TumorerkrankungAutoimmunerkrankung

Dendritische Zelltherapie: Ablauf, Kosten und Studienlage

Die dendritische Zelltherapie ist eine immunologische Behandlung für Hunde, Katzen und Pferde mit Tumorerkrankungen. Dabei werden aus einer Blutprobe des Patienten im Labor dendritische Zellen hergestellt — Zellen des Immunsystems, deren Aufgabe es ist, anderen Abwehrzellen die Merkmale veränderter Zellen zu präsentieren und so eine gerichtete Immunantwort gegen den Tumor anzustoßen. Die Behandlung erfolgt mit den Zellen des eigenen Tieres (autolog), wird beim vertrauten Haustierarzt durchgeführt und lässt sich mit Operation, Bestrahlung und medikamentöser Behandlung kombinieren. Dieselbe Methode wird — mit anders aufbereiteten Zellen — auch bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Auf dieser Seite finden Sie die Antworten auf die drei häufigsten Fragen zur Tumorbehandlung: Wie läuft die Behandlung ab, was kostet sie, und was sagt die Studienlage?

Wie die Behandlung wirkt

Dendritische Zellen erkennen im gesunden Organismus veränderte Zellen und präsentieren deren Merkmale den T-Zellen — sie stoßen also die zelluläre Abwehrreaktion an. Bei einer Tumorerkrankung stören die Tumorzellen diese Funktion: Der Tumor bleibt für das Immunsystem weitgehend unsichtbar. An diesem Punkt setzt die Behandlung an. Aus einer Blutprobe des Patienten werden im Labor Monozyten (eine Gruppe der weißen Blutkörperchen) gewonnen und zu funktionsfähigen dendritischen Zellen ausgereift. Nach der Rückgabe präsentieren diese Zellen dem Immunsystem die Tumormerkmale erneut — mit dem Ziel, dass sich die körpereigene Abwehr wieder gegen die Tumorzellen richtet. Die Grundlagenforschung zur dendritischen Zelle wurde 2011 mit dem Nobelpreis für Medizin gewürdigt; einen Überblick über die Geschichte der Methode und die bislang behandelten Tumorarten bei Hund, Katze und Pferd finden Sie auf einer eigenen Seite.

Für welche Patienten sie infrage kommt

Die dendritische Zelltherapie ersetzt weder die Operation noch die Bestrahlung. Sie kommt vor allem in vier Situationen als ergänzende Behandlung in Betracht:

  • Nach der Operation eines bösartigen Tumors — insbesondere wenn der Malignitätsgrad hoch war oder Gefäßeinbrüche vorlagen und deshalb mit verbliebenen Tumorzellen im Körper zu rechnen ist.
  • Wenn nicht vollständig im Gesunden operiert werden konnte und eine Nachoperation nicht möglich ist.
  • Bei Tumoren, die zu Rezidiven neigen — also dazu, nach der Behandlung erneut aufzutreten.
  • Wenn eine Chemotherapie nicht infrage kommt — wegen des Allgemeinbefindens oder weil der Besitzer sie ablehnt.

Ob die Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Tumorart, Stadium und Allgemeinbefinden ab. Unser tierärztliches Team beurteilt das anhand Ihrer Unterlagen — Befund, Histologie und bisherige Behandlung genügen für eine erste Einschätzung.

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Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

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Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Ablauf Schritt für Schritt

Die gesamte Behandlung findet ohne Klinikaufenthalt und ohne Narkose statt; Ihr Haustierarzt führt alle Termine durch.

  1. Blutentnahme beim Haustierarzt. Ihrem Tier wird eine Blutprobe entnommen — der einzige Ausgangsstoff der Behandlung.
  2. Abholung per gekühltem Expressversand. Die Probe wird direkt in der Praxis abgeholt und ins Labor gebracht.
  3. Herstellung im Labor. Innerhalb von neun Tagen werden aus den Monozyten der Blutprobe dendritische Zellen kultiviert, auf die Erkrankung des Patienten ausgerichtet und in eine Injektionslösung überführt.
  4. Rückversand und Injektion. Die Zellen gehen gekühlt an Ihren Tierarzt zurück und werden intradermal — also in die Haut — injiziert. Der Termin dauert nur wenige Minuten.
  5. Wiederholung. Üblich sind insgesamt drei Applikationen im Abstand von jeweils vier Wochen. Von der ersten Blutentnahme bis zum Abschluss vergehen damit etwa drei Monate.
Blutentnahme beim TierarztVollblut vomPatientenMonozytenwerdengewonnenMonozytCD14+Unreife dendritische ZelleKultivierungmit ZytokinenPetBioCellReinraumlabor
Immunreaktionim PatientenInjektion, Antigen-aufnahme im Körperdes PatientenAntigeneReife dendritische ZelleWanderung zu denregionalen LymphknotenInteraktion mit T-ZellenDCT-Killer-zelleT-Killer-zelleT-Killer-zelleT-Helfer-zelleT-Helfer-zelleAktivierung von naiven T-Helferzellen (CD4+) undT-Killerzellen (CD8+) und damit Start einerspezifischen Reaktion gegen die entarteten Zellen

