Symptome beim Lymphom des Hundes

Bei einem Lymphom beim Hund handelt es sich um eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Gewebes, die sich meist zuerst über vergrößerte Lymphknoten bemerkbar macht — und zwar häufig, bevor das Allgemeinbefinden leidet: Viele Hunde fressen zu diesem Zeitpunkt noch normal und bewegen sich wie gewohnt. Einen Überblick über Formen, Stadien und Behandlung gibt die Seite Lymphom beim Hund.

Die Lymphknotenschwellung als Leitsymptom

Etwa 80 % der Lymphome des Hundes verlaufen multizentrisch, also über mehrere Lymphknotenstationen verteilt. Leitsymptom ist die Vergrößerung der äußerlich tastbaren Lymphknoten; drei Stationen lassen sich ohne besondere Übung ertasten: die Kehlgangslymphknoten unter dem Kiefer, die Buglymphknoten vor dem Schulterblatt und die Kniekehllymphknoten in der Kniefalte. Ein gesunder Lymphknoten ist klein und kaum aufzufinden; wird er deutlich fühlbar, ist das abklärungsbedürftig.

Für die Einordnung ist die Beschaffenheit wichtiger als die Größe. Die Schwellung ist beim Lymphom typischerweise nicht schmerzhaft: Die Knoten sind derb bis prall-elastisch, gut verschieblich, und der Hund duldet die Untersuchung ohne Abwehrreaktion. Zudem sind meist mehrere Stationen gleichzeitig und weitgehend symmetrisch — also auf beiden Körperhälften — vergrößert.

Genau darin liegt der Unterschied zur entzündlichen Schwellung, die in der Regel druckempfindlich und überwärmt ist und oft nur eine Seite betrifft. Diese Merkmale sind Anhaltspunkte, keine Beweise; sicher unterscheiden lässt sich beides nur über die Untersuchung der Zellen.

Unspezifische Allgemeinsymptome

Im Verlauf treten Beschwerden hinzu, die für sich genommen auf nichts Bestimmtes hinweisen: Mattigkeit, nachlassende Leistungsfähigkeit auf gewohnten Spaziergängen, verminderte Futteraufnahme, Gewichtsverlust und zeitweiliges Fieber.

Sie sind kein Randbefund, sondern gehen in die Stadieneinteilung ein. Zusätzlich zu den Stadien I bis V nach WHO wird ein Substadium vergeben: Substadium a heißt, dass der Hund klinisch unauffällig ist, Substadium b, dass Allgemeinsymptome vorliegen — angegeben hinter der Stadienziffer, etwa „Stadium IV b”. Hunde im Substadium b haben nach der vorliegenden Literatur tendenziell die ungünstigere Prognose (Vail et al. 2020). Näheres unter Lebenserwartung.

Vermehrtes Trinken und Harnabsatz

Trinkt ein Hund auffallend viel und setzt häufiger Harn ab, wird meist an Niere, Gebärmutter oder Zuckerkrankheit gedacht. Beim Lymphom kommt eine weitere Ursache hinzu: die Hyperkalzämie, also ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut. Entartete Lymphozyten können Botenstoffe bilden, die dem Nebenschilddrüsenhormon ähneln und Kalzium aus dem Knochen lösen. Das überschüssige Kalzium stört die Konzentrationsfähigkeit der Niere — der Hund verliert Wasser über den Harn und gleicht dies durch vermehrtes Trinken aus. Hinzu kommen können Appetitlosigkeit, Erbrechen und Muskelschwäche.

Der Befund ist doppelt bedeutsam. Eine Hyperkalzämie tritt gehäuft bei T-Zell-Lymphomen und bei der thymisch-mediastinalen Form auf; über alle Lymphome hinweg liegen die Literaturangaben bei etwa 10 bis 15 % (Vail et al. 2020). Zudem kann sie die Nierenfunktion schädigen und ist dann selbst behandlungsbedürftig — der Kalziumwert gehört daher zur Basisdiagnostik.

