Rassespezifische Vaskulitiden bei Hunden
Bei einigen Hunderassen tritt die Vaskulitis — die Entzündung der Blutgefäße — in einer eigenen, rassetypischen Ausprägung auf. Diese Formen unterscheiden sich in Alter, Lokalisation und Verlauf so deutlich voneinander, dass die Rasse allein oft schon die entscheidende diagnostische Weiche stellt.
Betroffen sind:
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Greyhound — Alabama-Rot, Haut- und Nierenbeteiligung
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Shar-Pei — im Rahmen des Shar-Pei-Fiebers
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Jack Russell Terrier — Geschwüre über Knochenvorsprüngen und im Gesicht
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Deutscher Schäferhund — Welpen im Alter von 4 bis 10 Wochen
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Scottish Terrier — Geschwüre des Nasenspiegels bei Junghunden
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Vaskulitis der Greyhounds (Alabama-Rot)
Bei Greyhounds, die für Hunderennen genutzt wurden, ist eine systemische Vaskulopathie beschrieben, die zugleich die Haut und die Nierenkörperchen betrifft. Umgangssprachlich ist sie als Alabama-Rot bekannt, weil die ersten Fälle in den 1980er Jahren in diesem US-Bundesstaat auftraten.
Die Ursache ist unbekannt. Weder wurden Infektionserreger identifiziert noch Immunkomplexe in den Gefäßveränderungen nachgewiesen. Dass eine genetische Grundlage besteht, gilt als gesichert, da die Erkrankung auf bestimmte Würfe beschränkt bleibt; als eigentlicher Auslöser wird jedoch ein bislang nicht identifizierter infektiöser oder umweltbedingter Faktor angenommen. Dafür sprechen auch die Beobachtungen zur Verteilung: Ausbrüche treten gehäuft in Gruppen auf, die höchste Häufigkeit liegt zwischen November und Mai, und es besteht eine geografische Bindung an bewaldete Gebiete. Eine ähnliche Erkrankung wurde bei Deutschen Doggen beobachtet.
Symptome. Betroffene Tiere entwickeln zahlreiche ödematöse, gerötete und berührungsempfindliche Hautschwellungen, hauptsächlich an den Hinterbeinen — an Sprunggelenk, Knie und Innenseite der Oberschenkel —, gelegentlich auch an den Vorderbeinen. Kopf und Rücken bleiben in der Regel verschont. Die Veränderungen entwickeln sich zu scharf abgegrenzten, tiefen Geschwüren, aus denen eine serös-blutige Flüssigkeit austritt; Sekundärinfektionen sind häufig.
Ein Teil der Hunde erholt sich allmählich, während die Geschwüre abheilen. Bei anderen entwickelt sich eine deutlich schwerere Erkrankung mit Fieber, Lethargie, Gelbsucht, Anämie und Thrombozytopenie, also einem Mangel an Blutplättchen. Viele dieser Hunde entwickeln eine Azotämie — eine Ansammlung harnpflichtiger Stoffe im Blut — mit akutem Nierenversagen und Magen-Darm-Beschwerden. Zugrunde liegt eine Thrombosierung der kleinsten Gefäße mit Schädigung der Gefäßinnenwand und einem Verbrauch der Blutplättchen.
Für Halter heißt das ganz konkret: Wenn ein Greyhound mit solchen Hautveränderungen zusätzlich matt wird, erbricht oder auffällig viel trinkt, ist die Niere im Spiel — und das ist ein Notfall.
Feingewebliche Befunde. Die Histopathologie zeigt Nekrosen der Oberhaut, Blutungen im Unterhautgewebe, fibrinoide Nekrosen kleiner Arteriolen — also ein Absterben der Gefäßwand mit Einlagerung von Gerinnungseiweiß —, eine gemischt entzündliche Infiltration und mitunter Thrombosen. Die Nierenveränderungen bestehen aus Minderdurchblutung, Stauung und Blutung der Nierenkörperchen mit Gerinnung innerhalb der Gefäße, also einer thrombotischen Mikroangiopathie, dazu Schwund und Absterben des Epithels der Nierenkanälchen. Einzelne Nierenkörperchen können Ablagerungen von IgG oder IgM enthalten. Gelegentlich finden sich unspezifische Veränderungen im Gehirn mit umschriebenen Nekrosen, Blutungen und Ödemen.
Von dieser Gefäßerkrankung abzugrenzen ist die eigenständige Polyarthritis der Greyhounds, die vorwiegend junge Tiere dieser Rasse betrifft und die Gelenke statt der Blutgefäße befällt.
