Tumorerkrankung

Mastzelltumor Grad 2 beim Hund

Ein Mastzelltumor Grad 2 beim Hund ist ein Mastzelltumor, der bei der feingeweblichen Untersuchung als mittelgradig differenziert eingestuft wurde: Die Tumorzellen ähneln den ursprünglichen Mastzellen also nur noch teilweise. Grad 2 ist zugleich die prognostisch am wenigsten eindeutige Stufe der dreistufigen Einteilung nach Patnaik — die Metastasierungsrate, also der Anteil der Hunde, bei denen sich Tochtergeschwülste bilden, wird mit 5 bis 22 Prozent angegeben. Aus dem Grad allein lässt sich der weitere Verlauf deshalb nicht ableiten. Die Grundlagen zu Entstehung, Anzeichen und Diagnose sind auf der Übersichtsseite Mastzelltumor beim Hund zusammengefasst.

Was Grad 2 im Befund bedeutet

Die Einstufung erfolgt histopathologisch, also am entfernten Gewebe. Eine Feinnadelaspiration — die Zellentnahme mit einer dünnen Nadel — reicht dafür in der Regel nicht aus: Die gewonnene Zellzahl ist für eine sichere Graduierung meist zu gering. Als Merkmale eines Grad-2-Tumors nach Patnaik gelten:

  • mäßig vielgestaltige Zellen mit unklaren, also schlecht abgrenzbaren Zellgrenzen
  • 0 bis 2 Mitosefiguren je Gesichtsfeld — Mitosefiguren sind Zellen im Zustand der Teilung, das Gesichtsfeld ist der Bildausschnitt unter dem Mikroskop
  • Granula, also die angefärbten Speicherkörnchen im Zellinneren, in Zahl, Größe und Färbung vermindert
  • Ausdehnung des Tumors bis in die Unterhaut

Die Zahl der Zellteilungen ist bei Grad 2 damit niedrig, aber nicht null: Bei Grad 1 fehlen Mitosefiguren in der Regel, bei Grad 3 finden sich 3 bis 6 je Gesichtsfeld.

Auch der Zeitpunkt der Diagnose beeinflusst den Verlauf: Je früher der Mastzelltumor — auch Mastozytom genannt — entdeckt wird, desto geringer ist in der Regel die Wahrscheinlichkeit einer bereits erfolgten Streuung.

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Patnaik und Kiupel: warum Grad 2 eine zweite Einstufung braucht

Der Befund „Grad 2” beschreibt das Zellbild, sagt aber wenig über das zu erwartende Verhalten des Tumors aus. Genau diese Unschärfe war der Anlass, eine zweite Einteilung zu entwickeln: Kiupel et al. schlugen ein zweistufiges System vor, das nur noch zwischen niedriggradig und hochgradig unterscheidet und eine bessere Übereinstimmung zwischen verschiedenen Untersuchern erreicht.

Patnaik (dreistufig)Kiupel (zweistufig)
StufenGrad 1, Grad 2, Grad 3niedriggradig (low grade), hochgradig (high grade)
GrundlageDifferenzierung der Zellen, Zahl der Mitosefiguren, Tiefenausdehnungeines dieser Merkmale genügt für „hochgradig”: ≥ 7 Mitosefiguren in 10 Gesichtsfeldern, ≥ 3 mehrkernige Zellen, ≥ 3 bizarre Zellkerne oder Karyomegalie (auffällig vergrößerte Zellkerne)
AussageMetastasierungsrate: Grad 1 unter 10 %, Grad 2 5–22 %, Grad 3 55–95 %mittlere Überlebenszeit: niedriggradig über 2 Jahre, hochgradig unter 4 Monate

Bei Grad 2 können sich hinter derselben Einstufung sehr unterschiedliche Tumoren verbergen: Ein Teil verhält sich über Jahre unauffällig, ein anderer zeigt Merkmale höherer Bösartigkeit.

Daraus ergibt sich die zentrale Empfehlung dieser Seite: Lautet der Befund „Grad 2”, sollte zusätzlich die Zuordnung niedriggradig oder hochgradig nach Kiupel vorliegen. Fehlt sie, lässt sie sich in der Regel am bereits eingesandten Gewebe nachfordern — gegebenenfalls ergänzt um immunhistologische Untersuchungen, also Färbungen gegen bestimmte Zellmerkmale. Erst mit dieser zweiten Angabe wird eine belastbare Einschätzung von Prognose und Behandlungsbedarf möglich.

