Masivet® beim Mastzelltumor des Hundes

Masivet® ist ein Arzneimittel, das beim Mastzelltumor des Hundes eingesetzt wird: Sein Wirkstoff Masitinib gehört zu den Tyrosinkinasehemmern, also zu den Substanzen, die bestimmte Signalwege in der Tumorzelle blockieren. Angewendet wird es vor allem dann, wenn ein Mastzelltumor beim Hund nicht operativ entfernt werden kann. Voraussetzung für die Behandlung ist der Nachweis einer bestimmten Mutation im Tumorgewebe — ohne diesen Nachweis ist Masivet® nicht zugelassen.

Wirkprinzip: Masitinib als Tyrosinkinasehemmer

Masitinib gehört zur Wirkstoffklasse der Tyrosinkinasehemmer. Tyrosinkinasen sind Enzyme, über die eine Zelle Wachstums- und Teilungssignale von der Zelloberfläche ins Zellinnere weiterleitet. Angriffspunkt beim Mastzelltumor ist der c-Kit-Rezeptor — ein Empfängermolekül auf der Zelloberfläche, das die Reifung und Vermehrung von Mastzellen steuert.

Liegt in diesem Rezeptorprotein eine Mutation vor, also eine dauerhafte Veränderung des Erbguts, kann der Rezeptor dauerhaft aktiviert sein und fortlaufend Teilungssignale abgeben — auch ohne äußeren Reiz. Genau hier setzt Masitinib an: Durch die Hemmung des Rezeptors wird die unkontrollierte Zellteilung eingeschränkt, sodass sich die weitere Entwicklung der auf dieser Mutation beruhenden Tumoren bremsen lässt.

Zulassung und Voraussetzung: Nachweis der c-Kit-Mutation

In der Europäischen Union ist Masivet® zur Behandlung nicht operabel entfernbarer Mastzelltumoren des Grades 2 oder 3 zugelassen — und zwar ausschließlich dann, wenn im Tumorgewebe eine Mutation des c-Kit-Rezeptorproteins nachgewiesen wurde. Diese Einschränkung ist der zentrale Punkt der Anwendung: Die Mutation muss vor Behandlungsbeginn bestätigt sein, andernfalls wird Masivet® nicht verabreicht.

Ob eine solche Mutation vorliegt, untersucht der Pathologe, also der auf Gewebeuntersuchungen spezialisierte Facharzt, im Labor am Tumormaterial. KIT-Mutationen finden sich in der Regel bei 10 bis 45 Prozent der kutanen, also von der Haut ausgehenden Mastzelltumoren; betroffen sind vor allem die Genabschnitte Exon 8 und Exon 11. Damit kommt von vornherein nur ein Teil der Patienten für diese Behandlung infrage. Zur Einordnung des Tumorgrades siehe Mastzelltumor Grad 2 und Mastzelltumor Grad 3.

Darreichungsform und Anwendung

Masivet® wird als runde Filmtablette in zwei Stärken hergestellt: mit 50 mg und mit 150 mg Wirkstoff. Wie hoch die Dosis ausfällt, hängt unter anderem von der Art des Mastzelltumors und von der Größe beziehungsweise dem Körpergewicht des Hundes ab; festgelegt wird sie vom behandelnden Tierarzt.

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Tierärztliche Kontrolle während der Behandlung

Hunde, die zur Behandlung eines Mastzelltumors Masivet® erhalten, sollten während der gesamten Anwendung unter tierärztlicher Beobachtung stehen. Empfohlen wird, den Hund mindestens einmal im Monat vorzustellen; ein Behandlungsrhythmus von vier Wochen hat sich in der Praxis bewährt. Regelmäßige Blutkontrollen sind angezeigt — sie dienen unter anderem dazu, Veränderungen der Leber- und Nierenwerte sowie der weißen Blutkörperchen frühzeitig zu erkennen. Treten Nebenwirkungen auf, sollte unmittelbar Kontakt mit dem Tierarzt aufgenommen werden.

Nebenwirkungen

Ungefähr jeder achte behandelte Hund zeigt unter Masivet® Nebenwirkungen. Am häufigsten beschrieben werden:

  • Haarausfall
  • Magen-Darm-Beschwerden, also Durchfall und Erbrechen

Diese Reaktionen sind in der Regel leicht bis mittelstark ausgeprägt und klingen meist einige Wochen nach der Behandlung wieder ab. Der Zeitpunkt des Auftretens erstreckt sich auf bis zu vier Wochen nach der Anwendung. Eine vollständige Angabe der Nebenwirkungen und der Inhaltsstoffe findet sich in der Packungsbeilage.