Shar-Pei-Fieber
Beim Shar-Pei ist die Vaskulitis Teil eines größeren Krankheitsbildes. Sie ist auf der Seite zum Shar-Pei-Fieber ausführlich dargestellt.
Vaskulitis des Jack Russell Terriers
Bei Jack Russell Terriern wurde eine wahrscheinlich familiär auftretende Vaskulitis ohne erkennbare äußere Ursache festgestellt. Kennzeichnend sind Geschwüre über Knochenvorsprüngen — also an den Stellen, an denen die Haut beim Liegen unter Druck gerät — sowie im Gesicht.
Dapson hat sich als wirksame Behandlung erwiesen; gegebenenfalls ist eine Kombination mit Dexamethason angezeigt. Unter Dapson sind regelmäßige Blutbild- und Leberwertkontrollen erforderlich.
Vaskulitis der Schäferhund-Welpen
Bei Welpen des Deutschen Schäferhundes im Alter von 4 bis 10 Wochen wurde eine Vaskulitis beschrieben, die sich in der Regel 7 bis 10 Tage nach der ersten Impfstoffdosis entwickelt — gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirus und Parainfluenzavirus. Bei einigen Tieren tritt sie jedoch bereits vor der Impfung oder ganz ohne Impfung auf. Genetische Untersuchungen deuten auf einen autosomal-rezessiven Erbgang hin; ein Welpe erkrankt also nur, wenn er die Anlage von beiden Elterntieren erhalten hat. Der zugrunde liegende Mechanismus ist noch unbekannt.
Symptome. Die Welpen zeigen zunächst vorübergehende Lahmheit, Appetitlosigkeit und Fieber. Im weiteren Verlauf kommt es zu Schwellung und Depigmentierung der Fußballen, dazu zu umschriebenen Bezirken mit Pigmentverlust, Krustenbildung, Nässen und schließlich Geschwüren an Nase und Nasenspiegel, an den Fußballen, an der Rute und an den Ohrspitzen. Viele dieser Welpen haben erhebliche Schmerzen.
Befunde. Blutbild und Serumchemie sind normal, ebenso Immunglobulinspiegel und Lymphozytenzahl; antinukleäre Antikörper fehlen, und der Coombs-Test fällt negativ aus. Die Histopathologie zeigt eine an mehreren Stellen knotige Dermatitis, bei der Ansammlungen mononukleärer weißer Blutkörperchen und neutrophile Herde die Auflösung des Bindegewebes der Lederhaut und geschädigte Blutgefäße umgeben. Die depigmentierten Bezirke weisen eine milde Interface-Dermatitis mit begrenzter Zerstörung der Basalzellen auf.
Für Züchter ist der Erbgang die wichtigste Information: Tritt die Erkrankung in einem Wurf auf, betrifft das die Verpaarung, nicht den einzelnen Welpen. Zudem sollte der weitere Impfplan betroffener Tiere tierärztlich abgestimmt werden.
Vaskulitis des Scottish Terriers
Auch beim Scottish Terrier wurde eine familiär gehäufte Vaskulitis gefunden. Sie tritt bei Hunden im Alter von 3 bis 6 Monaten auf. Die Tiere entwickeln schwere, aber nicht schmerzhafte Geschwüre des Nasenspiegels, die sich bis in den Nasenknorpel ausbreiten. Feingeweblich handelt es sich um eine leukozytoklastische Vaskulitis mit pyogranulomatöser Entzündung, also einer Mischung aus eitriger und knötchenförmiger Entzündungsreaktion. Die Ursache ist unbekannt.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach Rasse und Verlaufsform:
- Greyhound: Die Hautgeschwüre heilen unter sorgfältiger Wundversorgung ab. Entscheidend ist die frühe Erkennung einer Nierenbeteiligung; betroffene Hunde brauchen eine intensivmedizinische Betreuung mit Flüssigkeitstherapie und Kontrolle der Nierenwerte.
- Jack Russell Terrier: Dapson, gegebenenfalls in Kombination mit Dexamethason.
- Schäferhund-Welpen und Scottish Terrier: entzündungshemmende und immunsuppressive Behandlung, dazu konsequente Schmerzbehandlung und Wundversorgung.
- Grundsätzlich: Kontrolle bakterieller Zweitinfektionen der offenen Bezirke.
Ergänzend sollte der Einsatz einer Behandlung mit dendritischen Zellen geprüft werden. Dabei werden aus einer Blutprobe des Hundes körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken — sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken. Gerade bei sehr jungen Hunden, bei denen eine lange Kortisongabe schwer wiegt, ist dieser Unterschied bedeutsam.
