Lebererkrankung beim Hund

Bei einer Lebererkrankung des Hundes handelt es sich um jede Störung, die das Lebergewebe schädigt oder seine Stoffwechselleistung beeinträchtigt. Die Leber verfügt über rund 1.500 verschiedene Funktionen im Stoffwechsel und macht etwa 3 % des Körpergewichts aus: Sie ist an Verdauung, Entgiftung, Blutgerinnung sowie am Auf- und Abbau von Nährstoffen beteiligt. Erkrankungen dieses Organs sind bei Hunden weit verbreitet — und werden häufig erst spät erkannt.

Warum Lebererkrankungen spät auffallen

Die Leber besitzt erhebliche Reservekapazitäten und eine große Fähigkeit zur Regeneration. Funktionsstörungen, die durch eine Erkrankung entstehen, gleicht sie bis zu einem gewissen Punkt selbst aus — deshalb treten Symptome erst verzögert auf. Von außen lässt sich die Leber normalerweise nur teilweise ertasten; deutlich tastbar wird sie erst, wenn es zu einer Schwellung oder einer Stauung kommt.

Hinzu kommt: Die Leber ist an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt. Je nachdem, welcher Stoffwechselkreislauf gestört ist, entstehen ganz unterschiedliche Krankheitsbilder. Das erklärt, warum die ersten Anzeichen so unspezifisch ausfallen und warum die Erkrankung oft erst dann bemerkt wird, wenn das Organ bereits erheblich geschädigt ist.

Welche Lebererkrankungen gibt es beim Hund?

Die Erkrankungen der Leber lassen sich in vier Gruppen einteilen — von der reinen Entzündung bis zur Absiedlung eines Tumors aus einem anderen Organ:

GruppeErkrankung
Nicht neoplastische Erkrankungen (ohne Tumorbildung)Reaktive Hepatitis

Chronische Hepatitis

Leberzirrhose

Akute Hepatitis

Lobuläre Hepatitis

Primäre LebertumorenLeberzellkarzinome

Leberzelladenome

Hämangiosarkome

Hämatopoetische Tumoren mit Leberbeteiligung (aus dem blutbildenden System)Malignes Lymphom
Metastasen von Tumoren anderer OrganeHämangiosarkome

Insulinome

Pankreaskarzinome

Melanome

Quelle: Kellermann B (2020)

Wie diese Übersicht zeigt, können die verschiedensten Krankheitsprozesse die Leber treffen. Umso wichtiger ist es, dass die einzelnen Erkrankungen bei der Untersuchung sicher voneinander unterschieden werden — nur dann lässt sich die richtige Behandlung einleiten. Eine Hepatitis (Leberentzündung) wird eben anders behandelt als ein Lebertumor.

Symptome

Bei der überwiegenden Zahl der Patienten zeigen sich zunächst unspezifische Symptome. Dazu gehören Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Apathie und Trägheit sowie eine verminderte Ausdauer. Viele Hunde trinken auffällig viel und setzen entsprechend häufiger Urin ab. Häufig nicht richtig gedeutet werden zudem die Schmerzattacken, die das Tier durch die Lebererkrankung erleidet.

Mögliche Symptome von Lebererkrankungen bei Hunden auf einen Blick:

  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Trägheit, Apathie und verminderte Ausdauer
  • Erhöhte Flüssigkeitsaufnahme
  • Vermehrter Absatz von Urin
  • Gelbfärbung der Schleimhäute (Ikterus)
  • Zuckungen in den Muskeln
  • Krämpfe
  • Wasser im Bauch (Aszites)

Im späteren Verlauf kommt es häufiger zu einer Gelbfärbung der Schleimhäute — sie lässt sich vor allem bei der Leberinsuffizienz beobachten, also bei einer unzureichenden Leistung der Leber. Ist das Krankheitsbild weit fortgeschritten, können auch neurologische Ausfälle auftreten: Weil die geschädigte Leber Stoffwechselprodukte nicht mehr ausreichend entgiftet, wirken diese auf das Gehirn.

Diagnose

Die endgültige Diagnose, ob und unter welcher Lebererkrankung Ihr Hund leidet, kann nur der Tierarzt stellen. Am Anfang stehen in der Regel eine Blut- und eine Urinuntersuchung; verändert sind dabei häufig die Leberwerte. Vermutet der Tierarzt eine Veränderung des Gewebes, eventuell auch einen Tumor, kommen bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder Computertomographie hinzu. Entscheidend ist, dass die verschiedenen Erkrankungen dabei sicher unterschieden werden.

Behandlung

Wie sich die Behandlung gestaltet, hängt von der jeweiligen Diagnose ab. Nach der Untersuchung wird ein Behandlungsplan erstellt; dieser kann einen chirurgischen Eingriff beinhalten, wenn es sich um einen gut erreichbaren, umschriebenen Prozess handelt.

In der Regel wird zudem die Ernährung umgestellt. Durch ein auf die jeweilige Lebererkrankung ausgerichtetes Futter kann das geschwächte Organ gestärkt und in seinen natürlichen Funktionen unterstützt werden; sinnvoll sind dabei Spezialdiäten und leberstützende Ergänzungsfuttermittel, deren Auswahl der Tierarzt anhand der veränderten Leberenzyme trifft.

