Mastzelltumor beim Hund am Ohr

Der Mastzelltumor beim Hund am Ohr gilt als Sonderform des Mastzelltumors beim Hund: Er sitzt an der Pinna, also der Ohrmuschel, und wird traditionell mit einem aggressiveren Tumorgeschehen in Verbindung gebracht als Mastzelltumoren anderer Hautbezirke. Belastbare Hinweise für diese Annahme lagen lange kaum vor. Eine multizentrische Untersuchung von Chalfon et al. aus dem Jahr 2023 hat die Frage erstmals systematisch geprüft.

Warum gilt das Ohr als Sonderform?

Die Ohrmuschel ist ein anatomisch ungünstiger Ort. Sie besteht aus einer dünnen Hautdecke über einer Knorpelplatte, sodass für einen ausreichenden Sicherheitsabstand — seitlich 2 cm und eine unversehrte Faszienschicht in der Tiefe — praktisch kein verschiebliches Gewebe zur Verfügung steht. Zugleich ist die Pinna reich an Lymphgefäßen. Beides zusammen nährte die Vermutung, dass Mastzelltumoren dieser Lokalisation grundsätzlich aggressiver verlaufen. Ob die Lokalisation selbst oder vielmehr die feingewebliche Bösartigkeit den Ausschlag gibt, war bis zuletzt offen.

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Die Untersuchung von Chalfon et al.

Ziel der Arbeit war es, die an anderen Körperstellen übliche histologische Einstufung sowie die Wertigkeit des Lymphknotenstagings — also die Frage der Metastasierung in die begleitenden Lymphknoten — für Mastzelltumoren des Ohres zu überprüfen. Die Autoren verfolgten zwei Untersuchungsziele:

  1. Häufigkeit, Lage und feingewebliches Erscheinungsbild von Lymphknotenmetastasen beim Mastzelltumor der Ohrmuschel zu beschreiben,
  2. die Prognose der Erkrankung zu beurteilen.

Ausgewertet wurden rückblickend die Krankenakten von 39 Hunden, die an einem Mastzelltumor der Ohrmuschel erkrankt waren und bei denen zusätzlich die begleitenden Lymphknoten entfernt worden waren. Erhoben wurden die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung sowie das tumorbedingte Überleben.

Ergebnisse: Malignität und Lymphknotenmetastasen

Von den 39 Hunden zeigten 19 einen hochmalignen und 20 einen niedrigmalignen Tumor nach dem zweistufigen System von Kiupel. Mehr als die Hälfte der Tiere — 22 von 39 Hunden — wies Lymphknotenmetastasen auf. Bemerkenswert ist dabei ein Befund mit unmittelbarer praktischer Bedeutung: Der oberflächliche zervikale Halslymphknoten war immer mitbetroffen. Er dürfte damit ein verlässlicher Anhaltspunkt für ein Metastasierungsgeschehen an der Pinna sein und sollte in die Untersuchung einbezogen werden.

Was bedeutet das für die Prognose?

In der Analyse des Risikos für ein Fortschreiten der Erkrankung und für den tumorbedingten Tod war allein die Malignität des Tumors — hochmaligne gegenüber niedrigmaligne — statistisch signifikant. Die Lokalisation am Ohr für sich genommen erwies sich nicht als eigenständiger Risikofaktor. Bei den hochmalignen Tumoren betrug die mediane Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung 270 Tage, die mediane Zeit bis zum tumorbedingten Tod 370 Tage. Median bedeutet dabei: Die eine Hälfte der Hunde lag über diesem Wert, die andere darunter.

Die Autoren betonen daher die Bedeutung einer sorgfältigen histologischen Untersuchung auf die Malignität des Tumors sowie eines konsequenten Lymphknoten-Stagings. Beides sollte durch eine multimodale Behandlung ergänzt werden, um die Prognose zu verbessern.

Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung

Da sich am Ohr nur selten ausreichende Sicherheitsabstände erreichen lassen, kommt der Nachbehandlung besonderes Gewicht zu. Neben Strahlentherapie und medikamentöser Behandlung sollte die dendritische Zelltherapie in Betracht gezogen werden. Dabei werden dendritische Zellen — Zellen des Immunsystems, die dem Körper Tumormerkmale präsentieren — eingesetzt, um die Abwehr auf verbliebene Tumorzellen auszurichten. Als Baustein einer multimodalen, also mehrgleisigen Behandlung hat sie sich in der Praxis bewährt. Erste eigene Ergebnisse liegen vor; kontrollierte Vergleichsstudien stehen noch aus. Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.

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Quelle

Chalfon C et al. (2023): Patterns of nodal metastases, biological behaviour and prognosis of canine mast cell tumours of the pinna: A multi-institutional retrospective study, DOI: 10.1111/vco.12893

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