Symptome je nach Form des Lymphoms

Weil lymphatisches Gewebe im ganzen Körper vorkommt, richten sich die Beschwerden danach, wo der Schwerpunkt des Befalls liegt.

  • Multizentrische Form: schmerzlose Vergrößerung mehrerer tastbarer Lymphknoten, häufig mit Milz- und Lebervergrößerung.
  • Gastrointestinale Form: Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust. Bei ausgedehntem Befall der Darmwand kommt Eiweißverlust über den Darm hinzu, erkennbar an Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe oder Bauchraum — siehe intestinales Lymphom.
  • Thymisch-mediastinale Form: Atemnot und Husten durch die Raumforderung im vorderen Brustraum und eine Wasseransammlung im Brustkorb (Pleuraerguss). Drückt die Masse auf die vordere Hohlvene, staut sich das Blut zurück; Kopf und Vorderkörper schwellen dann sichtbar an.
  • Kutane Form: Rötung, Schuppung, haarlose Stellen, später Knoten und Geschwüre. Charakteristisch ist die Depigmentierung, also der Farbverlust an Nasenspiegel und Lefzen — siehe epitheliotropes Lymphom.
  • Extranodale Form: Beschwerden je nach befallenem Organ, etwa Sehstörungen bei Beteiligung des Auges. Diese Form ist selten.

Wenn das Knochenmark betroffen ist

Greift die Erkrankung auf Blut und Knochenmark über, entspricht das dem Stadium V nach WHO — keiner eigenen Lymphomart, sondern der weitesten Ausbreitung derselben Erkrankung. Die entarteten Zellen verdrängen die normale Blutbildung. Daraus ergeben sich Blutarmut mit blassen Schleimhäuten und rascher Ermüdung, eine vermehrte Blutungsneigung mit punktförmigen Einblutungen oder Nasenbluten als Folge des Blutplättchenmangels sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Davon abzugrenzen ist die lymphatische Leukämie, die primär vom Knochenmark ausgeht und wenig oder gar keine Lymphknotenvergrößerung zeigt. Im Blutbild können sich beide ähneln; unterschieden werden sie über den Verteilungsbefund, die Knochenmarkuntersuchung und die Zelltypisierung.

Warum die Erkrankung oft spät bemerkt wird

Mehrere Umstände verzögern das Erkennen. Die Schwellung tut nicht weh, weshalb der Hund selbst kein Signal gibt, und bei langhaarigen Tieren liegt sie unter dem Fell verborgen. Die Allgemeinsymptome sind mild und werden dem Alter zugeschrieben. Und schließlich schwellen Lymphknoten im Frühstadium zuweilen wechselnd an und wieder ab — was den Eindruck erweckt, das Problem habe sich erledigt. Diese Rückbildung ist trügerisch: Sie schließt eine bösartige Ursache nicht aus.

Sinnvoll ist deshalb, die drei genannten Stationen bei einem älteren Hund gelegentlich bewusst abzutasten, im Seitenvergleich. So entsteht ein Gefühl für den Normalbefund, und Veränderungen fallen früher auf.

Nicht jede Schwellung ist Krebs

Ein vergrößerter Lymphknoten zeigt zunächst nur eines an: dass die Abwehr an dieser Stelle arbeitet. Infektionen und Entzündungen, Hauterkrankungen, Impfreaktionen sowie durch Zecken übertragene Erkrankungen wie Leishmaniose oder Ehrlichiose gehören zu den häufigen Ursachen; auch Absiedelungen anderer Tumoren können einen Lymphknoten vergrößern. Die Bandbreite ist unter geschwollene Lymphknoten beim Hund dargestellt.

Ein Lymphom ist also nur eine von mehreren möglichen Erklärungen, und kein Symptom beweist es für sich genommen. Gesichert wird die Diagnose über die Untersuchung der Zellen, oft bereits durch eine Feinnadelaspiration, ergänzt um Blutbild, Kalziumwert, Röntgen und Ultraschall — beschrieben unter Diagnose; Anzeichen der letzten Krankheitsphase unter Endstadium. Steht die Diagnose, richtet sich die Behandlung nach Form und Stadium; neben der Chemotherapie als Standard kommt die dendritische Zelltherapie ergänzend als immunologische Option in Betracht.