Bei Lebererkrankungen mit Tumorbezug kann die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie nutzt das körpereigene Abwehrsystem, ist für den Hund schonend und hat sich auch in Situationen bewährt, in denen eine Operation nicht mehr durchgeführt werden konnte. Hier liegen umfangreiche Behandlungserfahrungen vor.

Prognose und Verlauf

Die Prognose hängt davon ab, welche Erkrankung vorliegt und wie weit sie fortgeschritten ist. Die hohe Regenerationsfähigkeit der Leber spielt dabei für Ihren Hund: Ist die Schädigung nicht zu groß und die Erkrankung nicht zu aggressiv, verläuft die Gesundung nach den Erfahrungen aus der Praxis in etwa 80 % der Fälle positiv. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Aussichten.

Anders sieht es aus, wenn große Teile des Lebergewebes bereits zerstört sind oder ein bösartiger Tumor zugrunde liegt. Dann rücken Fragen nach Lebenserwartung und Endstadium in den Vordergrund. Für die Situation beim Lebertumor sind sie ausführlich beschrieben unter Lebenserwartung beim Hund mit Lebertumor und Leberkrebs beim Hund im Endstadium. Maßstab bleibt in jeder Phase, wie es Ihrem Hund geht: ob er frisst, ob er schmerzfrei ist, ob er noch Anteil nimmt. Diese Frage müssen Sie nicht allein beantworten — Ihr Tierarzt kann den Zustand der Leber einordnen und Ihnen sagen, was er im Verlauf erwartet.

Bei älteren Hunden wirkt sich eine Lebererkrankung in der Regel stärker aus, weil der Körper insgesamt geschwächter ist. Was dabei zu beachten ist, lesen Sie unter Lebererkrankung beim alten Hund.

Quellen

  • Kellermann B (2020): Myelolipom der Leber beim Hund. Der Praktische Tierarzt 101, Heft 03/2020, 230–240

Häufige Fragen

Wie erkenne ich eine Lebererkrankung bei meinem Hund?

Anfangs zeigen sich in der Regel nur unspezifische Symptome wie Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Apathie und verminderte Ausdauer. Viele Hunde trinken außerdem übermäßig viel und setzen entsprechend häufiger Urin ab. Im späteren Verlauf können eine Gelbfärbung der Schleimhäute, Muskelzuckungen, Krämpfe oder Wasser im Bauch hinzukommen.

Warum wird eine Lebererkrankung beim Hund oft erst spät entdeckt?

Die Leber besitzt erhebliche Reservekapazitäten und regeneriert sich sehr gut. Funktionsstörungen gleicht sie bis zu einem gewissen Punkt selbst aus, sodass Symptome erst verspätet auftreten. Da sie zudem an vielen Stoffwechselprozessen beteiligt ist, entstehen je nach gestörtem Kreislauf ganz unterschiedliche Krankheitsbilder.

Welche Lebererkrankungen gibt es beim Hund?

Unterschieden werden nicht neoplastische Erkrankungen (also ohne Tumorbildung) wie akute, chronische, reaktive oder lobuläre Hepatitis und Leberzirrhose, primäre Lebertumoren wie Leberzellkarzinome, Leberzelladenome und Hämangiosarkome sowie hämatopoetische Tumoren mit Leberbeteiligung wie das maligne Lymphom. Hinzu kommen Metastasen anderer Tumoren, etwa von Insulinomen, Pankreaskarzinomen oder Melanomen.

Wie stellt der Tierarzt fest, ob mein Hund eine Lebererkrankung hat?

In der Regel über eine Blut- und Urinuntersuchung, bei der häufig veränderte Leberwerte auffallen. Besteht der Verdacht auf eine Veränderung des Gewebes, eventuell auch einen Tumor, kommen bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder Computertomographie hinzu.

Wie stehen die Heilungschancen bei einer Lebererkrankung des Hundes?

Die Leber besitzt eine hohe Regenerationsfähigkeit. Ist die Schädigung nicht zu groß und die Erkrankung nicht zu aggressiv, verläuft die Gesundung nach den Erfahrungen aus der Praxis in etwa 80 % der Fälle positiv. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Aussichten.

Woran erkenne ich, dass es meinem Hund im weiteren Verlauf schlecht geht?

Sind große Teile des Lebergewebes zerstört, können eine deutliche Gelbfärbung der Schleimhäute, Wasser im Bauch, Krämpfe und neurologische Ausfälle auftreten — letztere, weil die geschädigte Leber Stoffwechselprodukte nicht mehr ausreichend entgiftet. Maßstab bleibt, wie es Ihrem Hund geht: ob er frisst, schmerzfrei ist und noch Anteil nimmt. Ihr Tierarzt kann den Zustand der Leber einordnen und Ihnen sagen, was im Verlauf zu erwarten ist.

Wie wird eine Lebererkrankung beim Hund behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Diagnose — ein Lebertumor wird anders behandelt als eine Leberinsuffizienz, also eine unzureichende Leberleistung. Bei einem gut erreichbaren, umschriebenen Prozess kann ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein. In der Regel wird zudem die Ernährung auf eine Leberdiät umgestellt. Bei Lebererkrankungen mit Tumorbezug kann die dendritische Zelltherapie eine schonende Ergänzung sein, auch dann, wenn eine Operation nicht mehr möglich ist.

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