Tumorerkrankung

Mammatumor beim Hund: gutartig oder bösartig?

Ob ein Mammatumor beim Hund gutartig oder bösartig ist, lässt sich weder ertasten noch am Aussehen erkennen — die Frage beantwortet allein die feingewebliche (histologische) Untersuchung des entfernten Gewebes. Als Orientierung gilt: Etwa die Hälfte aller Mammatumoren der Hündin erweist sich als bösartig. Ein Knoten am Gesäuge ist also weder ein Grund zur Panik noch ein Anlass zur Entwarnung, sondern ein Befund, der abgeklärt gehört.

Warum sich die Frage nicht ertasten lässt

Weder Größe noch Konsistenz noch Verschieblichkeit eines Knotens erlauben einen zuverlässigen Rückschluss auf die Dignität, also die Gut- oder Bösartigkeit. Auch weiche, gut verschiebliche Zubildungen können bösartig sein; umgekehrt sind derbe Knoten nicht zwangsläufig Karzinome. Hinzu kommt eine Besonderheit des Gesäuges: Eine Hündin kann mehrere Tumoren gleichzeitig tragen, die sich feingeweblich vollständig unterscheiden — ein Knoten kann gutartig, der benachbarte bösartig sein. Aus diesem Grund sollte jede entfernte Umfangsvermehrung einzeln pathohistologisch untersucht werden.

Gutartige und bösartige Formen

Mammatumoren gehen vom Drüsengewebe, vom Bindegewebe oder von beiden aus. Zu den gutartigen Formen zählen vor allem das Adenom (eine gutartige Drüsengeschwulst) und das Fibroadenom (mit Bindegewebsanteil). Die häufigste bösartige Form ist das Adenokarzinom, also ein bösartiger Tumor des Drüsengewebes; am Gesäuge spricht man vom Mammakarzinom.

Häufig findet sich außerdem der sogenannte Mammamischtumor. Der Begriff bezeichnet nicht eine Mischung aus gut- und bösartig, sondern das Nebeneinander verschiedener Gewebetypen im selben Tumor — neben Drüsenzellen etwa knorpel- oder knochenähnliches Gewebe. Über die Dignität sagt die Bezeichnung nichts aus; auch ein Mischtumor kann gutartig oder bösartig sein.

Wichtig ist ein weiterer Befund der letzten Jahre: Gutartig ist nicht zwangsläufig ein Dauerzustand. Gedon et al. (2022) beschreiben ein histologisches Kontinuum, also einen fließenden Übergang von gutartigen zu bösartigen Gewebeformen. Aus einer zunächst gutartigen Zubildung kann sich demnach im Verlauf eine bösartige entwickeln.

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Größe und Wachstum als Warnzeichen

In der Regel gilt: Je größer der Tumor, desto aggressiver verhält er sich. Die Tumorgröße ist zugleich einer der wichtigsten Prognosefaktoren — die 3-cm-Grenze trennt in den Untersuchungen zwei deutlich verschiedene Verlaufsgruppen. Warnzeichen, die eher für Bösartigkeit sprechen, sind rasches Wachstum, Verwachsung mit der Unterlage, Aufbrechen der Haut (Ulzeration), Entzündung und Schwellung der Umgebung. Verlässlich ist aber auch das nicht: Ein langsam wachsender Knoten kann bösartig sein. Wie unterschiedlich die Wachstumsgeschwindigkeit ausfallen kann, behandelt die Seite Wie schnell wächst ein Mammatumor beim Hund?

Wie die Diagnose gesichert wird

Eine Zytologie mittels Feinnadelaspiration — der Entnahme von Zellmaterial mit einer dünnen Nadel — kann Tumorgewebe von Entzündungen und anderen Veränderungen abgrenzen. Gerade beim Mammatumor stößt sie jedoch an Grenzen: Bei Mischtumoren liefert sie häufig kein eindeutiges Ergebnis darüber, ob bösartige Zellanteile vorhanden sind. Goldstandard ist deshalb die histologische Untersuchung des operativ entfernten Gewebes. Sie klärt vier Fragen auf einmal: die Tumorart, den Malignitätsgrad (das Grading), die Vollständigkeit der Entfernung und das Vorliegen von Gefäßeinbrüchen — also des Einwachsens von Tumorzellen in Blut- oder Lymphgefäße, das mit einem erhöhten Metastasierungsrisiko einhergeht. Das praktische Vorgehen beschreibt die Seite Operation vom Mammatumor beim Hund.