Prognose
Die Aussichten unterscheiden sich erheblich. Bei der Greyhound-Vaskulitis heilen die Hautveränderungen unter normaler Wundpflege ab, Rückfälle sind jedoch häufig; insgesamt ist die Prognose schlecht bis zurückhaltend zu stellen, insbesondere bei Tieren mit Nierenbeteiligung. Die Vaskulitis des Jack Russell Terriers spricht dagegen gut auf Dapson an.
Was alle rassespezifischen Formen verbindet: Sie sind selten, und sie werden deshalb oft erst spät in Betracht gezogen. Wenn Sie einen Hund einer der genannten Rassen haben und Geschwüre auftreten, die sich nicht wie eine gewöhnliche Wunde verhalten, ist der Hinweis auf die Rasse gegenüber der Tierärztin oder dem Tierarzt keine Nebensache — er kann Wochen sparen.
Eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd finden Sie auf der Übersichtsseite.
Quellen
Tizard IR (2023): Breed-specific Vasculitides. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 234–235
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Häufige Fragen
Welche Hunderassen sind von rassespezifischen Vaskulitiden betroffen?
Zu den rassetypischen Vaskulitiden (Gefäßentzündungen) zählen Erkrankungen bei Greyhounds, beim Shar-Pei im Rahmen des Shar-Pei-Fiebers, beim Jack Russell Terrier, beim Deutschen Schäferhund und beim Scottish Terrier. Eine der Greyhound-Erkrankung ähnliche Form wurde zudem bei Deutschen Doggen beobachtet.
Was ist Alabama-Rot beim Greyhound?
Als Alabama-Rot wird umgangssprachlich eine systemische Vaskulopathie der Haut und der Nierenkörperchen (renal-glomerulär) bezeichnet, die bei Renn-Greyhounds festgestellt wurde; die ersten Fälle traten in den 1980er Jahren im US-Bundesstaat Alabama auf. Die Ursache ist unbekannt: Die Krankheit ist offenbar genetisch bedingt, da sie auf bestimmte Würfe beschränkt ist, als Auslöser wird jedoch ein noch nicht identifizierter infektiöser oder umweltbedingter Faktor angenommen. Die höchste Inzidenz liegt zwischen November und Mai, mit einer geografischen Bindung an bewaldete Gebiete.
Welche Symptome zeigt die Vaskulitis der Greyhounds?
Betroffene Tiere entwickeln multiple ödematöse, gerötete Hautschwellungen, hauptsächlich an den Hinterbeinen und gelegentlich an den Vorderbeinen; Kopf und Rücken bleiben in der Regel verschont. Die Läsionen entwickeln sich zu scharf abgegrenzten tiefen Geschwüren, aus denen serös-blutige Flüssigkeit austritt. Bei einigen Hunden kommt es zu einer schwereren Erkrankung mit Fieber, Lethargie, Anämie (Blutarmut) und Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) bis hin zum akuten Nierenversagen.
Wie ist die Prognose bei der Vaskulitis der Greyhounds?
Die Hautläsionen heilen mit normaler Wundpflege ab, allerdings kommt es häufig zu Rezidiven, also zum Wiederauftreten der Veränderungen. Insgesamt ist die Prognose schlecht bis zurückhaltend einzustufen, insbesondere bei Tieren mit Nierenbeteiligung.
Was ist die Vaskulitis der Deutschen Schäferhund-Welpen?
Bei Welpen des Deutschen Schäferhundes im Alter von 4 bis 10 Wochen wurde eine Vaskulitis beschrieben, die sich in der Regel 7 bis 10 Tage nach der ersten Impfstoffdosis entwickelt; bei einigen Tieren tritt sie jedoch auch ohne Impfung auf. Genetische Studien deuten auf einen autosomal-rezessiven Erbgang hin, das heißt, beide Elternteile müssen die Anlage tragen. Die Welpen zeigen vorübergehende Lahmheit, Appetitlosigkeit und Fieber, später Schwellung und Depigmentierung der Fußballen sowie Krusten und Geschwüre an Nase, Fußballen, Rute und Ohrspitzen; viele Tiere leiden unter erheblichen Schmerzen.
Wie werden rassespezifische Vaskulitiden bei Hunden behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach Rasse und Erkrankungsform: Beim Jack Russell Terrier hat sich Dapson als wirksam erwiesen, eventuell in Kombination mit Dexamethason (einem Glukokortikoid); die Hautläsionen der Greyhounds heilen unter normaler Wundpflege ab. Ergänzend sollte der Einsatz einer immunologischen Behandlung geprüft werden.