Melanom beim Hund

Bei einem Melanom beim Hund handelt es sich um einen Tumor der Melanozyten, also der Pigmentzellen. Melanome können gutartig sein — dann spricht man auch vom Melanozytom — oder bösartig als malignes Melanom. Welche der beiden Formen wahrscheinlicher ist, hängt vor allem vom Ort ab: Melanome der behaarten Haut verhalten sich überwiegend gutartig, während Melanome in der Maulhöhle, am Krallenbett und an den Übergängen von Haut zu Schleimhaut überwiegend bösartig sind und früh metastasieren, also Tochtergeschwülste bilden. Diese Ortsregel ist der wichtigste erste Anhaltspunkt bei jedem pigmentierten Knoten.

Inhaltsverzeichnis

Auftreten und Rassedisposition

Melanome treten überwiegend bei älteren Hunden auf; für die Hautform liegt das Durchschnittsalter bei etwa 9 bis 10 Jahren, beim oralen Melanom bei 11 bis 12 Jahren. Beschrieben sind Rassehäufungen unter anderem für Airedale und Scottish Terrier, Schnauzer, Cocker Spaniel, Pudel, Chow-Chow und Golden Retriever; stark pigmentierte, dunkle Hunde erkranken häufiger. Die Angaben zu einzelnen Rassen schwanken zwischen den Untersuchungen und sind entsprechend zurückhaltend zu bewerten.

Lokalisationen und ihre Bedeutung

  • Behaarte Haut — an Rumpf, Kopf und Gliedmaßen: Die Mehrzahl dieser Melanome ist gutartig und mit der vollständigen Entfernung geheilt.
  • Maulhöhle — der häufigste bösartige Maulhöhlentumor des Hundes (30 bis 40 % der oralen Tumoren): örtlich aggressiv, früh metastasierend.
  • Pfote, Zehen und Krallenbett — überwiegend bösartig, mit Metastasen bei 30 bis 40 % der Hunde schon bei der Erstvorstellung.
  • Auge und Augenumgebung — die Melanome der vorderen Uvea (Regenbogen- und Strahlenkörper) sind überwiegend gutartig und metastasieren selten; entscheidend ist die Kontrolle des Augeninnendrucks.
  • Übergänge von Haut zu Schleimhaut — Lefzen, Augenlider, Anal- und Genitalbereich, Hodensack: hier überwiegen bösartige Formen.

Symptome

Typisch ist ein dunkler, mitunter aber auch unpigmentierter (amelanotischer) Knoten. Warnzeichen sind rasches Wachstum, offene oder blutende Stellen, Farb- oder Formveränderungen bestehender „Muttermale” sowie — je nach Ort — Mundgeruch und Zahnfleischbluten, Lahmheit bei Sitz an der Pfote oder Sehstörungen bei Sitz im Auge. Die Krankheitszeichen im Einzelnen beschreibt die Seite zu den Symptomen vom Melanom beim Hund.

Diagnose

Die Diagnose sichert die Gewebeprobe (Biopsie) mit feingeweblicher Untersuchung. Weil Melanome schon ab geringer Größe streuen können, gehört bei bösartigem oder unklarem Befund das Staging dazu: Untersuchung und gegebenenfalls Probenentnahme der regionären Lymphknoten sowie Röntgen oder CT des Brustkorbs zur Suche nach Lungenmetastasen.

Für die Vorhersage des Verhaltens hat sich die feingewebliche Prognostik etabliert, die die Oncology-Pathology Working Group in einem Konsensuspapier zusammengefasst hat (Smedley et al. 2022): Maßgeblich sind vor allem die Zellteilungsrate (Mitosezahl), der Anteil atypischer Zellkerne und der Wachstumsmarker Ki67; daneben fließen Pigmentierung, Geschwürbildung und Infiltrationstiefe ein. Diese Parameter erlauben gerade bei Melanomen der Haut eine gute Trennung zwischen harmlosen und gefährlichen Formen.

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Stadieneinteilung

Die Tumorstadien des Melanoms werden nach dem TNM-Schema bestimmt:

TPrimärtumor 
 T1Tumordurchmesser bis 2 cm
 T2Tumordurchmesser 2 bis 4 cm
 T3Tumordurchmesser über 4 cm
NRegionale Lymphknoten 
 N0Kein Tumor-Nachweis
 N1Histologischer Nachweis
 N2Lymphknoten knotig verändert
MFernmetastasen 
 M0kein Nachweis von Fernmetastasen
 M1Fernmetastasen nachgewiesen

Daraus folgt die Einteilung der Erkrankungsstadien: Stadium I (T1 N0 M0), Stadium II (T2 N0 M0), Stadium III (T2 N1 M0 oder T3 N0 M0) und Stadium IV (jedes T und N bei M1).

