CRP beim Hund

Bei CRP (C-reaktives Protein) handelt es sich um ein Eiweiß, das die Leber als Antwort auf eine Entzündung bildet; der CRP-Wert beim Hund zeigt an, ob und wie stark im Körper gerade eine Entzündungsreaktion abläuft. Auf Laborbefunden steht er als „CRP” oder „c-CRP” (canines CRP), angegeben in mg/l. Er gehört zu den sogenannten Akutphasenproteinen und ist beim Hund der empfindlichste Entzündungsmarker im Blut — er sagt allerdings nur, dass etwas entzündet ist, nicht wo. Eine Übersicht aller Werte gibt die Seite Blutwerte beim Hund.

Was misst der Wert?

Wird Gewebe geschädigt oder von Erregern besiedelt, setzen die Entzündungszellen vor Ort Botenstoffe frei (Zytokine, vor allem Interleukin-6). Diese erreichen die Leber und veranlassen sie, innerhalb weniger Stunden große Mengen CRP zu bilden. Eckersall und Bell (2010) beschreiben den Verlauf: Der Wert steigt rasch an, erreicht der Literatur zufolge nach etwa ein bis zwei Tagen sein Maximum und fällt wegen der kurzen Halbwertszeit ebenso schnell wieder ab, sobald der Entzündungsreiz nachlässt. Die Höhe des Wertes spiegelt dabei grob das Ausmaß der Entzündung wider. Genau diese Eigenschaften machen CRP zu einem guten Verlaufsparameter: Er zeigt fast in Echtzeit, ob eine Behandlung anschlägt.

Ein großer Vorteil gegenüber dem weißen Blutbild: CRP steigt nicht durch Aufregung, Stress oder Kortison. Die Zahl der Leukozyten kann allein durch die Aufregung in der Praxis oder durch ein Kortisonpräparat ansteigen; das CRP bleibt davon unberührt. Auch Fütterung, Alter und Rasse beeinflussen den Wert kaum. Wichtig ist allerdings, dass ein für den Hund validierter Test verwendet wird, denn das CRP des Hundes wird von Tests für andere Tierarten nicht zuverlässig erfasst.

Erhöhte Werte: typische Ursachen

Ein erhöhtes CRP bedeutet: Irgendwo im Körper läuft eine nennenswerte, den ganzen Organismus betreffende (systemische) Entzündung ab. Die Ursache muss anschließend gesucht werden. Geordnet von häufig zu selten:

  • Bakterielle Infektionen: Gebärmuttervereiterung (Pyometra), Lungenentzündung, Blutvergiftung (Sepsis), Abszesse, Nierenbecken- und Prostataentzündung, Bandscheibeninfektion (Diskospondylitis). Hier finden sich meist die höchsten Werte.
  • Nach Operation oder Verletzung: Jeder Eingriff und jedes Trauma lassen das CRP für einige Tage ansteigen; das ist normal. Fällt der Wert danach nicht ab, spricht das für eine Komplikation wie eine Wundinfektion.
  • Pankreatitis: Die Entzündung der Bauchspeicheldrüse geht in der Regel mit deutlich erhöhtem CRP einher — siehe Pankreatitis beim Hund.
  • Immunvermittelte Erkrankungen: die immunvermittelte hämolytische Anämie (Zerstörung roter Blutkörperchen durch das eigene Immunsystem, IMHA), die immunvermittelte Polyarthritis (Entzündung mehrerer Gelenke, siehe Polyarthritis-Polymyositis-Syndrom), der systemische Lupus erythematodes und die steroid-responsive Meningitis-Arteriitis (Entzündung der Hirnhäute und ihrer Gefäße beim jungen Hund). Bei diesen Erkrankungen dient CRP zugleich als Verlaufsmarker unter der Behandlung.
  • Durch Zecken übertragene und parasitäre Infektionen: Babesiose, Ehrlichiose und Leishmaniose gehen mit erhöhtem CRP einher.
  • Tumorerkrankungen: vor allem das Lymphom, aber auch andere Tumoren, die Gewebe zerstören oder eine Entzündungsreaktion auslösen.

Ein normales CRP spricht gegen eine bedeutende systemische Entzündung. Es schließt jedoch eine kleine, örtlich begrenzte Entzündung — etwa am Zahnfleisch oder an der Haut — nicht aus, und auch eine auf das Nervensystem begrenzte Entzündung kann ein unauffälliges CRP zeigen.

Erniedrigte Werte: typische Ursachen

Ein niedriges CRP hat keine Bedeutung; bei einem gesunden Hund ist der Wert sehr niedrig oder unterhalb der Nachweisgrenze. Ein Abfall unter der Behandlung ist dagegen eine gute Nachricht: Er zeigt, dass die Entzündung abklingt.

Was der Tierarzt daraufhin meist prüft

Da CRP nur das „Dass” und nicht das „Wo” anzeigt, folgt auf einen erhöhten Wert die Suche nach dem Entzündungsherd. Grundlage ist eine gründliche klinische Untersuchung mit Abtasten von Lymphknoten, Gelenken und Bauch. Im Blutbild werden die Leukozyten und die neutrophilen Granulozyten mit Linksverschiebung (vermehrt junge, unreife Formen) betrachtet, die Globuline als Zeichen einer länger bestehenden Immunreaktion sowie die Organwerte. Je nach Symptomen schließen sich eine Urinuntersuchung mit Bakterienkultur, Röntgenaufnahmen des Brustkorbs, ein Ultraschall des Bauchraums, eine Gelenkpunktion bei Fieber und Lahmheit, eine Untersuchung des Nervenwassers bei Nackenschmerz oder Tests auf durch Zecken übertragene Erreger an. Eine Kontrolle des CRP nach einigen Tagen zeigt, ob die eingeleitete Behandlung greift — bei einer wirksamen Therapie fällt der Wert rasch.

