Thrombozyten beim Hund
Thrombozyten beim Hund sind die Blutplättchen — kleine, kernlose Zellbruchstücke, die bei einer Gefäßverletzung als Erste zur Stelle sind und die Blutung abdichten. Auf dem Befund stehen sie als PLT (platelets) oder Thrombos, angegeben in × 10⁹/l oder als Tausend pro Mikroliter. Ein niedriger Wert (Thrombozytopenie) ist die häufigste erworbene Störung der Blutstillung beim Hund, ein hoher Wert (Thrombozytose) meist eine Begleiterscheinung anderer Erkrankungen. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.
Was misst der Wert?
Thrombozyten entstehen im Knochenmark als Abschnürungen von Riesenzellen, den Megakaryozyten, und kreisen beim Hund etwa eine Woche im Blut, bevor die Milz sie abbaut; rund ein Drittel des Bestandes ist jederzeit in der Milz gespeichert. Bei einer Verletzung heften sie sich an die Gefäßwand, verklumpen und bilden den ersten Pfropf, den die Gerinnungskaskade anschließend mit Fibrin verfestigt.
Das Analysegerät erkennt Thrombozyten an ihrer geringen Größe — das macht die Zählung störanfällig. Verklumpen die Plättchen schon in der Probe, was bei schwieriger Blutentnahme häufig geschieht, zählt das Gerät die Aggregate nicht mit: Diese Pseudothrombozytopenie ist die häufigste Erklärung für einen auffällig niedrigen Wert. Deshalb gehört zu jedem niedrigen Wert der Blick in den Blutausstrich. Ein hohes mittleres Plättchenvolumen (MPV) spricht für eine gesteigerte Neubildung.
Beim Cavalier King Charles Spaniel kommt eine erbliche Makrothrombozytopenie vor — wenige, dafür sehr große Plättchen bei normaler Blutstillung; sie ist harmlos. Windhunde haben tendenziell niedrigere Werte.
Erhöhte Werte: typische Ursachen
Eine Thrombozytose ist beim Hund fast immer reaktiv — die Antwort auf einen anderen Vorgang im Körper:
- Entzündung und Infektion: die häufigste Ursache; Entzündungsbotenstoffe regen die Plättchenbildung an.
- Eisenmangel durch chronischen Blutverlust: oft zusammen mit kleinen, blassen roten Blutkörperchen.
- Kortison: als Medikament oder beim Cushing-Syndrom (körpereigener Kortisolüberschuss).
- Nach Milzentfernung: Der Speicher fehlt.
- Erholung nach einer Thrombozytopenie: vorübergehendes Überschießen des Knochenmarks.
- Tumorerkrankungen: als Begleitphänomen, etwa beim Lymphom oder bei Karzinomen.
- Essenzielle Thrombozythämie: eine sehr seltene Knochenmarkerkrankung mit unkontrollierter Plättchenbildung.
Eine reaktive Thrombozytose führt beim Hund in der Regel nicht zu Gefäßverschlüssen; der Wert ist ein Hinweis auf die Grunderkrankung.
Erniedrigte Werte: typische Ursachen
Sind Aggregate in der Probe und die Rasseeigenheit des Cavalier King Charles Spaniels ausgeschlossen, kommen vier Mechanismen infrage:
- Gesteigerter Abbau: die immunmediierte Thrombozytopenie (ITP), bei der Antikörper die Plättchen markieren und die Milz sie vorzeitig abbaut — primär oder sekundär bei Infektionen, Medikamenten und Tumoren; hier finden sich oft die niedrigsten Werte.
- Verbrauch: die disseminierte intravasale Gerinnung (DIC), eine überschießende Gerinnung im gesamten Gefäßsystem bei Sepsis, Hämangiosarkom, Pankreatitis oder Hitzschlag; außerdem Gefäßentzündungen (Vaskulitis) und große blutende Tumoren.
