Autoimmunerkrankung

Hypertrophische Osteodystrophie des Hundes

Bei der hypertrophen Osteodystrophie des Hundes — kurz HOD, auch metaphysäre Osteopathie genannt — handelt es sich um eine seltene entzündliche Knochenerkrankung junger, schnell wachsender Hunde großer Rassen.

Betroffen ist die Metaphyse, also der Wachstumsbereich der Röhrenknochen unmittelbar neben der Wachstumsfuge. Dort kommt es zu Gewebeuntergang, Blutungen und Entzündung. Die Erkrankung tritt in der Phase des schnellen Wachstums auf und bildet sich in der Regel zurück, sobald sich die Wachstumsfugen geschlossen haben.

Welche Hunde betroffen sind

Beobachtet wird die Erkrankung vor allem bei jungen, schnell wachsenden Hunden großer Rassen, unter anderem bei:

  • Irish Setter
  • verschiedenen Doggenrassen
  • Irischem Wolfshund

Gelegentliche Fälle sind auch bei anderen Rassen beschrieben. Rüden und Hündinnen sind gleichermaßen betroffen; die Krankheitszeichen stellen sich in der Regel im Alter von 8 bis 16 Wochen ein.

Symptome

Führend ist eine akut auftretende, beidseitige und erhebliche Lahmheit. Vorder- und Hintergliedmaßen sind gleichermaßen betroffen; neben Unterarm und Unterschenkel können auch die Wirbelkörper beteiligt sein.

Am Knochen selbst zeigen sich:

  • geschwollene, schmerzhafte Metaphysen mit deutlicher Weichteilschwellung über den betroffenen Knochen
  • symmetrische Knochenveränderungen an mehreren Gliedmaßen zugleich

Hinzu kommen allgemeine Krankheitszeichen:

  • Fressunlust, gedrücktes Verhalten und Fieber
  • Erbrechen und Lymphknotenschwellung
  • Augen- und Nasenausfluss, Hautpusteln, Blutungen aus dem Enddarm, Scheidenentzündung, Atemwegsentzündungen
  • sich selbst begrenzende Dünndarmdurchfälle, die zusammen mit Fieberschüben und Gelenkschmerzen auftreten

Betroffene Hunde weisen deutlich erhöhte Werte mehrerer entzündlicher Zytokine auf — jener Botenstoffe, die eine Entzündung im ganzen Körper unterhalten. Diese Werte können auch bei genesenen Hunden erhöht bleiben.

Für Halter ist dieses Bild verstörend: Ein wenige Wochen alter Welpe, der plötzlich kaum noch aufsteht, hohes Fieber hat und beim Anfassen der Beine schreit, wirkt lebensbedrohlich krank. Die Erkrankung ist tatsächlich sehr schmerzhaft — sie ist aber in der Regel beherrschbar.

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Der Weimaraner als Sonderfall

Der Weimaraner neigt zu einer Form der Erkrankung, die mehrere Organsysteme betrifft, mit schweren Magen-Darm-, Atemwegs- und neurologischen Symptomen.

Bei dieser Rasse sind darüber hinaus weitere Entzündungserkrankungen bekannt, unter anderem wiederkehrende Fieberschübe mit allgemeinen Entzündungszeichen. Für diese Gruppe wurde der Begriff hyperinflammatorisches Syndrom verwendet. Darunter versammeln sich beim Weimaraner:

  • die hypertrophe Osteodystrophie
  • die aseptische, also erregerfreie Hirnhautentzündung
  • Fieberschübe nach Schutzimpfungen
  • knotige Hauterkrankungen
  • ein Immunschwächesyndrom

Wahrscheinlich liegt all diesen Entzündungskrankheiten eine gemeinsame, bislang nicht identifizierte Ursache zugrunde.

Daraus folgt ein praktischer Hinweis, der Haltern junger Weimaraner häufig fehlt: Der Impfplan sollte bei betroffenen Tieren tierärztlich abgestimmt werden — nicht, weil Impfungen grundsätzlich zu meiden wären, sondern weil Zeitpunkt und Begleitbehandlung bei dieser Rasse eine Rolle spielen können.