Bezug zu Tumorerkrankungen

CRP ist kein Tumormarker: Ein erhöhter Wert beweist keinen Tumor, und die meisten Erhöhungen haben eine Infektion oder eine immunvermittelte Erkrankung als Ursache. Dennoch ist der Wert in der Onkologie nützlich. Beim malignen Lymphom ist das CRP zum Zeitpunkt der Diagnose häufig erhöht; in der Literatur wird beschrieben, dass es mit dem Erreichen einer Remission (dem Rückgang der Tumorzellen) abfällt und bei einem Rezidiv (dem Wiederauftreten des Tumors) erneut ansteigen kann — es scheint sich damit als ergänzender Verlaufsparameter zu eignen. Darüber hinaus zeigt ein steigendes CRP bei einem Tumorpatienten unter Therapie mitunter eine Sekundärinfektion oder einen Gewebezerfall im Tumor an, die eine eigene Behandlung erfordern.

Was bedeutet das für Ihren Hund?

Ein erhöhtes CRP ist ein deutlicher Hinweis, aber keine Diagnose: Es sagt, dass Ihr Hund eine Entzündung hat, nicht welche. In den meisten Fällen findet sich eine Infektion oder eine andere behandelbare Ursache, und der Wert eignet sich gut, um den Erfolg der Behandlung zu verfolgen — fällt er, geht es in die richtige Richtung. Referenzbereiche unterscheiden sich von Labor zu Labor; maßgeblich ist der auf Ihrem Befund gedruckte Bereich. Ihr behandelnder Tierarzt ordnet den Wert im Zusammenhang mit dem Blutbild, den Symptomen und dem Verlauf ein.

Quellen

  • Eckersall PD, Bell R (2010): Acute phase proteins: biomarkers of infection and inflammation in veterinary medicine, Vet J 185(1):23–27
  • Moritz A (Hrsg.) (2013): Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin, 7. Aufl., Schattauer, Stuttgart
  • Stockham SL, Scott MA (2008): Fundamentals of Veterinary Clinical Pathology, 2nd ed., Blackwell, Ames
  • Neiger R (Hrsg.) (2019): Differenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze, 3. Aufl., Thieme, Stuttgart
  • Ettinger SJ, Feldman EC, Côté E (2017): Textbook of Veterinary Internal Medicine, 8th ed., Elsevier, St. Louis, MO

Häufige Fragen

Mein Hund hat ein erhöhtes CRP. Was bedeutet das?

Ein erhöhtes CRP zeigt, dass irgendwo im Körper eine nennenswerte Entzündung abläuft, sagt aber nicht, wo. Am häufigsten stecken bakterielle Infektionen, eine Pankreatitis, eine frische Operation oder Verletzung oder eine immunvermittelte Erkrankung dahinter; der Tierarzt sucht anschließend den Entzündungsherd.

Kann die Aufregung beim Tierarzt das CRP meines Hundes erhöhen?

Nein, das ist der große Vorteil dieses Wertes: Anders als die weißen Blutkörperchen steigt CRP weder durch Stress noch durch Kortison an. Ein erhöhter Wert hat deshalb praktisch immer eine echte Entzündung als Ursache.

Wie schnell reagiert das CRP beim Hund?

Das CRP steigt innerhalb weniger Stunden nach einem Entzündungsreiz an, erreicht nach etwa ein bis zwei Tagen sein Maximum und fällt rasch wieder ab, sobald die Entzündung nachlässt. Deshalb eignet es sich gut, um den Erfolg einer Behandlung nach wenigen Tagen zu überprüfen.

Schließt ein normales CRP eine Erkrankung bei meinem Hund aus?

Ein normales CRP spricht gegen eine bedeutende, den ganzen Körper betreffende Entzündung. Eine kleine örtliche Entzündung, etwa am Zahnfleisch oder an der Haut, oder eine auf das Nervensystem begrenzte Entzündung kann jedoch ein unauffälliges CRP zeigen.

Ist ein hohes CRP ein Zeichen für Krebs bei meinem Hund?

CRP ist kein Tumormarker; die meisten Erhöhungen gehen auf Infektionen oder immunvermittelte Erkrankungen zurück. Beim Lymphom ist der Wert allerdings häufig erhöht und scheint mit der Remission abzufallen und bei einem Rezidiv wieder anzusteigen, weshalb er als ergänzender Verlaufsparameter genutzt werden kann.

Was prüft der Tierarzt nach einem erhöhten CRP?

Er sucht den Entzündungsherd: durch eine gründliche klinische Untersuchung, das Blutbild mit Leukozyten und neutrophilen Granulozyten, eine Urinuntersuchung, Röntgen oder Ultraschall und je nach Symptomen eine Gelenkpunktion oder Tests auf durch Zecken übertragene Erreger. Eine CRP-Kontrolle nach einigen Tagen zeigt, ob die Behandlung greift.

Ist bei Ihrem Tier ein Tumor oder eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert?