Gutartiger Mastzelltumor beim Hund
Die Frage, ob ein Mastzelltumor beim Hund gutartig sein kann, führt in die Irre — denn beim Mastzelltumor beim Hund handelt es sich grundsätzlich um eine bösartige Neubildung. Auch ein niedriggradiger Mastzelltumor ist damit kein gutartiger Tumor im eigentlichen Sinne: Er verhält sich lediglich günstiger, wächst weniger aggressiv, streut seltener und lässt sich in der Regel besser behandeln. Wenn im Alltag von einem „gutartigen” Mastzelltumor gesprochen wird, ist deshalb fast immer ein niedriggradiger Tumor gemeint — nicht eine harmlose Zubildung.
- Was „niedriggradig” tatsächlich bedeutet
- Vorkommen und Rassedisposition
- Symptome
- Lebenserwartung und Metastasierung
- Diagnose und Behandlung
- Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung
Was „niedriggradig” tatsächlich bedeutet
Der Malignitätsgrad — also die Einstufung der Bösartigkeit anhand des Gewebes unter dem Mikroskop — wird nach zwei verschiedenen Systemen angegeben, die häufig durcheinandergebracht werden.
Die ältere Einteilung nach Patnaik ist dreistufig und unterscheidet die Grade 1, 2 und 3. Die neuere Einteilung nach Kiupel ist dagegen zweistufig und kennt nur die Kategorien niedriggradig (low grade) und hochgradig (high grade). Die Begriffe low grade und high grade gehören also zur zweistufigen Einteilung und sind nicht schlicht mit Patnaik-Graden gleichzusetzen.
In der Praxis lässt sich sagen: Ein Tumor vom Grad 1 nach Patnaik ist in der Regel als niedriggradig einzuordnen, ein Tumor vom Grad 3 als hochgradig. Uneindeutig bleibt gerade die mittlere Gruppe — ein Mastzelltumor Grad 2 kann sich sowohl günstig als auch bösartig verhalten und verteilt sich in der zweistufigen Einteilung auf beide Kategorien. Genau deshalb wurde die Kiupel-Einteilung eingeführt: Sie erreicht eine bessere Übereinstimmung zwischen verschiedenen Untersuchern und erlaubt eine zuverlässigere Aussage zum zu erwartenden Verlauf.
Wichtig ist außerdem eine Einschränkung: Treten niedriggradige Mastzelltumoren bei einem Tier mehrfach auf, kann sich die Überlebensprognose gegenüber einem einzelnen (solitären) niedriggradigen Tumor verschlechtern.
Vorkommen und Rassedisposition
Einige Hunderassen weisen eine Prädisposition, also eine erhöhte Anfälligkeit, für Mastzelltumoren mit eher günstigem biologischem Verhalten auf. Dazu zählen der Deutsche Boxer, der Shar-Pei und der Mops.
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Symptome
Die Anzeichen niedriggradiger und hochgradiger Mastzelltumoren sind zunächst häufig dieselben — aus dem äußeren Bild allein lässt sich der Grad nicht ableiten. Der Tumor unterliegt keiner festen Form und keiner festen Größe; in vielen Fällen löst er Juckreiz aus.
Die in den Tumorzellen enthaltenen Speicherkörnchen (Mastzellgranula) können biologisch aktive Substanzen freisetzen — man spricht von Degranulation. Daraus können örtliche und den ganzen Körper betreffende (systemische) Reaktionen entstehen, unter anderem Schwellungen, eine erhöhte Blutungsneigung und Entzündungen.
Zu beachten ist, dass sich die tatsächliche Zahl vorhandener Mastzelltumoren nur schwer bestimmen lässt: Kleinere Knoten verbergen sich unter dem Fell und werden dadurch leicht übersehen. Ein regelmäßiges, systematisches Abtasten des gesamten Tieres ist deshalb sinnvoll.
Lebenserwartung und Metastasierung
Der Unterschied zwischen den beiden Kategorien ist erheblich. Bei niedriggradigen Mastzelltumoren beträgt die mittlere Überlebenszeit über zwei Jahre, bei hochgradigen dagegen unter vier Monaten. Diese Werte sind Mittelwerte aus Studienkollektiven und beschreiben nicht den Verlauf beim einzelnen Tier; näher ausgeführt wird das auf der Seite zur Lebenserwartung beim Mastzelltumor.
Auch die Metastasierungsrate — der Anteil der Fälle, in denen sich Tochtergeschwülste bilden — unterscheidet sich deutlich: Bei niedriggradigen Mastzelltumoren liegt sie bei rund 10 Prozent, bei hochgradigen bei über 50 Prozent. Zehn Prozent sind für einen als „gutartig” bezeichneten Tumor durchaus beachtlich — ein weiterer Grund, den Begriff mit Zurückhaltung zu verwenden.
Eine Rolle spielt zudem die Lokalisation. Mastzelltumoren an Zehen, Damm, Leiste und Schleimhäuten sind ungünstiger zu beurteilen, weil sich dort eine chirurgische Entfernung mit ausreichendem Sicherheitsabstand nur schwer durchführen lässt.
Diagnose und Behandlung
Ob ein Knoten gutartig oder bösartig ist, lässt sich durch bloßes Abtasten nicht erkennen. Die Diagnose wird durch die Entnahme von Zell- beziehungsweise Gewebeproben gesichert, die anschließend mikroskopisch untersucht werden; erst daran wird auch der Malignitätsgrad bestimmt.
Am erfolgreichsten lässt sich ein Mastzelltumor durch die operative Entfernung des betroffenen Gewebes behandeln. Entscheidend ist ein ausreichender Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe, da Mastzelltumoren infiltrativ wachsen — die Tumorzellen reichen also über den tastbaren Knoten hinaus.
Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung
Um die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs, also des Wiederauftretens des Mastzelltumors, zu verringern, bietet sich im Anschluss an die Operation die dendritische Zelltherapie an. Dendritische Zellen sind Zellen des Immunsystems: Sie nehmen Merkmale veränderter Zellen auf und präsentieren sie den T-Zellen, wodurch eine gegen den Tumor gerichtete Immunantwort angestoßen werden soll. Als ergänzende Behandlung neben Operation, Bestrahlung und medikamentöser Behandlung sollte sie besonders dann in Betracht gezogen werden, wenn mehrere Tumoren aufgetreten sind oder nicht vollständig im Gesunden operiert werden konnte.
Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.
Weitere Seiten zum Thema: Lebenserwartung beim Mastzelltumor, Mastzelltumor Grad 2 beim Hund, Wie schnell wächst ein Mastzelltumor?
Quellen
Kiupel M et al. (2011): Proposal of a 2-tier histologic grading system for canine cutaneous mast cell tumors to more accurately predict biological behavior. Vet Pathol 48:147–155. PubMed
De Nardi AB et al. (2022): Diagnosis, Prognosis and Treatment of Canine Cutaneous and Subcutaneous Mast Cell Tumors. Cells 11(4):618. doi:10.3390/cells11040618
Kessler M, Gramer I (2022): Mastzelltumoren. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 329–340
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