Gegenanzeigen

Hunde mit bestimmten Vorerkrankungen dürfen nicht mit Masivet® behandelt werden. Von einer Behandlung ist abzusehen bei:

  • Hunden mit bestimmten Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Hunden mit Anämie (Blutarmut) oder Neutropenie (verminderte Anzahl der neutrophilen Granulozyten, eines Teils der weißen Blutkörperchen)
  • jungen Hunden, die das Alter von sechs Monaten nicht überschritten haben
  • Hunden mit weniger als vier Kilogramm Körpergewicht
  • tragenden oder säugenden Hündinnen
  • Hunden mit möglicher Allergie gegen Masitinib oder einen anderen Bestandteil des Präparats

Darüber hinaus wird von der Anwendung abgeraten, wenn kleine Kinder, schwangere Frauen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem im Haushalt leben. Der Grund dafür liegt im Umgang mit dem Wirkstoff, der im folgenden Abschnitt beschrieben wird.

Sicherer Umgang mit den Tabletten

Tabletten anderer Präparate lassen sich häufig zerbrechen oder zerbröseln und mit dem Futter eingeben. Bei Masivet® ist das nicht zulässig: Die Filmtabletten müssen unverändert im Ganzen verabreicht werden. Für die Eingabe gilt:

  • Die Tabletten sollten mit Handschuhen eingegeben werden.
  • Beim Verabreichen sollte nicht geraucht, gegessen oder getrunken werden.
  • Kommen Hund oder Mensch mit dem Wirkstoff in Kontakt, etwa an der Haut oder am Auge, ist der betroffene Bereich gründlich auszuspülen.
  • Schwangeren und Kindern wird geraten, keinen Kontakt zum behandelten Hund zu haben. Gleiches gilt für dessen Ausscheidungen, also zum Beispiel Kot oder Erbrochenes.

Verfügbarkeit des Wirkstoffs

Zu beachten ist, dass es beim Wirkstoff zeitweise zu Lieferschwierigkeiten kommt, die eine kontinuierliche Behandlung gefährden können. Vor Behandlungsbeginn empfiehlt es sich daher, die Verfügbarkeit mit dem behandelnden Tierarzt zu klären.

Untersucht wird derzeit außerdem, ob Masitinib auch bei anderen Tumorarten eingesetzt werden kann, sofern diese Zielmoleküle über c-Kit hinaus aufweisen. Klose et al. (2022) prüften an Zelllinien des Prostatakarzinoms beim Hund das therapeutische Potenzial von Masitinib sowie die Ausprägung seiner Zielstrukturen c-Kit, PDGFR-alpha, PDGFR-beta und Lyn.

Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung

Die dendritische Zelltherapie kann gemeinsam mit Masivet® eingesetzt werden und empfiehlt sich als ergänzende Behandlung neben Chirurgie, Bestrahlung und medikamentöser Tumorbehandlung. Dendritische Zellen sind Zellen des Immunsystems, die Merkmale veränderter Zellen aufnehmen und den T-Zellen präsentieren — sie stoßen also eine gegen die Tumorzellen gerichtete Abwehrreaktion an.

Sie bietet sich insbesondere dann an, wenn im Tumorgewebe keine c-Kit-Mutation nachgewiesen wurde und eine Behandlung mit Masitinib deshalb nicht infrage kommt, oder wenn eine der oben genannten Gegenanzeigen vorliegt. Besondere Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit dem behandelten Hund sind dabei nicht einzuhalten. Erste eigene Ergebnisse liegen vor; kontrollierte Vergleichsstudien stehen noch aus. Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.

Weitere Seiten zum Thema: Toceranib (Palladia®) beim Mastzelltumor, Stelfonta® beim Mastzelltumor, Mastzelltumor Grad 3 beim Hund.

Dieser Text ersetzt keine tierärztliche Beratung: Für konkrete Fragen vor, während und nach der Behandlung ist der behandelnde Tierarzt zurate zu ziehen.

Quelle

Klose K et al. (2022): Evaluation of the therapeutic potential of masitinib and expression of its specific targets c-Kit, PDGFR-alpha, PDGFR-beta and Lyn in canine prostate cancer cell lines, Vet Comp Oncol 2022:20:641–652, doi:10.1111/vco.12817

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