Tumorerkrankung
Mastzelltumor Grad 3 beim Hund
Ein Mastzelltumor Grad 3 beim Hund ist die höchste Stufe der dreistufigen histologischen Einteilung nach Patnaik und bezeichnet einen ausgesprochen bösartigen, aggressiv wachsenden Tumor. Kennzeichnend sind ein infiltratives Wachstum — Tumorzellen reichen also über den tastbaren Knoten hinaus in das umgebende Gewebe — sowie eine ausgeprägte Neigung zur Metastasierung, das heißt zur Bildung von Tochtergeschwülsten. Grundlagen dazu finden sich auf der Übersichtsseite Mastzelltumor beim Hund. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist für die Prognose entscheidend.
Grad 3 ist nicht Stadium 3
Grad und Stadium werden häufig verwechselt — es handelt sich jedoch um zwei voneinander unabhängige Einteilungen, die unterschiedliche Fragen beantworten und nicht gleichgesetzt werden dürfen.
Der histologische Grad beschreibt, wie das Tumorgewebe unter dem Mikroskop aussieht. Er wird an einer Gewebeprobe vom Pathologen bestimmt. Gebräuchlich sind die dreistufige Einteilung nach Patnaik (Grad 1 bis 3) und die zweistufige Einteilung nach Kiupel (niedriggradig oder hochgradig). Ein Tumor vom Grad 3 nach Patnaik ist dabei stets als hochgradig einzustufen.
Das klinische Stadium beschreibt dagegen, wie weit sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet hat. Es wird nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation in den Stufen 0 bis IV angegeben und durch die Ausbreitungsdiagnostik (Staging) ermittelt — also durch Untersuchung der zugehörigen Lymphknoten, Ultraschall des Bauchraums und Röntgen der Lunge. Das Stadium III steht beispielsweise für mehrere Hauttumoren oder einen großen, infiltrativ wachsenden Einzeltumor; zusätzlich wird nach Lymphknotenbeteiligung und Allgemeinstörung unterschieden.
Beides fällt nicht zwingend zusammen: Ein Grad-3-Tumor kann in einem niedrigen Stadium vorliegen, wenn er solitär, also einzeln auftritt und keine Streuung nachweisbar ist — umgekehrt kann ein niedriger Grad mit einem fortgeschrittenen Stadium einhergehen.
Allgemeinstörung
Als Allgemeinstörung wird das sogenannte paraneoplastische Syndrom bezeichnet — Beschwerden also, die nicht durch den Tumor selbst am Ort seines Wachstums verursacht werden, sondern durch die Stoffe, die er in den Körper abgibt. Beschrieben werden Appetitlosigkeit, erhöhte Körpertemperatur, Anämie (Blutarmut) und Stoffwechselstörungen.
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Symptome
Über das paraneoplastische Syndrom hinaus kommen häufig weitere Beschwerden hinzu: Erbrechen, Teerstuhl — also schwarz verfärbter Kot als Zeichen einer Blutung im vorderen Magen-Darm-Trakt — und weitere Magen-Darm-Störungen. Nicht selten entstehen Geschwüre der Magen- oder Darmschleimhaut, die in schweren Fällen zu einem Durchbruch der Wand führen können.
Diagnose und prognostische Faktoren
Zur Diagnose wird in der Regel eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und von einem Pathologen untersucht, der zugleich die Einstufung in die Grade vornimmt. Für einen Mastzelltumor Grad 3 sprechen kaum erkennbare Zellgrenzen, stark schwankende Zellgrößen, ein deutlich verschobenes Kern-Zytoplasma-Verhältnis, zahlreiche Mitosen (Zellteilungsfiguren) sowie wenige, kleine und schlecht angefärbte Granula.
Neben Grad und Stadium werden weitere Merkmale prognostisch herangezogen:
- die Lokalisation des Tumors
- der mitotische Index, also die Zahl der Zellteilungsfiguren
- die Wachstumsrate
- die Dichte der Tumorgefäße
- ein örtliches Wiederauftreten (Rezidiv)
- das Alter des Tieres
- systemische Krankheitserscheinungen
- Rasse und Geschlecht
- die Tumorgröße
Vorgehen bei Verdacht
Bei Verdacht auf einen Mastzelltumor Grad 3 hat sich ein gestuftes Vorgehen bewährt:
- Gewebeprobe entnehmen, um vom Pathologen eine gesicherte Diagnose und die Einstufung des Grades zu erhalten.
- Bestätigt sich ein Grad 3, folgt die Ausbreitungsdiagnostik: Ultraschalluntersuchung des Bauchraums und Röntgenaufnahme der Lunge, um zu prüfen, ob der Tumor bereits Metastasen gebildet hat.
- Sind Metastasen nachweisbar, wird von einer Operation häufig abgeraten: Der Primärtumor ließe sich entfernen, die Tochtergeschwülste jedoch nicht. Hier bietet sich eine systemisch wirkende Behandlung an, etwa mit dendritischen Zellen, um dem Fortschreiten der Erkrankung entgegenzuwirken.
- Sind keine Metastasen nachweisbar, sollte der Tumor chirurgisch entfernt werden. Wegen der starken Neigung zu Rezidiven und Metastasen empfiehlt sich anschließend eine Nachbehandlung.