Ursache

Die Ursache ist nach wie vor unbekannt. Frühere Vermutungen — ein Vitamin-C-Mangel oder eine Überernährung — sind inzwischen verworfen. Es gibt Hinweise auf einen deutlichen genetischen Einfluss.

Bemerkenswert ist zudem, dass betroffene Hunde eine vorbestehende Immunstörung aufweisen können, mit niedrigen Konzentrationen einer oder mehrerer Immunglobulinklassen sowie wiederkehrenden Infektionen und entzündlichen Erkrankungen.

Der Weg zur Diagnose

Die Diagnose stützt sich auf:

  • den Vorbericht und die Rassezugehörigkeit — die typische Kombination aus Rasse, Alter und plötzlichem Beginn ist bereits stark hinweisend
  • die klinischen Zeichen, insbesondere die schmerzhaft geschwollenen Metaphysen
  • charakteristische Röntgenbefunde an der Wachstumsfuge der Röhrenknochen: strahlendurchlässige Zonen in den Wachstumsbereichen und Zubildungen an der Knochenhaut

Im Blut finden sich üblicherweise eine Erhöhung der neutrophilen Leukozyten und der Monozyten sowie eine erhöhte alkalische Phosphatase, die auf den Knochenuntergang hinweist. Einige Tiere zeigen zusätzlich eine Hypogammaglobulinämie, also verminderte Antikörperspiegel.

Werden Biopsien der betroffenen Knochenbereiche entnommen — was selten erforderlich ist —, zeigen sie schwere neutrophile Entzündungen, Blutungen im Bereich der Knochenhaut und Untergang der Knochenbälkchen.

Wichtig ist der Ausschluss infektiöser Ursachen für Fieber und Knochenschmerzen. Eine bakterielle Knochenentzündung würde antibiotisch behandelt, nicht entzündungshemmend.

Was sonst dahinterstecken kann

  • die Panostitis des jungen Hundes, die ebenfalls mit wechselnder Lahmheit einhergeht, aber den Knochenschaft betrifft
  • bakterielle Knochen- und Gelenkentzündungen
  • Wachstums- und Entwicklungsstörungen der Gelenke
  • bei jungen Beagles die juvenile Polyarteriitis, die ebenfalls mit Fieber und starken Schmerzen einhergeht
  • das Shar-Pei-Fieber als rassetypisches Fiebersyndrom

Behandlung

Die Behandlung beruht auf:

  • relativer Ruhigstellung des jungen Patienten
  • nichtsteroidalen Entzündungshemmern, bei Bedarf ergänzt um Opiat-Schmerzmittel — die Erkrankung ist ausgesprochen schmerzhaft, und eine unzureichende Schmerzbehandlung ist der häufigste Fehler
  • Kortikosteroiden bei schwerer, fortschreitender Erkrankung, wenn die Röntgenveränderungen der Wachstumsfugen den Befund stützen
  • unterstützender Pflege: ausreichende Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, weiche Liegeflächen

Die rechtzeitige Erkennung und eine angemessene Behandlung gelten als Schlüssel zu einem guten Ausgang.

Bei Hunden mit wiederkehrenden Schüben oder mit der beim Weimaraner beschriebenen Mehrorganform kann ergänzend eine Behandlung mit dendritischen Zellen erwogen werden. Dabei werden aus einer Blutprobe körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken und die überschießende Entzündungsreaktion normalisieren sollen — ein Ansatz, der gerade bei sehr jungen Hunden interessant ist, weil er ohne dauerhafte breite Immunsuppression auskommt.

Prognose

In den meisten Fällen heilt die Erkrankung von selbst aus: Die meisten Hunde erholen sich innerhalb weniger Wochen nach dem Schluss der Wachstumsfugen.

Zwei Einschränkungen bleiben. Erstens können Verformungen an den betroffenen Knochen zurückbleiben. Zweitens können die entzündlichen Botenstoffe auch bei genesenen Hunden erhöht bleiben — ein Hinweis darauf, dass die zugrunde liegende Neigung nicht mit dem Wachstum verschwindet.

