Tumorerkrankung
Lebenserwartung - Malignes Melanom beim Hund
Die Lebenserwartung bei einem malignen Melanom beim Hund hängt vor allem von der Lokalisation (dem Sitz des Tumors), der Tumorgröße und dem Krankheitsstadium ab. Bei einem malignen Melanom handelt es sich um einen bösartigen Tumor der pigmentbildenden Zellen (Melanozyten), der dazu neigt, bereits früh Tochtergeschwülste (Metastasen) zu bilden — vor allem in den regionären Lymphknoten und in der Lunge. Pauschale Zahlen sind deshalb wenig aussagekräftig: Ein vollständig entferntes Melanom der behaarten Haut hat eine andere Prognose als ein fortgeschrittenes Melanom der Mundhöhle.
Lage, Größe und Stadium entscheiden
Das maligne Melanom kann an verschiedenen Stellen auftreten: an der behaarten Haut, in der Mundhöhle, an der Pfote — hier vor allem im Krallenbett — und am Auge. Die Lokalisation bestimmt maßgeblich das biologische Verhalten: Melanome der behaarten Haut sind mehrheitlich gutartig, während Melanome der Mundhöhle und des Krallenbetts überwiegend bösartig sind. Darüber hinaus spielen die Tumorgröße, der Befall der Lymphknoten und das Vorhandensein von Fernmetastasen (Tochtergeschwülsten in anderen Organen) eine entscheidende Rolle.
Mundhöhle: belegte Überlebenszeiten
Das maligne Melanom der Mundhöhle ist die aggressivste Verlaufsform. Nach chirurgischer Behandlung werden in der Literatur mediane Überlebenszeiten von etwa 17 bis 18 Monaten im Stadium I (Tumor unter 2 cm), etwa 5 bis 6 Monaten im Stadium II (2 bis 4 cm) und etwa 3 Monaten im Stadium III (über 4 cm oder Lymphknotenmetastasen) angegeben (Bergman et al.). Die Bedeutung der Tumorgröße zeigte bereits eine ältere Untersuchung von MacEwen et al.: Hunde mit oralen Melanomen unter 2 cm Durchmesser überlebten im Median 511 Tage, Hunde mit größeren Tumoren oder Lymphknotenbefall nur 164 Tage. Auch die Lage im Maul spielt eine Rolle: Je weiter vorne (rostral) der Tumor sitzt, desto eher ist eine vollständige Entfernung möglich — und desto besser ist tendenziell die Prognose. Ausführliche Informationen finden sich auf der Seite zum Melanom in der Maulhöhle.
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Pfote und Krallenbett
Melanome des Krallenbetts sind überwiegend bösartig. Bei 30 bis 40 % der Hunde liegen bereits bei der Erstvorstellung Metastasen vor. Nach einer Zehenamputation werden mediane Überlebenszeiten von etwa 12 Monaten und Ein-Jahres-Überlebensraten von 42 bis 57 % berichtet (Marino et al., Henry et al.). Für die selteneren Melanome der Fußballen fand eine multizentrische Untersuchung von Jeon et al. an 20 Hunden eine mediane Überlebenszeit von 240 Tagen; mehr als die Hälfte der Tiere entwickelte Metastasen.
Behaarte Haut
Melanome der behaarten Haut verhalten sich mehrheitlich gutartig. Nach vollständiger chirurgischer Entfernung ist die Lebenserwartung in diesen Fällen in der Regel nicht eingeschränkt. Ob ein Hautmelanom bösartig ist, beurteilt der Pathologe anhand feingeweblicher Kriterien wie der Mitoserate (der Zahl der Zellteilungen im Gewebeschnitt) (Smedley et al.).
Auge
Melanozytäre Tumoren im Inneren des Auges metastasieren selten: In einer Untersuchung von Wilcock und Peiffer an 91 Hunden lag die Metastasierungsrate unter 5 %. Die Lebenserwartung wird hier meist nicht durch eine Streuung begrenzt; im Vordergrund steht die Gefahr für das Auge selbst, etwa durch ein Glaukom (eine krankhafte Erhöhung des Augeninnendrucks).
Behandlung und Lebenserwartung
Der erste Behandlungsschritt ist in den meisten Fällen die chirurgische Entfernung des Tumors mit ausreichendem Sicherheitsabstand. Auch nach vollständiger Entfernung können einzelne Tumorzellen im Körper verbleiben; regelmäßige Nachkontrollen sind deshalb wichtig. Bei nicht vollständig entfernbaren oder inoperablen Melanomen kann eine Strahlentherapie in Betracht gezogen werden; sie erzielt vor allem beim oralen Melanom häufig ein gutes lokales Ansprechen. Für die Chemotherapie ist eine Verlängerung der Überlebenszeit beim malignen Melanom nicht belegt. Die Elektrochemotherapie (eine Kombination aus lokal verabreichtem Chemotherapeutikum und elektrischen Impulsen) wird zunehmend untersucht; die Datenlage ist noch begrenzt. Nach der vollständigen operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim malignen Melanom des Hundes liegen bislang nicht vor. Unabhängig von der gewählten Behandlung gilt: Je früher ein malignes Melanom erkannt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose.
