Autoimmunerkrankung

Plasmazell-Pododermatitis der Katzen

Bei der Plasmazell-Pododermatitis der Katze handelt es sich um eine seltene, geschwürig verlaufende Erkrankung der Fußballen. Betroffen sind die zentralen Ballen von Vorder- und Hinterpfoten — jene großen, dreieckigen Polster, auf denen die Katze das meiste Gewicht trägt.

Die Erkrankung ist bislang nur bei Katzen beschrieben. Eine Alters- oder Rasseabhängigkeit ließ sich nicht finden, Kater sind jedoch häufiger betroffen als weibliche Tiere.

Symptome: die Kissenpfoten

Die erste Veränderung ist eine nicht schmerzhafte Schwellung: Der Fußballen wird dicker, verfärbt sich violett und fühlt sich auffallend weich an. Betroffen ist dabei immer mehr als eine Pfote, häufig alle vier — daher die anschauliche Bezeichnung Kissenpfoten.

Im weiteren Verlauf verändert sich das Aussehen der Ballen deutlich: Sie wirken dünn, die Oberfläche wird schuppig, und die typische Zeichnung verstreicht. Schließlich können die Ballen aufbrechen und geschwürig werden. Erst dann wird die Erkrankung schmerzhaft, und bakterielle Zweitinfektionen sind häufig. Einzelne Katzen entwickeln zusätzlich Veränderungen am Nasenspiegel.

Weil die Schwellung anfangs nicht weh tut, fällt sie oft erst spät auf — meist beim Krallenschneiden oder wenn eine Katze plötzlich blutige Abdrücke hinterlässt. Ein dicker, weicher, violett verfärbter Ballen ist jedoch nie normal und gehört untersucht, auch wenn die Katze scheinbar beschwerdefrei läuft.

Was im Gewebe geschieht

Namensgebend ist der feingewebliche Befund: Die unteren Hautschichten und das darunter liegende Fettgewebe sind mit einer großen Zahl reifer Plasmazellen durchsetzt — jener Zellen, die Antikörper bilden. Daneben finden sich in deutlich geringerer Zahl Lymphozyten und neutrophile Granulozyten.

Entlang der Basalmembran, also der Trennschicht zwischen Ober- und Lederhaut, wird Immunglobulin G abgelagert. Einige Katzen zeigen zudem eine Hypergammaglobulinämie, das heißt einen erhöhten Gehalt bestimmter Antikörper im Blut. Diese Befunde sprechen dafür, dass die Erkrankung immunvermittelt ist, also durch eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems entsteht — die genaue Ursache bleibt allerdings unbekannt.

Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners

Kostenlose Erstberatung bei Autoimmunerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Der Zusammenhang mit FeLV und FIV

Die Plasmazell-Pododermatitis wird mit bereits bestehenden Infektionen in Verbindung gebracht, insbesondere mit dem Katzenleukämievirus (FeLV) und dem felinen Immundefizienzvirus (FIV). Diese Einschätzung stützt sich unter anderem auf die Beobachtung, dass experimentell mit FIV infizierte Katzen eine geschwürige Pododermatitis entwickelten.

Daraus folgt ein praktischer Rat, der auf dieser Seite nicht fehlen darf: Bei jeder Katze mit Kissenpfoten sollte eine Untersuchung auf FeLV und FIV erfolgen. Ein positives Ergebnis ändert nicht nur die Einschätzung des Verlaufs, sondern auch, worauf im weiteren Leben der Katze zu achten ist.

Ist das Krebs?

Diese Frage stellt sich verständlicherweise, sobald das Wort Plasmazellen fällt — denn Plasmazelltumoren gibt es tatsächlich. Die Antwort ist beruhigend: Die hier gefundenen Plasmazellen sind nicht monoklonal, sie stammen also nicht von einem einzelnen entarteten Zellklon ab, sondern sind eine bunte Mischung normal reagierender Zellen. Eine Tumortendenz haben sie deshalb nicht.

Der Weg zur Diagnose

Gesichert wird die Diagnose durch eine Gewebeprobe aus einem betroffenen Ballen und deren feingewebliche Untersuchung. Diese Probe erfüllt zugleich einen zweiten Zweck: Sie schließt andere Ursachen für veränderte Fußballen aus.

Abzugrenzen sind vor allem:

  • der Pemphigus foliaceus der Katze, der ebenfalls Fußballen und Krallenfalten befällt — dort mit Krusten und übermäßiger Verhornung statt weicher Schwellung
  • der kutane Lupus erythematosus der Katze
  • der eosinophile Granulomkomplex
  • bakterielle und pilzbedingte Infektionen der Pfoten
  • tumoröse Veränderungen, insbesondere bei nur einem betroffenen Ballen

Ergänzend gehören ein Blutbild mit Eiweißelektrophorese sowie die genannte Untersuchung auf FeLV und FIV dazu.