Für Sie als Halter ist die Botschaft dennoch ermutigend: Ein Welpe, der diese Wochen mit guter Schmerzbehandlung übersteht, hat gute Aussichten auf ein normales Leben. Die Aufgabe in dieser Zeit ist nicht Heilung, sondern Schmerzfreiheit — und die ist erreichbar.

Eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd finden Sie auf der Übersichtsseite.

Quellen

Tizard IR (2023): Canine Hypertrophic Osteodystrophy. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 176–178

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Häufige Fragen

Was ist die hypertrophe Osteodystrophie (HOD) beim Hund?

Die hypertrophe Osteodystrophie, auch metaphysäre Osteopathie genannt, ist eine seltene entzündliche Knochenerkrankung junger, schnell wachsender Hunde großer Rassen, etwa des Irish Setters, verschiedener Doggenrassen und des Irischen Wolfshundes. Betroffen ist die Metaphyse, also der Knochenwachstumsbereich der Röhrenknochen, in dem es zu Nekrose (Gewebeuntergang), Blutungen und Entzündungen kommt. Die Erkrankung tritt in der Phase des schnellen Wachstums auf und bildet sich in der Regel zurück, sobald sich die Wachstumsfugen geschlossen haben.

Woran erkenne ich eine HOD bei meinem Welpen?

Die Krankheitserscheinungen stellen sich in der Regel im Alter von 8 bis 16 Wochen ein; Rüden und Hündinnen sind gleichermaßen betroffen. Typisch sind eine akut auftretende, beidseitige erhebliche Lahmheit mit geschwollenen, schmerzhaften Metaphysen sowie Futterunlust, Depression und Fieber. Hinzukommen können Erbrechen, Lymphknotenschwellung, Augen- und Nasenausfluss sowie Dünndarmdurchfälle; der Weimaraner neigt zu einer multiorganischen Form mit schweren Magen-Darm-, Atemwegs- und neurologischen Symptomen.

Was ist die Ursache der HOD beim Hund?

Die Ursache der hypertrophen Osteodystrophie ist nach wie vor unbekannt; frühere Spekulationen über Vitamin-C-Mangel oder Überernährung wurden inzwischen verworfen. Es gibt Hinweise auf einen signifikanten genetischen Effekt. Betroffene Hunde können zudem eine vorbestehende Immunstörung mit niedrigen Konzentrationen einer oder mehrerer Immunglobulinklassen (Antikörperklassen) sowie wiederkehrende Infektionen aufweisen.

Wie wird die HOD diagnostiziert?

Die Diagnose stützt sich auf den Vorbericht, die Rasseprädisposition, die klinischen Symptome und charakteristische Röntgenbefunde an der Wachstumsfuge der Röhrenknochen, das heißt strahlendurchlässige Zonen in den Wachstumsbereichen und Zubildungen an der Knochenhaut. Wichtig ist, infektiöse Ursachen für Fieber und Knochenschmerzen auszuschließen. Im Blut finden sich üblicherweise eine Erhöhung der neutrophilen Leukozyten und Monozyten sowie eine erhöhte alkalische Phosphatase, die auf die Knochennekrose hinweist.

Wie wird die HOD beim Hund behandelt?

Die Behandlung beruht normalerweise auf einer relativen Ruhigstellung des jungen Patienten in Verbindung mit nichtsteroidalen Entzündungshemmern (NSAIDs); bei Bedarf werden auch Opiat-Analgetika, also stark wirksame Schmerzmittel, eingesetzt. Kortikosteroide (Kortison) sollten bei einer schweren, fortschreitenden Erkrankung zum Einsatz kommen. Die rechtzeitige Erkennung der Krankheit und eine angemessene Behandlung gelten als Schlüssel zu einem guten Ausgang.

Ist die HOD beim Hund heilbar?

In den meisten Fällen hat die Krankheit die Tendenz, von allein auszuheilen; die meisten Hunde erholen sich innerhalb weniger Wochen nach dem Schluss der Wachstumsfugen. Allerdings können Deformationen an den betroffenen Knochen zurückbleiben. Auch erhöhte entzündliche Zytokine (Botenstoffe des Immunsystems) können bei genesenen Hunden erhöht bleiben.

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