Mastzelltumor beim Hund und Homöopathie
Homöopathie beim Mastzelltumor des Hundes bezeichnet den Einsatz stark verdünnter und in mehreren Schritten aufbereiteter — potenzierter — Zubereitungen nach dem Ähnlichkeitsprinzip. Der Wunsch, der hinter dieser Frage steht, ist gut nachvollziehbar: Nach der Diagnose Mastzelltumor beim Hund suchen viele Halter nach einer möglichst wenig eingreifenden Behandlung, zumal der Tumor meist als Knoten in oder unter der Haut auftritt und dadurch örtlich begrenzt wirkt. Die folgende Einordnung beschreibt, was sich zur Wirksamkeit sagen lässt, warum die vollständige Entfernung ihren Stellenwert behält und welche nicht-zytostatische, also nicht zellabtötende Behandlung tatsächlich zur Verfügung steht.
- Was Homöopathie beim Mastzelltumor leisten kann
- Die vollständige Entfernung bleibt die erste Wahl
- Sanfte Behandlung ist nicht gleich Naturheilkunde
- Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung
Was Homöopathie beim Mastzelltumor leisten kann
Für eine Wirksamkeit homöopathischer Mittel gegen den Mastzelltumor selbst liegen keine belastbaren Studiendaten vor. Kontrollierte Untersuchungen, die einen Rückgang der Tumormasse oder eine Verlängerung der Überlebenszeit zeigen würden, fehlen. Daraus folgt eine sachliche, keine abwertende Aussage: Eine alleinige homöopathische Behandlung ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht geeignet, einen Mastzelltumor zu kontrollieren.
Das bedeutet nicht, dass homöopathische Mittel keinen Platz hätten. Begleitend und in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt können sie eingesetzt werden, etwa mit dem Ziel, das Allgemeinbefinden zu unterstützen. Zwei Punkte sind dabei wesentlich: Die gegen den Tumor gerichtete Behandlung sollte dadurch nicht aufgeschoben werden, und die verwendeten Mittel sollten dem Behandler bekannt sein, damit sie sich mit der übrigen Medikation abstimmen lassen.
Der Zeitverlust ist beim Mastzelltumor der eigentliche Risikofaktor. Er wächst in der Regel infiltrativ, das heißt, Tumorzellen reichen über den tastbaren Knoten hinaus in das umgebende Gewebe. Die Streuung erfolgt zuerst in die zugehörigen Lymphknoten, danach in Haut, Milz und Leber. Je weiter dieser Vorgang fortgeschritten ist, desto aufwendiger wird die Behandlung und desto zurückhaltender ist die Prognose zu beurteilen.
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Die vollständige Entfernung bleibt die erste Wahl
Bei einem einzelnen, gut zugänglichen Mastzelltumor ist die chirurgische Entfernung — die Resektion — die Behandlung der ersten Wahl. Sie hat einen doppelten Nutzen: Sie entfernt das Tumorgewebe und liefert zugleich die Probe für die histologische Einstufung, also die Beurteilung des Malignitätsgrades unter dem Mikroskop. Erst dieses Grading erlaubt eine begründete Aussage darüber, wie der Verlauf einzuschätzen ist und ob eine weitere Behandlung folgen sollte.
Für niedriggradige Tumoren bis etwa 4 cm Durchmesser gelten ein seitlicher Sicherheitsabstand von 2 cm und in der Tiefe eine unversehrte Faszienschicht — die bindegewebige Hüllschicht unter der Unterhaut — als ausreichend. Unter diesen Bedingungen werden Rezidivraten, also Raten des erneuten Auftretens am selben Ort, von 0 bis 4 Prozent berichtet. Bei hochgradigen Mastzelltumoren liegt die Rezidivrate mit etwa 36 Prozent deutlich höher.
Sanfte Behandlung ist nicht gleich Naturheilkunde
Wer nach einer sanften oder natürlichen Behandlung fragt, meint in aller Regel etwas Bestimmtes: eine Behandlung ohne Zytostatika, also ohne zellteilungshemmende Medikamente. Dieser Wunsch lässt sich ernst nehmen, ohne auf ein Verfahren ohne belegte Wirkweise auszuweichen.
Die dendritische Zelltherapie ist ausdrücklich keine homöopathische und keine naturheilkundliche Behandlung. Es handelt sich um ein immunologisches Verfahren mit definierter Wirkweise: Dendritische Zellen sind Zellen des Immunsystems, deren Aufgabe darin besteht, Merkmale veränderter Zellen aufzunehmen und den T-Zellen — den Abwehrzellen der zellulären Immunantwort — zu präsentieren. Auf diesem Weg soll eine gegen die Tumorzellen gerichtete Abwehrreaktion angestoßen werden. Sie greift damit nicht in die Zellteilung ein, sondern setzt am Immunsystem an. Für Halter, die eine nicht-zytostatische Behandlung suchen, ist genau das die sinnvolle Option.
Dendritische Zelltherapie als ergänzende Behandlung
Die dendritische Zelltherapie empfiehlt sich als ergänzende Behandlung neben der Operation, der Bestrahlung und der medikamentösen Behandlung. Sie bietet sich vor allem dann an, wenn nach der Entfernung eines hochgradigen Mastzelltumors mit einer Ausbreitung über das Operationsgebiet hinaus zu rechnen ist, wenn nicht vollständig im Gesunden operiert werden konnte oder wenn eine zellabtötende Behandlung nicht infrage kommt.
Der Ablauf bleibt für Hund und Halter überschaubar:
- Beim Haustierarzt wird dem Hund Blut entnommen.
- Im Labor werden daraus dendritische Zellen gewonnen und auf die Tumormerkmale des Patienten ausgerichtet.
- Die Rückgabe erfolgt über den behandelnden Tierarzt.
Üblich sind drei Gaben im Abstand von jeweils vier Wochen. Ein Klinikaufenthalt ist dafür nicht erforderlich, eine Narkose ist nicht nötig. Zur Datenlage ist anzumerken: Die veröffentlichten Untersuchungen zu dendritischen Zellvakzinen beim Hund beziehen sich bislang überwiegend auf andere Tumorarten; für den Mastzelltumor liegen kontrollierte Vergleichsstudien nach derzeitigem Stand nicht vor. Erste eigene Ergebnisse liegen vor, und die vorhandenen Arbeiten sprechen für eine gute Verträglichkeit des Verfahrens. Ob die dendritische Zelltherapie im Einzelfall infrage kommt, lässt sich in einer Beratung gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt klären.
Weitere Seiten zum Thema: Ernährung bei Mastzelltumor, Lebenserwartung beim Mastzelltumor, Gutartiger Mastzelltumor.
Quellen
De Nardi AB et al. (2022): Diagnosis, Prognosis and Treatment of Canine Cutaneous and Subcutaneous Mast Cell Tumors. Cells 11(4):618. doi:10.3390/cells11040618
Milovancev M et al. (2019): Long-term outcomes of dogs undergoing surgical resection of mast cell tumors and soft tissue sarcomas: A prospective 2-year-long study. Vet Surg. doi:10.1111/vsu.13225
Kessler M, Gramer I (2022): Mastzelltumoren. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 329–340
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