Ist der Mastzelltumor beim Hund erblich?

Ob der Mastzelltumor erblich ist, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja beantworten: Vererbt wird nach heutigem Kenntnisstand nicht die Erkrankung selbst, sondern eine Veranlagung, sie zu entwickeln. Für den Mastzelltumor beim Hund sprechen zwei Beobachtungen für eine genetische Komponente — die deutliche Häufung bei bestimmten Rassen und der Nachweis einer Risiko-Genvariante bei Labrador und Golden Retriever.

Rassehäufung als Hinweis

Auffällig ist, dass Mastzelltumoren bei einigen Rassen deutlich häufiger auftreten als im Durchschnitt der Hundepopulation. Als prädisponiert, also mit erhöhter Veranlagung, gelten unter anderem:

  • Boxer
  • Bullterrier
  • Französische Bulldogge
  • Golden Retriever und Labrador Retriever
  • Shar-Pei
  • Dackel
  • Mops

Eine solche Häufung deutet auf eine genetische Komponente bei der Entstehung hin. Sie bedeutet jedoch nicht, dass der Mastzelltumor einfach vererbt würde: Ein Erbgang, bei dem ein einzelnes Gen über Erkrankung oder Nicht-Erkrankung entscheidet, ist nicht beschrieben. Es wird vielmehr angenommen, dass mehrere genetische Faktoren zusammen mit Umwelteinflüssen wirken. Angehörige einer prädisponierten Rasse erkranken deshalb keineswegs zwangsläufig, und Hunde außerhalb dieser Rassen sind nicht geschützt.

Genvariante bei Labrador und Golden Retriever

Eine unter Federführung des Animal Health Trust in Newmarket (Großbritannien) durchgeführte Untersuchung, an der Wissenschaftler aus mehreren europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten beteiligt waren, hat eine Genvariante beschrieben, die bei erkrankten Labradoren und Golden Retrievern auftritt. Unter einer Genvariante versteht man dabei eine bestimmte Ausprägung eines Gens — eine von mehreren möglichen Fassungen desselben Erbanlagenabschnitts.

Beim Vergleich gesunder und erkrankter Hunde beider Rassen fand sich die risikobehaftete Variante bei etwa 70 Prozent der untersuchten Tiere. Entscheidend ist, wie sie vererbt wird: Hunde, welche die veränderte Variante von beiden Elterntieren erben — also reinerbig oder homozygot dafür sind —, tragen den Angaben zufolge ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, an einem Mastzelltumor zu erkranken.

Einzuordnen ist das mit der gebotenen Zurückhaltung: Ein erhöhtes Risiko ist keine Vorhersage für das einzelne Tier, und die Häufigkeit einer Variante innerhalb einer Rasse sagt für sich genommen noch nichts darüber aus, wie schwer eine Erkrankung im Einzelfall verläuft.

Ziel: Gentest und Zuchtselektion

Der praktische Nutzen der Ergebnisse liegt in der Zucht. Aus den gefundenen genetischen Variationen soll ein Gentest entwickelt werden, der Züchtern und Besitzern der betroffenen Rassen zur Verfügung steht. Damit ließe sich innerhalb der Rassen allmählich auf die günstigere Variante hin selektieren, um die Erkrankungshäufigkeit an Mastzelltumoren bei Labradoren und Golden Retrievern zu senken.

Für Halter eines bereits erkrankten Hundes ändert der genetische Hintergrund an der Behandlung nichts. Maßgeblich bleiben der histologische Malignitätsgrad, das Stadium und die vollständige Entfernung des Tumors. Auch die Annahme, ein Wurfgeschwister oder ein Elterntier müsse ebenfalls erkranken, lässt sich aus einer Risikovariante nicht ableiten — sinnvoll ist bei prädisponierten Rassen jedoch, neu auftretende Knoten in oder unter der Haut frühzeitig tierärztlich abklären zu lassen.

Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung

Unabhängig von der genetischen Veranlagung steht nach der Operation eines Mastzelltumors die dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung zur Verfügung: ein immunologisches Verfahren, bei dem dendritische Zellen Merkmale veränderter Zellen aufnehmen und den T-Zellen, den Abwehrzellen des Immunsystems, präsentieren. Sie empfiehlt sich insbesondere dann, wenn mit einer Ausbreitung über das Operationsgebiet hinaus zu rechnen ist. Ob sie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.

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Quellen

Vozdova M et al. (2020): Recurrent gene mutations detected in canine mast cell tumours by next generation sequencing. Vet Comp Oncol 18:509–518. PubMed

Kessler M, Gramer I (2022): Mastzelltumoren. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 329–340

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