Tumorerkrankung
Herztumor beim Hund: Lebenserwartung und Prognose
Die Lebenserwartung bei einem Herztumor lässt sich für den einzelnen Hund nicht pauschal festlegen. Sie hängt vor allem davon ab, welche Tumorart vorliegt, ob der Herzbeutel dauerhaft entlastet werden kann und in welchem Allgemeinzustand sich der Hund befindet. Der Tierarzt oder der behandelnde Spezialist muss die Einschätzung deshalb immer aus der individuellen Situation heraus treffen.
Diese Seite befasst sich ausschließlich mit Prognose und Lebenserwartung. Wie ein Herztumor entsteht, welche Symptome er macht und wie er festgestellt wird, ist auf der Seite zum Herztumor beim Hund beschrieben.
Was die Lebenserwartung bestimmt
Betroffen von Herztumoren sind vor allem mittelalte bis alte Hunde im Alter von 7 bis 15 Jahren. Die überwiegende Anzahl der Herztumoren ist bösartig; besonders häufig werden Hämangiosarkome und Chemodektome gefunden.
Maßgeblich für die Lebenserwartung sind:
- die Tumorart — sie ist der wichtigste einzelne Faktor
- die Lage des Tumors und ob er die Herzfüllung mechanisch behindert
- ob ein Perikarderguss vorliegt und ob er sich beherrschen lässt
- ob bereits Metastasen in Milz, Leber oder Lunge nachweisbar sind
- der Zeitpunkt der Diagnose — in den Anfangsstadien ist eine Behandlung in der Regel wirksamer, weil die Organfunktion noch nicht stark gestört ist
- Alter und Begleiterkrankungen des Hundes
Prognose nach Tumorart
Hämangiosarkom des rechten Vorhofs
Das Hämangiosarkom ist die häufigste Form und zugleich die mit der ungünstigsten Prognose. Es geht von der inneren Auskleidung der Blutgefäße aus, wächst schnell und neigt zu Einblutungen in den Herzbeutel. Weisse et al. beschreiben nach chirurgischer Entfernung mediane Überlebenszeiten von etwa vier Monaten; in Kombination mit einer anschließenden Chemotherapie lagen sie etwas höher. Diese Zahlen stammen aus einer kleinen Fallserie und sind entsprechend vorsichtig zu lesen — die Richtung, die sie anzeigen, ist jedoch eindeutig: Beim Hämangiosarkom des Herzens sprechen wir in der Regel von Monaten, nicht von Jahren.
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Herzbasistumor und Chemodektom
Deutlich besser sieht es beim Herzbasistumor aus, zu dem das Chemodektom gehört. Diese Tumoren wachsen langsam und metastasieren selten; das Problem ist weniger der Tumor selbst als der Perikarderguss, den er verursacht. Ehrhart et al. berichten über mediane Überlebenszeiten von rund zwei Jahren, wenn der Herzbeutel operativ entlastet wurde — gegenüber wenigen Wochen bei Hunden, bei denen dies nicht erfolgte. Ein Herzbasistumor ist damit eine Diagnose, bei der sich für den Hund oft noch viel gemeinsame Zeit gewinnen lässt.
Metastasen am Herzen
Es wird angenommen, dass ungefähr jeder fünfte bis jeder zweite Herztumor beim Hund eine Metastase aus einem anderen Organ ist. In diesem Fall bestimmt die Grunderkrankung die Prognose, nicht die Veränderung am Herzen.
Warum die Entlastung des Herzbeutels so viel ausmacht
So selten der Herztumor ist, so gefährlich ist er. Meist kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel, die die Pumpfunktion des Herzens erheblich einschränkt und die Leistungsfähigkeit des Tieres stark vermindert. Wächst der Tumor weiter, entsteht daraus eine lebensbedrohliche Situation.
Genau hier liegt der größte Hebel: Wird die Flüssigkeit abgelassen und, wo möglich, ein Perikardfenster angelegt, kann sich das Herz wieder füllen. Bei langsam wachsenden Herzbasistumoren erklärt das den großen Unterschied in den Überlebenszeiten — der Hund stirbt in diesen Fällen nicht am Tumorwachstum, sondern an dessen mechanischer Folge.
Austherapiert?
Ist ein Hund sehr alt und sein Körper von der Tumorerkrankung erheblich geschwächt, rät der Tierarzt mitunter von einer intensiven Behandlung ab. Eine chirurgische Behandlung ist nur in seltenen Fällen möglich, und auch Chemotherapie oder Strahlentherapie kommen häufig nicht in Frage.
Dass die Lebenserwartung mit den herkömmlichen Verfahren nicht mehr erhöht werden kann, bedeutet jedoch nicht, dass nichts mehr getan werden kann. Schonende Immuntherapien können auch in Fällen, die zunächst hoffnungslos erscheinen, noch etwas bewirken. Und unabhängig davon bleibt immer der Weg, dem Hund durch Entlastung des Herzbeutels und eine gute medikamentöse Einstellung Beschwerdefreiheit zu verschaffen. Lebensqualität steht in dieser Phase an erster Stelle — eine gewonnene Woche, in der es Ihrem Hund gut geht, wiegt schwerer als ein Monat, in dem er leidet.
