Zellpopulationen. Übersichtsarbeiten von Sparmann und Willyard weisen darauf hin, dass ein Hemmstoff, der ausschließlich die c-Kit-tragende Zellpopulation erfasst, deshalb häufig nur zeitweise wirkt: Die c-Kit-negativen Tumorzellen, also jene ohne das Zielmolekül, werden von der Behandlung nicht erreicht und können sich weiter vermehren.

Es wird angenommen, dass dieser Umstand erklärt, warum die Wirkung von Tyrosinkinasehemmern beim Mastzelltumor zeitlich oft begrenzt ist und der Tumor nach anfänglichem Ansprechen erneut an Größe zunehmen kann. Für die Behandlungsplanung bedeutet das zweierlei: Das Ansprechen sollte in regelmäßigen Abständen überprüft werden, und die Kombination mit weiteren Behandlungsverfahren ist zu erwägen.

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Nebenwirkungen

Unter Toceranib treten überwiegend Magen-Darm-Beschwerden auf, also Durchfall, Erbrechen und Übelkeit. Berichtet wurden darüber hinaus schwerere Verläufe mit Schädigungen der Leber und der Muskulatur. Bei einem Teil der behandelten Tiere fallen die Nebenwirkungen so deutlich aus, dass die Gabe wieder eingestellt wird.

Der Einsatz muss deshalb im Einzelfall abgewogen werden: Erwarteter Nutzen und mögliche Belastung sind gegeneinander zu stellen. Während der Behandlung sollte der Hund engmaschig tierärztlich betreut werden, einschließlich regelmäßiger Blutkontrollen.

Schilddrüsenfunktion unter Toceranib

Harper et al. (2020) untersuchten die Schilddrüsenfunktion bei Hunden, die mit dem Tyrosinkinasehemmer Toceranib behandelt wurden. Ihre Ergebnisse geben Hinweise darauf, dass eine dauerhafte Toceranib-Gabe möglicherweise eine Fehlfunktion der Schilddrüse hervorrufen kann — die Schilddrüse steuert über ihre Hormone unter anderem den Stoffwechsel, sodass sich eine Unterfunktion in Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme und Fellveränderungen äußern kann. Die Autoren schlagen aus diesem Grund eine häufigere Kontrolle der Schilddrüsenwerte während der Behandlung vor.

Adaptive Behandlung

Onkologen, also auf Krebserkrankungen spezialisierte Tierärzte, nutzen Tyrosinkinasehemmer auch für die sogenannte adaptive Behandlung. Das Ziel besteht hier nicht darin, möglichst viele Tumorzellen abzutöten, sondern ein Gleichgewicht der Zelltypen im Tumor anzustreben: Weniger bösartige Zellpopulationen sollen unter der Behandlung dominieren und die aggressiveren Anteile zurückdrängen. Der Ansatz trägt damit der oben beschriebenen Mischung unterschiedlicher Zelltypen im Tumorgewebe Rechnung.

Kosten und Umgang mit den Tabletten

Eine Langzeitbehandlung mit Toceranib ist kostenintensiv — vor allem bei großen Hunderassen, da sich die Dosis nach dem Körpergewicht richtet. Dieser Punkt sollte vor Behandlungsbeginn besprochen werden, weil ein vorzeitiger Abbruch den Behandlungserfolg infrage stellt.

Beim Umgang mit den Tabletten gelten dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie bei Masitinib: Die Tabletten sind unzerteilt und mit Handschuhen einzugeben, ein Hautkontakt mit dem Wirkstoff ist zu vermeiden. Schwangere und Kinder sollten weder mit dem Präparat noch mit den Ausscheidungen des behandelten Hundes in Berührung kommen. Für Besitzer bedeutet das einen dauerhaften Mehraufwand, der in die Entscheidung einbezogen werden sollte.

Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung

Die dendritische Zelltherapie kann gemeinsam mit den bekannten c-Kit-Hemmern eingesetzt werden und empfiehlt sich als ergänzende Behandlung neben Chirurgie, Bestrahlung und medikamentöser Tumorbehandlung. Dendritische Zellen sind Zellen des Immunsystems, die Merkmale veränderter Zellen aufnehmen und den T-Zellen präsentieren — sie stoßen also eine gegen die Tumorzellen gerichtete Abwehrreaktion an. Es wird angenommen, dass auf diesem Weg verschiedene Zellgruppen des Tumors erfasst werden können.

Um die Immunreaktion aufrechtzuerhalten, werden Wiederholungsbehandlungen in regelmäßigen Abständen vorgeschlagen. Besondere Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit dem behandelten Hund sind dabei nicht einzuhalten. Erste eigene Ergebnisse liegen vor; kontrollierte Vergleichsstudien stehen noch aus. Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.

Weitere Seiten zum Thema: Masivet® beim Mastzelltumor des Hundes zum zweiten zugelassenen Tyrosinkinasehemmer, Stelfonta® beim Mastzelltumor zur örtlichen Behandlung im Tumor sowie Erfahrungen mit Toceranib (Palladia®) bei Hunden zum Einsatz bei anderen Tumorarten.

Quelle

Harper A et al. (2020): Investigation of thyroid function in dogs treated with the tyrosine kinase inhibitor toceranib, Vet Comp Oncol. 2020:18, 433–437, doi:10.1111/vco.12538

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