Behandlung

Chirurgie: Die vollständige Entfernung mit Sicherheitsabstand ist die Behandlung der Wahl — beim gutartigen Hautmelanom zugleich die Heilung. Beim malignen Melanom werden nachweislich befallene Lymphknoten mit entfernt.

Strahlentherapie: Das Melanom gilt als strahlenempfindlich; die Bestrahlung kommt vor allem beim oralen Melanom und nach unvollständiger Entfernung zum Einsatz.

Chemotherapie: Ihre Rolle ist gering. In der Untersuchung von Rassnick et al. (2001) sprachen unter Carboplatin 28 % der messbaren Melanome an, das Ansprechen war jedoch meist kurzlebig; ein Überlebensvorteil einer anschließenden (adjuvanten) Chemotherapie ist nicht belegt.

Elektrochemotherapie: ein lokales Verfahren, das zunehmend — auch während der Operation — eingesetzt wird; die Erfahrung ist auf spezialisierte Zentren begrenzt.

Dendritische Zelltherapie: Nach der operativen Entfernung eines malignen Melanoms ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren — gerade bei dieser früh streuenden Tumorart setzt sie an der Metastasierungsneigung an. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist mit Chirurgie und Strahlentherapie kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Melanom des Hundes liegen bislang nicht vor.

Melanom-Vakzine Oncept

Oncept ist eine DNA-Vakzine auf Basis des menschlichen Tyrosinase-Gens, die in den USA seit 2010 zur Behandlung des oralen Melanoms zugelassen ist. In der EU ist sie nicht regulär verfügbar; der europäische Zulassungsantrag wurde 2014 zurückgezogen. Die Studienlage zur Wirksamkeit ist uneinheitlich: Einer unterstützenden Untersuchung gegen historische Kontrollen (Grosenbaugh et al. 2011) stehen retrospektive Auswertungen ohne nachweisbaren Überlebensvorteil gegenüber (Ottnod et al. 2013; Boston et al. 2014). Eine aktuelle Literaturübersicht kommt zum Schluss, dass die publizierten Daten gemischt sind — bei guter Verträglichkeit ist ein Wirksamkeitsnachweis bislang nicht erbracht (Pellin 2022).

Lebenserwartung

Beim gutartigen Melanom der behaarten Haut ist die Lebenserwartung nach vollständiger Entfernung in der Regel nicht eingeschränkt. Beim malignen Melanom hängt sie von Ort, Größe und Stadium ab — die klassische Untersuchung von MacEwen et al. (1986) fand beim oralen Melanom mediane Überlebenszeiten von 511 Tagen bei Tumoren unter 2 cm gegenüber 164 Tagen bei größeren Tumoren oder Lymphknotenbefall. Ausführlich, auch mit den Stadienwerten, informiert die Seite zur Lebenserwartung beim Melanom des Hundes.

Quellen

  • Bergman PJ, Selmic LE, Kent MS (2020): Melanoma, in: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.), Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 367–381
  • Kessler M, Gramer I (2022): Melanozytäre Tumoren, in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 342–344
  • Smedley RC et al. (2022): Diagnosis and histopathologic prognostication of canine melanocytic neoplasms: A consensus of the Oncology-Pathology Working Group, Vet Comp Oncol 20(4):739–751, doi: 10.1111/vco.12827
  • MacEwen EG et al. (1986): Canine oral melanoma: comparison of surgery versus surgery plus levamisole, Cancer Invest 4(5):397–402
  • Rassnick KM et al. (2001): Use of carboplatin for treatment of dogs with malignant melanoma: 27 cases (1989–2000), J Am Vet Med Assoc 218(9):1444–1448
  • Grosenbaugh DA et al. (2011): Safety and efficacy of a xenogeneic DNA vaccine encoding for human tyrosinase as adjunctive treatment for oral malignant melanoma in dogs following surgical excision of the primary tumor, Am J Vet Res 72(12):1631–1638
  • Ottnod JM et al. (2013): A retrospective analysis of the efficacy of Oncept vaccine for the adjunct treatment of canine oral malignant melanoma, Vet Comp Oncol 11(3):219–229, doi: 10.1111/vco.12057
  • Boston SE et al. (2014): Efficacy of systemic adjuvant therapies administered to dogs after excision of oral malignant melanomas: 151 cases (2001–2012), J Am Vet Med Assoc 245(4):401–407
  • Pellin MA (2022): The Use of Oncept Melanoma Vaccine in Veterinary Patients: A Review of the Literature, Vet Sci 9(11):597, doi: 10.3390/vetsci9110597

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