Kosten der dendritischen Zelltherapie

Die Kosten der dendritischen Zelltherapie sind mit denen einer Chemotherapie vergleichbar und liegen häufig darunter. Ein pauschaler Betrag lässt sich nicht nennen, weil jeder Patient seine eigene Krankengeschichte hat. Maßgeblich sind unter anderem Tierart, Tumorart und Stadium, eine mögliche Vorbehandlung sowie die notwendige Dauer der Behandlung. Hinzu kommen die Leistungen Ihres Haustierarztes für Blutentnahme und Injektionen, die dieser nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) abrechnet. Welche Faktoren die Kosten im Einzelfall genau bestimmen, ist auf der Seite Was kostet eine dendritische Zellbehandlung beim Tier? ausführlich beschrieben.

Damit Sie Planungssicherheit haben, erhalten Sie vor Behandlungsbeginn ein individuelles schriftliches Angebot. Dieses können Sie auch bei Ihrer Tierkrankenversicherung zur Prüfung der Kostenübernahme einreichen — viele Versicherungen beteiligen sich an den Kosten; Einzelheiten auf den Seiten Kostenübernahme durch die Tier-Krankenversicherung und Krankenversicherung für Hunde.

Nebenwirkungen

Die Behandlung verwendet Zellen des eigenen Tieres und ist nicht mit der Belastung durch Zytostatika — also Zellgifte, wie sie in der Chemotherapie eingesetzt werden — verbunden. Beschrieben sind gelegentlich eine kurzzeitig erhöhte Körpertemperatur und eine leichte Abgeschlagenheit für ein bis zwei Tage nach der Injektion; beides wird als Zeichen der einsetzenden Immunreaktion gewertet und klingt in der Regel ohne Behandlung ab. In den bisher veröffentlichten Untersuchungen erwies sich das Verfahren als gut verträglich. Rechtliche Hinweise und die Gesundheitsaussagen auf dieser Website sind gesondert zusammengefasst.

Studienlage

Die dendritische Zelltherapie beim Tier ist Gegenstand laufender Forschung, erste veröffentlichte Daten liegen vor:

  • Hämangiosarkom der Milz: Spiller et al. (2024) behandelten in einer prospektiven Studie 42 Hunde, bei denen nach der Milzentfernung ein Hämangiosarkom im Stadium II gesichert war. Das mediane Überleben betrug 203 Tage, bei vollständiger Therapie mit mindestens drei Applikationen 256 Tage; die Ein-Jahres-Überlebensrate lag bei 29 %.
  • Mastzelltumor: Grammel et al. (2023) stellten eine unkontrollierte Pilotstudie an 19 Hunden nach der Operation eines Mastzelltumors vor; die Beobachtungen sprechen für eine gute Verträglichkeit.
  • Mammatumor: Grammel (2017) berichtete über 17 Hündinnen, die nach der Operation eines Mammaadenokarzinoms behandelt wurden.
  • Falldarstellung: Pantke et al. (2021) beschrieben die chirurgische Entfernung und anschließende dendritische Zelltherapie eines nasopharyngealen Mastzelltumors bei einem Schäferhund.

Wie einzelne Verläufe aussehen können, zeigen unsere Fallbeispiele.