- Verminderte Bildung: Tumorinfiltration des Knochenmarks, Chemotherapie, Östrogenüberschuss (etwa bei hormonbildenden Hodentumoren), chronische Ehrlichiose; meist sind dann mehrere Zellreihen vermindert.
- Sequestration (Speicherung): in einer vergrößerten Milz, etwa bei Milztumoren oder Milzstauung.
Quer zu diesen Mechanismen stehen die Infektionen: Anaplasmose, Ehrlichiose und Babesiose (von Zecken übertragen) sowie die Leishmaniose (von Sandmücken in Südeuropa) senken die Plättchenzahl über Abbau und Bildungsstörung zugleich und gehören bei Zeckenkontakt oder Auslandsaufenthalt zu den ersten Verdächtigen. Grindem et al. werteten 987 Hunde mit Thrombozytopenie aus: Bei rund 23 % lag eine Infektion oder Entzündung zugrunde, bei etwa 13 % ein Tumor, bei etwa 5 % eine primär immunvermittelte Erkrankung; beim größten Teil waren mehrere Faktoren beteiligt oder die Ursache blieb offen.
Eine Blutungsneigung tritt in der Regel erst bei stark erniedrigten Werten auf — in der Literatur wird eine Größenordnung unterhalb von etwa 30 bis 50 × 10⁹/l genannt. Typisch sind punktförmige Blutungen (Petechien) an Zahnfleisch oder Bauchhaut, Nasenbluten, Blut in Urin oder Kot und Nachbluten nach kleinen Verletzungen.
Was der Tierarzt daraufhin meist prüft
Am Anfang steht der Blutausstrich — Aggregate, Plättchengröße, Schätzung der Zahl; bei Verdacht auf ein Artefakt wird die Messung aus einer frisch und schonend entnommenen Probe wiederholt. Bestätigt sich die Thrombozytopenie, betrachtet der Tierarzt das übrige Blutbild — Hämatokrit und Leukozyten —, denn sind mehrere Zellreihen betroffen, rückt das Knochenmark in den Mittelpunkt. Gerinnungstests (Prothrombinzeit, aPTT, D-Dimere) zeigen, ob eine DIC vorliegt; Tests auf Anaplasmen, Ehrlichien, Babesien und Leishmanien folgen bei Zeckenkontakt oder Auslandsaufenthalt; die Medikamentenanamnese wird durchgegangen. Ein Ultraschall des Bauches beurteilt Milz, Leber und mögliche Tumoren. Die ITP bleibt eine Ausschlussdiagnose; bei Verdacht auf eine Bildungsstörung folgt eine Knochenmarkpunktion. Bei Thrombozytose wird die Messung wiederholt und nach Entzündung (CRP), Eisenmangel, Kortisoneinfluss und Tumoren gesucht.
Bezug zu Tumorerkrankungen
Eine Thrombozytopenie beweist keinen Tumor; Infektionen, Immunerkrankungen und Artefakte sind häufiger. Nach Childress et al. gehört sie jedoch zu den häufigen Blutbildveränderungen beim Tumorpatienten; bei Grindem et al. stand bei etwa jedem achten Hund ein Tumor dahinter. Beim Hämangiosarkom verbrauchen Blutungen und die ungeordneten Tumorgefäße Plättchen, häufig im Rahmen einer DIC. Lymphom, Leukämie und Myelom verdrängen die Megakaryozyten im Knochenmark; beim Lymphom wird zusätzlich eine sekundäre immunvermittelte Zerstörung beschrieben. Milztumoren speichern Plättchen in der vergrößerten Milz. Unter Chemotherapie sinken die Thrombozyten vorübergehend, in der Regel weniger stark als die weißen Blutkörperchen; vor jedem Zyklus wird der Wert kontrolliert. Was eine niedrige Plättchenzahl für Operationen und Biopsien bedeutet, erläutert die Seite Blutungsneigung bei Tumorerkrankung.
Was bedeutet das für Ihren Hund?