Quellen
Bergman PJ, Selmic LE, Kent MS (2020): Melanoma. In: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology. 6. Aufl., St. Louis, MO, Elsevier, 367–381.
MacEwen EG et al. (1986): Canine oral melanoma: comparison of surgery versus surgery plus Corynebacterium parvum. Cancer Invest 4(5):397–402.
Marino DJ et al. (1995): Evaluation of dogs with digit masses: 117 cases (1981–1991). J Am Vet Med Assoc 207(6):726–728.
Henry CJ et al. (2005): Canine digital tumors: a veterinary cooperative oncology group retrospective study of 64 dogs. J Vet Intern Med 19(5):720–724.
Jeon M et al. (2022): Multi-institutional retrospective study of canine foot pad malignant melanomas: 20 cases. Vet Comp Oncol 20(4):854–861.
Wilcock BP, Peiffer RL (1986): Morphology and behavior of primary ocular melanomas in 91 dogs. Vet Pathol 23(4):418–424.
Smedley RC et al. (2022): Diagnosis and histopathologic prognostication of canine melanocytic neoplasms: A consensus of the Oncology-Pathology Working Group. Vet Comp Oncol 20(4):739–751.
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Häufige Fragen
Wie lange lebt ein Hund mit einem malignen Melanom?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht — die Lebenserwartung hängt vor allem von der Lokalisation (dem Sitz des Tumors), der Tumorgröße und dem Krankheitsstadium ab. Ein vollständig entferntes Melanom der behaarten Haut schränkt die Lebenserwartung in der Regel nicht ein, während beim Melanom der Mundhöhle je nach Stadium mediane Überlebenszeiten von etwa 3 bis 18 Monaten angegeben werden. Je früher ein malignes Melanom erkannt und behandelt wird, desto besser ist tendenziell die Prognose.
Wie lange lebt ein Hund mit einem Melanom in der Maulhöhle?
Nach chirurgischer Behandlung werden mediane Überlebenszeiten von etwa 17 bis 18 Monaten im Stadium I (Tumor unter 2 cm), etwa 5 bis 6 Monaten im Stadium II (2 bis 4 cm) und etwa 3 Monaten im Stadium III (über 4 cm oder Lymphknotenmetastasen) angegeben. In einer älteren Untersuchung überlebten Hunde mit oralen Melanomen unter 2 cm im Median 511 Tage, Hunde mit größeren Tumoren oder Lymphknotenbefall nur 164 Tage. Je weiter vorne (rostral) der Tumor im Maul sitzt, desto eher ist eine vollständige Entfernung möglich — und desto besser ist tendenziell die Prognose.
Wie ist die Lebenserwartung beim Melanom an der Pfote oder im Krallenbett?
Melanome des Krallenbetts sind überwiegend bösartig; bei 30 bis 40 % der Hunde liegen bereits bei der Erstvorstellung Metastasen (Tochtergeschwülste) vor. Nach einer Zehenamputation werden mediane Überlebenszeiten von etwa 12 Monaten und Ein-Jahres-Überlebensraten von 42 bis 57 % berichtet. Für die selteneren Melanome der Fußballen fand eine Untersuchung an 20 Hunden eine mediane Überlebenszeit von 240 Tagen.
Metastasiert ein malignes Melanom beim Hund schnell?
Das maligne Melanom neigt dazu, bereits früh Tochtergeschwülste (Metastasen) zu bilden — vor allem in den regionären Lymphknoten und in der Lunge. Das Risiko hängt jedoch stark von der Lokalisation ab: Melanome der Mundhöhle und des Krallenbetts sind überwiegend bösartig, während melanozytäre Tumoren im Inneren des Auges in einer Untersuchung an 91 Hunden in unter 5 % der Fälle metastasierten.
Ist ein Melanom beim Hund heilbar?
Das hängt vom Sitz des Tumors ab: Melanome der behaarten Haut verhalten sich mehrheitlich gutartig, und nach vollständiger chirurgischer Entfernung ist die Lebenserwartung in diesen Fällen in der Regel nicht eingeschränkt. Beim malignen Melanom — etwa der Mundhöhle oder des Krallenbetts — können auch nach vollständiger Entfernung einzelne Tumorzellen im Körper verbleiben; regelmäßige Nachkontrollen sind deshalb wichtig.
Welche Behandlung verlängert die Lebenserwartung beim Melanom?
Der erste Schritt ist in den meisten Fällen die chirurgische Entfernung mit ausreichendem Sicherheitsabstand; bei inoperablen Melanomen kann eine Strahlentherapie in Betracht gezogen werden, die vor allem beim oralen Melanom häufig ein gutes lokales Ansprechen erzielt. Für die Chemotherapie ist eine Verlängerung der Überlebenszeit beim malignen Melanom nicht belegt. Nach der vollständigen Operation kann die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung sein, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren; kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim malignen Melanom des Hundes liegen bislang allerdings nicht vor.