Behandlung

Die Erkrankung spricht in der Regel gut auf eine Behandlung an:

  • Glukokortikoide sind die Grundlage; bei der Katze wird Prednisolon dem Prednison vorgezogen, weil die Umwandlung in der Leber bei dieser Tierart unzuverlässig ist.
  • Doxycyclin hat sich als wirksam erwiesen und ist wegen der guten Verträglichkeit eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung.
  • Geeignete Antibiotika kommen hinzu, wenn eine bakterielle Zweitinfektion der aufgebrochenen Ballen nachgewiesen ist.
  • Ciclosporin kann bei unzureichendem Ansprechen eingesetzt werden.
  • Chirurgische Entfernung stark geschwürig veränderter Ballenanteile bleibt Einzelfällen vorbehalten.

Ergänzend kann eine Behandlung mit dendritischen Zellen erwogen werden. Dabei werden aus einer Blutprobe der Katze körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken — sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken. Gerade bei Katzen, bei denen eine Dauergabe von Kortison das Risiko für Störungen des Zuckerstoffwechsels erhöht, ist jede eingesparte Dosis ein Gewinn.

Prognose

Die Aussichten sind gut. Unter Behandlung bilden sich die Veränderungen bei den meisten Katzen zurück; beschrieben sind sogar Fälle, in denen die Erkrankung ohne Behandlung von selbst abgeheilt ist.

Rückfälle kommen vor, insbesondere wenn zu früh abgesetzt wird. Achten Sie deshalb im Anschluss auf die Ballen Ihrer Katze — werden sie wieder dicker oder weicher, lässt sich früh und mit einer niedrigen Dosis gegensteuern. Und noch ein praktischer Punkt: Solange die Ballen aufgebrochen sind, sollte die Katze auf sauberem, weichem Untergrund gehalten werden, und die Katzenstreu sollte fein und staubarm sein.

Eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd finden Sie auf der Übersichtsseite.

Quellen

Tizard IR (2023): Plasma Cell Pododermatitis. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 132–133

Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners

Kostenlose Erstberatung bei Autoimmunerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Häufige Fragen

Was ist die Plasmazell-Pododermatitis bei Katzen?

Die Plasmazell-Pododermatitis ist eine seltene ulzerative Erkrankung, also ein tief in die Hautschichten reichendes Geschwür, das die zentralen Fußballen von Mittelhand und Mittelfuß betrifft. Sie wurde bisher nur bei Katzen beschrieben; eine Alters- oder Rasseabhängigkeit konnte nicht gefunden werden, männliche Tiere sind jedoch häufiger betroffen.

Woran erkenne ich eine Plasmazell-Pododermatitis bei meiner Katze?

Die anfängliche Läsion ist eine nicht schmerzhafte Schwellung mit violetter Verfärbung und Erweichung der Fußballen an mehr als einer Pfote; da alle vier Pfoten betroffen sein können, wird auch von sogenannten Kissenpfoten gesprochen. Die Ballen erscheinen dünn und schuppig und können schließlich geschwürig werden, wobei sekundäre bakterielle Infektionen häufig sind. Einige Katzen entwickeln zudem Läsionen am Nasenspiegel.

Was ist die Ursache der Plasmazell-Pododermatitis?

Die genaue Ursache ist unbekannt; es wird angenommen, dass die Krankheit immunvermittelt ist, also durch eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems entsteht. Namensgebend ist die Infiltration der unteren Hautschichten mit einer großen Anzahl reifer Plasmazellen, das heißt antikörperbildender Immunzellen. Die Erkrankung wird zudem in Zusammenhang mit bereits vorhandenen Infektionen wie dem Katzenleukämievirus (FeLV) oder dem Immundefizienzvirus (FIV) gesehen; so haben experimentell mit FIV infizierte Katzen eine ulzerative Pododermatitis entwickelt.

Ist die Plasmazell-Pododermatitis eine Krebserkrankung?

Nein, davon ist in der Regel nicht auszugehen: Die in den Hautschichten gefundenen Plasmazellen sind nicht monoklonal, das heißt, sie stammen nicht von einem einzelnen entarteten Zellklon ab. Sie haben daher keine Tumortendenz.

Wie wird die Plasmazell-Pododermatitis behandelt?

Die Krankheit spricht in der Regel auf eine Glukokortikoidtherapie (Kortison) in Verbindung mit geeigneten Antibiotika an; Letztere richten sich gegen die häufigen sekundären bakteriellen Infektionen. Auch eine Behandlung mit Doxycyclin hat sich als wirksam erwiesen. Ergänzend kann eine immunologische Behandlung erwogen werden.

Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team.