Metastasen und Lymphknoten

Unabhängig vom Grad muss geprüft werden, ob der Tumor bereits gestreut hat. Die Streuung erfolgt zuerst in die zugehörigen (regionalen) Lymphknoten, danach in Haut, Milz und Leber; die Lunge ist selten betroffen. Fernmetastasen ohne vorherigen Befall des Wächterlymphknotens — des ersten Lymphknotens im Abflussgebiet des Tumors — wurden nicht beobachtet. Die Untersuchung des regionalen Lymphknotens ist deshalb der wichtigste Teil der Ausbreitungsdiagnostik (Staging).

Als prognostisch ungünstig gelten bei einem Mastzelltumor Grad 2:

  • der Nachweis von Metastasen in den Lymphknoten
  • klinische Anzeichen wie Appetitlosigkeit, Erbrechen oder eine veränderte Kotkonsistenz

Diese Beschwerden weisen darauf hin, dass Botenstoffe aus den Tumorzellen — vor allem Histamin — über die Tumorstelle hinaus wirken und die Magen-Darm-Schleimhaut belasten.

Zu unterscheiden ist dabei der Grad, der das Gewebebild beschreibt, vom klinischen Stadium, das die Ausbreitung beschreibt. Burge et al. haben den Verlauf bei hochgradigem Mastzelltumor mit Befall des regionalen Lymphknotens — dem Stadium 2 — unter örtlicher und systemischer, also den gesamten Körper erfassender Behandlung untersucht.

Behandlung

Die chirurgische Entfernung ist bei einem einzelnen, zugänglichen Mastzelltumor Grad 2 die Behandlung der ersten Wahl. Sie liefert zugleich das Gewebe für die Einstufung. Da Mastzelltumoren infiltrativ wachsen, Tumorzellen also über den tastbaren Knoten hinaus in das umgebende Gewebe reichen, wird mit Sicherheitsabstand operiert: Für niedriggradige Tumoren bis etwa 4 cm Durchmesser gelten seitlich 2 cm sowie in der Tiefe eine unversehrte Faszienschicht — eine bindegewebige Hülle, die als natürliche Grenze dient — als ausreichend.

Unter diesen Bedingungen werden Rezidivraten, also Raten des erneuten Auftretens an derselben Stelle, von 0 bis 4 Prozent berichtet. Bei hochgradigen Tumoren liegt die Rezidivrate mit etwa 36 Prozent deutlich höher, und zwar weitgehend unabhängig vom gewählten Sicherheitsabstand. Ergibt die Einstufung nach Kiupel „hochgradig”, sollte deshalb eine weitere Behandlung erwogen werden: Strahlentherapie, medikamentöse Behandlung oder die immunologische Behandlung mit dendritischen Zellen.

Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung

Die dendritische Zelltherapie empfiehlt sich als Ergänzung der operativen Behandlung, insbesondere dann, wenn die Einstufung nach Kiupel „hochgradig” ergeben hat, wenn der Lymphknoten beteiligt ist oder wenn nicht vollständig im Gesunden operiert werden konnte. Dendritische Zellen sind Zellen des Immunsystems, die Merkmale veränderter Zellen aufnehmen und den T-Zellen präsentieren — sie stoßen also eine gegen die Tumorzellen gerichtete Abwehrreaktion an.

Grammel et al. haben in einer unkontrollierten Pilotuntersuchung die Behandlung mit aus Monozyten gewonnenen körpereigenen dendritischen Zellen nach der Operation bei 19 Hunden mit Mastzelltumor beschrieben. Erste eigene Ergebnisse liegen damit vor; kontrollierte Vergleichsstudien stehen noch aus. Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.

Weitere Seiten zum Thema: Mastzelltumor Grad 3 beim Hund, Lebenserwartung bei Mastzelltumor, Metastasen beim Mastzelltumor.