Quellen

  • Vail DM et al. (2020): Hematopoietic Tumors, Section A: Canine Lymphoma and Lymphocytic Leukemias, in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 688–715
  • Schmidt JM, Meichner K (2022): Malignes Lymphom, in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 753–773
  • Kohn B, Schwarz G (2017): Praktikum der Hundeklinik, 12. Aufl., Stuttgart

Häufige Fragen

Woran erkenne ich ein Lymphom bei meinem Hund?

Leitsymptom ist die Vergrößerung der äußerlich tastbaren Lymphknoten — häufig, bevor das Allgemeinbefinden leidet. Drei Stationen lassen sich ohne besondere Übung ertasten: die Kehlgangslymphknoten unter dem Kiefer, die Buglymphknoten vor dem Schulterblatt und die Kniekehllymphknoten in der Kniefalte. Wird ein sonst kaum auffindbarer Lymphknoten deutlich fühlbar, ist das abklärungsbedürftig.

Sind die geschwollenen Lymphknoten beim Lymphom schmerzhaft?

Typischerweise nicht: Die Knoten sind derb bis prall-elastisch, gut verschieblich, und der Hund duldet die Untersuchung ohne Abwehrreaktion. Meist sind mehrere Stationen gleichzeitig und weitgehend symmetrisch vergrößert. Eine entzündliche Schwellung ist dagegen in der Regel druckempfindlich, überwärmt und betrifft oft nur eine Seite — sicher unterscheiden lässt sich beides aber nur über die Untersuchung der Zellen.

Ist jeder geschwollene Lymphknoten beim Hund Krebs?

Nein. Ein vergrößerter Lymphknoten zeigt zunächst nur an, dass die Abwehr an dieser Stelle arbeitet — häufige Ursachen sind Infektionen und Entzündungen, Hauterkrankungen, Impfreaktionen oder durch Zecken übertragene Erkrankungen wie Leishmaniose. Ein Lymphom ist nur eine von mehreren möglichen Erklärungen; gesichert wird die Diagnose über die Zelluntersuchung, oft bereits durch eine Feinnadelaspiration.

Warum trinkt mein Hund mit Lymphom plötzlich so viel?

Eine mögliche Ursache ist die Hyperkalzämie, also ein erhöhter Kalziumspiegel im Blut: Entartete Lymphozyten können Botenstoffe bilden, die Kalzium aus dem Knochen lösen und die Konzentrationsfähigkeit der Niere stören. Über alle Lymphome hinweg liegen die Literaturangaben bei etwa 10 bis 15 %. Weil eine Hyperkalzämie die Nierenfunktion schädigen kann, gehört der Kalziumwert zur Basisdiagnostik.

Warum wird ein Lymphom beim Hund oft so spät bemerkt?

Die Schwellung tut nicht weh, weshalb der Hund selbst kein Signal gibt, und bei langhaarigen Tieren liegt sie unter dem Fell verborgen. Die Allgemeinsymptome sind mild und werden leicht dem Alter zugeschrieben. Zudem schwellen Lymphknoten im Frühstadium zuweilen wechselnd an und wieder ab — diese Rückbildung ist trügerisch und schließt eine bösartige Ursache nicht aus.

Was passiert, wenn die Diagnose Lymphom feststeht?

Die Behandlung richtet sich nach Form und Stadium der Erkrankung. Standard ist die Chemotherapie; ergänzend kommt die dendritische Zelltherapie als immunologische Option in Betracht. Für die Prognose spielt auch eine Rolle, ob Allgemeinsymptome vorliegen (Substadium b) — Hunde ohne Allgemeinsymptome haben nach der vorliegenden Literatur tendenziell die günstigere Prognose.

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