Was der Befund für die Prognose bedeutet

Gutartige Zubildungen beeinflussen die Lebenserwartung nach vollständiger Entfernung in der Regel nicht. Bei bösartigen Tumoren hängt die Prognose vor allem von Größe und Ausbreitung ab: Nach vollständiger Entfernung eines Karzinoms unter 3 cm Durchmesser leben nach zwei Jahren nahezu alle Hündinnen noch, bei Tumoren über 3 cm etwa zwei Drittel — bei zusätzlichem Lymphknotenbefall oder Fernmetastasen nur noch etwa 10 %. Einzelheiten und Einflussfaktoren auf der Seite Lebenserwartung beim Mammatumor. Für die Praxis folgt daraus: Die beste Prognose hat der Knoten, der klein entfernt und feingeweblich untersucht wird — unabhängig davon, wie harmlos er sich anfühlt.

Häufige Fragen

Wie viele Mammatumoren beim Hund sind bösartig? Etwa die Hälfte. Die Angaben schwanken je nach Untersuchung, als Faustregel hat sich das Verhältnis 50:50 etabliert.

Kann der Tierarzt beim Abtasten erkennen, ob der Knoten bösartig ist? Nein. Das Abtasten liefert Anzahl, Größe und Lage der Knoten, nicht aber die Dignität. Sicherheit gibt nur die feingewebliche Untersuchung des entfernten Gewebes.

Kann ein gutartiger Mammatumor bösartig werden? Es wird angenommen, dass das möglich ist: Untersuchungen beschreiben einen fließenden Übergang zwischen den Gewebeformen. Auch deshalb wird empfohlen, Zubildungen nicht über Jahre zu beobachten, sondern frühzeitig zu entfernen.

Mein Hund hat mehrere Knoten — sind dann alle gleich? Nicht zwangsläufig. Verschiedene Knoten derselben Hündin können sich feingeweblich vollständig unterscheiden. Jeder entfernte Knoten sollte deshalb einzeln untersucht werden.

Quellen

  • Schmidt JM, Gedon J, Kessler M (2022): Mammatumoren des Hundes, in: Kessler M (Hrsg.), Kleintieronkologie, 4. Aufl., Thieme, Stuttgart, 377–389
  • Sorenmo K et al. (2020): Tumors of the Mammary Gland, in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 604–625
  • Gedon J et al. (2022): Ovariectomy reduces the risk of tumour development and influences the histological continuum in canine mammary tumours, Vet Comp Oncol, doi:10.1111/vco.12793

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Häufige Fragen

Wie viele Mammatumoren beim Hund sind bösartig?

Etwa die Hälfte. Die Angaben schwanken je nach Untersuchung, als Faustregel hat sich das Verhältnis 50:50 etabliert.

Kann der Tierarzt beim Abtasten erkennen, ob der Knoten bösartig ist?

Nein. Das Abtasten liefert Anzahl, Größe und Lage der Knoten, nicht aber die Dignität. Sicherheit gibt nur die feingewebliche Untersuchung des entfernten Gewebes.

Kann ein gutartiger Mammatumor bösartig werden?

Es wird angenommen, dass das möglich ist: Untersuchungen beschreiben einen fließenden Übergang zwischen den Gewebeformen. Auch deshalb wird empfohlen, Zubildungen nicht über Jahre zu beobachten, sondern frühzeitig zu entfernen.

Mein Hund hat mehrere Knoten — sind dann alle gleich?

Nicht zwangsläufig. Verschiedene Knoten derselben Hündin können sich feingeweblich vollständig unterscheiden. Jeder entfernte Knoten sollte deshalb einzeln untersucht werden.

Was ist ein Mammamischtumor — halb gutartig, halb bösartig?

Nein, der Begriff bezeichnet nicht eine Mischung aus gut- und bösartig, sondern das Nebeneinander verschiedener Gewebetypen im selben Tumor — neben Drüsenzellen etwa knorpel- oder knochenähnliches Gewebe. Über die Dignität, also die Gut- oder Bösartigkeit, sagt die Bezeichnung nichts aus; auch ein Mischtumor kann gutartig oder bösartig sein.

Wie ist die Prognose, wenn der Mammatumor bösartig ist?

Die Prognose hängt vor allem von Größe und Ausbreitung ab: Nach vollständiger Entfernung eines Karzinoms unter 3 cm Durchmesser leben nach zwei Jahren nahezu alle Hündinnen noch, bei Tumoren über 3 cm etwa zwei Drittel — bei zusätzlichem Lymphknotenbefall oder Fernmetastasen nur noch etwa 10 %. Die beste Prognose hat in der Regel der Knoten, der klein entfernt und feingeweblich untersucht wird.

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