Quellen

Burge R et al. (2023): High-Grade, Stage 2 Mast Cell Tumors: Outcome in Dogs With Local and Systemic Therapy. doi:10.5326/JAAHA-MS-7319

Grammel ZM, Hawacker T, Grammel T (2023): A Pilot, uncontrolled Study of postsurgical treatment with monocyte-derived autologous dendritic cells in 19 dogs with mast cell tumour. WSAVA Congress, Lissabon, September 27–29

London CA, Thamm DH (2020): Mast Cell Tumors. In: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 382–392

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Häufige Fragen

Was bedeutet Mastzelltumor Grad 2 beim Hund?

Grad 2 heißt, dass der Tumor bei der feingeweblichen Untersuchung als mittelgradig differenziert eingestuft wurde — die Tumorzellen ähneln den ursprünglichen Mastzellen also nur noch teilweise. Es ist die prognostisch am wenigsten eindeutige Stufe der dreistufigen Einteilung nach Patnaik: Hinter derselben Einstufung können sich Tumoren verbergen, die sich über Jahre unauffällig verhalten, ebenso wie solche mit Merkmalen höherer Bösartigkeit.

Wie lange lebt ein Hund mit Mastzelltumor Grad 2?

Aus dem Grad allein lässt sich der Verlauf nicht ableiten; entscheidend ist die zusätzliche Einstufung nach Kiupel. Bei niedriggradigen Tumoren liegt die mittlere Überlebenszeit über 2 Jahren, bei hochgradigen unter 4 Monaten. Auch der Zeitpunkt der Diagnose spielt eine Rolle: Je früher der Tumor entdeckt wird, desto geringer ist in der Regel die Wahrscheinlichkeit einer bereits erfolgten Streuung.

Warum brauche ich beim Befund Grad 2 zusätzlich die Einstufung nach Kiupel?

Der Befund „Grad 2“ beschreibt das Zellbild, sagt aber wenig über das zu erwartende Verhalten des Tumors aus. Das zweistufige System nach Kiupel unterscheidet nur zwischen niedriggradig und hochgradig und erlaubt erst eine belastbare Einschätzung von Prognose und Behandlungsbedarf. Fehlt die Angabe im Befund, lässt sie sich in der Regel am bereits eingesandten Gewebe nachfordern.

Streut ein Mastzelltumor Grad 2 in andere Organe?

Die Metastasierungsrate bei Grad 2 wird mit 5 bis 22 Prozent angegeben. Die Streuung erfolgt zuerst in die regionalen Lymphknoten, danach in Haut, Milz und Leber; die Lunge ist selten betroffen. Fernmetastasen ohne vorherigen Befall des Wächterlymphknotens (des ersten Lymphknotens im Abflussgebiet des Tumors) wurden nicht beobachtet — die Untersuchung des regionalen Lymphknotens ist deshalb der wichtigste Teil der Ausbreitungsdiagnostik.

Wie wird ein Mastzelltumor Grad 2 behandelt?

Bei einem einzelnen, zugänglichen Tumor ist die chirurgische Entfernung mit Sicherheitsabstand die Behandlung der ersten Wahl; für niedriggradige Tumoren bis etwa 4 cm gelten seitlich 2 cm und in der Tiefe eine unversehrte Faszienschicht als ausreichend, mit Rezidivraten von 0 bis 4 Prozent. Ergibt die Einstufung nach Kiupel „hochgradig“, ist der Lymphknoten beteiligt oder konnte nicht im Gesunden operiert werden, sollte eine weitere Behandlung erwogen werden: Strahlentherapie, medikamentöse Behandlung oder ergänzend die dendritische Zelltherapie, bei der Zellen des Immunsystems die Abwehr auf verbliebene Tumorzellen ausrichten sollen. Kontrollierte Vergleichsstudien zur dendritischen Zelltherapie stehen noch aus.

Wie hoch ist das Rückfallrisiko nach der Operation?

Bei niedriggradigen Tumoren, die mit ausreichendem Sicherheitsabstand entfernt wurden, werden Rezidivraten — also Raten des erneuten Auftretens an derselben Stelle — von 0 bis 4 Prozent berichtet. Bei hochgradigen Tumoren liegt die Rezidivrate mit etwa 36 Prozent deutlich höher, und zwar weitgehend unabhängig vom gewählten Sicherheitsabstand.

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