Dendritische Zelltherapie beim Herztumor
Die dendritische Zelltherapie fußt auf körpereigenen Zellen. Diese stärken das Immunsystem des betroffenen Tieres und regen es zum erneuten Kampf gegen die Tumorzellen an. Ziel ist es, die Lebenserwartung zu erhöhen und dabei die Lebensqualität zu erhalten oder zu steigern.
Beim Herztumor ist sie besonders naheliegend, weil Operation und Bestrahlung hier meist ausscheiden. Die Nebenwirkungen sind äußerst gering, sodass für den Hund keine zusätzliche Belastung entsteht. Auch die Rahmenbedingungen zahlen auf die Lebensqualität ein: Es sind keine langen Fahrten in spezialisierte Kliniken notwendig, die Behandlung kann beim gewohnten Haustierarzt erfolgen. Die Kosten sind mit denen einer Chemotherapie vergleichbar und häufig günstiger.
Quellen
Weisse C et al. (2005): Survival times in dogs with right atrial hemangiosarcoma treated by means of surgical resection with or without adjuvant chemotherapy: 23 cases (1986–2000), J Am Vet Med Assoc 226(4):575–579
Ehrhart N et al. (2002): Analysis of factors affecting survival in dogs with aortic body tumors, J Am Anim Hosp Assoc 38(6):521–527
Wess G et al. (2022): Kardiale und perikardiale Tumoren. In: Kessler M: Kleintieronkologie, 4. Auflage, Thieme, Stuttgart, 599–604
Burton JH, Stern JA (2020): Neoplasia of the Heart. In: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., Elsevier, St. Louis, MO, 787–791
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Häufige Fragen
Wie lange lebt ein Hund mit einem Herztumor?
Das hängt vor allem von der Tumorart ab. Beim Hämangiosarkom des rechten Vorhofs beschreiben Weisse et al. nach der Operation mediane Überlebenszeiten von etwa vier Monaten, mit ergänzender Chemotherapie etwas länger. Beim langsam wachsenden Herzbasistumor werden nach Entlastung des Herzbeutels dagegen mediane Überlebenszeiten von rund zwei Jahren berichtet.
Welcher Herztumor hat die beste Prognose?
Der Herzbasistumor, zu dem das Chemodektom gehört. Diese Tumoren wachsen langsam und metastasieren selten; das eigentliche Problem ist der Perikarderguss, den sie verursachen. Ehrhart et al. berichten von rund zwei Jahren medianer Überlebenszeit nach operativer Entlastung des Herzbeutels gegenüber wenigen Wochen ohne diesen Eingriff.
Warum verbessert die Entlastung des Herzbeutels die Lebenserwartung so deutlich?
Der Herzbeutel ist wenig dehnbar. Füllt er sich mit Flüssigkeit, drückt diese von außen auf das Herz und behindert dessen Füllung, was die Pumpfunktion erheblich einschränkt. Wird die Flüssigkeit abgelassen und wo möglich ein Perikardfenster angelegt, kann sich das Herz wieder füllen — bei langsam wachsenden Tumoren stirbt der Hund sonst nicht am Tumor, sondern an dessen mechanischer Folge.
Sind Herztumore beim Hund bösartig?
Die überwiegende Anzahl der Herztumoren ist bösartig; besonders häufig werden Hämangiosarkome und Chemodektome gefunden. Betroffen sind vor allem mittelalte bis alte Hunde im Alter von 7 bis 15 Jahren. Es wird zudem angenommen, dass ungefähr jeder fünfte bis jeder zweite Herztumor eine Metastase aus einem anderen Organ ist — dann bestimmt die Grunderkrankung die Prognose.
Was bedeutet es, wenn mein Hund mit Herztumor als austherapiert gilt?
Bei sehr alten, geschwächten Hunden rät der Tierarzt mitunter von einer intensiven Behandlung ab; eine Operation ist nur selten möglich, und auch Chemo- oder Strahlentherapie kommen häufig nicht in Frage. Die Hoffnung muss deshalb nicht aufgegeben werden: Die Entlastung des Herzbeutels und eine gute medikamentöse Einstellung verschaffen Beschwerdefreiheit, und Immuntherapien können auch in zunächst hoffnungslos erscheinenden Fällen noch etwas bewirken.
Kann die dendritische Zelltherapie die Lebenserwartung beim Herztumor verbessern?
Die dendritische Zelltherapie arbeitet mit körpereigenen Zellen, die das Immunsystem stärken und zum Kampf gegen die Tumorzellen anregen; Ziel ist es, die Lebenserwartung zu erhöhen und dabei die Lebensqualität zu erhalten oder zu steigern. Beim Herztumor ist sie besonders naheliegend, weil Operation und Bestrahlung hier meist ausscheiden. Die Nebenwirkungen sind äußerst gering, und die Behandlung kann beim gewohnten Haustierarzt erfolgen.