Einsatz bei Autoimmunerkrankungen

Die dendritische Zelltherapie wird nicht nur bei Tumorerkrankungen eingesetzt. Bei Autoimmunerkrankungen — also Erkrankungen, bei denen sich die körpereigene Abwehr gegen den eigenen Organismus richtet — werden die Zellen im Labor so aufbereitet, dass sie die fehlgeleitete Immunreaktion normalisieren, statt eine Abwehrreaktion anzustoßen. Die Behandlung kann mit Cortison und anderen Immunsuppressiva kombiniert werden; der Ablauf beim Haustierarzt ist derselbe wie bei der Tumorbehandlung. Wirkprinzip, Einsatzgebiete und Studienlage sind auf der Seite Dendritische Zelltherapie bei Autoimmunerkrankungen beschrieben; einen Überblick über die Krankheitsbilder gibt die Seite Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd.

So geht es weiter

  1. Schildern Sie uns den Fall Ihres Tieres über die Fallbeschreibung — Befund, Histologie und bisherige Behandlung genügen. Oder rufen Sie uns an: 05522 9182582 (Montag bis Freitag, 08:30–17:00 Uhr).
  2. Sie erhalten eine kostenlose Ersteinschätzung durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages — sowie auf Wunsch ein schriftliches Angebot für Ihre Unterlagen und Ihre Versicherung.
  3. Wir stimmen die Durchführung mit Ihrem Haustierarzt ab, sodass die Behandlung in der vertrauten Umgebung Ihres Tieres beginnen kann.

Quellen

  • Spiller V, Vetter M, Dettmer-Richardt C, Grammel T (2024): Prospective study of successful autologous dendritic cell therapy in dogs with splenic stage II hemangiosarcoma, The Veterinary Journal 306:106196, doi:10.1016/j.tvjl.2024.106196
  • Grammel ZM, Hawacker T, Grammel T (2023): A Pilot, uncontrolled Study of postsurgical treatment with monocyte-derived autologous dendritic cells in 19 dogs with mast cell tumour, WSAVA Congress, Lissabon, September 27–29
  • Grammel T (2017): A pilot uncontrolled study of postsurgical treatment with autologous dendritic cell-based immunologic therapy in 17 dogs with mammary adenocarcinoma, Poster, 23rd FECAVA Conference, Copenhagen, Sept 25–28
  • Pantke P, Söhl KO, Schwittlick U, Grammel ZM (2021): Chirurgische Resektion und adjuvante dendritische Zelltherapie eines nasopharyngealen Mastzelltumors bei einem Schäferhund, Kleintierpraxis 66, Heft 08/2021, 456–464

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Häufige Fragen

Wie lange dauert die Behandlung insgesamt?

Etwa drei Monate: drei Applikationen im Abstand von jeweils vier Wochen, jede vorbereitet durch eine Blutentnahme mit neuntägiger Herstellungszeit im Labor.

Braucht mein Tier eine Narkose oder einen Klinikaufenthalt?

Nein. Alle Termine — Blutentnahme und Injektionen — finden beim Haustierarzt statt und dauern jeweils nur wenige Minuten.

Was kostet die dendritische Zelltherapie?

Die Kosten sind mit denen einer Chemotherapie vergleichbar und liegen häufig darunter; hinzu kommen die GOT-Leistungen Ihres Haustierarztes. Ein pauschaler Betrag lässt sich nicht nennen — vor Behandlungsbeginn erhalten Sie ein individuelles schriftliches Angebot, das Sie auch bei Ihrer Versicherung einreichen können.

Kann die Behandlung mit einer Chemotherapie kombiniert werden?

Ja, die Verfahren schließen sich nicht aus. Zu einer Chemotherapie wird ein zeitlicher Abstand eingehalten, weil Zytostatika auch die Immunzellen beeinträchtigen; die Abstimmung übernimmt unser Team gemeinsam mit Ihrem Tierarzt.

Hilft die Behandlung auch bei Autoimmunerkrankungen?

Ja. Bei Autoimmunerkrankungen werden die dendritischen Zellen im Labor so aufbereitet, dass sie die fehlgeleitete Immunreaktion normalisieren, statt eine Abwehrreaktion anzustoßen. Einsatzgebiete, Ablauf und Studienlage sind auf einer eigenen Seite zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen beschrieben.

Mein Tierarzt kennt die Behandlung nicht — ist das ein Problem?

Nein. Ihr Haustierarzt erhält von uns alle Unterlagen und Materialien; die Durchführung ist für jede Praxis unkompliziert. Auf Wunsch nennen wir Ihnen auch eine erfahrene Praxis in Ihrer Nähe.

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