Ein einzelner Thrombozytenwert ist keine Diagnose. Ein niedriger Wert bei einem Hund ohne Blutungszeichen ist zunächst ein Anlass, den Ausstrich anzusehen und die Messung zu wiederholen — sehr oft löst sich das Problem damit auf. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der Bereich auf dem Befund Ihres Hundes. Bestätigt sich eine Thrombozytopenie, zählt der Verlauf: Ein stabiler Wert ist etwas anderes als ein Wert, der über Tage fällt. Was der Befund für Ihren Hund bedeutet, ordnet Ihr behandelnder Tierarzt im Zusammenhang mit der Untersuchung und den übrigen Blutwerten ein.
Quellen
- Grindem CB et al. (1991): Epidemiologic survey of thrombocytopenia in dogs: a report on 987 cases, Vet Clin Pathol 20(2):38–43
- Thrall MA, Weiser G, Allison RW, Campbell TW (2012): Veterinary Hematology and Clinical Chemistry, 2nd ed., Wiley-Blackwell, Ames
- Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
- Kohn B, Schwarz G (Hrsg.) (2017): Praktikum der Hundeklinik, 12. Aufl., Enke, Stuttgart
- Childress MO (2012): Hematologic abnormalities in the small animal cancer patient, Vet Clin North Am Small Anim Pract 42(1):123–155
Häufige Fragen
Mein Hund hat zu wenige Thrombozyten — muss ich mir Sorgen machen?
Nicht sofort: Die häufigste Erklärung für einen niedrigen Wert sind Plättchen, die in der Probe verklumpt sind und vom Gerät nicht mitgezählt werden. Der Tierarzt prüft deshalb zuerst den Blutausstrich und wiederholt die Messung; eine Blutungsneigung entsteht in der Regel erst bei stark erniedrigten Werten.
Ab wann blutet ein Hund bei niedrigen Thrombozyten?
Spontane Blutungen treten in der Regel erst bei stark erniedrigten Werten auf; in der Literatur wird eine Größenordnung unterhalb von etwa 30 bis 50 × 10⁹/l genannt. Warnzeichen sind punktförmige Blutungen am Zahnfleisch oder an der Bauchhaut, Nasenbluten, Blut in Urin oder Kot und Nachbluten nach kleinen Verletzungen.
Welche Ursachen hat eine Thrombozytopenie beim Hund?
Entweder werden Plättchen beschleunigt abgebaut (immunvermittelte Thrombozytopenie), verbraucht (Gerinnungsstörung DIC, blutende Tumoren), zu wenig gebildet (Knochenmarkerkrankung, Chemotherapie) oder in einer vergrößerten Milz gespeichert. Infektionen wie Anaplasmose, Ehrlichiose, Babesiose und Leishmaniose gehören zu den häufigsten Auslösern.
Sind erhöhte Thrombozyten bei meinem Hund gefährlich?
In der Regel nicht. Eine Thrombozytose ist beim Hund fast immer eine Reaktion auf Entzündung, Eisenmangel, Kortison, eine Milzentfernung oder eine Tumorerkrankung und führt selbst nicht zu Gefäßverschlüssen. Sie ist ein Hinweis auf die Grunderkrankung, die der Tierarzt abklärt; eine echte Knochenmarkerkrankung ist sehr selten.
Warum hat mein Cavalier King Charles Spaniel immer niedrige Thrombozyten?
Bei dieser Rasse kommt eine erbliche Makrothrombozytopenie vor: Die Hunde haben weniger, dafür sehr große Blutplättchen, die das Analysegerät zum Teil nicht als Plättchen erkennt. Die Blutstillung funktioniert normal, die Veränderung ist harmlos und braucht keine Behandlung.
Können niedrige Thrombozyten auf Krebs hinweisen?
Sie können, sind aber häufiger durch Infektionen, Immunerkrankungen oder Messartefakte bedingt. In einer großen Untersuchung stand bei etwa jedem achten Hund mit Thrombozytopenie ein Tumor dahinter — vor allem Hämangiosarkome mit Gerinnungsstörung, Milztumoren sowie Lymphom, Leukämie und Myelom, die das Knochenmark verdrängen.