- Ist der Tumor nicht operabel, obwohl keine Metastasen vorliegen, kommen Bestrahlung, medikamentöse Behandlung sowie die dendritische Zelltherapie in Betracht, um das Wachstum zu bremsen.
Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung
Die dendritische Zelltherapie ist eine immunologische Behandlung und sollte beim Mastzelltumor Grad 3 in Betracht gezogen werden — als Ergänzung zu Operation, Bestrahlung und medikamentöser Behandlung. Dendritische Zellen nehmen Merkmale veränderter Zellen auf und präsentieren sie den T-Zellen; auf diesem Weg soll eine gegen den Tumor gerichtete Immunantwort angestoßen werden. Auf dem Weltkleintierärztekongress in Lissabon 2023 wurden dazu erste Ergebnisse aus einer unkontrollierten Untersuchung an 19 Hunden mit Mastzelltumor Grad 3 vorgestellt; kontrollierte Vergleichsstudien stehen noch aus.
Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.
Weitere Seiten zum Thema: Lebenserwartung beim Mastzelltumor, Mastzelltumor Grad 2 beim Hund, Metastasen beim Mastzelltumor
Quellen
London CA, Thamm DH (2020): Mast Cell Tumors. In: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, St. Louis, MO, 382–404
Kessler M, Gramer I (2022): Mastzelltumoren. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 329–340
Grammel ZM, Hawacker T, Grammel T (2023): A Pilot, uncontrolled Study of postsurgical treatment with monocyte-derived autologous dendritic cells in 19 dogs with mast cell tumour grade III. WSAVA Congress, Lissabon, September 27–29
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Häufige Fragen
Was bedeutet Mastzelltumor Grad 3 beim Hund?
Grad 3 ist die höchste Stufe der dreistufigen histologischen Einteilung nach Patnaik und bezeichnet einen ausgesprochen bösartigen, aggressiv wachsenden Tumor. Kennzeichnend sind ein infiltratives Wachstum — Tumorzellen reichen über den tastbaren Knoten hinaus in das umgebende Gewebe — sowie eine ausgeprägte Neigung zur Metastasierung, das heißt zur Bildung von Tochtergeschwülsten. Ein Grad-3-Tumor nach Patnaik ist stets als hochgradig nach Kiupel einzustufen; eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist für die Prognose entscheidend.
Ist Grad 3 dasselbe wie Stadium 3?
Nein, es handelt sich um zwei voneinander unabhängige Einteilungen. Der histologische Grad beschreibt, wie das Tumorgewebe unter dem Mikroskop aussieht; das klinische Stadium (nach den WHO-Kriterien Stufen 0 bis IV) beschreibt, wie weit sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet hat. Ein Grad-3-Tumor kann in einem niedrigen Stadium vorliegen, wenn er einzeln auftritt und keine Streuung nachweisbar ist — umgekehrt kann ein niedriger Grad mit einem fortgeschrittenen Stadium einhergehen.
Welche Symptome zeigt ein Hund mit Mastzelltumor Grad 3?
Häufig kommt es zu einer Allgemeinstörung, dem sogenannten paraneoplastischen Syndrom — Beschwerden, die durch vom Tumor abgegebene Stoffe entstehen: Appetitlosigkeit, erhöhte Körpertemperatur, Anämie (Blutarmut) und Stoffwechselstörungen. Darüber hinaus werden Erbrechen, Teerstuhl (schwarz verfärbter Kot als Zeichen einer Blutung im vorderen Magen-Darm-Trakt) und Geschwüre der Magen- oder Darmschleimhaut beschrieben, die in schweren Fällen zu einem Durchbruch der Wand führen können.
Wie geht man bei Verdacht auf einen Mastzelltumor Grad 3 vor?
Bewährt hat sich ein gestuftes Vorgehen: Zunächst wird eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen, damit der Pathologe die Diagnose sichert und den Grad einstuft. Bestätigt sich ein Grad 3, folgt die Ausbreitungsdiagnostik mit Ultraschalluntersuchung des Bauchraums und Röntgenaufnahme der Lunge, um zu prüfen, ob bereits Metastasen vorliegen. Vom Ergebnis hängt ab, ob operiert wird oder eine systemisch wirkende Behandlung im Vordergrund steht.
Sollte ein Mastzelltumor Grad 3 operiert werden?
Sind keine Metastasen nachweisbar, sollte der Tumor chirurgisch entfernt werden; wegen der starken Neigung zu Rezidiven und Metastasen empfiehlt sich anschließend eine Nachbehandlung. Sind bereits Tochtergeschwülste vorhanden, wird von einer Operation häufig abgeraten, da sich zwar der Primärtumor, nicht aber die Metastasen entfernen ließen — hier bietet sich eine systemisch wirkende Behandlung an. Ergänzend zu Operation, Bestrahlung und medikamentöser Behandlung kann die dendritische Zelltherapie in Betracht gezogen werden, bei der Zellen des Immunsystems eine gegen den Tumor gerichtete Abwehrreaktion anstoßen sollen; kontrollierte Vergleichsstudien dazu stehen noch aus.